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Hotel 'Olympus'

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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Collin Jefferson am Di 20 Jan - 0:37:25

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
ca. 2 Uhr
Collin Jefferson, Aurora Stonem & Meg Coneman

Auf seinen gut gemeinten Rat schien Miss Stonem zu pfeifen, schnaubte nur missbilligend und Collin verdrehte die Augen. Wieso waren so viele Hühner nur so überdramatisch?! Das war ja fast, wie in einer dieser schrecklichen Opern…Das ganze hier könnte so viel einfacher ablaufen.
Ihre Gefangene begann plötzlich, sich aufzubäumen und Collin musste fester zupacken, damit sie sich nicht aus seinem Griff wand. War das denn zu fassen?! Sie lehnte sich tatsächlich gegen sie, gegen Friedenswächter, die Staatsgewalt auf! Die Frau musste ja wirklich ordentlich Dreck am Stecken haben... Und aufgebracht, wie sie war, kreischte sie jetzt auch noch durch das gesamte Hotel, sodass Collin trotz des Helms die Ohren klingelten. "UND JETZT LASSEN SIE MICH IN GOTTES NAMEN LOS, SIE PERVERSER SCHUFT!"

Collin verschluckte sich fast. "Perv...- Was?! Miss Stonem, ich muss Sie bitten, sich zu beruhigen, ansonsten sind wir gezwungen, Sie anderweitig ruhig zu-" Weiter kam er nicht, denn ruckartig warf sie ihren Kopf zurück, traf ihn dank ihrer geringeren Körpergröße an der denkbar ungünstigsten Stelle, direkt auf den Kehlkopf. Collin röchelte unter dem plötzlichen Schmerz und der Enge in seinem Hals und im selben Moment warf sich die junge Frau mit vollem Gewicht gegen ihn. Sie war klein und wirklich leicht, und hätte er damit gerechnet, hätte sie ihn sicher nicht umgeworfen. Aber das hatte er nicht. Wer war schon so verrückt, bewaffnete Friedenswächter anzugreifen...? Den Gedanken konnte er nicht zu Ende führen, denn als er mit dem Rücken aufschlug, presste es ihm die Luft aus der Lunge, da die Zielperson mit vollem Gewicht auf ihn stürzte. "Ich verlange frei gelassen zu werden!", kreischte sie Collin an, "Ich verlange meinen Anwalt. Ich verlange EINE ERKLÄRUNG!!! ICH..." Collin setzte gerade dazu an, seine Arme unter ihrem Körper hervorzuziehen, um ihr einerseits eine auf den Mund zu legen, und sie andererseits wieder unter Kontrolle zu bringen, da ertönte auch schon ein dumpfer Schlag und die junge Frau verstummte prompt. Collin sah, wie sich ihre Augen nach hinten verdrehten und fing die bewusstlos werdende Frau gerade noch ab, bevor sie erneut mit vollem Gewicht auf ihn fiel.

"Gesichert. Erneut."

Säuerlich sah er zu Meg auf, die die Zielperson ruhig gestellt hatte. "Das hätte ich auch wirklich allein geschafft!" murrte er viel mehr frustriert als wirklich sauer. Denn natürlich hatte sie richtig gehandelt. Mist verdammter. So ein Mist! Das Ganze war viel mehr aus dem Ruder gelaufen, als gut für ihn war. Für ihn und seine morgige Versetzung... Die sah er nämlich hiermit gerade in Luft aufgehen. Schnaubend rappelte er sich auf, gab nicht besonders viel Rücksicht auf den schlaffen Körper, der von ihm herunter auf den Boden plumpste.

"Das musst du aber nicht", erklärte Rogers unnötigerweise auch noch, als würde er das nicht selbst wissen... Dafür hatte er ja sein Team.

„Jefferson“, sagte Meg tonlos unter einem kurzen Nicken, als er ihrem Blick kurz begegnete. Doch machte sie ihm sogleich wieder Platz: „Deine Gefangene.“
Er spürte einen kleinen Druck am Unterarm, so kurz, dass er sich einen Moment lang nicht sicher war, ob sie ihn nur versehentlich gestreift hatte. Aber in ihrer Stimme hatte sich etwas verändert gehabt, nur eine Nuance, die jetzt für ihn Sinn machte, mit der kleinen Geste zusammen. Meg gab sich immer professionell, wenn sie im Dienst waren, fast schon überkorrekt. Das tat sie auch jetzt, aber gerade weil sie sich sonst immer so kühl gab, fiel es Collin sofort auf. Die kleine Freundlichkeit stand sicher nicht im Lehrbuch… Es war einfach nur nett von ihr. Allein, dass sie sich die Mühe gab, so etwas zu tun, ließ ihn lächeln, während er durchatmete, was sie hinter seinem Helm aber wohl kaum sehen konnte. „Danke.“

Dann straffte er sich wieder, und winkte bellend seinen Kollegen heran: "Clint!" Sein Vorgesetzter hatte noch nicht, wie erwartet, wieder das Kommando an sich genommen, deswegen war er hier noch nicht fertig. So gern er es auch wäre... Er würde nach wie vor am liebsten im Boden versinken. Das war das reinste Fiasko. Das Miststück hatte ihm die ganze Tour vermasselt. Schlimmer noch, er hatte es sich vermasselt. Er hätte besser aufpassen müssen. Er hätte die Furie nicht als leichte Festnahme abstempeln sollen. Er hätte sich verdammt nochmal nicht zurückhalten sollen, nur, weil sie eine Frau war! Als ob Rogers ihn jetzt noch zu Henderson schicken würde... Mit knappen Handzeichen forderte er seinen Kollegen auf, die bewusstlose Zielperson am anderen Arm hochzunehmen, sodass sie sie zu zweit abführen konnten. Damit, halb über den Boden geschleift zu werden, hatte sie jetzt wohl zu leben. Collin würde sich hüten, das Teufelsweib auch noch zu tragen...
"Wie lange ist es wohl her, dass dich das letzte Mal eine Tussi flachgelegt hat, hm?", flüsterte Clint gehässig. Er konnte es sich natürlich nicht verbeissen, Collin auch noch aufzuziehen. Er antwortete lediglich mit einem Knurren, die Lust auf Späße war ihm eindeutig vergangen...

Während sie abrückten, konnte Collin an nichts anderes mehr denken, als das, was Rogers wohl zu ihm sagen würde. Sicher, sie hatten die Zielperson, dank Meg vielleicht nicht ganz unverletzt, aber das hatte sich das Weib ja auch selbst eingebrockt, verhaftet. Wer war so dämlich und griff Friedenswächter an?! Dass sie sie nicht auf der Stelle erschossen hatten, war auch noch das einzige. Und mit ihrer Aktion hatte sie sich womöglich weit schlimmeres als nur Haft eingebrockt. Wenn das nicht ohnehin schon der Fall war... Vermutlich wusste sie, was ihr blühte, was auch immer sie verbrochen hatte. Nur dann war man wohl so lebensmüde. Oder sie war auf einer dieser Designerdrogen. Wer wusste das schon bei den Kapitolern... All das änderte nichts daran, dass Collin ab morgen vermutlich nur noch Strafzettel an Falschparker verteilen durfte.
Scheiße. Scheiße, scheiße, schei-

"Jefferson!"

Collin atmete durch und straffte sich. Auf zur degradierenden Schlachtbank... Er sah Clint kurz an und der nickte, verfrachtete zusammen mit Levy an Collins statt die Zielperson im hinteren, vergitterten Teil des Wagens. Dann trottete er zu seinem Vorgesetzten, zog sich den Helm vom Kopf und fuhr sich kurz über die Haare. "Sir?", er konnte nicht verhindern, dass seine Stimme etwas niedergeschlagener klang. Rogers sah ihn ernst und mit zusammengekniffenen Augen an, was Collin nur noch nervöser machte. "Hat sie dich verletzt?", fragte er, weit weniger ruppig, als er es erwartet hätte. Sagte überhaupt etwas gänzlich anderes, als er erwartet hätte. Collin hob das Kinn: "Nein, Sir!" Angenehm war der Schlag auf den Kehlkopf sicher nicht gewesen und auch das Schlucken tat ihm ein wenig weh, aber es war nicht der rede wert. Doch Rogers schien auf Nummer sicher gehen zu wollen. Nicht gerade sanft nahm er Collin am Kinn und brachte ihn dazu, den Kopf zu heben. "Schluckbeschwerden?"
"Nein...", presste Collin zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, wirklich ordentliches artikulieren war nicht möglich in der Postition.
"Du bekommst normal Luft?", fragte Rogers weiter und er bejahte. War das wirklich nötig?! Als hätte er sich heute noch nicht genug zum Vollidioten vor der Truppe gemacht, gluckte Rogers jetzt herum. Collin scholt sich selber in Gedanken. Er war sein Vorgesetzter... Er hatte immerhin Sorge dafür zu tragen, dass seine Friedenswächter, wenn sie verletzt wurden, umgehend Hilfe bekamen. Aber er war nicht verletzt... Das schien jetzt auch endlich Rogers zu schnallen, denn plötzlich bleckte er die Zähne zu einem krokodilsartigen Grinsen und klopfte Collin auf die Wange: "Guter Junge."

Collin schnaubte empört und vielleicht ein bisschen beleidigt, weil es ihn offensichtlich amüsierte, wie er versagt hatte, enthielt sich wohlweislich aber eines Kommentars, während sein Vorgesetzer die anderen zusammenrief. "Wieso ist das Ganze jetzt unruhiger geworden, als geplant?", fragte er in die Runde und Collin wollte schon den Mund aufmachen, doch ein strenger Blick sagte ihm, dass das keine Frage gewesen war, auf die Rogers eine Antwort haben wollte... Nur eine kleine Lektion für sie alle. Weswegen er direkt fortfuhr: "Ihr habt die Zielperson unterschätzt. Und warum habt ihr sie unterschätzt?" Wieder Stille. "Weil sie eine junge, unbewaffnete Frau ist. Aber nur, weil eine Zielperson unscheinbar aussieht, heißt das nicht, dass sie sich nicht wehren kann oder wird. So etwas passiert hier nicht oft, aber ihr müsst damit rechnen. Immer. Abgesehen davon..." Sein Blick wanderte zu Collin, und dass er absichtlich ein paar Sekunden lang schwieg und ihn einfach nur ernst ansah, ließ ihn nervös auf den Füßen treten. Mistkerl, wieso konnte er nicht einfach... "Abgesehen davon war das ordentliche Arbeit. Jefferson, du hast das Team gut in den Einsatz geführt. Melde dich morgen um 08:30 Uhr bei Henderson am Schießstand."

Collins Kopf ruckte in die Höhe. Hatte er da eben richtig gehört?! "Ich darf zu Henderson?", rutschte ihm überrascht heraus, nachdem es das letzte war, womit er heute noch gerechnet hatte. "Rede ich irgendwie undeutlich...?", knurrte Rogers und Collin beeilte sich, zu versichern: "Natürlich nicht, Sir!" Er huschte schnell an ihm vorbei, um in den Wagen auf den Beifahrersitz zu springen.

Er hörte Rogers noch leise seufzen, ehe er allgemein orderte: "Na los, Abmarsch!"

Mehr oder weniger geduldig wartete Collin, bis sein Vorgesetzter den Wagen startete, dann konnte er nichtmehr an sich halten: "Wie ist er? Muss ich was beachten? Irgendwas mitnehmen? Außendienst wird es dann vermutlich keinen geben, oder…?“

Rogers tat, als müsse er sich auf den nicht vorhandenen Verkehr konzentrieren, antwortete nur abwesend: „Sei einfach nur…“ Er stockte. Collin sah ihn erwartungsvoll aus großen Augen an, bis der andere Friedenswächter tief seufzte: „Benimm dich einfach. Collin, ich schwör dir, ich verarbeite dich zu Hackfleisch, wenn du mich blamierst.“

„Würde ich nie tun, Sir“, gab Collin im Brustton der Überzeugung von sich. Dann schlug er auf die Armatur des Wagens, sodass das Handschuhfach aufsprang, setzte sich eine der beiden dort liegenden Sonnenbrillen auf die Nase und erklärte ganz cool: „Ich werde der vorbildlichste Friedenswächter seit Blaine Carlisle in ‚Capitol Crimes‘ werden, darauf können Sie Gift nehmen!“

„Vielleicht tu ich das. Vielleicht tu ich das…“, murmelte Rogers vor sich hin, doch Collin war viel zu beschäftigt damit, sich auf den morgigen Tag zu freuen und vor Aufregung auf seinem Sitz herumzurutschen, dass er das gar nicht wirklich mitbekam.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Mi 21 Jan - 22:37:03

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
Nach 2:00 Uhr
Charlie & Bina


„Du lügst. Du lügst und das weißt du ganz genau“
Natürlich wusste er das – ungünstig war schlicht, dass sie es auch wusste und ihn jetzt mit ihren Fäusten traktierte. Allerdings - wohl wegen der steigenden Panik – kaum fest genug, dass er sich Sorgen über die ästhetischen Auswirkungen von Blutergüssen auf seinen Oberarm machen musste. Sollte er überhaupt jemals wieder Sorgen um sein Aussehen machen müssen. In diesem Moment jedenfalls hätte er sofort ein paar kleine Entstellungen gegen das nackte Überleben in ihrer gegenwärtigen Situation getauscht.


„Nur, dass du es weißt: ich lasse dich hier nicht zurück“, beharrte Bina starrsinnig und Charlie knurrte leise. Jetzt war wirklich nicht der richtige Zeitpunkt für solche Diskussionen.
„Doch wirst du. Weil du dir sonst nachher wünschen würdest, du hättest es getan und ich schwöre dir, das wird nicht am Kapitol liegen...“
Ihre Sturheit konnte ja beizeiten durchaus niedlich sein, aber hier war sie ausgesprochen hinderlich. Sie hatten einen Auftrag zu erfüllen – und außerdem würde er ganz bestimmt nicht zulassen, dass sie gefangen genommen wurde.

„Und jetzt shhh....“, machte er, um sie endlich still zu stellen. Darüber konnten sie später diskutieren, oder – besser – gar nicht. Wenn es so weit war, würde er ihr einfach einen Tritt in den Hintern geben und sie an den Friedenswächtern vorbei durch die Tür bugsieren...
„Meine Schuld…“ Charlie blickte sie irritiert an. Sie hatte diese Kerle wohl kaum zu einer Pyjama-Party eingeladen. „Das ist alles meine Schuld. Ich hätte auf dich hören sollen. Ich war Gus gegenüber zu respektlos und jetzt hetzt er die Friedenswächter auf mich. Auf uns. Es tut mir so leid. Ich…“
„Shhh hab ich gesagt.“

Um sicherzugehen, dass sie diesmal endlich den Mund hielt, legte er seine Hand darüber und drückte sie fest an sich. Als ob Gus seine Assistentin melden würde, nur weil sie sich ein kleines bisschen über seine bescheidenen Computer-Künste lustig machte. So eingebildet war nicht einmal er. Er hätte sie gerne getröstet und ihr das ins Ohr geflüstert, doch die herannahenden Schritte aus dem Treppenhaus hielten ihn davon ab, den Mund aufzumachen. Er ließ sie los und hielt sich noch einmal den Zeigefinger vor den Mund, damit sie weiterhin still blieb. Dann brachte er seine Waffe in Position und legte seinen Finger auf den Abzug. Sein Atem ging flach und leise, bei jedem Schritt, den die Friedenswächter näher kamen, traute er sich noch weniger Luft zu holen. Dabei waren seine Atemzüge vermutlich ohnehin egal, denn nichts in diesem Hotel konnte momentan lauter sein als das Hämmern seines Herzens, das er bis in den Hals hinauf spüren konnte.

Das Getrampel kam näher... und näher... und entfernte sich dann wieder. Irritiert zog Charlie die Augenbrauen zusammen, während mit lautem Knall eine Tür aufgetreten wurde, die nicht ihre war. Hatten sich die Kerle im Zimmer geirrt?
Das war durchaus möglich und das hohe Gekreisch, das aus dem anderen Raum zu kommen schien, sprach ebenfalls dafür. Allerdings nur so lange, bis er ein paar der Wörter verstehen konnte. „Arsch. Haben sie sich mal reden gehört? Wie kommen sie darauf mich derartig an zu schuldigen??? Wissen sie überhaupt WER ICH BIN?“
Charlie zuckte ein Stück von seiner Lauschposition an der Tür zurück. Immerhin schienen sich die Friedenswächter ihrer Sache halbwegs sicher zu sein. Dann waren sie wirklich nicht ihretwegen gekommen.

Während er selbst noch angespannt wie eine Bogensehne in seiner Position verharrte, schien die Panik von Bina - kaum hatte sie gehört, dass jemand anderer verhaftet werden sollte - schlagartig abzufallen. Zwar war er froh, dass sie sich nun nicht mehr ganz so verkrampft an seinen Arm klammerte und sich langsam beruhigte, dafür gefiel ihm nicht so recht, dass sie ihn an der Hand von der Tür wegzog. Immer wieder drehte er sich in Richtung Gang um. Die Gefahr war schließlich nicht vorbei, auch wenn sie im Moment halbwegs sicher wirkten. Vielleicht räumten die Friedenswächter auch gerade nur das ganze Hotel auf. Sie konnten jeden Moment hier hereinstürmen und dann hieß es bereit zu sein.

Allerdings zitterte Bina immer noch wie Espenlaub und klammerte sich fest an seine Hand, während sie beide ängstlich in Richtung Tür blickten.
Er legte beruhigend seinen Arm um ihre Schultern, drückte sie fest am sich und vergrub sein Gesicht für einen Moment in ihren Haaren, die Waffe zwar neben ihnen auf dem Bett abgelegt, aber immer halb im Blick. Abwechselnd mit der Zimmertür.
„Alles in Ordnung.“, flüsterte er leise. „Sie sind bestimmt gleich weg.“

Doch so sicher war er sich da selbst nicht und die Unruhe wegen dieser großen Gefahr in ihrer direkten Nähe machte ihn so hektisch, dass er es kaum auf dem Bett aushielt. Er wollte seine Waffe und er wollte vorbereitet sein. Irgendwie musste er Bina doch beschützen!
"UND JETZT LASSEN SIE MICH IN GOTTES NAMEN LOS, SIE PERVERSER SCHUFT!"
Charlie fuhr zusammen, während es sich anhörte, als würde in diesem ominösen Zimmer nicht weit von ihnen ein kleiner Tumult ausbrechen.

„Keine Angst.“ Er nahm Bina noch einmal fest in den Arm und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. „Bleib einfach hier sitzen. Sie werden nicht kommen. Ich geh nur dort hinüber und halte Wache.“
Dann schnappte er sich seine Waffe und schlich zurück zur Tür. Allerdings war es nicht notwendig, das Ohr zum Lauschen an die Tür zu legen.
"Ich verlange frei gelassen zu werden!“, brüllte die Frauenstimme wieder. Charlie wusste nur zu gut, dass sie so viel verlangen konnte, wie sie wollte. Selbst der Frage nach einer Erklärung war vollkommen sinnlos. Vermutlich war es ihr ganz ähnlich ergangen wie ihm. Keine Ahnung, was sie falsch gemacht hatte. Kein absichtlicher Akt der 'Rebellion'. Vielleicht war sie einfach nur zu freundlich zu einem Distrikter gewesen. Hatte jemandem geholfen, ohne zu ahnen, welche Konsequenzen das haben würde.

„Ich verlange meinen Anwalt. Ich verlange EINE ERKLÄRUNG!!!ICH...“
Was auch immer sie sonst noch verlangte, blieb für immer ungehört. Ihre Stimme brach einfach ab und in ihrem Stockwerk wurde es wieder still. Charlie bezweifelte, dass irgendjemand hier tatsächlich noch schlief. Nicht nach dem Tumult, der gerade los gewesen war und dennoch schien es in allen anderen Zimmern ähnlich leise zu sein, wie bei ihnen. Vermutlich hielten auch alle anderen den Atem an, fragten sich bang, ob sie in letzter Zeit falsch gemacht haben konnten und vielleicht die nächsten waren. Doch niemand wusste es so genau wie sie.

Draußen öffnete sich eine Türe und Charlies Anspannung wuchs sofort wieder zu einem neuen Höhepunkt an. Der Finger an seinem Abzug zuckte als die Schritte näher kamen und entspannte sich etwas, als sie sich langsam aber sicher entfernten. Trotzdem blieb er weiter vor der Tür stehen, auch als sie schon verhallt waren. Erst nach ein oder zwei Minuten wechselte er zum Fenster und spähte vorsichtig hinaus. Tatsächlich zogen diese Kerle einen leblosen Körper hinter sich her, ob die Frau nur bewusstlos oder gar tot war, vermochte er nicht zu sagen.

Erst als der Motor startete und der Jeep endlich davonfuhr, entspannte er sich langsam. Die Gefahr war vorüber. Er konnte frei durchatmen. Beinahe schon taumelnd ging er zum Bett zurück, warf seine Waffe auf den Kopfpolster, sich selbst auf die Matratze und zog Bina mit sich.
„Sie sind weg.“, flüsterte er heiser und drückte sie fest an sich. „Alle weg. Sie waren nicht unseretwegen hier.“

Er fragte sich, was mit der Frau passieren würde und was sie getan hatte. Ihre Situation erinnerte ihn an seine vor weniger als vier Jahren. Was wäre mit ihm passiert, wenn sein Vater ihn nicht gerettet hätte? Vermutlich wäre er heute als zungenloser Diener bei der Parade gewesen und hätte dort stumm Häppchen ausgeteilt, statt sie im Fernsehen anzuschauen und zu essen, was Bina ihm mitgebracht hatte. Vielleicht wäre er auch tot. Der Gedanke ließ ihm einen Schauer über den Rücken laufen und er schüttelte ihn ab, indem er sein Gesicht an Binas schmiegte und den vertrauten Geruch ihrer Haare einatmete.

„Gus hat selbstverständlich kein Problem damit, wenn du ihn ein bisschen über technische Dinge belehrst.“, beruhigte er sie leise. „Es ist alles in Ordnung. Du hast deine Sache gut gemacht. Sie werden uns nie finden. Du arbeitest perfekt. Das alles hier ist viel zu gut organisiert.“
Auch wenn das keine Garantie war. Gar keine Garantie. Ein paar Minuten hatten ihm diese Wahrheit wieder schrecklich bewusst gemacht. Obwohl er sich den ganzen Tag Sorgen machte und versuchte für alles, was Bina in der Arbeit sagte oder tat einen Plan B in der Hinterhand zu haben, hatte ihm diese Verhaftung erst so richtig bewusst gemacht, wie hilflos er der geballten Macht des Kapitols in diesem kleinen Zimmer ausgeliefert war. Dass er im Grunde keine Chance hatte, sie beide hier irgendwie lebend rauszubringen, wenn die Friedenswächter erst wirklich ihretwegen kommen sollten...

„Das wird nie passieren.“, versicherte er ihr genauso wie sich selbst, ohne wirklich daran zu glauben. „Das lass ich nicht zu.“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am So 25 Jan - 23:18:25

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
Nach 2:00 Uhr
Charlie & Bina

Der Tumult, der in dem benachbarten Zimmer ausgebrochen war, war bei Bina und Charlie nicht zu überhören. Zwar war sie wirklich froh, dass die Friedenswächter nicht bei ihnen hineingestürmt waren, doch das musste nicht zwangsläufig bedeuten, dass das nicht noch passieren konnte. Vielleicht hatten die Männer den Befehl, das gesamte Hotel auf etwaige Kapitolsverräter zu untersuchen und verdächtige Personen festzunehmen.

Nervös klammerte sich Bina an Charlie, der ihr immer wieder zuflüsterte, dass alles in Ordnung war und die Friedenswächter bald gehen würden. Doch er konnte nicht bei ihr sitzen bleiben. Natürlich nicht, schließlich musste er die Tür im Auge behalten. Das mussten sie beide! Nur war sie selbst so am Zittern, dass sie nicht dazu in der Lage war, ihre Waffe ruhig zu  halten, während Charlie seine Position an der Tür wieder eingenommen und sich in Stellung gebracht hatte.
Bina atmete tief durch. In diesem Augenblick war sie eine Schande für ihren Distrikt. Sie durfte jetzt einfach nicht ängstlich sein. Sie schloss kurz die Augen, um sich zu sammeln und stand schließlich auf, ihr Gewehr fest in ihren Händen. Charlie brauchte Rückendeckung, wenn es zum Schlimmsten kam. Er verließ sich auf sie, sie durfte ihn also nicht im Stich lassen. Ihre zittrigen Knie versuchte sie so gut es ging zu ignorieren.

Die Frau, auf die es die Friedenswächter abgesehen hatte, machte ein riesen Theater und war keineswegs dazu bereit, sich einfach so abführen zu lassen. Allem Anschein nach wusste sie nicht einmal, was ihr vorgeworfen wurde. Bina wünschte ihr, dass sie unschuldig war und es sich einfach nur um einen Irrtum handelte. Doch sie fürchtete auch, dass es in der Gerechtigkeit des Kapitols keine Irrtümer gab. Wer verhaftet wurde, wurde aus berechtigten Gründen verhaftet. Wenn sie also „Glück“ hatte, wurde sie nur zu einem Leben als Avox verurteilt.

Der Lärm aus dem Zimmer verlegte sich auf den Flur. Sofort verkrampfte sich Bina noch mehr. Doch nach und nach wurde es leiser und die Schritte entfernten sich. Während Charlie noch an der Tür ausharrte und lauschte, gaben ihre wackeligen Knie endgültig nach und sie sank zurück aufs Bett. Mit steifen Fingern sicherte sie ihr Gewehr und ließ es auf den Boden fallen. Ihr Puls raste wie verrückt. Das war so verdammt knapp gewesen! Heute waren sie noch einmal davon gekommen, doch was, wenn sie morgen schon verhaftet würden?
Charlie eilte hinüber zum Fenster und kontrollierte, ob die Friedenswächter auch wirklich davon fuhren und ging dann zu Bina und zog sie wieder in seine Arme. Sofort schlang sie ihre Arme um ihn und vergrub ihr Gesicht in seinem Hemd.

„Sie sind weg. Alle weg. Sie waren nicht unseretwegen hier“, flüsterte Charlie ihr zu, während er ihr beruhigend über den Rücken strich. Sie schaute zu ihm hoch und er legte seine Stirn gegen ihre. Dass er bei ihr war, machte sie so unendlich froh. Ohne ihn wäre sie vermutlich komplett durchgedreht. Sie schloss die Augen und nickte leicht.
„Das war knapp…“, sagte sie mit erstickter Stimme.
„Nicht auszudenken, wenn ich uns mit meinem Verhalten verraten hätte…“
Ein furchtbarer Gedanke!

„Gus hat selbstverständlich kein Problem damit, wenn du ihn ein bisschen über technische Dinge belehrst. Es ist alles in Ordnung. Du hast deine Sache gut gemacht. Sie werden uns nie finden. Du arbeitest perfekt. Das alles hier ist viel zu gut organisiert“, meinte Charlie beruhigend. Bina wusste, dass schon einiges dazu gehörte, um ihre falsche Identität zu durchschauen. Schließlich hatte Distrikt 13 diesen ganzen Einsatz bis ins kleinste Detail durchdacht. Trotzdem konnte immer etwas passieren. Wirklich sicher sein konnte man sich im Kapitol nie, das hatten die vergangenen Minuten eindrucksvoll bewiesen. Sie mussten jetzt noch achtsamer sein.

„Das wird nie passieren“, fügte Charlie noch hinzu. „Das lass ich nicht zu.“
„Wir können nicht mehr tun, als unser Theater hier weiter zu spielen. Ich bin Penelope Vitus und du die kleine Stimme in meinem Ohr, die mir sagt, wenn ich etwas falsch mache. Wenn wir auffliegen, fliegen wir auf, Charlie. Wir können uns gegen die Friedenswächter wehren, aber wir können nicht verhindern, dass sie hier auftauchen“, meinte Bina ernst.
„… die Frau, die sie eben festgenommen haben… sie wird das nicht überleben, oder?“
Auch wenn sie nicht wusste, wer die Festgenommene war, hatte Bina trotzdem Mitleid mit ihr. Sie hatte nicht einmal gewusst, was ihr zur Last gelegt wurde. Vermutlich musste sie sterben, ohne überhaupt irgendetwas getan zu haben. Das war schrecklich.

Seufzend löste sich Bina von Charlie und ließ sich nach hinten auf die Matratze fallen. Müde legte sie ihren Arm auf ihre Augen. Das war eine aufregende Nacht gewesen. Viel zu aufregend. Und während Charlie, der erst seit drei Jahren in Distrikt 13 lebte, tadellos seine Arbeit gemacht hatte, hatte sie vor Angst gezittert und sich nicht bewegen können. Dabei trainierte sie schon ihr ganzes Leben dafür, eine Soldatin zu sein. Sie hatte versagt.
„Charlie? Bitte versprich mir, dass du niemandem verrätst, wie ich eben… du weißt schon…“
Wenn in Distrikt 13 irgendjemand erfuhr, dass sie vor Angst erstarrt gewesen war und scheinbar alles vergessen hatte, was sie in ihrer Ausbildung gelernt hatte, würde sie das Gespött von allen sein.
„Vor allem nicht Skyler! Wenn der das erfährt, weiß es in einer Stunde der gesamte Distrikt.“
Sie konnte und durfte sich nicht erlauben, als schwach und feige angesehen zu werden. Schließlich war sie Soldatin und hatte eine gewisse Ehre zu verteidigen. Sie wurde für diese Mission im Kapitol ausgewählt und durfte die Präsidentin nicht enttäuschen.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Mo 26 Jan - 20:29:51

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
Nach 2:00 Uhr
Charlie & Bina

„Wir können nicht mehr tun, als unser Theater hier weiter zu spielen. Ich bin Penelope Vitus und du die kleine Stimme in meinem Ohr, die mir sagt, wenn ich etwas falsch mache.“, stellte sie sachlich fest. Offenbar hatte sie ihre Gefühle jetzt wieder vollkommen unter Kontrolle.
„Ganz recht. Und seien wir uns mal ehrlich...“ Endlich schaffte er es wieder ein schiefes Grinsen in sein Gesicht zu zaubern und zwinkerte ihr zu. „Mit so einer Stimme kann ja gar nichts schief gehen.“
Doch Bina ließ sich nicht von ihm zu einem Lächeln animieren, sondern blieb ernst.
„Wenn wir auffliegen, fliegen wir auf, Charlie. Wir können uns gegen die Friedenswächter wehren, aber wir können nicht verhindern, dass sie hier auftauchen“
Er seufzte leise. Das war leider viel zu wahr, aber eben nicht zu ändern.

„Zerbrich dir darüber nicht dein hübsches Köpfchen. Das bringt nichts.“, befahl er sanft und zupfte an ihren Haaren, um sie zu ärgern. Sorgen machte er sich ohnehin schon genug für sie beide und wenn sie von nun an nervös in die Arbeit ging, war das wohl eher kontraproduktiv. Nervöse Menschen wirkten nun einmal äußerst verdächtig.
„… die Frau, die sie eben festgenommen haben… sie wird das nicht überleben, oder?“
Binas Stimme klang hohl und tonlos. Er presste die Lippen fest aufeinander. Eigentlich hatte er keine große Lust darüber zu reden... denn das bedeutete darüber nachzudenken. Sie kannten diese Frau nicht, daher konnte sie ihnen egal sein. Wichtig war in diesem Fall nur, dass die Friedenswächter nicht sie mitgenommen hatten. Charlie schüttelte den Kopf.

„Ganz ehrlich... ich hab keine Ahnung.“, stellte er mit einem müden Seufzen fest. „Wir wissen nicht, was sie getan hat. Offenbar weiß sie es selbst nicht. Es wird darauf ankommen, wie schlimm ihr Verbrechen war – oder das, wofür sie beschuldigt wird.“
Das konnte schließlich vom absichtlichen oder unabsichtlichen Lesen oder Verbreiten verbotener Lektüre bis hin zum Mordkomplott gehen. Auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, dass die Frau mit der panischen Stimme eine eiskalte Mörderin war. Wann wusste man in dieser Stadt schon, wer wirklich sein Gesicht hatte und wer doch nur eine Maske trug? Er war viel zu lange davon ausgegangen, richtig und falsch problemlos voneinander unterscheiden zu können.

„Vielleicht muss sie sich auch nur wegen übler Nachrede vor Gericht verantworten und kommt mit einer Geldstrafe davon.“, versuchte er sie zu trösten. Allerdings war das alleine schon wegen ihres Widerstandes bei der Festnahme nicht sehr wahrscheinlich.
Doch Bina löste sich nun ohnehin aus seiner Umarmung und blickte ihn ernst und ein kleines bisschen streng an. Für einen Moment war er verunsichert, ob er nicht vielleicht seine Hausaufgaben vergessen hatte.

„Charlie?“ Er blickte sie neugierig an. Schien ja um etwas Wichtiges zu gehen. „Bitte versprich mir, dass du niemandem verrätst, wie ich eben… du weißt schon…“
„...in meinen Armen gelegen hast, weil du meinem unwiderstehlichen Charme erlegen bist?“, ergänzte er grinsend und verschränkte besagte Arme selbstzufrieden hinter seinem Kopf. Ihm war schon klar, was sie meinte, aber es war unnötig sich deswegen Gedanken zu machen. Sie hatten beide mit blanker Panik auf diese Situation reagiert. Er hatte schlicht aus reinem Instinkt versucht einen seiner Notfallpläne notdürftig umzusetzen. Etwas, womit er eventuell mehr Schwierigkeiten gehabt hätte, wenn da nicht jemand gewesen wäre, um dessen Sicherheit er sich Sorgen gemacht hatte.

„Vor allem nicht Skyler! Wenn der das erfährt, weiß es in einer Stunde der gesamte Distrikt.“
Vermutlich in weniger als dreißig Minuten. Charlies grinsen wurde breiter. Wenn man wollte, dass etwas möglichst schnell die Runde machte, brauchte man es nur diesem kleinen Mistkerl anvertrauen und erwähnen, dass noch kaum jemand davon wusste.
„Meine Lippen sind versiegelt.“, versprach er und zog einen imaginären Reißverschluss über seinem Mund zu. „Aber da gibt es wirklich nichts zu schämen. Ich hatte auch Angst. Da ist plötzlich ein Jeep voller Friedenswächtern in unserem Hotel aufgetaucht. Skyler und den anderen Hosenscheißern wäre es auch nicht anders ergangen.“

Immerhin war es nicht so, als hätte sie die Nerven verloren. Sie hatte Stellung bezogen und ihre Waffe gerade gehalten, bis klar war, dass die Friedenswächter nicht vor ihrem Zimmer standen. Wie viel Angst sie dabei gehabt hatte – sie beide dabei gehabt hatten – war unwichtig. Sie hatten sich bewährt und waren schlussendlich für heute sowieso davon gekommen. Kein Grund irgendjemanden aufzuziehen. Er gähnte leise und blickte – über seine eigene körperliche Reaktion überrascht – erst verdutzt sie und dann die Uhr an. Extrem spät und Bina musste morgen wie üblich früh zur Arbeit.

Charlie streckte sich kurz, dann raffte er sich auf, rollte sich aus dem Bett und zog sich wieder bis auf die Unterwäsche aus. Heute war er so erledigt, dass er die unnötig gewordene Kleidung tatsächlich einfach am Boden liegen ließ, bevor er wieder unter seine Decke kroch und sie einladend in die Höhe hob.
„Na komm schon her...“, wandte er sich sanft an Bina und bot ihr einen Platz in seinem Arm an. „Du solltest in der Arbeit lieber ausgeschlafen aussehen...auch, wenn es morgen wohl nicht so auffallen würde. Vermutlich würden alle davon ausgehen, dass du vor lauter Aufregung wegen der Parade nicht schlafen hast können...“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Di 27 Jan - 15:00:30

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
Nach 2:00 Uhr
Charlie & Bina

„Meine Lippen sind versiegelt. Aber da gibt es wirklich nichts zu schämen. Ich hatte auch Angst. Da ist plötzlich ein Jeep voller Friedenswächtern in unserem Hotel aufgetaucht. Skyler und den anderen Hosenscheißern wäre es auch nicht anders ergangen“, versuchte Charlie Bina zu beruhigen doch sie schüttelte nur den Kopf.
„Ich glaube, du verstehst das nicht so ganz. Wenn ihr Männer mal eben etwas Angst zeigt, wird vielleicht über euch kurz gelacht. Wenn ich als Frau aber Angst habe und mich nicht bewegen kann, werde ich gleich komplett als Soldatin angezweifelt. Wenn die falschen Leute das mitbekommen, werde ich sofort in die Küche versetzt. Schneller, als ich ‚Spotttölpel‘ sagen kann. Und ich habe mich nicht mein ganzes Leben lang ausbilden lassen, um letzten Endes morgens, mittags und abends geschmacklose Pampe zuzubereiten.“

Sie seufzte leise und fuhr sich durchs Haar. Auch wenn alle in Distrikt 13 dasselbe Training durchlaufen mussten, wurden die wenigsten Frauen als Soldat wirklich ernst genommen. Es sei denn, man hatte sich so erfolgreich hochgearbeitet wie General Jackson. Bina war nur froh, dass sie vor Panik nicht vollkommen wahnsinnig geworden war. Sollten Charlie und sie jemals wieder in so eine Situation geraten, würde sie auf jeden Fall anders reagieren. Sie durften sich einfach keine Schwächen und Fehler erlauben. Immerhin hing von ihnen viel ab. Sollten sie entdeckt und verhaftet werden, würde das die gesamte Rebellion in Gefahr bringen.

Charlie gähnte und schaute auf die Uhr. Bina folgte seinem Blick. Es war wirklich spät und dieser verfluchte Frühaufsteher würde um spätestens halb sieben wieder Stress machen. Zwar sollte Bina dankbar dafür sein, dass sie im Kapitol eine halbe Stunde länger schlafen konnte als in Distrikt 13, doch weniger müde oder besser gelaunt war sie dadurch morgens noch lange nicht. Sie war einfach nicht für dieses frühe Aufstehen geboren. Bis sie morgens einigermaßen wach war, musste Charlie eine Menge Geduld aufweisen. Damit sie auch aus dem Bett kam, sollten sie nun wirklich wieder schlafen gehen.

Bina tat es Charlie gleich und schälte sich wieder aus den Klamotten, die sie vor ein paar Minuten noch eiligst angezogen hatte. Da er selbst die Kleidung achtlos auf dem Boden liegen ließ, machte auch sie keinerlei Anstalten, sie ordentlich zusammen zu legen.
Ein wenig mit der Situation überfordert schaute sie zu ihm hinüber, als er seine Bettdecke anhob und ihr anbot, sich zu ihm zu legen.
„Na komm schon her“, meinte er mit einer Sanftheit in der Stimme, die ein eigenartiges Gefühl in Bina auslöste. Vor ein paar Minuten noch hatte sie sich geschworen, einen gewissen Sicherheitsabstand zu ihm zu wahren, doch irgendwie war Charlies Angebot zu verlockend, als da widerstehen zu können. Nach kurzem Zögern also krabbelte sie unter seine Decke und schmiegte sich etwas an ihn. Nach all der Aufregung in dieser Nacht musste sie zugeben, dass sie sich in seiner Nähe sicherer fühlte.
„Du solltest in der Arbeit lieber ausgeschlafen aussehen...auch, wenn es morgen wohl nicht so auffallen würde. Vermutlich würden alle davon ausgehen, dass du vor lauter Aufregung wegen der Parade nicht schlafen hast können...“, meinte er, während er die Bettdecke über sie beide zog.
„Als ob du mich mit sichtbaren Augenringen das Zimmer verlassen lassen würdest“, antwortete Bina grinsend und zwickte ihn neckend in den Bauch.
„Und wenn du mir ein Kilo Make-Up ins Gesicht schmieren musst, Hauptsache ich sehe aus wie frisch aus dem Ei gepellt.“
Sie gähnte kurz, kuschelte sich an seine Brust und schloss die Augen.
„Und jetzt halt den Mund, Fairweather. Ich möchte schlafen. Gute Nacht.“
Es dauerte auch nicht lang, bis Bina mit einem Lächeln im Gesicht einschlief. Die Nacht war schrecklich aufregend gewesen, doch dass Charlie bei ihr war, wirkte unglaublich beruhigend auf sie. Sie wusste nicht, was passiert wäre, wenn sie allein oder mit irgendwem anderes hier gewesen wäre.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Do 5 März - 20:28:08

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
7:45 Uhr
Charlie & Bina

Obwohl sie heute später arbeiten musste, da Gus und sie gestern bei der Parade gewesen waren und es spät geworden war, war Bina bereits wach. Unter normalen Umständen würde sie jetzt noch friedlich schlafen, doch die Ereignisse der vergangenen Nacht waren dann doch nicht so einfach wegzustecken, wie sie es vielleicht gehofft hatte. Zwar hatte Charlie sie beruhigt und sie hatte schnell wieder einschlafen können, doch es nagte trotzdem an ihr.

Nachdenklich schaute sie zur Badezimmertür und lauschte dem Rauschen der Dusche. Charlie hatte auch furchtbar müde ausgesehen und das, obwohl er ohnehin ein Frühaufsteher war und nicht so viel Schlaf brauchte. Natürlich konnte Bina nichts dafür, dass die Nacht für sie beide so kurz geworden war, aber es tat ihr trotzdem ein bisschen leid.
Müde stand Bina vom Bett auf und tapste hinüber zum Fenster. Im Gegensatz zu letzter Nacht sah nun auf der Straße alles friedlich aus. Ob überhaupt irgendjemand etwas von der Verhaftung mitbekommen hatte? Bina war gespannt, ob darüber etwas in der Zeitung stand. Charlie und sie lasen die Zeitung jeden Tag, um darüber im Bilde zu sein, was im Kapitol von sich ging. Momentan drehte sich zwar alles um die Hungerspiele, doch hier und da fanden sich auch mal andere Artikel.

Während Charlie noch unter der Dusche war, verließ Bina kurz das Zimmer, um sich aus dem Erdgeschoss die aktuelle Ausgabe der The Pidgeon zu besorgen, die dort jeden Tag auslag. Die Sonderseiten über die Tribute waren eindrucksvoll und sehr präsent, doch lenkten sie Bina nicht davon ab, was sie eigentlich gesucht hatte. Die Zeitung hatte tatsächlich einen Artikel über die Vorkommnisse im Hotel geschrieben.
Wieder in ihrem Zimmer angekommen, setzte sich Bina zurück aufs Bett und las den kurzen Bericht. Wieder und wieder.

„Sie ist tot…“, sagte sie leise zu Charlie, als er schließlich aus dem Badezimmer kam.
„Die Zeitung schreibt von einem Raubüberfall, bei dem die Frau… Aurora Stonem umgebracht worden wäre.“
Sie reichte ihm die Zeitung.
„Kanntest du sie?“, fragte Bina Charlie, während sie sich das abgebildete Foto von Aurora ansah. Sie war hübsch. … gewesen.
„Was hat sie wohl getan, weswegen das Kapitol sie loswerden musste?“

Das „Rechtssystem“ in dieser Stadt war der reinste Albtraum. Dadurch, dass Zeitung behauptete, es hätte in der letzten Nacht einen Raubüberfall im Hotel gegeben, war es für Bina nur einleuchtend, dass diese arme Frau unschuldig gewesen war. Hätte sie wirklich etwas getan, das ihren Tod auch nur ansatzweise rechtfertigte, müsste in diesem Artikel nicht gelogen werden. Das Kapitol zeichnete sich wirklich dadurch aus, dass es viele Dinge erfolgreich vertuschte. Bedrückt schaute Bina Charlie an.

„Wäre mit dir dasselbe passiert, wenn dein Vater dir nicht zur Flucht verholfen hätte?“
Das war ein furchtbarer Gedanke. Sie wollte sich das gar nicht vorstellen, was die Friedenswächter Charlie alles hätten antun können, wenn sie ihn damals erwischt hätten. Sie hatte Hochachtung vor dem Mut seines Vaters, der durch seine Taten ebenfalls zum Tode verurteilt hätte werden können. Doch für seinen Sohn war er dieses Risiko eingegangen. Für das Kapitol war so etwas sicher auch nicht alltäglich.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Sa 7 März - 2:17:47

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
7:45 Uhr
Charlie & Bina


Charlie stand mit geschlossenen Augen unter der Brause und konzentrierte sich ganz auf das heiße Wasser, das auf seinen Körper einprasselte. Seit seiner Ankunft in Distrikt 13 hatte er eine Dusche schon nicht mehr so nötig gehabt. Nicht aus hygienischen Gründen - obwohl ihn die nächtliche Aufregung mehr ins Schwitzen gebracht hatte, als er zugeben wollte – sondern einfach, weil ihm der Schrecken auch nach den paar Stunden Schlaf immer noch tief in den Knochen saß und er die leise Hoffnung hegte, das würde vielleicht vergehen, wenn er sich erst bis ins Innerste seines Körpers erwärmt fühlte und der Wasserdampf seine Gedanken vernebelt hatte.


Außerdem tat es gut, ein paar Minuten für sich selbst zu haben. Wenn Bina nicht gerade arbeitete, klebten sie in diesem Hotelzimmer ständig aufeinander, was ihn normalerweise nicht störte, aber gerade war er zum ersten Mal seit gestern Nacht alleine und musste nicht darauf achten, dass ihm seine Miene nicht entglitt, dass seine Stimme nicht zu nervös oder gar panisch klang oder sie ihm ansehen konnte, wie viele Sorgen er sich um ihrer beider Sicherheit gerade machte.
Dabei war das grundsätzlich nichts Neues. Er war hier groß geworden und hatte am eigenen Leib erfahren, wie schnell sich das Glück im Kapitol gegen einen wenden konnte. Seit ihrer Ankunft dachte er ständig die schlimmsten Szenarien durch, um sie durch geschicktes Verhalten und ins Mikrofon geflüsterte Ratschläge rechtzeitig umgehen zu können. Doch diese Verhaftung gestern hatte ihm einfach noch einmal zu direkt vor Augen geführt, was passieren würde, wenn sie scheiterten und wie wahrscheinlich ein Scheitern war.


Vorhin, bevor er sich genau deshalb ins Badezimmer zurückgezogen hatte, hätte er Bina beinahe angebettelt, heute nicht zur Arbeit zu gehen, aber was hätte das gebracht? Sie konnten die Mission nicht einfach so abbrechen. Wie sollten sie wieder zurück nach Hause kommen? Und so ein unprofessionelles Verhalten würde Bina in ihrer Arbeit wohl eher nur verdächtig erscheinen lassen, statt sie zu schützen. Also war es an ihm, ihr ihre Angst und Nervosität zu nehmen, sie zu beruhigen und auf ihren Arbeitstag vorzubereiten, an dem sie sich ganz genauso zu benehmen hatte, wie an allen anderen Tagen.
Und das obwohl sie vermutlich genauso hundemüde war, wie er selbst.
Zu wenig Schlaf – zu viel Angst.


Er stieg aus der Dusche, rubbelte sich Haare und Haut trocken, bevor er sich das Handtuch um die Hüften schlang und mit dem Unterarm über den beschlagenen Spiegel wischte, damit er sein Gesicht sehen konnte. Kein schöner Anblick.

Er sah so beschissen aus, wie er sich fühlte. Charlie klopfte sich so fest auf die Wange, dass er sich selbst aus dem Tiefschlaf hätte reißen können und versuchte zu grinsen, bevor er das Unterfangen mit einem leisen Seufzen aufgab und die Tür aufstieß. Zum Glück würde Bina kaum darüber lästern oder sich groß daran stören, dass er Ringe unter den Augen hatte und momentan etwas unrasierter und generell weniger gepflegt aussah, als ihm eigentlich recht war, aber es wurmte ihn dennoch irgendwie, dass sie ihn so sah. Zum ersten Mal seit ihrer ersten Nacht hier, in der sie ihn auf diesen unbequemen Sessel verbannt hatte, wünschte er sich, sie hätten jeder ein eigenes Zimmer. Doch dann musste er daran denken, was für Ängste er gestern erst durchgestanden hätte, wenn sie bei der Ankunft der Friedenswächter in getrennten Räumen gewesen wären und er war wieder froh, sie auf ihrem Bett sitzen zu sehen, als er das Schlafzimmer betrat. Dann musste sie diesen Anblick eben ertragen. Aus Distrikt 13 war sie ohnehin Schlimmeres gewohnt. Immerhin gab es dort Menschen, die das Verbot der Verschwendung von Wasser und Seife definitiv zu streng auslegten...


„Sie ist tot…“, flüsterte Bina plötzlich während er gerade Shorts und ein frisches T-Shirt aus dem Schrank kramte. Charlie hielt für einen Moment in seiner Bewegung inne. Er brauchte nicht zu fragen, wen sie meinte. Ihrer beider Gedanken kreisten vermutlich um das gleiche Thema.
„Woher weißt du das?“, erkundigte er sich stattdessen.
„Die Zeitung schreibt von einem Raubüberfall, bei dem die Frau… Aurora Stonem umgebracht worden wäre.“
„Raubüberfall also.“ Er schnaubte, sehr viel weniger aus Amüsement als aus Verärgerung, obwohl es wohl wie eine Mischung aus beidem klang, und fragte sich automatisch, von wie vielen Unfällen, plötzlichen Krankheitsausbrüchen und Morden er früher gehört oder gelesen hatten, bei denen genau das Gleiche passiert war. Das Kapitol hatte nicht einmal den Anstand, öffentlich zuzugeben für welche Nichtigkeiten hier Menschen hingerichtet wurden.


„Kanntest du sie?“ Bina hielt ihm die Zeitung unter die Nase. Erst wollte er verneinen, doch als er das Foto sah, zog er konzentriert die Augenbrauen zusammen. Das Mädchen kam ihm tatsächlich irgendwie bekannt vor.
Aurora Stonem. Auf den Namen hatte er gestern gar nicht wirklich geachtet.
„Nur ganz flüchtig.“, antwortete er gedehnt. Auf ein paar Partys hatte er sie wohl gesehen, aber kaum beachtet. „Ich war mit ihrer Schwester in der Schule. Marina. Sehr nett, aber eher ruhig. Gus war, glaube ich, sogar eine Zeit lang mit ihr zusammen.“
Er betrachtete das Foto nachdenklich, bevor er Bina ernst anblickte.
„Natürlich darfst du ihn auf keinen Fall darauf ansprechen.“, schärfte er ihr ein. „Pass ja auf, dass dir da nichts raus rutscht. Du kannst ja nicht wissen, dass sich die beiden vermutlich kennen. Am besten erwähnst du nicht einmal den Raubüberfall.“
Es war zwar nicht unbedingt auffällig, ein Gespräch über so einen Artikel anzufangen, aber ein gefährliches Thema. Schließlich wussten sie nur allzu gut, was wirklich passiert war. Was ihnen auch passieren hätte können. Charlie schluckte leise.



„Was hat sie wohl getan, weswegen das Kapitol sie loswerden musste?“
„Ich hab keine Ahnung. Kann alles mögliche sein. Du hast es ja gestern gehört... eventuell weiß sie das selbst nicht.“
Am liebsten hätte er ihr die Zeitung weggenommen und das Thema gewechselt, doch stattdessen zog er sich das T-Shirt über den Kopf und stieg in seine Shorts, während sie immer noch wie gebannt auf das Papier starrte.
„Wäre mit dir dasselbe passiert, wenn dein Vater dir nicht zur Flucht verholfen hätte?“, fragte sie leise und irgendetwas in ihrer Stimme ließ seine Brust zusammenkrampfen. Er zuckte hilflos mit den Schultern und ließ sich neben sie auf die Matratze sinken, schüttelte nur den Kopf.
„Ich weiß es wirklich nicht. Das hab ich mich selbst oft gefragt. Irgendwie bin ich immer davon ausgegangen, dass wohl eher ein Avox aus mir geworden wäre. So als abschreckendes Beispiel.“
Wie es wohl sein musste, wenn man plötzlich schweigend Leute bediente, mit denen man sich früher auf Partys unterhalten hatte? Menschen, denen ein Schauer über den Rücken lief, wenn sie einen sahen und die sich schnell wegdrehten, in der vagen Hoffnung, dass man sie vielleicht nicht erkannt hatte.
„Andererseits war ich als Stylist hin und wieder im Fernsehen zu sehen. Vielleicht wäre ich dann wohl doch eher einfach verschwunden. Ob tot oder im Gefängnis kann ich wirklich nicht einschätzen.“ Er war einfach nur froh, dass es anders gekommen war und würde alles daran setzen, dass Bina niemals das Gleiche passierte.
„Macht auch keinen Sinn darüber nachzudenken, was passieren hätte können. Wir müssen uns auf die Gegenwart konzentrieren.“, stellte er entschlossen fest und blätterte ein wenig in der Zeitung.


Darüber solltest du als Assistentin eines Spielmachers Bescheid wissen.“ Er deutete auf die Steckbriefe.
„Am besten du strengst dein Köpfchen ein bisschen an und beeindruckst Gus mit Statistiken.“ Ein Schmunzeln stahl sich auf sein Gesicht. „Wobei es Gus vermutlich schon genug beeindruckt, wenn du alle beim Namen kennst. Du wirst ihm die wahrscheinlich hin und wieder unauffällig einflüstern müssen, wenn er sie braucht.“
Manche Dinge – das war nicht zu überhören gewesen, während er Binas Arbeit überwacht hatte – änderten sich einfach nie.
„Weißt du, ob du ihn heute zum Training begleiten wirst?“ Das war nicht unbedingt üblich, aber soweit er wusste, auch nicht verboten und es würde ihrem Chef vermutlich nicht schaden, seine fleißige Assistentin dabei zu haben, die ihm diskret mit Namen und Jahreszahlen zur Seite stehen konnte, damit er sich vor seinen Kollegen nicht blamierte.


„Und... rede vielleicht nicht zu viel von deinen Erfindern...“, mahnte er sie vorsichtig. „Ich weiß, du liebst sie ganz heiß, aber... Gus hat ganz eindeutig kein Herz für Schraubenzieher und allgemein sind sie hier nicht unbedingt wahnsinnig beliebt. Die sind eher unauffällig und wir wollen kaum zu viel Aufmerksamkeit auf Leute lenken, die so wichtig für das Gelingen unserer Mission sind.“
Er dachte einen Moment nach.
„Katniss und Peeta sind natürlich in aller Munde. Aber du kannst ruhig auch ein bisschen von Finnick und Atlas schwärmen...“ Seine Mundwinkel zuckten. „Damit würde man bei einem hübschen jungen Mädchen rechnen. Nicht damit, dass es auf ein farbloses, langsam alterndes Pärchen mit einer Überdosis Grips steht.“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Fr 13 März - 2:36:10

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
7:45 Uhr
Charlie & Bina


Während sie über den Zeitungsartikel und Aurora Stonem sprachen, schaute Bina zwar schon gebannt in die Zeitung, doch es entging ihr trotzdem nicht, wie Charlie einfach so, vollkommen hemmungslos, das Badetuch von seiner Hüfte zog und sich vor ihr anzog. Diese schamlosen Kapitoler! Unabsichtlich hatte Bina Körperstellen von Charlie gesehen, die sie überhaupt nicht interessierten. Blitzschnell hatte sie den Blick abgewandt. Ihm einen weiteren Grund liefern über sie herzuziehen war das Letzte, das sie wollte. Stattdessen bemühte sie sich, sich nichts anmerken zu lassen, während er ihr Tipps gab, wie sie heute am besten mit Gus umging, da der Aurora wohl kannte. Außerdem schärfte er ihr ein, sich nicht zu viele Gedanken darüber zu machen, was mit ihm vor seiner Flucht nach Distrikt 13 alles hätte passieren können. Er hatte auch Recht damit. Es brachte nichts, sich Horrorszenarien auszumalen.

„Darüber solltest du als Assistentin eines Spielmachers Bescheid wissen“, meinte er und deutete auf die Steckbriefe der Sieger. Vieles wusste Bina bereits, da sie sich in Distrikt 13 schon intensiv mit den Siegern der Hungerspiele beschäftigt hatte. Schließlich musste man ja alles über die möglichen Verbündeten der Rebellion wissen. Doch es stimmte, was Charlie sagte. Auch als Assistentin von Gus, selbst wenn sie das nur vorspielte, war es wichtig, genau über diese vierundzwanzig Menschen, die in Kürze in die Arena einziehen würden, Bescheid zu wissen.

„Am besten du strengst dein Köpfchen ein bisschen an und beeindruckst Gus mit Statistiken. Wobei es Gus vermutlich schon genug beeindruckt, wenn du alle beim Namen kennst. Du wirst ihm die wahrscheinlich hin und wieder unauffällig einflüstern müssen, wenn er sie braucht.“
Bina musste lachen. Um sein Namensgedächtnis war es bei Augustus Crane wirklich nicht gut bestellt. Es war schon faszinierend, wie viele Vornamen mit P ihm am Tag in den Sinn kamen, doch Penny oder Penelope war meistens nicht dabei.
„Zum Glück kann er sich wenigstens seinen eigenen Namen merken. Stell dir mal vor, er würde erfahren, dass ich eigentlich Bina heiße. Das würde ihn ja vollkommen verwirren.“
Dass ihre ganze Mission gefährdet und vermutlich sogar gescheitert wäre, wenn Gus Binas wahre Identität erfahren würde, stand auf einem anderen Blatt Papier. Das war auch etwas, das Charlie und sie zwar immer im Hinterkopf behielten, worüber sie aber nicht zu intensiv nachdachten.

„Ich hoffe, dass ich ihn begleiten darf“, antwortete Bina, als Charlie sie fragte, ob Gus sie später zum Training mitnehmen würde.
„Ich würde gern sehen, wie die Tribute trainieren. Ob das wohl so ähnlich ist wie unser Training zu Hause?“
In Distrikt 13 lernten sie schließlich auch, wie sie mit Waffen umgingen und übten sich regelmäßig im Nahkampf. Großartig anders war es hier wahrscheinlich nicht. Außer, dass die Tribute nicht mit Gewehren und anderen Schusswaffen übten.

„Rede vielleicht nicht zu viel von deinen Erfindern.“
Verwundert schaute Bina Charlie an, der gerade das Make-Up zusammen suchte, das er ihr heute auflegen wollte. Was meinte er damit?
„Ich weiß, du liebst sie ganz heiß, aber... Gus hat ganz eindeutig kein Herz für Schraubenzieher und allgemein sind sie hier nicht unbedingt wahnsinnig beliebt. Die sind eher unauffällig und wir wollen kaum zu viel Aufmerksamkeit auf Leute lenken, die so wichtig für das Gelingen unserer Mission sind“, erklärte er ihr, während er ihre Haare zurück steckte.
„Die haben hier einfach keine Ahnung. Beetee und Wiress sind etwas Besonderes. Allein, wie Beetee seine Spiele gewonnen hat. Das war einfach… genial. Grausam, aber eben auch genial.“
Bina war nun einmal begeistert von den beiden, das konnte sie nicht ändern. Aber sie konnte Charlies Einwand auch verstehen und nahm sich vor, seinen Rat zu beherzigen.
„Ich hab allerdings den Eindruck, dass Gus von den Siegern allgemein nicht viel hält. Ich mein, er hat Spaß, wie jeder andere Kapitoler auch. Aber ich hab gestern Abend die anderen Spielmacher beobachtet. Die dürfen zwar nicht wetten, aber die haben allesamt von ihren persönlichen Favoriten gesprochen. Was die Sieger angeht, hält sich Gus sehr zurück. Über wen sollte ich denn deiner Meinung nach sprechen, wenn nicht über Wiress und Beetee?“
„Katniss und Peeta sind natürlich in aller Munde. Aber du kannst ruhig auch ein bisschen von Finnick und Atlas schwärmen...“, antwortete Charlie und auf sein Gesicht legte sich ein leichtes Grinsen.
Damit würde man bei einem hübschen jungen Mädchen rechnen. Nicht damit, dass es auf ein farbloses, langsam alterndes Pärchen mit einer Überdosis Grips steht.“
Skeptisch schaute Bina Charlie an, während er ihr Gesicht puderte. Bisher hatte sie sich kaum mit Finnick Odair oder Atlas Fairwell beschäftigt, geschweige denn von denen geschwärmt. Wenn man bedachte, dass ein Großteil der Frauen allein schon auf Finnick stand, war Bina wohl tatsächlich etwas seltsam, da sie sich mehr für die Erfinder aus Distrikt 3 und vor allem deren Arbeiten interessierte. Aber es sollte wohl machbar sein, ein bisschen von einem gut aussehenden Sieger zu schwärmen.

Auf jeden Fall musste sie sich wirklich bemühen, nicht zu verdächtig rüber zu kommen. Vor allem nach den Vorkommnissen der letzten Nacht. Die hatten gezeigt, dass man schon wegen Kleinigkeiten ins Visier der Regierung geraten konnte. Und wenn sie entdeckt wurden, stand neben ihren Leben die gesamte Rebellion auf dem Spiel.
Nachdenklich schaute Bina Charlie an, der mittlerweile so vertieft in seine Arbeit war, dass sich die kleine Falte zwischen seinen Augenbrauen deutlich abzeichnete. Schminken schien eine sehr komplizierte Aufgabe zu sein. Eigentlich war es doch endlich einmal an der Zeit, dass sie es selbst mal versuchte. Kurz entschlossen tastete sie unauffällig neben sich, erwischte einen Lippenstift, den sie sofort an Charlies Lippen ausprobierte. Besonders ansehnlich war das Ergebnis allerdings nicht, da er sofort erschrocken zurück wich.
„Sehr hübsch, wirklich“, meinte Bina lachend.
„Ich dachte mir, ich versuch mich mal in deinem Job. Die Farbe steht dir, aber ich sollte das noch etwas ausbessern, oder?“
Grinsend fuchtelte sie mit dem Lippenstift vor Charlies Gesicht herum. Das Make-Up war rar und musste relativ sparsam verwendet werden, zudem hütete er das beinahe wie einen Schatz, doch sie hoffte, dass er ihr ihren kleinen Spaß nicht allzu übel nahm.
Mit einem gespielt nachdenklichen Gesichtsausdruck umkreiste sie Charlie und musterte ihn von oben bis unten.
„Blauer Lidschatten, passend zu deiner Augenfarbe? Gute Idee, oder?“
Prüfend strich sie mit ihrer Hand über Charlies Arm.
„Und diese Haare. Die müssen weg. Überall. Ich glaube, ich hab vorhin ‚dort unten‘ auch das eine oder andere Härchen sehen können. Im Kapitol kannst du so wirklich nicht rumlaufen. Wo sind die Kaltwachsstreifen?“
Sie grinste ihn frech an.
„Du bist ja wirklich niedlich, Kleiner. Aber mit ein bisschen Schminke hier und da würdest du bombastisch aussehen“, behauptete sie und versuchte dabei, wie Charlie zu klingen. Es war schon sehr ironisch, ihn Kleiner zu nennen, wenn sie ihm selbst nur bis unters Kinn reichte.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Mi 18 März - 2:24:46

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
7:45 Uhr
Charlie & Bina

„Ich hoffe, dass ich ihn begleiten darf“, stellte Bina enthusiastisch fest.
Klar hoffte sie das. Das war bestimmt um einiges interessanter als tagaus tagein Gus dabei zuzuhören, wie er über sich selbst redete. Wobei sie da eine recht hohe Toleranzschwelle zeigte, vermutlich, weil der aufgeblasene Kerl zwischendurch immer wieder schamlos mit ihr flirtete. Charlie schnaubte verärgert.
„Ich würde gern sehen, wie die Tribute trainieren. Ob das wohl so ähnlich ist wie unser Training zu Hause?“
„Also da bin ich mir nicht so sicher...“ Er grinste breit. „Davon abgesehen, dass es keine Feuerwaffen gibt... Na ja, sagen wir vielleicht... Nur ein klitzekleines bisschen undisziplinierter... mit Leuten, die gar nicht erst auftauchen oder eventuell nach Alkohol stinken...“
Zumindest konnte er sich nicht bei allen, die er gestern bei der Parade gesehen hatte, vorstellen, dass sie sich beim Training besonders reinhängen würden... Mit dem Drill in Distrikt 13 bestimmt nicht zu vergleichen.

Und genau zu diesen Tributen – wenn die auch vermutlich nicht verkatert dort erscheinen würden – zählten Binas Lieblinge. Zumindest konnte Charlie sich nicht vorstellen, wie Beetee Baxter im Trainingsraum ein Schwert schwang oder Wiress Blair eine Übungspuppe mit Messern massakrierte. Die beiden waren eine seltsame Wahl für Lieblings-Sieger, weshalb er sie darauf aufmerksam machte, das Thema zukünftig vor ihrem Chef nicht mehr allzu sehr auszuwalzen.
„Ich hab allerdings den Eindruck, dass Gus von den Siegern allgemein nicht viel hält.“, stellte sie daraufhin fest und Charlie konnte ihr im Stillen nur recht geben. Für jemanden, der es so jung bei den Spielmachern schon so weit nach oben geschafft hatte, schien er wirklich reichlich unbegeistert von all den diesjährigen Tributen zu sein. Er fragte sich, ob Gus schon in der Schule irgendwie... uninteressiert an den Spielen gewirkt hatte. Aber wieso sollte er sich dann als Spielmacher beworben haben? Charlie zuckte mit den Schultern. War nicht sein Problem. Vermutlich interessierten ihn an dem Job einfach nur das Geld und der Erfolg bei den Frauen.


Statt sich weiter mit Augustus Cranes verkorksten Seelenleben zu beschäftigen, machte er Bina lieber sinnvolle Vorschläge, über welche Sieger sie ausführlich sprechen und schwärmen konnte, ohne negativ aufzufallen, während er anfing, sich darum zu kümmern, dass ihr Gesicht wie üblich höchstens auffällig hübsch aussah. Er fragte sich, ob er ihr nicht einmal beibringen sollte, wie sie das selbst tun konnte. Wenigstens ein stinknormales Standard-Make-up für die Arbeit. Nur für den Fall, dass er einmal... verhindert sein sollte.
Wenn er allerdings daran dachte, wie zappelig sie schon als bloße Leinwand war, hielt sich sein Optimismus für ihr Talent schwer in Grenzen. Immerhin brauchte man hierfür nicht nur Übung sondern generell eine ruhige Hand. Einen perfekten Lidstrich konnte eben wirklich nicht jeder setzen, wie man auf vielen Partys hin und wieder sehen konnte. Eine ruhige Hand, Talent und hohes Maß an Konzentra....


„Hey! Was soll das...?“ Charlie fuhr erschrocken zurück und fuhr sich mit dem Handrücken über den Mund. Rote Farbe. Und ein Lippenstift in Binas Hand. Er blinzelte sie verdutzt an.
„Sehr hübsch, wirklich“
Von wegen hübsch! Er sah bestimmt wie ein Idiot aus!
„Ich hätte dir beinahe ein Auge ausgestochen... oder schlimmer noch... das Make-up komplett versaut.“, beschwerte er sich.
„Ich dachte mir, ich versuch mich mal in deinem Job. Die Farbe steht dir, aber ich sollte das noch etwas ausbessern, oder?“
Ihre diebische Freude daran, sich wie ein Kleinkind zu benehmen, ließ seine Mundwinkel zucken, obwohl er eigentlich versuchte möglichst streng auszusehen, während er geschickt vor dem Lippenstift wegtauchte, den sie immer noch drohend vor seinem Gesicht schwang.
„Vergiss es!“, schnaubte er. „Ich war noch nie jemand, der sich besonders viel Make-up ins Gesicht geschmiert hat. Das hab ich einfach nicht nötig.“
Das Zucken seiner Mundwinkel weitete sich zu einem fetten Grinsen aus.


„Wenn du Farbe auf diesem Mund verteilen willst, musst du das schon auf die klassische Art und Weise machen, Süße.“, neckte er sie und spitzte übertrieben die Lippen, bis ihm wieder einfiel, dass Bina genau das gestern gemacht hatte – wenn auch ohne Lippenstift – und wie unglaublich verwirrend das gewesen war und er widmete sich wieder seinem Heiligtum – dem Schminkkasten, der geöffnet neben seinem Verschönerungs-Objekt stand – um sich auf die Suche nach dem richtigen Farbton zu machen.
„Blauer Lidschatten, passend zu deiner Augenfarbe? Gute Idee, oder?“
Er versuchte sich nicht ablenken zu lassen, musste aber natürlich dennoch aufschauen als sie begann das Zeug auf seinem Arm zu verteilen und was er sah, war absolut empörend.


„Indigo?!“ Das war ja nicht zu glauben, hatte Bina ihm noch nie richtig in die Augen gesehen? Er deutete mit dem Zeigefinger drauf. „Sehen die aus, als würden die auch nur irgendwie in Richtung violett gehen?“
Genau deshalb konnte er sie nicht ihrem Schicksal – also ihren eigenen Schminkkünsten – überlassen. So viel sie von Computern auch verstand, sie konnte nicht einmal einfachste Farbtöne auseinanderhalten. Allerdings ließ sie sich von seinen Protesten nicht die Laune verderben.
„Und diese Haare. Die müssen weg. Überall. Ich glaube, ich hab vorhin ‚dort unten‘ auch das eine oder andere Härchen sehen können. Im Kapitol kannst du so wirklich nicht rumlaufen. Wo sind die Kaltwachsstreifen?“

Dort unten?!
Charlie kratzte sich verlegen um Genick. Im Grunde hatte sie nicht ganz unrecht, seit er sich in Distrikt 13 eingelebt hatte, gab es für ihn durchaus Wichtigeres als seine Körperhygiene. Gerade was das Loswerden von unerwünschten Haaren anging, ließ seine Disziplin mittlerweile ziemlich zu wünschen übrig und jetzt war es ihm doch sehr peinlich, dass ausgerechnet Bina bemerkt hatte... Moment... Warum hatte sie das überhaupt bemerkt?!
Die Verlegenheit wich ganz automatisch aus seinem Gesicht und wurde von einem selbstzufriedenen Grinsen ersetzt, während Bina noch schwer damit beschäftigt ihn auf kindische und absolut unzutreffende Art und Weise zu imitieren.

„Da muss aber jemand ganz genau hingeschaut haben, um die paar kurzen Härchen zu entdecken.“, stellte er gedehnt fest und lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück. Es war ja schließlich nicht so, als würde dort alles maßlos wuchern. Er trimmte immerhin halbwegs regelmäßig. Er war in der Hinsicht nur nicht mehr so diszipliniert wie früher.
Nachdem er sie gespielt streng begutachtet hatte, schüttelte er den Kopf und schnalzte missbilligend mit der Zunge.
„Unglaublich, wie sich die Spanner in diesem Zimmer auf die Lauer legen...“, murmelte er sich lautstark selbst zu. „Und da nennt sie mich einen Perversling, nur weil ich meine Arbeit mache...“
Er grinste sie frech an.
„Aber ist schon in Ordnung, Kleine. Ich versteh das. Die Versuchung war zu süß. Hey, da kann einfach keiner widerstehen. Es ist nur ein Glück, dass dich all meine Herrlichkeit nicht geblendet hat...“, zog er sie auf und musterte sie dann gespielt mitleidig. „Trotzdem hab ich dich jetzt vermutlich damit für die restliche Männerwelt verdorben. Wie soll dich jetzt, da du Perfektion in ihrer reinsten Form kennengelernt hast, jemals noch ein anderer glücklich machen können?“
Äußerst zufrieden mit sich selbst wackelte er mit den Augenbrauen, bevor er wieder nach der Wimperntusche griff und dort weitermachte, wo er vor ihrem kleinen Überfall aufgehört hatte.

„Und jetzt halt still, bevor ich noch einmal von vorne beginnen muss und Gus dich nicht zum Training mitnimmt, weil du zu spät kommst.“
Konzentriert widmete er sich wieder seiner Arbeit, sorgte dafür, dass jeder der vielen Vorzüge in ihrem Gesicht auch perfekt in Szene gesetzt wurde, bis er ihr sanft ein kleines bisschen zuviel an Rouge von der Wange blies und ihr zum Abschluss in die Nase zwickte, um zu signalisieren, dass sie fertig war.
Er legte nachdenklich den Kopf schief, musterte ihr Gesicht von allen Seiten, ob auch wirklich alles passte, bevor er schließlich zufrieden feststellte: „Tja, ich glaube fast, jetzt würde er dich auch zum Training mitnehmen, wenn du zu spät kommen würdest.“


Obwohl das zum Teil seinem eigenen Genie zu verdanken war, wollte ihm der Gedanke aber nicht so recht gefallen und er überlegte kurz, sie noch einmal – und diesmal ein wenig dezenter – zu schminken. Dafür war allerdings keine Zeit mehr.
„Aber falls er dich zu sich nach Hause mitnehmen möchte... lehnst du höflich ab.“, stellte er stattdessen streng fest. Diesem Kerl war alles zuzutrauen. Anbrennen ließ der ganz bestimmt nichts. „Du bist viel zu jung für... vor allem für den... außerdem ist er dein Chef...“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Mi 8 Apr - 22:48:05

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
7:45 Uhr
Charlie & Bina

Wie schockiert Charlie über die Farbe war, die Bina beim Lidschatten ausgewählt hatte. Indigo. Was war denn Indigo? Blau war blau. Hellblau, dunkelblau, blau eben. Dass es da noch mehr Unterschiede gab war doch verrückt. Aber genau genommen hatte Charlie ja recht. Diese Farbe passte wirklich nicht zu seinen Augen. Bei der Haarentfernung an seinem Körper würde er doch aber bestimmt mitmachen. Schließlich war er ja so ein Fan davon.

Zu Binas Zufriedenheit schien es ihm sogar ziemlich unangenehm zu sein, dass sie seine Schamhaare indirekt erwähnt hatte. Wenn er so schamlos halbnackt vor ihr herumlief durfte er sich auch nicht wundern.
„Da muss aber jemand ganz genau hingeschaut haben, um die paar kurzen Härchen zu entdecken.“
Moment! Das klang aber gar nicht nach Verlegenheit.
„Aber ist schon in Ordnung, Kleine. Ich versteh das. Die Versuchung war zu süß. Hey, da kann einfach keiner widerstehen. Es ist nur ein Glück, dass dich all meine Herrlichkeit nicht geblendet hat. Trotzdem hab ich dich jetzt vermutlich damit für die restliche Männerwelt verdorben. Wie soll dich jetzt, da du Perfektion in ihrer reinsten Form kennengelernt hast, jemals noch ein anderer glücklich machen können?“
Fassungslos und empört starrte Bina ihren besten Freund an. So ein selbstverliebter Idiot. Da hatte sie gedacht, ihm endlich einmal überlegen zu sein und dann kam er mit so etwas. Konnte diesem Mann nicht einmal etwas peinlich sein? Ständig führte er sie vor. Aber gut, dann musste sie eben zurück schlagen.
„Bilde dir darauf mal nicht zu viel ein. So besonders ist der nun wirklich nicht. Ich kann mich gerade noch so zurückhalten, mir die Augen nicht auszukratzen.“

Triumphierend grinste sie ihn an. Das war jetzt wahrscheinlich etwas unter die Gürtellinie gegangen, aber Charlie wusste hoffentlich, dass sie das nicht böse meinte. Das waren eben ihre normalen Neckereien. Oder zumindest relativ normal. Charlies Penis war da bisher nie mit einbezogen gezogen.

Ohne weiter darauf einzugehen machte er sich schließlich daran, Bina fertig zu schminken. War er jetzt sauer auf sie? Männer waren, was ihr bestes Stück betraf, ja doch ziemlich eitel. Vielleicht hatte sie nun den Bogen überspannt? Doch andererseits ärgerte er sie auch oft genug, sodass sie wirklich wütend war und er entschuldigte sich nie! Sollte er also ruhig ein wenig schmollen. Um ihn jedoch nicht noch mehr zu reizen, beschloss sie, nun die Finger von dem Make Up und ihn in Ruhe arbeiten zu lassen.
Schon nach kürzester Zeit war er wieder total konzentriert. Wie ein Künstler, der an einem neuen Meisterwerk arbeitete. Die Pinsel glitten sanft über ihr Gesicht. Lippenstift, Wimperntusche, alles trug er perfekt und ohne Fehler auf. Überschüssiges Rouge pustete er ihr von der Wange.
„So viel zum sparsamen Auftragen“, meinte Bina grinsend, während Charlie ihr kurz in die Nase kniff.
„Tja, ich glaube fast, jetzt würde er dich auch zum Training mitnehmen, wenn du zu spät kommen würdest“, sagte er und begutachtete ihr Gesicht noch einmal genau, bevor sein Blick ernster wurde.
„Aber falls er dich zu sich nach Hause mitnehmen möchte... lehnst du höflich ab. Du bist viel zu jung für... vor allem für den... außerdem ist er dein Chef...“

Überrascht und verwirrt schaute Bina ihn an. Was sollte das denn jetzt?
„Zu jung für Sex?“, fragte sie verdutzt. Sie war zwanzig! Charlie wusste außerdem, dass sie keine Jungfrau mehr war. Was sollte das also? Und wie kam er jetzt darauf, dass Gus sie zu sich nach Hause einladen wollen würde?
„Charlie, ist alles okay? Ich bin schon groß, ich kann auf mich aufpassen.“
Sie grinste ihn breit an und knuffte ihn kurz gegen den Oberarm. Er verhielt sich wirklich seltsam.
„Gus hat doch noch nie irgendwelche Andeutungen gemacht, dass er in irgendeiner Weise Interesse an mir hätte. Er kann sich ja noch nicht mal meinen Namen merken. Außerdem glaube ich, dass er eine Freundin hat. Gestern auf der Party hatte er sich mit einer Frau unterhalten, die ihm ziemlich nahe kam.“
Zwar hatte Bina die meiste Zeit am Buffet verbracht, aber sie hatte dennoch natürlich Augen und Ohren offen gehalten und Gus und die junge Frau hatten sehr vertraut miteinander gewirkt.

„Allerdings war sie schnell wieder gegangen“, fiel Bina noch ein und zuckte mit den Schultern. „Vermutlich ist sie gar nicht seine Freundin, aber ich glaube trotzdem, dass die beiden sich nahe stehen. Auf jeden Fall wären die ein hübsches Paar, find ich. Wenn ich es richtig verstanden hab, war ihr Name Caprice oder so ähnlich. Ich stand etwas zu weit weg.“
Außerdem war sie dann doch viel zu sehr von den Köstlichkeiten des Buffets abgelenkt worden, als dass sie sich für Gus‘ Gesprächspartnerin interessiert hätte.
Sie stand vom Bett auf, zupfte sich das Kleid zurecht und schlüpfte in ihre Schuhe, ehe sie sich wieder zu Charlie umdrehte. Sie ging auf ihn zu und beugte sich zu ihm hinunter.
„Du musst dir wirklich keine Sorgen machen. Und falls doch etwas passiert…“
Sie deutete auf ihr linkes Ohr, hinter dem das kleine, unauffällige Headset angebracht war, über das Charlie mit ihr reden konnte und tippte anschließend auf die Brosche an ihrem Ausschnitt, die eine kleine Kamera war.
„…dann bist du doch da und kannst mich warnen. Du bist mein Schutzengel.“
Sie lächelte sanft und küsste ihn kurz auf die Wange. Nach dem Vorfall in der vergangenen Nacht mussten sie natürlich noch achtsamer sein als bisher, aber es half ihnen nicht, wenn sie sich gegenseitig verrückt machten. Sie mussten Ruhe bewahren und ihre Mission erfüllen. Distrikt 13 zählte auf sie beide.

„Ich muss dann jetzt langsam los“, meinte sie schließlich und zog sich ihre Jacke an.
„Mach dir keine Sorgen, es wird schon nichts passieren. Bis später, Charlie.“
Mit diesen Worten verließ sie das Zimmer und zog die Tür hinter sich zu. Es war wirklich süß, wie besorgt er um sie war, dennoch war es Bina ein Rätsel, wie er überhaupt auf den Gedanken kommen konnte, dass Gus irgendwie versuchen könnte, sich an sie heran zu machen. Überhaupt hatte Charlie, wenn sie so darüber nachdachte, so geklungen, als hätte er da wirklich ernsthafte Bedenken. Fast so, als wäre er eifersüchtig. Sie musste sich ein Lachen verkneifen. Das war ja albern. Charlie und eifersüchtig? Unmöglich. Sie waren beste Freunde und sonst nichts. Sie hatten sich wirklich gern und verbrachten sehr viel Zeit miteinander. Dass man sich da schon mal etwas Sorgen machte, war normal, aber das musste ja nicht gleich Eifersucht sein. Oder etwa doch…?
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Sa 11 Apr - 0:45:56

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
7:50 Uhr
Charlie & Bina

„Zu jung für Sex?“
Sie klang fast beleidigt. Charlie schnaubte nur, statt darauf zu antworten. Was sollte er ihr auch sagen, dass es dabei nicht um das Alter ging? Wenn er es wagte, das Wort 'naiv' in den Mund zu nehmen, würde sie ihn wahrscheinlich zeternd und auf ihn einprügelnd durch das Kapitol jagen, bis sie beide verhaftet wurden. Doch die Wahrheit war, dass sie tatsächlich viel zu nett dafür war. Nicht für Sex an sich, aber für die Leute hier. Denen konnte man nicht trauen. Er kannte solche Kerle...
Natürlich war sie auch viel zu lieb und gutmütig für den arroganten Idioten gewesen, mit dem sie vor einer Weile zusammen gewesen war. Aber das war etwas völlig anderes gewesen. Eine Erfahrung, die sie selbst hatte machen müssen, sich darin einzumischen, war definitiv nicht sein Recht gewesen. Wenn man hier im Kapitol einen Fehler machte – wie zum Beispiel den falschen Menschen zu vertrauen – konnte man hingegen mit seinem Leben bezahlen.

„Charlie, ist alles okay? Ich bin schon groß, ich kann auf mich aufpassen.“
Er brummte halb zustimmend, halb immer noch skeptisch. Bina war immerhin alles andere als dumm. Sie würde bestimmt nicht auf so einen eingebildeten Schönling reinfallen. Oder doch?! Immerhin war das alles komplett neu für sie. Die ganzen Maschen. Hübsche, schmeichelnde Worte, teure Geschenke, vielleicht würde sich ihr Hirn dann doch plötzlich ausschalten?
„Gus hat doch noch nie irgendwelche Andeutungen gemacht, dass er in irgendeiner Weise Interesse an mir hätte.“
Gutes Argument. Allerdings hatte er ihr schon ein paar Komplimente gemacht und sie war hübsch. Und klug und witzig. Und verdammt lieb. Charlie sah eigentlich keinen Grund, warum der Kerl nicht an ihr interessiert sein sollte. Vermutlich hatte er sich bisher nur zurückgehalten, weil er ihr Chef war.

„Er kann sich ja noch nicht mal meinen Namen merken.“
„Das bedeutet gar nichts!“, versuchte er ihre Argumentation zu unterbrechen, doch sie war in Fahrt und hörte ihm kaum zu. „Ich hab schon miterlebt, dass er für die Namen seiner festen Freundinnen Spickzettel gebraucht hat.“
Gut, das war ein bisschen übertrieben. Aber auch wirklich nur ein bisschen. Gus' Namensgedächtnis war geradezu legendär.
„Außerdem glaube ich, dass er eine Freundin hat.“
Charlie hörte auf, sein Zeug zusammenzupacken und zog fragend eine Augenbraue hoch. Das war neu für ihn. Nicht gerade unmöglich, aber neu. Und durchaus eine interessante Information.

„Gestern auf der Party hatte er sich mit einer Frau unterhalten, die ihm ziemlich nahe kam.“
„Ach ja?“, entfuhr ihm überrascht. Er war doch – mehr oder weniger – dabei gewesen. Durch 'Binas Busen-Cam', wie er die Brosche heimlich gern nannte, hatte er keine Freundin ausmachen können. Nur jede Menge Kuchen und andere Köstlichkeiten, die er nicht haben hatte können. Na ja, zumindest bis auf die paar Trost-Stückchen, die Bina ihm freundlicherweise mitgebracht hatte.
Sie erklärte, dass die ominöse Frau wohl schnell wieder verschwunden war. Ein seltsames Verhalten für eine feste Freundin. Vermutlich verstand Bina so wenig von Beziehungs-Angelegenheiten im Kapitol, dass sie nicht einmal eine Kellnerin von einer Geliebten unterscheiden konnte.
Aber zumindest gab sie ihren Fehler dann doch noch zu. Offenbar wollte sie Gus nur verkuppelt sehen, wobei Charlie nicht abstreiten konnte, dass ihn das auch ein wenig beruhigen würde. Ein verliebter Chef, war immerhin vermutlich bei seiner Assistentin ein wenig nachsichtiger und weniger misstrauisch.

„Auf jeden Fall wären die ein hübsches Paar, find ich. Wenn ich es richtig verstanden hab, war ihr Name Caprice oder so ähnlich. Ich stand etwas zu weit weg.“
Er fuhr zusammen.
„Meinst Catrice?“, hakte er ungläubig nach. Wie hatte Bina die für Gus Freundin halten können?!
„Catrice Bellamy? Eine Designerin? Zierlich, dunkelhaarig, sieht ein bisschen aus wie eine Elfe und hat dabei das Temperament eines wild gewordenen Nashorns?“
Ausgerechnet die... Charlie verzog das Gesicht, bevor er bestimmt den Kopf schüttelte.
„Niemals! Die können sich nicht einmal leiden. Vermutlich ist sie vorbeigekommen, um seinen Drink zu vergiften.“
Dass die nach all den Jahren überhaupt noch in Kontakt standen... Er selbst hatte sie auch vor seiner Zeit Distrikt 13 ewig nicht gesehen. Wenn er sich recht erinnerte, zuletzt auf einer Party nach der Parade bei seinen ersten Hungerspielen, wo sie ihm mit einem süßlichen Lächeln im Gesicht zu seinem Erfolg gratuliert und im Anschluss durch die Blume festgestellt hatte, wie viel schwieriger es wäre, auf 'traditionellem Wege' im Mode-Business Fuß zu fassen. Dabei sie selbstverständlich ihre ersten Erfolge herausgehoben und zeitgleich angedeutet, er hätte seinen Job nur wegen seines Vaters bekommen. Etwas, das ihn damals besonders geärgert hatte, weil es unbestreitbar wahr gewesen war.

„Außerdem hat sie es nicht so mit der Treue.“, fügte er knurrend hinzu und wurde ein wenig rot, als sie deswegen ihre Aufmerksamkeit auf ihn richtete, räumte geschäftig seine Schmink-Utensilien zusammen. „Ist schon ewig her. Wir waren noch jung, vielleicht hat sie sich ja verändert.“
Wobei er sich das bei ihr nur schwer vorstellen konnte, aber er selbst war auch nicht mehr der gleiche Mann, der er damals gewesen war. Wahrscheinlich sollte er selbst Catrice Bellamy die Möglichkeit sich zu verändern einräumen.
Bina stand auf und schlüpfte in ihre Schuhe. Er warf einen Blick auf die Uhr. Gerade noch rechtzeitig.

„Du musst dir wirklich keine Sorgen machen.“, stellte sie fest. „Und falls doch etwas passiert…“
Sie tippte sich auf die Brust und Charlie machte ein schockiertes Gesicht. Gus' Aufmerksamkeit in dem Fall auch noch auf ihren Ausschnitt zu lenken, war seiner Meinung äußerst kontraproduktiv. Immerhin stellte sie dort zwei ausgesprochen wohlgeformte Argumente dafür, Interesse an ihr zu zeigen, zur Schau. Er sollte unbedingt anfangen, Binas Arbeits-Garderobe zu überdenken. Das lenkte ihren Chef nur von seiner Arbeit ab.
„…dann bist du doch da und kannst mich warnen. Du bist mein Schutzengel.“
Ach, sie meinte die Busen-Cam... Charlie war ein bisschen erleichtert, brummte aber dennoch missmutig. Ein richtig toller Schutzengel war er. Konnte nur hier sitzen und dabei zusehen, wie sie in ihr Verderben lief, ohne ihr irgendwie zur Hilfe kommen zu können.

Sein leises Murren verstummte erst, als er ihre Lippen auf seiner Wange spürte, was ihn überrascht aufsehen ließ. Die gestrige Nacht hatte sie wohl beide ein wenig sentimental gemacht. Normalerweise verlief ihr Abschied, wenn Bina zur Arbeit ging, meist doch ein wenig abgehackter und gestresster. Nicht, dass er etwas gegen neue Rituale einzuwenden hatte. Besonders nicht, wenn sie so angenehm waren.
„Ich muss dann jetzt langsam los“, stellte sie fest.
„Eigentlich sogar schon schnell.“ Sein Blick wanderte wieder zur Uhr. Er hasste Unpünktlichkeit... andererseits hätte er Bina heute wirklich lieber hier behalten, wo er direkt ein Auge auf sie haben und für ihre Sicherheit sorgen konnte.
„Pass auf dich auf!“, verlangte er mit unbestreitbar ängstlichem Unterton. Diesmal schämte er sich nicht einmal dafür. Gestern Nacht war eine Frau ganz in ihrer Nähe verhaftet und hingerichtet worden. Natürlich hatte er Angst um seine beste Freundin... und hasste sich selbst dafür, dass er hier festsaß und nichts für sie tun konnte.
„Mach dir keine Sorgen, es wird schon nichts passieren. Bis später, Charlie.“
Ohne noch auf eine Erwiderung zu warten, rauschte sie hinaus. Er starrte noch eine Weile besorgt auf die Tür, ohne sich von seinem Platz wegzubewegen.
Wenn er das nur mit Sicherheit wüsste.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am So 24 Mai - 18:54:48

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
19:30 Uhr
Bina & Charlie (& und Skyler via Video-Chat)

Fasziniert schaute Bina sich im Spiegel an. Die Outfits, die Charlie bisher für sie zusammengestellt hatte, waren immer wunderschön gewesen, doch dieses Kleid übertraf alles. Es war blau, bodenlang und einfach traumhaft. Begeistert drehte sich Bina einmal um die eigene Achse. Sie fühlte sich beinahe wie eine Prinzessin. Mit strahlendem Gesicht schaute sie zu Charlie.
„Du bist wirklich so etwas wie ein Zauberer!“
Und das meinte sie ernst, auch wenn er sie oft nervte mit seinen Lockenwicklern und Lippenstiften. Er war talentiert und sorgte dafür, dass jeder ihr die Rolle der Kapitolerin abkaufte. Zum Glück waren die Menschen in dieser Stadt so oberflächlich, dass sie hauptsächlich nur auf das Aussehen achteten.

„Tut mir Leid, dass du nicht mitkommen kannst“, sagte sie, als sie Charlies bedrücktes Gesicht bemerkte. Er hasste es mehr und mehr, sich in diesem Hotelzimmer verstecken zu müssen. Er versuchte, sich das nicht anmerken zu lassen, doch Bina kannte ihn eben einfach zu gut. Er konnte ihr nichts verheimlichen.
„Das ist doch ein Maskenball…“, sagte sie weiter und setzte sich neben ihn. „Es würde dich doch sowieso niemand erkennen, wenn du eine Maske trägst…“
Theoretisch hatte sie Recht, dennoch war das Risiko viel zu groß. Auch wenn er seit drei Jahren nicht mehr im Kapitol lebte, war Charlie dort kein Unbekannter. Vielleicht war seine Exfreundin dort, die ihn damals verraten hatte. Es würde schon reichen, wenn ihn diese Catrice Bellamy erkannte oder eben Gus. Von den Friedenswächtern ganz zu schweigen. Ihnen war beiden klar, dass Charlie das Zimmer nicht verlassen sollte, trotzdem würde Bina am liebsten alle Vorschriften in den Wind schießen, nur damit er mal raus kam. Das Kapitol war seine Heimat und er vermisste es.
„Bestimmt wird der Abend total langweilig…“
Tatsächlich war es so, dass Bina insgeheim den Wunsch hatte, mit Charlie auf diesen Ball zu gehen. Zu so einem Ereignis ging schließlich niemand gern allein. Außerdem wäre es einfach schön, wenn er es live miterleben könnte, anstatt nur über die kleine Kamera, die als Brosche getarnt an ihrem Kleid befestigt war. Zudem würde er in einem Anzug bestimmt großartig aussehen. Er vermisste es bestimmt, sich schick anzuziehen. Jeden Tag steckte er sie in ein anderes hübsches Kleid und er trug immer nur abgetragene Hosen und Shirts.

„Es dauert nicht mehr lang, Charlie“, versuchte sie ihn aufzumuntern. „Du wirst sehen, sobald die Rebellion gewonnen ist, kannst du hierher zurückkehren und brauchst dich nicht mehr verstecken. Du musst nur noch ein bisschen Geduld haben.“
Sie griff nach seiner Hand und drückte sie sanft. Sie wusste nicht, was sie sonst noch sagen sollte. Das war eine verzwickte Situation. Seit zwei Monaten schon verschanzten sie sich in diesem Zimmer und so allmählich waren sämtliche aufmunternden Phrasen aufgebraucht. Tagein, tagaus hier drin zu sein und nichts tun zu können außer über einen Bildschirm zu beobachten, was Bina tat, musste schrecklich frustrierend für Charlie sein und Bina wusste nicht, wie sie das noch schönreden sollte, damit es ihm nicht allzu schlecht ging.

„Ich muss jetzt los.“
Im selben Moment, als Bina das sagte, leuchtete plötzlich der Bildschirm des Laptops auf. Distrikt 13 rief sie an. Auf dem Bildschirm erschien Skyler.
„Ach du bist es. Ich dachte schon, das wäre ein wichtiger Anruf“, scherzte sie und grinste ihn frech an.
„Ja ja, du fehlst mir auch“, antwortete er mit einem ebenso breiten Grinsen. „Wie geht’s euch? Ihr könnt euch nicht vorstellen, was heute Morgen passiert ist. Das glaubt ihr mir nie. Ich…“
„Skyler, entschuldige, aber ich muss dringend weg“, sagte Bina schnell. Zum einen, weil sie wirklich los musste und zum anderen, weil sie nicht erwartete, dass er etwas wirklich Wichtiges zu erzählen hatte.
„Du kannst es ja Charlie erzählen. Bis bald, Sky!“
Mit diesen Worten zog sie sich ihren Mantel an, verabschiedete sich noch schnell von Charlie und huschte aus dem Zimmer.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Skyler Dane (n.a.) am So 24 Mai - 19:07:47

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
19:30 Uhr
Charlie & Skyler (via Video-Chat)

Skyler schaute ihr hinterher, ehe er den Blick zu Charlie wandte.
„Sie sieht süß aus. Und so lässt du sie einfach gehen? Ich an deiner Stelle würde ja verrückt bei dem Gedanken werden, Bina in so einem Aufzug allein loszuschicken. Die Kapitoler wechseln ihre Frauen schließlich wie ihre Unterhosen. Nichts für ungut natürlich.“
Schnell hob er beschwichtigend die  Hände, nicht, dass Charlie noch dachte, das würde sich auch auf ihn beziehen.
„Wie läuft es denn zwischen euch? Hier bei uns laufen Wetten in unserem Jahrgang.“
Vielsagend grinste Skyler Charlie an. Dass zwischen ihm und Bina irgendetwas war, war kein Geheimnis. Das merkte schließlich jeder. Nur die beiden selbst mussten wohl noch in die richtige Richtung geschubst werden. Aber nach zwei Monaten auf beengtem Raum mit nur einem Bett war es ziemlich vorhersehbar, dass die sich nicht mehr widerstehen konnten.
„Ich hab gehört, ihr Chef ist so’n reicher Schnösel in deinem Alter? Sie konzentriert sich aber schon auf ihren Job, oder?“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Mo 25 Mai - 0:13:34

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
19:30 Uhr
(Bina&)Charlie & Skyler (via Video-Chat)

„Du bist wirklich so etwas wie ein Zauberer!“  
Bina sah ihn so überglücklich an, dass er sich schweren Herzens zu einem Lächeln zwang. Ihm gefiel dieses Kleid überhaupt nicht. Also natürlich hatte es das. In seinem Kopf. Auf dem Papier. Sogar noch auf dem Kleiderhaken. Nur am lebenden Objekt gab es da so einiges, das ihn störte.
Der Ausschnitt zum Beispiel. Oder eher, dass Bina ihn tatsächlich ausfüllte.
Oder wie sehr der eng geschnittene, aber durch den Stoff doch sehr fließend über ihre Hüften fallende Stoff ihre Kurven noch betonte.
Er konnte nur mit Mühe den Impuls unterdrücken, ihr das ganze Make-up aus dem Gesicht zu wischen und Rattenschwänzchen statt der aufwendigen Frisur zu flechten. Davon abgesehen, dass er sie am liebsten in eine dieser lieblosen grauen Hose-Shirt-Kombinationen gepackt hätte.
In diesem Kleid sah sie nicht ansatzweise so jung und unschuldig aus, wie sie auf ihn wirkte, während sie sich mit kindlichem Enthusiasmus vor dem Spiegel drehte und entzückt ihr Outfit begutachtete.
Und das, wo sie hinging, war das reinste Haifisch-Becken, in dem die hungrigen Monster schon ihre Kreise zogen und nur auf einen zu unvorsichtigen und leichtgläubigen Leckerbissen warteten...


„Tut mir Leid, dass du nicht mitkommen kannst“, riss sie ihn aus seinen Gedanken.
„Hmmm...?“
Er schüttelte kurz den Kopf und grunzte dann doch nur missmutig. Ja, das nagte durchaus auch an ihm. Davon abgesehen, dass es ihm Sorgen bereitete, ihr nur ins Ohr brüllen zu können, falls sie dabei war, einen großen Fehler zu begehen... dieser Ball war bestimmt der Wahnsinn. Das Essen, die Musik, die vielen Kleider, die es zu bewundern gab. Die vielen Menschen, mit denen man sich unterhalten konnte.
Nicht, dass er Binas Gesellschaft nicht genoss. Vermutlich war sie so ziemlich der einzige Mensch auf der Welt, der ihm nach so langer Zeit in einem kleinen Zimmer, nur hin und wieder ein wenig auf die Nerven fiel und über dessen Gesellschaft er sich immer noch freute. Dennoch blieb sie... der einzige Mensch, den er seit über zwei Monaten persönlich getroffen hatte. Wenn man von den paar kurzen Gesprächen mit Zimmerservice oder ähnlichem absah, die hin und wieder notwendig waren.


„Das ist doch ein Maskenball…“  
Jaaaa.... Maskenball. Auf so etwas war er tatsächlich in seinem Leben nur sehr selten gewesen und es war jedes Mal wahnsinnig aufregend. Halb verkleidet verlor man auch einmal schneller seine Hemmungen, sei es nun, was den Alkoholkonsum und unangebrachtes Verhalten anging, oder auch nur Gespräche mit Leuten, an die man sich sonst nie herantrauen würde. Oder etwas mutigere Annäherungen an das andere... Er biss fest die Zähne zusammen und unterdrückte ein leises Knurren.
„Es würde dich doch sowieso niemand erkennen, wenn du eine Maske trägst…“  
Da mochte etwas dran sein, doch es waren diesmal auch weniger die Friedenswächter, die er fürchtete...
„Aber sie würden es eventuell merken, wenn ich meinen Posten verlasse.“, entgegnete er mit gequälter Stimme. „Commander Kakuheiki würde mich durch den Fleischwolf drehen.... und dann als Abendessen verfüttern.“
Nein, es kam nicht in Frage, auf den Ball zu gehen. So gern er auch wollte. Zwar hingen hier im Schrank neben all der grauen Pracht tatsächlich ein paar wenige passende Outfits, doch die waren nur für den Notfall gedacht. Wenn sie dringend hier aus dem Hotel verschwinden mussten, weil sie aufgeflogen waren und unauffällig in einer Menschenmenge untertauchen wollten.
Richtige Notfälle. Nicht dafür, dass er sich dringend einmal die Füße vertreten musste, bloß weil er hier drinnen mittlerweile schon ein kleines bisschen wahnsinnig wurde.


„Bestimmt wird der Abend total langweilig…“, versuchte sie ihn zu trösten, doch er sagte nichts und hob nur vielsagend eine Augenbraue. Was glaubte sie, wem sie das hier erzählte? Er konnte sich gut vorstellen, wie der Abend werden würde und 'langweilig' war ganz bestimmt nicht das Eigenschaftswort, das er ausgesucht hätte, um das zu beschreiben. Allerdings würde er schon dafür sorgen, dass Bina nicht zu viel Spaß hatte und wenn er sie permanent daran erinnern musste, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren, egal wer gerade um sie herum scharwenzelte. Er befestigte wie üblich die Busen-Cam an ihrem Ausschnitt und zwang sich nicht darüber nachzudenken, ob er heute Abend vielleicht eine Strichliste über die Anzahl der männlichen Gäste, die zu direkt hineinblickten, führen sollte.


„Es dauert nicht mehr lang, Charlie“ Er brummte nur missmutig. Sie hatten bisher noch kein Wort darüber gehört, wie lange dieser Auftrag laufen sollte. Alles, was sie wussten, war, dass es wohl über die Spiele hinausging. Manchmal, wenn er besonders lang die Wände dieses jede Woche kleiner werdenden Zimmers angestarrt hatte, fragte er sich, ob ihr Einsatz einfach generell so lange geplant war, wie sie es eben schafften, nicht aufzufliegen und hingerichtet zu werden...
„Du wirst sehen, sobald die Rebellion gewonnen ist, kannst du hierher zurückkehren und brauchst dich nicht mehr verstecken. Du musst nur noch ein bisschen Geduld haben.“  
„Ich bin äußerst geduldig.“, beschwerte er sich. „Und anspruchslos. Ehrlich, ich wäre schon glücklich und zufrieden durch unsere stickigen alten Gänge zu latschen, um im Speisesaal mit allen anderen ekelhaftes, vorgekaut schmeckendes Zeug in mich reinzustopfen.“
Solang er dabei wenigstens mit anderen Menschen am Tisch saß und sich keine Sorgen darüber machen musste, ob Bina überhaupt wieder heimkehren würde...
Er strich ihr vorsichtig mit dem Daumen über den Handrücken und machte auch keine Anstalten loszulassen, als sie aufstand, um sich zu verabschieden.
„Ich muss jetzt los.“  
Charlie brummte nur leise und hielt ihr seine Wange hin, um wenigstens einen Abschiedskuss zu bekommen, wenn er schon wieder den ganzen Abend allein hier verbringen musste, während sie Leckereien aß und aufregende Leute traf. Aber noch bevor sie diese kleine Pflicht erfüllen konnte, öffnete sich plötzlich ein Fenster an seinem Tablet und ein Gesicht, das er in letzter Zeit viel zu selten sah, tauchte darin auf.


„Ach du bist es. Ich dachte schon, das wäre ein wichtiger Anruf“, zog Bina den überraschenden 'Besucher' sofort auf, doch Charlies Miene erhellte sich urplötzlich. Jemand, mit dem er sich unterhalten konnte. Jemand von zu Hause. Besser noch... ein Freund. Auch, wenn er fallweise noch so viel Müll zusammen brabbelte.
„Wie geht’s euch?“ Wie üblich machte Skyler nicht einmal lang genug Pause, als dass sie auch nur Luft holen hätten können, um zu antworten, denn schließlich hatte er aus einem anderen Grund angerufen. Er schien beinahe zu platzen, so dringend wollten seine Neuigkeiten hinaus – allerdings war das Skyler. Der konnte durchaus auch nur ein Gerücht über irgendjemanden gehört haben, den er kaum kannte...
„Skyler, entschuldige, aber ich muss dringend weg“, würgte Bina ihn sofort ab und machte sich aus dem Staub. Ohne Abschiedskuss.
Charlie sah ihr unglücklich nach und warf dem Tablet dann einen anklagenden Blick zu. Wehe, seine Nachrichten waren das nicht wert!


„Sie sieht süß aus. Und so lässt du sie einfach gehen?“ Das waren keine Neuigkeiten, das war nur Gedankenlesen. Ausgesprochen unerwünschtes Gedankenlesen! Er presste verärgert die Lippen zusammen. Dann war also nicht nur ihm aufgefallen, dass Bina in diesem Kleid ein wenig zu hübsch aussah. „Ich an deiner Stelle würde ja verrückt bei dem Gedanken werden, Bina in so einem Aufzug allein loszuschicken. Die Kapitoler wechseln ihre Frauen schließlich wie ihre Unterhosen. Nichts für ungut natürlich.“  
„Sie ist diszipliniert, professionell und alles andere als dumm. Sie kann schon auf sich aufpassen.“, brummte er, obwohl er ein paar Minuten vorher auch nichts anderes gedacht hatte. „Und wie überall sind auch im Kapitol nicht alle Männer gleich. Die gleichen Arschlöcher gibt es in 13 auch. Nur dass hier sowohl die Unterwäsche als auch die Frauen ein wenig farbenfroher sind...“
Er konnte sich die boshafte Spitze nicht verkneifen und seine Mundwinkel zuckten ein wenig, während er Skyler unschuldig ansah.
„Und natürlich wechselt man in 13 auch seltener die Unterwäsche... ob das vorteilhaft ist, sei allerdings dahingestellt...“


Wenn er wirklich gedacht hätte, er könnte seinen Frust an seinem Freund auslassen, hatte er sich allerdings getäuscht. Der ignorierte ihn völlig und grinste nur noch breiter.
„Wie läuft es denn zwischen euch? Hier bei uns laufen Wetten in unserem Jahrgang.“  
„Was für Wetten?“ Einen kurzen Moment lang, war er tatsächlich irritiert, dann konnte er allerdings Skylers schmutzigen Gesichtsausdruck richtig deuten und rollte mit den Augen.
„Bestens läuft es.“, erwiderte er sachlich, dachte gar nicht daran auf die dämliche Gerüchteküche einzugehen. „Immerhin erledigen wir unseren Job fehlerlos und haben es geschafft uns noch nicht an die Gurgel zu gehen, obwohl wir ständig aneinander kleben.“
Wobei es ihn schon ein kleines bisschen interessierte, worauf sie genau wetteten. Doch er wusste einfach zu gut, dass er es bereuen würde nachzufragen.
„Ich hab gehört, ihr Chef ist so’n reicher Schnösel in deinem Alter? Sie konzentriert sich aber schon auf ihren Job, oder?“  
„Gus?“ Seine Miene wurde misstrauischer und er zog automatisch die Augenbrauen zusammen. Was hatte der den jetzt mit diesen Wetten zu tun.
„Ja. Wir waren gemeinsam in der Schule und... befreundet. Er ist... okay.“ Wenn er nicht gerade total schamlos mit Bina flirtete. Was doch relativ eindeutig genau das war, worauf Skyler hinauswollte. Wie kam es, dass man sogar am anderen Ende Panems – weit unter der Erde – davon gehört hatte? War das wirklich so offensichtlich?
Charlie schob schlecht gelaunt den Unterkiefer vor. Da sah er endlich mal wieder ein anderes freundliches Gesicht als Binas – wenn auch ein wenig hübscheres – und dann nervte Skyler ihn nur mit Dingen, über die er sich schon genug Gedanken machte, wenn er hier alleine in seinem viel zu stillen Kämmerchen saß.
„Natürlich konzentriert sie sich auf ihren Job. Als Assistentin eines Spielmachers kann sie sich keine Sekunde Unaufmerksamkeit erlauben.“, stellte er entschieden fest. „Und du kennst Bina, sie muss in allem die beste sein, für das man irgendwie Köpfchen beweisen muss.“
Das war der einzige Grund dafür, dass sie freiwillig so viele Überstunden für Gus schob. Ganz bestimmt. Er schnaubte leise und schüttelte dann den Kopf, um gedanklich von dem Thema loszukommen.


„Aber was ist mit dir? Hattest du nicht ach so unglaubliche Neuigkeiten zu erzählen?“, versuchte er abzulenken. „Was ist los? Hat dir jemand von einem angeblichen Guckloch bei den Frauenduschen erzählt?“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Skyler Dane (n.a.) am Do 28 Mai - 0:35:58

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
19:40 Uhr
Charlie & Skyler (via Video-Chat)


Fairweather konnte abblocken und versuchen auszuweichen, wie er wollte. Man sah es ihm an der Nasenspitze an, dass er Bina nur höchst ungern alleine gehen ließ. Und das lag ganz bestimmt nicht nur daran, dass er sich Sorgen um sie machte.
„Immerhin erledigen wir unseren Job fehlerlos und haben es geschafft uns noch nicht an die Gurgel zu gehen, obwohl wir ständig aneinander kleben“, sagte er, woraufhin Skyler ihm nur einen skeptischen Blick schenkte. Die waren offensichtlich verrückt nacheinander und da war noch nichts gelaufen?! Wenn da nicht bald mal etwas passierte, verlor Skyler noch seine Wette und er müsste einen Monat lang Latrinen schrubben. So allmählich mussten die beiden sich ranhalten.

Zumindest schien Charlie nicht so positiv auf Binas Chef zu sprechen sein. Jedenfalls wirkte er nicht, als würde er den Kerl mögen. Klar, es war für ihn sicher nicht leicht, den ganzen Tag einen anderen Typen an Binas Seite zu sehen.
„Natürlich konzentriert sie sich auf ihren Job. Als Assistentin eines Spielmachers kann sie sich keine Sekunde Unaufmerksamkeit erlauben. Und du kennst Bina, sie muss in allem die beste sein, für das man irgendwie Köpfchen beweisen muss.“
„Mhm… und wo ist sie jetzt? Sie war ja sehr festlich angezogen. Ist sie die Begleitung von diesem… Gus?“, stichelte Skyler weiter. Möglicherweise war Charlie ja ein wenig eifersüchtig, doch der hatte nicht vor, sich weiter auf dieses Thema einzulassen.

„Aber was ist mit dir? Hattest du nicht ach so unglaubliche Neuigkeiten zu erzählen? Was ist los? Hat dir jemand von einem angeblichen Guckloch bei den Frauenduschen erzählt?“, fragte er, um von sich abzulenken. Skyler stand kurz auf, um die Empfehlung für die eigene Wohneinheit aus seiner Hosentasche zu holen. "Besser, Fairweather. Viel besser." Er strich das Papier etwas glatt und hielt es vor den Monitor.
„Heute Morgen kam Barker zu mir und hat mir das hier gegeben“, antwortete er und blickte kurz hinter sich. Garrett hatte ihm geraten, niemandem etwas davon zu erzählen, beziehungsweise davon, dass er etwas damit zu tun hatte und Skyler zweifelte nicht daran, dass seine Rache um einiges schrecklicher ausfallen würde als einen Monat stinkende Klos zu putzen aufgrund einer verlorenen Wette. Er sollte vorsichtig mit dem sein, was er sagte.

„Dieser Wisch hier hilft mir, eine eigene Wohneinheit zu bekommen. Seine Unterschrift ist da drauf. Keine Ahnung, was den Kerl da heute geritten hat.“
Dass Bob seine Finger mit im Spiel gehabt haben musste, war ihm bewusst, aber dass der kleine Angsthase so einen Einfluss auf Barker hatte, war schon irgendwie… beeindruckend. So nervig es auch war, dass er sich in seine privaten Angelegenheiten mischte, obwohl er genau wusste, wie sehr Skyler das verabscheute.

„Aber das war noch nicht alles!“, sagte er weiter und rutschte aufgeregt auf seinem Stuhl hin und her.
„Der Captain ist momentan äußerst gönnerhaft, glaub ich. Jedenfalls hat er endlich einmal erkannt, was ich eigentlich drauf hab.“
Mit vor Stolz geschwellter Brust grinste er Charlie durch den Monitor hindurch an.
„Der hat mich in seiner Spionageeinheit aufgenommen. Ich dachte, der hasst mich, aber immerhin erkennt der Qualität. Es wurde auch wirklich Zeit, dass meine Fähigkeiten anerkannt werden.“
Schließlich gehörte er beim Training zu den besten in ihrem Jahrgang. Er konnte vielleicht nicht so sehr mit Intelligenz punkten wie Bina oder Geordie, doch seine praktischen Fähigkeiten waren dafür umso besser. Er würde nicht so ein Versager werden wie sein Vater und nun war seine Zeit gekommen, das auch zu beweisen.

„Wer weiß, vielleicht leiste ich euch beiden im Kapitol bald Gesellschaft. Falls ihr nicht mehr klarkommt, kann ich auch als Erstklassespion unterstützen. Ein Informant mehr im Kapitol kann sicher nicht schaden. Du wirst sehen, ich wird‘s Barker schon beweisen, dass es die richtige Entscheidung war, mich in seinem Team aufzunehmen.“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Fr 29 Mai - 18:12:14

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
19:45 Uhr
Charlie & Skyler (via Video-Chat)

„Mhm… und wo ist sie jetzt? Sie war ja sehr festlich angezogen. Ist sie die Begleitung von diesem… Gus?“  
Charlie knurrte leise.  
„Vermutlich. Mehr oder weniger zumindest.“, brummte er. „Aber nur, weil Gus nicht in der Lage gewesen ist, sich ein richtiges Date zu besorgen.“  
Hatte Skyler wirklich nur angerufen, um ihn zu ärgern? Ach nein, er hatte ja seine großartigen Neuigkeiten erwähnt, auf die Charlie seine Aufmerksamkeit lieber wieder lenkte.
Guckloch schien es allerdings dann doch keines zu sein, außer es gab jetzt schon transportable, denn was auch immer seinen Freund so begeisterte, er fummelte es sofort aus der Hose und zu seiner großen Erleichterung handelte es sich dabei nicht um ein Körperteil sondern eine Art Schmierzettel, mit dem Skyler jetzt vor der Kamera herum wedelte.

„Heute Morgen kam Barker zu mir und hat mir das hier gegeben“
„Und was ist das?“ Charlie kniff die Augen zusammen und versuchte zu lesen, was auf dem Wisch stand, konnte aber kaum etwas entziffern.  
„Dein Testament?“ Wenn es von Barker kam, war es wohl sogar schlicht sein Todesurteil. „Hätte nicht gedacht, dass du so etwas brauchst. Du hast doch nichts zu vererben. Oder versteckst du irgendwo ein paar Pornoheftchen?“
Als ob es so etwas in Distrikt 13 geben würde. Galt bestimmt als Papierverschwendung. Man konnte sich nackte Frauen schließlich auch einfach vorstellen. Eigentlich war er nicht einmal sicher, ob die dort überhaupt wussten, was Pornos waren... er hatte nie danach gefragt.  
Aber sein Freund schien gerade ohnehin viel zu aufgeregt, um auf seine Sticheleien einzugehen, was den Zettel gleich noch eine Kategorie interessanter machte. Was konnte Skyler, der sich in letzter Zeit sonst eher mit Vorliebe über angebliche Ungerechtigkeiten beschwerte, nur so glücklich machen?

„Dieser Wisch hier hilft mir, eine eigene Wohneinheit zu bekommen.“
Okay, das war natürlich ein Grund sich zu freuen. Mr. Dane hatte die paar Mal, die er ihn zu Gesicht bekommen hatte, alles andere als einen sympathischen Eindruck auf Charlie gemacht und die hoffnungsvolle Miene, die sein Sohn bei der Aussicht ihn bald loszuwerden machte, bestätigte nur seine Vermutung, dass das Verhältnis nicht allzu herzlich war.
Seine Unterschrift ist da drauf. Keine Ahnung, was den Kerl da heute geritten hat.“  
„Moment... Lieutenant Garrett Barker besorgt dir mehr oder weniger eine neue Wohneinheit?“, fasste er zusammen und zog skeptisch eine Augenbraue hoch. „Aus purer Nächstenliebe?“
Er hatte nicht gedacht, dass der Kerl irgendjemanden mochte... eher im Gegenteil... und Skyler da noch ganz im Speziellen. Sein vorlautes Geplapper und seine Witzchen und die roboterhafte, schweigsame, harte Art des Lieutenants passten alles andere als perfekt zusammen.

„Aber das war noch nicht alles!“ Nicht? Charlie blickte ihn erstaunt an. Das allein war schon mysteriös genug. War der Kerl vielleicht heimlich ausgetauscht worden und sie hatten jetzt einen Spion aus dem Kapitol in Distrikt 13 sitzen, der nicht so recht wusste, wie er sich benehmen sollte?
„Der Captain ist momentan äußerst gönnerhaft, glaub ich. Jedenfalls hat er endlich einmal erkannt, was ich eigentlich drauf hab.“  
„Captain?“, wiederholte er ungläubig. „Wie in Captain... Barker?!“
Offensichtlich gab es eine ganze Menge Neuigkeiten, von denen er noch nichts wusste. Kein Wunder, Commander Kakuheiki interessierte sich mehr dafür, was sie bisher herausgefunden hatten. Oder eher... ausschließlich. Klatsch und Tratsch war nicht gerade ihr Spezialgebiet.
„Aber schön, dass er deine Talente zu schätzen weiß. Hast du etwa einmal Lob bekommen? So ein... richtiges? Ausformuliert?“
Er grinste bei dem Gedanken, dass dem Kerl mehr als ein flüchtiges, anerkennendes Lächeln über die Lippen kommen sollte, aber Skylers stolzgeschwellte Brust deutete schon an, dass da doch etwas mehr dahinter steckte.
„Der hat mich in seiner Spionageeinheit aufgenommen. Ich dachte, der hasst mich, aber immerhin erkennt der Qualität. Es wurde auch wirklich Zeit, dass meine Fähigkeiten anerkannt werden.“  
„Du meinst 'Informationen' innerhalb kürzester Zeit in einem kompletten Distrikt verbreiten?“, zog Charlie ihn grinsend auf, obwohl er seinem Freund den Erfolg mehr als gönnte. „Nein, ernsthaft. Das sind wirklich tolle Nachrichten! Freut mich, Mann. Das hast du echt verdient.“
Immerhin jammerte er schon lang genug darüber, dass er ständig übersehen wurde und er leistete ja auch ausgesprochen gute Arbeit beim Training. Es war wohl eher so – auch wenn er ihm das niemals offen sagen würde – dass Skyler wohl den meisten Ausbildern mit seinem Gequatsche ein wenig auf die Nerven ging. Dass ihn jetzt ausgerechnet der ungeduldige und verschlossene Barker unter die Fuchtel nehmen wollte, war dezent überraschend.

„Und der Kerl hat jetzt ernsthaft seine eigene Spionageeinheit?“, hakte er verdattert nach. Was passierte nur alles zu Hause, während sie weg waren? Am Ende strichen die noch den kompletten Bunker rosa. Oder Kommander Kakuheiki hatte sich in einen zuvorkommenden und freundlichen Menschen verwandelt. Der Gedanke ließ ihn kurz grinsen. Rosa Wände waren sehr viel wahrscheinlicher. „Ich meine, so richtig? Komplett seine Verantwortung? Mit ihm als Captain? Ernsthaft? Ich meine, wie alt ist der überhaupt? Sechzehn?“
Sah jedenfalls nicht älter aus oder... größer.
„Na, dann gratuliere, Herr Meisterspion. Und viel Erfolg.“
„Wer weiß, vielleicht leiste ich euch beiden im Kapitol bald Gesellschaft. Falls ihr nicht mehr klarkommt, kann ich auch als Erstklassespion unterstützen. Ein Informant mehr im Kapitol kann sicher nicht schaden.“, plapperte Skyler gleich weiter. Der Junge sprühte geradezu vor Begeisterung. Irgendwie schien er sich das alles ein bisschen anders vorzustellen als es wirklich war. Charlie versuchte ihn auszubremsen.

„Na, ich weiß ja nicht...“
„Du wirst sehen, ich werd's Barker schon beweisen, dass es die richtige Entscheidung war, mich in seinem Team aufzunehmen.“  
„Ach, daran zweifle ich gar nicht.“ Gut, vielleicht ein kleines bisschen. Aber das würde er seinem Freund bestimmt nicht auf die Nase binden. Nicht, dass er dachte, der würde sich nicht anstrengen, aber die Konstellation Skyler-Barker bot... eine Menge Explosion-Potenzial. Hoffentlich ging das auf Dauer auch gut. „Es ist eher die Arbeit selbst. Das stellst du dir aufregender vor als es ist.“
Er seufzte und zuckte mit den Schultern.
„Ich würd sofort mit dir tauschen...wenn du nähen und schminken könntest und Ahnung von der Mode und der Etikette des Kapitols hättest, natürlich. Aber du kannst selbstverständlich auch gern herkommen und mich unterstützen.“
Gesellschaft war etwas, das er im Moment wirklich gut brauchen konnte. Bina schob ständig Überstunden und es war wirklich ausgesprochen langweilig ihr tagaus tagein dabei zuzusehen, während man sich alleine bestelltes Essen rein schaufelte.

„Zum Beispiel dabei die Wände anzustarren.“, schlug er vor. „Oder herauszufinden, ob der Wäsche-Service abhängig vom Wochentag schneller oder langsamer arbeitet.“
Montag war zum Beispiel ein ganz schlechter Tag dafür, seine Wäsche waschen zu lassen. Nach dem Wochenende staute es sich offenbar in der Waschküche des Hotels.
„Oder du machst es wie Bina und trägst den ganzen Tag einem eingebildeten Lackaffen, der sich nicht mal deinen Namen merken kann, Kaffee und Papierkram hinterher.“
Das war immerhin noch spannender als das, was er hier machen konnte.  
„Man glaubt, als Spion fliegen einem ständig spannende Informationen zu, aber in Wirklichkeit machst du Tag für Tag den gleichen langweiligen Kram und wartest auf ein zufällig mitgehörtes Wort. Fetzen einer Konversation, die nicht für dich bestimmt ist. Irgendetwas. Kleine Informationen, die wichtig sein könnten. Oder du kopierst heimlich irgendwelche Pläne, die du ohnehin nicht verstehst.“
Und trotzdem war es gefährlich. Langweilig aber gefährlich. Eigentlich eine groteske Kombination.

„Daran dass du jeden Tag auffliegen und verhaftet werden könntest, denkst du irgendwann nur noch, wenn du hörst,wie Friedenswächter dein Hotel stürmen und ein Zimmer weiter jemanden verhaften.“
Bei der Erinnerung daran wurde er gleich wieder blass. Die schlimmste Nacht, die sie hier bisher je gehabt hatten. Dabei hatten sie Glück gehabt.
„Und glaub mir, das ist auch alles andere als cool...“
Er schüttelte sich, um die Gänsehaut loszuwerden, die allein die Erwähnung dieses Ereignisses bei ihm ausgelöst hatte.
„Aber das Spannendste, was ich für heute Abend geplant hab, ist eine Strichliste für jedes Mal, wenn ein Kerl zu direkt in Binas Busen-Cam schaut.“, brummte er schlecht gelaunt. „Da könnte ich das reinste Gesichtserkennungsprogramm drüber laufen lassen, so wie die da alle reinglotzen.“
Wobei er sich fragen musste, wie oft ihn die kleine Kamera wohl schon überführt hätte... Er war schließlich auch nicht ganz immun gegen die hübschen Aussichten, die ihr Dekolleté bot. Aber er war zumindest kein schmieriger Mistkerl, der nur ans eine dachte. Er hatte einfach Sinn für Ästhetik. Und er hatte Bina wirklich sehr gern. Anders als diese Typen, die meinten, mit der Einladung zu einem Drink würden sie sich auch eine Einladung unter ihr Kleid erkaufen.
„Vielleicht sollte ich meinen Stil mal überdenken. Nicht, dass ihr meine Outfits noch die Arbeit erschweren...“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Skyler Dane (n.a.) am Do 11 Jun - 16:25:51

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
19:45 Uhr
Charlie Fairweather & Skyler Dane (via Video-Chat)

„Das stellst du dir aufregender vor, als es ist“, meinte Charlie und schaute Skyler gelangweilt an. Verwundert hob der die Augenbrauen. Wie war das jetzt gemeint?
„Ich würd sofort mit dir tauschen...wenn du nähen und schminken könntest und Ahnung von der Mode und der Etikette des Kapitols hättest, natürlich. Aber du kannst selbstverständlich auch gern herkommen und mich unterstützen. Zum Beispiel dabei die Wände anzustarren. Oder herauszufinden, ob der Wäsche-Service abhängig vom Wochentag schneller oder langsamer arbeitet.“
Okay, wirklich spannend klang das tatsächlich nicht. Aber im Gegensatz zu Charlie, der sich nun mal im Kapitol besser nicht blicken lassen sollte, könnte Skyler sich frei bewegen. Er galt schließlich nicht als gesuchter Verräter.

„Man glaubt, als Spion fliegen einem ständig spannende Informationen zu, aber in Wirklichkeit machst du Tag für Tag den gleichen langweiligen Kram und wartest auf ein zufällig mitgehörtes Wort. Fetzen einer Konversation, die nicht für dich bestimmt ist. Irgendetwas. Kleine Informationen, die wichtig sein könnten. Oder du kopierst heimlich irgendwelche Pläne, die du ohnehin nicht verstehst. Daran dass du jeden Tag auffliegen und verhaftet werden könntest, denkst du irgendwann nur noch, wenn du hörst, wie Friedenswächter dein Hotel stürmen und ein Zimmer weiter jemanden verhaften.“
Sofort wurden Skylers Augen größer, als Charlie das erzählte.
„Ist euch das etwa passiert?“, fragte er und rückte etwas näher an den Bildschirm heran. „Das war ja haarscharf, dass die nicht auf euch aufmerksam geworden sind. Und da lässt du Bina einfach allein gehen?“
Natürlich war Skyler klar, dass Charlie nicht wirklich eine Wahl hatte. Er durfte das Zimmer nicht verlassen, deswegen musste Bina wohl oder übel alleine zu diesem Ball gehen und so wie er die Kleine einschätzte, hatte die dabei bestimmt ziemlich Angst. Sie zeigte es nicht, aber stellenweise war sie ganz schön zart besaitet. Andererseits jedoch kam sie aus Distrikt 13 und dort hatten sie gelernt, Angst immer hinten anzustellen, wenn es darum ging, eine wichtige Mission zu erfüllen.

„Aber das Spannendste, was ich für heute Abend geplant hab, ist eine Strichliste für jedes Mal, wenn ein Kerl zu direkt in Binas Busen-Cam schaut. Da könnte ich das reinste Gesichtserkennungsprogramm drüber laufen lassen, so wie die da alle reinglotzen“, nörgelte Charlie weiter und brachte Skyler wieder zum Grinsen. Da waren sie wieder bei dem Thema, das ihn wirklich brennend interessierte.
„Na ja, du musst zugeben, dass Bina schon ein bisschen was zu bieten hat. Wundert mich nicht, wenn da der eine oder andere Blick hinwandert“, meinte er und war heilfroh, dass er gerade nicht im selben Zimmer wie sein Freund war. Der machte nicht den Eindruck, als war er froh darüber, dass Skyler Binas Oberweite erwähnt hatte. Schnell hob er deswegen beschwichtigend die Hände.
„Also nicht, dass ich da so genau hingeschaut hätte. Aber hässlich ist sie halt nicht.“

Charlie war sicher nicht nur deswegen so grantig, weil er Langeweile hatte. Mit Sicherheit passte es ihm auch überhaupt nicht, wenn andere Kerle Bina zu nahe kamen. Seine Eifersucht sprang einem ja schon beinahe entgegen.
„Weißt du, was ich nicht verstehe?“, fragte Skyler, während er den Brief, den er morgens von Barker bekommen hatte, wieder zusammen faltete und in seine Hosentasche stopfte.
„Warum ihr zwei nicht endlich mal einseht, dass ihr aufeinander steht. Kann doch echt nicht so schwer sein. So wie die dich anhimmelt. Wenn du mich fragst, brauchst du dir keine Sorgen machen, dass sie irgendwelche Typen an sich heran lässt.“
Er grinste Charlie vielsagend an. Vielleicht konnte er den beiden ein wenig auf die Sprünge helfen. Schließlich ging es dabei auch um einen hohen Wetteinsatz. Skyler hatte keine Lust darauf, einen Monat lang versiffte Latrinen zu schrubben.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am So 14 Jun - 0:38:59

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
19:50 Uhr
Charlie Fairweather & Skyler Dane (via Video-Chat)

„Ist euch das etwa passiert?“  
„Jap.“ Er versuchte möglichst cool und gelassen zu wirken, aber auch nach ein paar Tagen saßen ihm der Schreck und die Erkenntnis, wie schnell sie auffliegen konnten, immer noch tief in den Knochen. „In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch. Wir haben sie kommen gehört und gerade genug Zeit gehabt uns notdürftig anzuziehen und mit Waffen auszurüsten. Aber verdammt... das waren mindestens fünf oder sechs voll ausgerüstete und durchtrainierte Friedenswächter...“
Charlie schauderte bei dem Gedanken daran.
„Und unbarmherzig. Wir haben die Frau schreien gehört. Sie hat nur ein Zimmer weiter gewohnt. Hat behauptet nichts Falsches gemacht zu haben. Am nächsten Tag stand in der Zeitung, sie wäre überfallen und ermordet worden.“, schloss er die Erzählung. „Hätten wir sein können.“

„Das war ja haarscharf, dass die nicht auf euch aufmerksam geworden sind. Und da lässt du Bina einfach allein gehen?“  
Der Kerl mochte ja schon generell ein ganz besonderes Talent dafür haben, mit schmutzigen Fingern direkt in blutenden Wunden zu bohren, aber heute hatte er geradezu einen Lauf. Charlie konnte nicht verhindern, dass ihm ein frustriertes Knurren entkam.
„Statt was zu tun?“, fuhr er ihn an. „Mitgehen, damit ich erkannt und wir beide verhaftet werden?“
Er rieb sich mit den Händen das Gesicht und atmete tief durch, dann warf er seinem Freund einen entschuldigenden Blick zu. Der konnte schließlich auch nichts dafür, dass er hier die ganze Zeit komplett nutz- und machtlos herumsaß.

„Tut mir leid. Nein, es passt so wie es ist. Bina macht das wirklich gut und wenn sie doch meine Hilfe braucht, bin ich da, um ihr die richtigen Worte einzuflüstern. Glaub mir, das wird ein richtig langweiliger Abend.“, versicherte er und fügte noch hinzu, womit er sich bei all der Ereignislosigkeit dann auch noch die Zeit vertreiben musste. Allerdings reagierte Skyler nicht halb so empört, wie er das erwartet hatte.
„Na ja, du musst zugeben, dass Bina schon ein bisschen was zu bieten hat...Wundert mich nicht, wenn da der eine oder andere Blick hinwandert.“
Was zu Coins Arsch...?!
„Ach ja?!“
Charlie rückte direkt an die Kamera heran und starrte feindselig hinein. Hätte er durchgreifen und den kleinen Idioten am Hals packen können, würde der jetzt schon röcheln und um Gnade betteln – die er ihm vermutlich nicht gewähren würde. Wie konnte er so über Bina reden? Als wäre sie irgendein... Anschauungsobjekt. Dabei waren sie doch alle schon ewig befreundet.  
„Also nicht, dass ich da so genau hingeschaut hätte.“, ruderte der freche Mistkerl sofort zurück. „Aber hässlich ist sie halt nicht.“  
Charlie schnaubte noch einmal gegen das Tablet und ließ dann eine Spur – aber wirklich nur eine Spur – friedlicher gestimmt wieder davon ab. Da war ja auch durchaus etwas Wahres dran, das war schwer abzustreiten. Es gab schließlich Gründe dafür, dass Bina trotz ihres Alters den Vorzug gegenüber älteren und besser ausgebildeten Soldaten bekommen hatte. Man war wohl davon ausgegangen, dass sie im Kapitol besser an Informationen kommen würde, als ein vierzigjähriger Kerl mit Pockennarben im Gesicht und zwei der Gründe dafür grinsten ihm ständig über die Kamera ins Gesicht. Oder eher die Wirkung dieser optischen Vorzüge.
Und es war sein Job dafür zu sorgen, dass diese auch ordentlich zur Geltung kamen und für Informationsnachschub sorgten. Das hieß aber noch lange nicht, dass ihm das gefallen musste.
Mürrisch klopfte er mit den Fingerknöcheln auf den Tisch und warf einen kurzen Blick auf die Uhr, ob Bina schon am Ball war. Sobald sie im Präsidentenpalast angekommen war, würde er sich von Skyler verabschieden müssen, um sich ganz auf ihre Arbeit zu konzentrieren.
„Weißt du, was ich nicht verstehe?“  
„Hmmmm?“, machte er geistesabwesend. Da gab es sogar eine ganze Menge. Wenn er jetzt anfangen würde aufzuzählen, würden sie noch die ganze Nacht dasitzen. Taktgefühl war ein gutes Beispiel. Oder Privatsphäre – vornehmlich die anderer Leute.
„Warum ihr zwei nicht endlich mal einseht, dass ihr aufeinander steht.“
Sein Kopf fuhr so ruckartig hoch, dass er sich im nächsten Moment mit der Hand auf sein plötzlich schmerzendes Genick greifen musste. Was zur Hölle war heute in Skyler gefahren? Wollte er sterben? Hatte er das Gefühl, da Barker ihm heute überraschenderweise nicht den Hals umgedreht hatte, irgendwie anders zu Tode kommen zu müssen?

„Kann doch echt nicht so schwer sein. So wie die dich anhimmelt. Wenn du mich fragst, brauchst du dir keine Sorgen machen, dass sie irgendwelche Typen an sich heran lässt.“  
„Sie... Was?!“ Charlie zog irritiert die Augenbrauen zusammen und schüttelte den Kopf. Ließen die in 13 jetzt schon die Rekruten unbeaufsichtigt an die Apothekenschränke?
„Bina himmelt mich ganz sicher nicht an!“ Er war doch nicht blöd und auch nicht naiv. Im Gegenteil, mit Liebesdingen kannte er sich ziemlich gut aus. Das war einmal geradezu so etwas wie sein Fachgebiet gewesen. „Ich bin viel zu alt für sie.“
Wobei sie ihn ja schon geküsst hatte letztens. Aber das war vermutlich nur ein Ausrutscher gewesen. Weil sie hier so aufeinander klebten. Nachdenklich begann er mit der Fingerkuppe an der Fassung seines Pads herum zu rubbeln. Er war weder so blind nicht zu sehen, wie hübsch sie war, noch so blöd, nicht zu wissen, dass ein Teil von ihm durchaus Interesse an mehr hätte.
Nicht nach dieser Nacht, in der er gedacht hatte, sie würden sie nicht überleben. Nicht nach der Erleichterung, die er verspürt hatte - und zwar nicht seinetwegen. Nicht wegen seines Lebens. Sondern wegen Bina. Und wie schön es danach gewesen war, als sie sich vertrauensvoll an ihn gekuschelt und in seinen Armen eingeschlafen war, lange bevor er dazu in der Lage gewesen war.
Immerhin hatte er sie wirklich und ehrlich gern und – was noch viel erstaunlicher war – seit der Sache mit Valentina war sie die erste Person – und vor allem die erste Frau – der er wieder hundertprozentig vertraute.

Aber gerade deshalb zögerte er ja. Sie waren Freunde. So war es schon immer gewesen. Schon seit dem ersten Tag, an dem er halb verhungert in Distrikt 13 angekommen war und all die misstrauischen Blicke ertragen hatte müssen.  
So etwas warf man nicht einfach weg für... das Bedürfnis nach ein bisschen mehr körperlicher Nähe. Noch dazu, wenn die Frau, der das Bedürfnis galt, in weniger als zehn Minuten von gefühlten hunderten Männern in geschniegelten Anzügen und mit schleimigen Frisuren angegraben werden würde. An ihren selbstverliebten und schnöseligen Chef, dessen offizielle Begleitung sie heute war, wollte er gar nicht erst denken!
Aber, falls Skyler recht hatte und sie ihn wirklich mochte...

„Warum interessiert dich das überhaupt?“ Charlie zog die Augenbrauen zusammen und starrte seinen Freund in dem kleinen Gerät misstrauisch an. Schließlich war Skyler normal niemand, der sich darum riss, über Gefühle zu reden. Im Gegenteil. Er neigte deutlich mehr dazu, über solche Themen Witze zu reißen. Wieso sollte er sie plötzlich verkuppeln wollen? Was war da für ihn drin?
„Solltest du dir nicht lieber darüber Gedanken machen, wie du es schaffst, dass Barker dich nicht schon während deines ersten Trainings erwürgt, sobald du den Mund aufmachst?“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Skyler Dane (n.a.) am Mi 29 Jul - 1:28:38

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
19:55 Uhr
Charlie Fairweather und Skyler Dane (via Video-Chat)

Charlies Gesichtsausdruck nach zu urteilen, konnte es nicht komplett unwahr sein, was Skyler über Bina gesagt hatte. Da war etwas zwischen ihr und Charlie oder zumindest wurde ihm nun bewusst, dass er vielleicht doch nicht nur freundschaftliche Gefühle für das Mädchen empfand. Skyler musste sich schon sehr irren, wenn er das nun fehlinterpretierte. Er wusste zwar, dass es kaum jemanden gab, der ihn ernst nahm, doch wenn es um Charlie und Bina ging, würde ihm gewiss jeder zustimmen, der die beiden auch nur ein bisschen kannte.

„Warum interessiert dich das überhaupt?“, fragte Charlie plötzlich. Skyler fühlte sich ertappt. Er räusperte sich.
„Na, weil ihr schon seit Ewigkeiten umeinander herum tigert und einen auf beste Freunde macht, die sich selbst etwas vormachen. Das fällt wirklich jedem auf und keiner kauft euch das ab. Traut sich halt nur niemand da mal nachzufragen. Also mach ich das halt“, meinte er und zuckte beiläufig mit den Schultern. Dass es ihm in Wirklichkeit darum ging, eine Wette zu gewinnen, verschwieg er Charlie. Wenn der wusste, dass Skyler ab Dezember seine Hände in schmutzige Toiletten stecken und sie putzen musste, wenn zwischen Bina und Charlie bis Ende November nicht endlich etwas gelaufen war, würde der sich nur absichtlich bei seiner besten Freundin zurück halten. Daher standen Skylers Chancen, dem zu entgehen, besser, wenn er den Teil mit der Wette für sich behielt.

„Solltest du dir nicht lieber darüber Gedanken machen, wie du es schaffst, dass Barker dich nicht schon während deines ersten Trainings erwürgt, sobald du den Mund aufmachst?“, fragte Charlie weiter, woraufhin er ein empörtes Schnauben seitens Skyler erntete.
„Das wird schon nicht passieren“, antwortete er selbstsicher. „Barker wird sehr schnell merken, dass ich unverzichtbar in seinem Team bin. Er kann es sich nicht leisten, mich loszuwerden.“
Jedenfalls hoffte er das. Dass Barker nicht zögerte, ein Messer gegen ihn zu verwenden, hatte er schließlich neulich sehr eindrucksvoll bewiesen. Umbringen durfte er zwar auch in Distrikt 13 niemanden einfach so, aber irgendwie zweifelte Skyler ein wenig daran, dass Barker vor wirklich schweren Verletzungen Halt machen würde. Er war sicherlich geschickt genug, um es wie einen Unfall aussehen zu lassen.
„Aber ich hab ohnehin nicht vor, ihm Schwierigkeiten zu machen. Er und ich sind zwar keine dicken Kumpel, aber selbst ich bin nicht so bescheuert, mir so eine Chance zu verbauen“, sagte Skyler weiter. Er wusste selbst, dass er hin und wieder etwas vorlaut war und sein loses Mundwerk besser zügeln sollte. Jetzt hatte er die beste Gelegenheit, das zu üben. Es missfiel ihm zwar gewaltig, sich von Barker etwas sagen zu lassen, aber andererseits war er das ja schon gewohnt und er musste sich immer vor Augen halten, was das Spionageteam für ihn bedeutete.

„Bina müsste so allmählich bei dieser Party angekommen sein, oder?“, fragte er schließlich. Zwar hätte er Charlie gern noch weiter auf den Zahn gefühlt, was seine Gefühle zu Bina betraf, doch der musste schließlich auch arbeiten. Oder eher, seiner Freundin beim Arbeiten zu sehen. Ein wenig Mitleid hatte Skyler schon mit Charlie. Wirklich aufregend schien dieses ständige vor dem Monitor sitzen und beobachten, was Bina gerade tat, wirklich nicht zu sein. Aber solche Missionen machten sich in der Laufbahn eines Soldaten einfach besser als ausschließliches Training in Distrikt 13 ohne eine Aussicht auf Erfolg.
„Dann pass mal gut auf die Kleine auf. Und denk vielleicht mal darüber nach, was ich dir gesagt hab. Ich glaube, Bina wäre eine nicht so schlechte Partie und bevor sie dir ein anderer wegschnappt?“
Er grinste Charlie breit an, ehe er sich schließlich aufrechter hinsetzte und vor ihm salutierte.
„Also dann, Soldat Fairweather. Weiterhin viel Erfolg bei der Mission. Distrikt 13 zählt auf euch. Bis bald.“
Mit diesen Worten verabschiedete er sich von Charlie – er konnte ihn ja nicht die ganze Zeit in Beschlag nehmen – und beendete das Telefonat. Während Charlie nun darauf achten würde, was um Bina herum geschah, würde Skyler noch ein wenig trainieren gehen. Ein guter Soldat war schließlich niemals faul und untätig.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Sa 1 Aug - 1:59:15

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
19:55 Uhr
Charlie Fairweather und Skyler Dane (via Video-Chat)

„Das wird schon nicht passieren“ Na, da war Skyler aber sehr optimistisch. „Barker wird sehr schnell merken, dass ich unverzichtbar in seinem Team bin. Er kann es sich nicht leisten, mich loszuwerden.“
Charlie schüttelte nur grinsend den Kopf. Das konnte er sich bei dem Kerl wirklich nur schwer vorstellen. Da fand er es noch wahrscheinlicher, dass Barker ihn erst in sein Team geholt hatte, um ihm beim Training unauffällig für immer zum Schweigen zu bringen, sollte Skyler ihm zu sehr auf die Nerven gehen.
Aber zumindest schien er das nicht direkt geplant zuhaben. Allerdings hatte sein Freund seit jäher das Problem, dass er sein Mundwerk nicht immer aktiv steuern konnte, doch Charlie würde einfach das Beste für ihn hoffen. Offiziell zu einem Spion ausgebildet zu werden, war jedenfalls eine große Sache. Er selbst war ja nur eilig nach der Grundausbildung hierher geschickt worden, weil er ohnehin nur in diesem Hotelzimmer herumsitzen, nähen, schminken und Bina über Kapitols-Smalltalk beraten musste. Alles Dinge, zu denen er sogar vor seiner Ausbildung in Distrikt 13 problemlos in der Lage gewesen wäre. Allerdings konnte er jetzt – im hoffentlich nicht notwendigen Fall der Fälle – eventuell ein paar Friedenswächter an- oder erschießen, sollten sie auffliegen. Ob es auch unter günstigsten Bedingungen reichen würde um Bina und sich in Sicherheit zu bringen, bezweifelte er allerdings stark. Doch er würde keine Sekunde zögern es zumindest zu versuchen...
„Bina müsste so allmählich bei dieser Party angekommen sein, oder?“, schien Skyler erahnt zu haben, wohin seine Gedanken gerade gewandert waren und Charlie nickte grimmig. Es war an der Zeit, die B.B.-Cam zu aktivieren und darauf zu achten und gegebenenfalls einzuschreiten, wenn sie etwas brauchte. Vermutlich würde der Abend zwar ohnehin nur stinklangweilig werden, aber das hieß eben noch lange nicht, dass er seine Arbeit einfach so schleifen lassen konnte.
Was bedeutet, dass er sich langsam von seinem Freund...
„Dann pass mal gut auf die Kleine auf. Und denk vielleicht mal darüber nach, was ich dir gesagt hab. Ich glaube, Bina wäre eine nicht so schlechte Partie und bevor sie dir ein anderer wegschnappt?“  
Verabschieden musste.
„Das werd ich. Bis dann.“
Er hatte gerade die Verbindung abbrechen wollen, da runzelte er die Stirn und fügte noch schnell grantig hinzu.
„Also ersteres natürlich...“
Zweiteres war ihm zwar durchaus ein bisschen bewusst, aber dafür war im Moment nun einmal kein Platz. Oder überhaupt, wenn er ihre Freundschaft nicht gefährden wollte. Wenn es nicht klappte oder sie sein Interesse – was gar nicht so unwahrscheinlich war – überhaupt nicht erwiderte, wäre alles kaputt. Das war kein Risiko, das man einfach so leichtfertig einging.
„Also dann, Soldat Fairweather. Weiterhin viel Erfolg bei der Mission. Distrikt 13 zählt auf euch. Bis bald.“
„Bis dann.“, verabschiedete er sich und salutierte schlampig und wenig ernst gemeint. Dann grinste er ihn fies an. „Und Skyler... versuch am Leben zu bleiben.“
Mit einem Lachen schaltete er die Kamera aus, bevor sein Freund sich aufregen konnte. Zeit sich darum zu kümmern, dass Bina mit ihrem hübschen Gesicht auf diesem Ball keine Dummheiten anstellte.



22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:40 Uhr
Bina Mahoney & Charlie Fairweather

„Dieser kleine Mistkerl!“
Mit einem wütenden Schnauben pfefferte Charlie die Zeitung auf den Tisch. Von wegen Filmkritiker.
Ich liebe Einsätze auf der Straße, alles was sich außerhalb des Palastes abspielt.“
Und offensichtlich auch in Festsälen. Er beäugte das Foto noch einmal kritisch.
Das war der Kerl... definitiv. Maske oder nicht. Das Kinn, die Lippen, die Haare. Er hatte doch gewusst, dass er die Visage irgendwo schon mal gesehen hatte.
Ein verdammter Friedenswächter.
Im Grunde hätte er das gleich wissen müssen. Kein echter Filmkritiker hätte einen Film von Ambrosius Angelsson als gut bewertet. Der hatte schon in Charlies Jugend immer die gleichen dämlichen Witze ausgereizt. Und sein Akzent! So... gekünstelt. Er konnte seine Freunde in Distrikt 13 darüber lachen hören, immerhin waren die der Meinung 'zu gekünstelt' gäbe es nicht, wenn man Kapitoler imitierte, aber ganz genauso hatte der Akzent von dem Friedenswächter geklungen. Im Ansatz richtig, aber von allem zu viel. Wie eine ganz gut gemachte Verarsche.
Und wenn der Kerl ein Friedenswächter war, dann war seine 'Verlobte' bestimmt auch einer – sonst würde es wohl demnächst ein böses Erwachen geben, wenn er ihr gestehen musste, dass er sie doch nicht heiraten konnte, weil er nicht durfte.  
Friedenswächter.
Und Bina hatte ganz arglos mit ihnen geplaudert. Hoffentlich war ihnen nichts aufgefallen, aber aus Charlies Sicht war das Gespräch ganz gut verlaufen. Kein verdächtiges Verhalten von ihrer Seite. Sie mussten nur hoffen, dass die beiden die Drohung, sich 'wegen eines Hauses' bei 'Penelopes' fiktiver Adresse umzusehen, nicht wahr machten. Aber als Friedenswächter sollten sie eigentlich besseres zu tun haben, als kleine, unwichtige Assistentinnen von Spielmachern zu besuchen.
Dennoch... der bittere Beigeschmack blieb. Besonders nach dem, was erst vor ein paar Tagen hier passiert war. Er erschauderte bei dem Gedanken, dass Cake-Man und seine rothaarige Freundin das nächste Mal ihre Tür eintreten konnten.
Nun hatte ihm die Erkenntnis, woher ihm dieses Gesicht bekannt vorgekommen war, die Stimmung verdorben. Er würde mit Bina darüber reden müssen. Fall sie den beiden wieder über den Weg laufen würde, musste sie auf der Hut sein. Charlie seufzte und blickte an sich herab. Hätte ihm das nicht zwei Stunden später auffallen können. Eine Erkenntnis im Traum eventuell...
Nicht jetzt, nachdem er alles geplant und schnell hergerichtet hatte.
Langsam und mit schlechtem Gewissen schob er die Zeitung unter seinen Zeichenblock.
Er würde mit Bina darüber reden. Aber nicht gleich.
Stattdessen straffte er die Schultern und zog seinen Anzug zurecht, prüfte ihn auf nicht vorhandene Falten und putzte ein paar unsichtbare Fusseln von seinem Ärmel. Ein kurzer Blick in den Spiegel genügte, um zu sehen, dass die Frisur immer noch saß. Und dass er ungewohnt aussah. Wie eine gealterte Version seines früheren Ichs. Es war nicht seine Haut, der man die letzten paar Jahre ansah. Nicht die Haare. Es waren seine Augen, die plötzlich so viel älter und müder aussahen. Seine Gesichtszüge, die ernster und strenger geworden waren. Aber – das konnte er trotz allem nicht abstreiten – in einem Anzug sah er immer noch ausgesprochen scharf aus.  
Er fuhr sich selbstzufrieden durch die Haare und stellte den Ton vom Fernseher ein, auf dem der Ball immer noch live übertragen wurde. Wehende Röcke, klirrende Gläser und... Live-Musik.
Die Schlüsselkarte wurde gesteckt. Hektisch platzierte er sich vor der Tür, so dass Bina beinahe in ihn hineinlief, als sie eintrat.  
„Guten Abend, Miss!“, grüßte er sie übertrieben höflich und deutete eine leichte Verbeugung an, bevor er ihr seinen Arm anbot. Bina hatte heute den ganzen Abend so schrecklich unglücklich darüber gewirkt, dass sie keinen Partner zum Tanzen gefunden hatte... gut, vielleicht auch nur keinen Partner, den er ihr gestattet hatte... dass er beschlossen hatte, sie hier mit einem Tanz zu überraschen.
Er durfte vielleicht dieses Hotel nicht verlassen und das hier war definitiv kein Festsaal. Doch sie trug immer noch ein hübsches Kleid, er hatte sich extra für sie mit dem 'Notfall-Anzug' schick gemacht und über den Fernseher lief die passende Musik.
„Darf ich Sie zum Tanzen auffordern?“
So ein Ball konnte schließlich überall sein. Man brauchte nur ein wenig Fantasie.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Di 4 Aug - 18:58:11

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:40 Uhr
Charlie & Bina

Bina atmete erleichtert auf, als sie endlich das Hotel betrat. Auf dem ganzen Weg vom Festsaal bis hierher hatte sie sich immer wieder umgesehen. Seit Charlie sie vor Collin und Meg gewarnt hatte, war sie nervös und hatte sogar befürchtet, von den beiden verfolgt zu werden, sobald sie sich auf den Heimweg machte, doch dem schien zumindest nicht so zu sein. Nach ihrem unerwarteten Gespräch mit Beetee hatte Bina noch versucht, auf dem Ball irgendwas in Erfahrung zu bringen, das für die Rebellion von Wichtigkeit wäre, doch außer ein paar belanglose Gespräche mit Kapitolern war nichts weiter passiert. Sie musste mit Charlie unbedingt gleich über Collin und Meg reden. Vielleicht war ihm in der Zwischenzeit ja eingefallen, warum ihm Collin so bekannt vorgekommen war.

Als sie die Stufen zu ihrem Zimmer hinauf ging, merkte sie, dass sie ein, zwei Gläser Champagner zu viel hatte. Da Charlie mit Adleraugen auf sie aufpasste, hatte sie nicht in Massen Alkohol getrunken – was sie auch nicht getan hätte, wenn er sie nicht quasi auf Schritt und Tritt verfolgte – doch sie hatte auch nicht immer ablehnen können, als ihr etwas angeboten wurde. Allerdings war sie nun mal keinen Alkohol gewohnt und das, was sie getrunken hatte, machte sich gerade ein wenig bemerkbar. Wenn Charlie das merkte, würde er bestimmt wieder herummosern und ihr vorwerfen, sie könnte nicht auf sich selbst aufpassen. Zwar wäre er daran genauso „Schuld“ wie sie, doch weil er den ganzen Tag über schon so geknickt gewesen war, weil er nicht mit auf den Ball gedurft hatte, beschloss Bina, ihn dieses Mal einfach mal seinen Frust loswerden zu lassen, ohne dass sie dagegen wetterte. Aber abgesehen davon, dass ihr ein wenig schwindelig war, ging es ihr ja gut. Eigentlich kein Grund für Charlie, wieder eine seiner Moralpredigten abzulassen. Zumal sie eh Wichtigeres zu besprechen hatten.

„Guten Abend, Miss.“
Bina blieb vor Überraschung der Atem weg, als sie die Tür öffnete und Charlie sie mit einer kleinen Verbeugung begrüßte. Irritiert schaute sie ihn an. Er sah… atemberaubend gut aus. Es fühlte sich an, als würde ihr Herz sofort ein wenig schneller schlagen. Er sah so ganz anders aus. Der dunkle Anzug, zusammen mit dem schneeweißen Hemd und der Krawatte, stand ihm so viel besser als das übliche Grau. Lächelnd, aber auch ein wenig überfordert mit der Situation, schaute sie zu ihrem besten Freund auf, als er auf sie zukam und ihr seinen Arm anbot.
„Darf ich Sie zum Tanzen auffordern?“, fragte er. Bina machte ein nachdenkliches Gesicht.
„Sie sind durchaus nicht der Erste, der mich heute Abend fragt“, antwortete sie. „Ich weiß nicht. Es mag verrückt klingen, aber ich habe so eine nervige Stimme im Ohr, die mir grundsätzlich jeglichen Spaß verbietet. Aber offensichtlich hat sie gegen Sie nichts einzuwenden. Zum ersten Mal heute Abend ist diese Stimme ruhig.“
Grinsend hakte sie sich bei Charlie unter und gemeinsam gingen sie in die Mitte des Zimmers. Im Fernsehen wurde der Ball live übertragen und lieferte ihnen die passende Musik für einen Tanz. Bina war ein wenig aufgeregt. Zwar hatte Charlie mit ihr geübt, bevor sie ins Kapitol gereist waren, es war also definitiv nicht das erste Mal, dass sie gemeinsam tanzen würden, doch irgendwie war es jetzt dennoch anders. Vielleicht lag es auch einfach nur daran, dass sie festliche Kleidung trugen und hübsch hergerichtet waren.

Die Nähe zu ihm und vor allem seine Hand an ihrer Hüfte, als sie ihre Tanzposition einnahmen, lösten eine leichte Gänsehaut bei Bina aus. Die ganze Zeit hatte sie sich insgeheim gewünscht, dass Charlie doch auf dem Ball auftauchen würde, nicht zuletzt, weil es schon ein wenig unangenehm gewesen war, auf so einem Event ohne Begleitung dazustehen. Schließlich war Gus die meiste Zeit mit einer jungen Frau in einem grünen Kleid beschäftigt gewesen. Und auch, wenn Charlie gemeint hatte, dass die beiden sich hassten, war sie der festen Überzeugung, dass es sich bei der Frau um Catrice Bellamy gehandelt hatte. Die Masken hatten es zwar schwer gemacht, Leute zu erkennen, aber es war nicht komplett unmöglich gewesen.
Außerdem war es auch etwas deprimierend gewesen, immer nur am Rand zu stehen, während so viele andere getanzt hatten. Wenn Charlie dabei gewesen wäre, hätte der ganze Abend sehr viel mehr Spaß gemacht.

„Es tut mir wirklich Leid, dass du hier nicht raus darfst…“, meinte Bina leise, während sie begannen, sich langsam im Takt der Musik zu bewegen.
„Aber das hier ist eine gelungene Alternative.“
Mit der freien Hand zupfte sie spielerisch an seiner Krawatte. Er sah wirklich unglaublich gut aus. Es war fast schon schade, dass es nicht öfter Gelegenheiten gab, für die er sich so zurecht machen konnte. Das hier war wie ein kleiner Schritt zurück in sein altes Leben. Bestimmt gefiel ihm das auch wesentlich besser als ständig die abgetragene, einheitliche Kleidung von Distrikt 13 zu tragen.
Die Musik im Fernsehen wurde langsamer und die Menschen auf der Tanzfläche rückten noch etwas enger zusammen. Bina wusste, dass es bei der seltsamen Stimmung und den eigenartigen Gefühlen, die ab und an zwischen ihnen herrschten, vielleicht keine allzu gute Idee war, es diesen Leuten gleichzutun, doch durch den Alkohol konnte sie nicht mehr so wirklich kluge Entscheidungen treffen. Jedenfalls hoffte sie, es auf den Champagner schieben zu können, als sie Charlie noch ein Schrittchen näher kam. Langsam bewegten sie sich mit kleinen Schritten durch das Zimmer, lauschten dem Klang der Musik und für diesen einen Moment war es, als gäbe es weder die Rebellion noch Collin und Meg oder sonst irgendetwas, das sie in irgendeiner Weise stören konnte. Sie konnten auch später noch über die Vorkommnisse auf dem Ball reden. Oder morgen.

Langsam lehnte Bina ihre Wange an Charlies Brust. Sie konnte nicht leugnen, dass sie seine Nähe wirklich genoss, so sehr er ihr auch oftmals auf die Nerven ging. Dieser Tanz mit ihm war das Schönste, das ihr an diesem Abend wiederfahren war und das. Vielleicht, aber nur vielleicht, bedeutete er ihr mehr, als sie es wagte zuzugeben. Bevor sie sich jedoch zu sehr in diesen Gedanken verlor, räusperte sie sich leise.
„Ich… ich hab wieder ein paar Snacks mitgebracht….“, murmelte sie und deutete auf ihre kleine Handtasche, die sie auf dem Sessel abgelegt hatte.
„Es sind nicht wirklich viele, aber du hast dich beim letzten Mal so darüber gefreut. Musik, Tanz, gutes Essen… es ist doch beinahe so, als wärst du wirklich auf dem Ball.“
Charlie machte gerade auch einen wesentlich glücklicheren Eindruck, als ein paar Stunden zuvor. Seine Überraschung, zusammen mit den wenigen Leckereien, die Bina mitgebracht hatte, hellten seine Stimmung auf, was sie wirklich glücklich machte. Wenn es ihm nicht gut ging, fühlte sich auch Bina nicht wohl.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Do 6 Aug - 0:18:29

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:45 Uhr
Charlie & Bina


„Sie sind durchaus nicht der Erste, der mich heute Abend fragt“
Charlie unterdrückte ein genervtes Schnauben, konnte aber nicht verhindern, dass zumindest seine Kiefer ein wenig mahlten. Das war ihm definitiv nicht entgangen... und hatte für einiges an Zähneknirschen gesorgt. Schließlich machte er sich Sorgen um Bina. Außerdem hatte er ihr im Vorhinein nun wirklich oft genug gesagt, dass sie sich auf ihre Arbeit konzentrieren sollte!
„Ich weiß nicht. Es mag verrückt klingen, aber ich habe so eine nervige Stimme im Ohr, die mir grundsätzlich jeglichen Spaß verbietet.“
Nervig? Wohl eher vernünftig.
Diesmal schnaubte er tatsächlich, allerdings nicht halb so ernst gemeint, wie eigentlich angebracht wäre, dafür hatte er nach beinahe einen ganzen Tag alleine in seinen begrenzten vier Wänden plötzlich viel zu gute Laune.
„Aber offensichtlich hat sie gegen Sie nichts einzuwenden. Zum ersten Mal heute Abend ist diese Stimme ruhig.“
„Mir scheint, diese Stimme muss sehr aufmerksam und vernünftig sein und einen tadellosen Geschmack besitzen.“, stellte er schmunzelnd fest. „Ganz offensichtlich kann sie problemlos einen Mann mit Stil und ehrenhaften Absichten von einem Haufen schmieriger Flegel unterscheiden.“


Trotz ihrer kritischen Worte schien Bina sich seiner Aufforderung nicht zu widersetzen und er zog sie grinsend in die Mitte des Raumes, legte in etwas weniger korrekter, dafür aber deutlich angenehmerer, vertrauterer Haltung seine Hand an ihre Hüfte und zog sie näher an sich heran. Noch bevor sie begannen, sich zur Musik zu bewegen, beugte er sich zu ihr herab und flüsterte ihr ins Ohr:
„Stell dich nicht so an, Mahoney. Disziplin ist das oberste Gebot. Aber es gibt nun einmal eine Zeit zum Arbeiten... und eine Zeit um Spaß zu haben.“
Und jetzt war definitiv zweiteres angesagt. Das hatten sie sich beide verdient. Er natürlich ganz besonders. Eingepfercht in dieses grässliche Hotelzimmer ohne Kontakt nach außen... wie ein besserer Gefangener.
Und er konnte nicht bestreiten, dass er Spaß hatte. Er summte leise mit, während er Bina im Takt der Musik mit sich führte. Wie lange war es her, dass er wirklich getanzt hatte? So getanzt. Kein frustrierender Unterricht, in dem er mit seiner aufsässigen Schülerin erst mühsam darüber diskutieren musste, ob sie ihm als Mann jetzt endlich die Führung überlassen würde oder nicht oder ob irgendwelche kleinen Gesten oder die disziplinierte Handhaltung nun lächerlich aussah oder nicht. Im Moment war sie ungewohnt handzahm. Geradezu kuschelig.
Er verbiss sich ein zufriedenes Grinsen und schmiegte – ebenfalls friedlich – sein Kinn an ihren Haaransatz. Sie sah heute wirklich wahnsinnig hübsch aus... und sie roch so gut. Zufrieden atmete er ihren Duft ein. Kein Wunder – den hatte ja auch er ausgesucht.

„Es tut mir wirklich Leid, dass du hier nicht raus darfst…“, stellte Bina plötzlich leise fest und er hob seinen Kopf, um sie überrascht anzusehen. Merkte man ihm etwa an, wie sehr ihn das quälte? Dabei litt er doch absolut still und verhielt er sich seiner Meinung nach fast schon heroisch diszipliniert, wenn man die widrigen Umstände bedachte.
Er rang sich ein schiefes Grinsen ab.
„Ach was. Ich bin ein großer Junge. Ich halt schon was aus.“
Es ging ja ohnehin nicht anders. Besser als zu riskieren, aufzufliegen und verhaftet zu werden, denn irgendwie bezweifelte er, dass die Gefängniszellen des Kapitols Fernsehen, Zeitungen und ein bequemes Bett hatten. Und natürlich hätte er dort keine so nette Gesellschaft.
Außerdem fühlte er sich im Moment tatsächlich ganz wohl. Mehr sogar. Bina brachte es auf den Punkt.
„Aber das hier ist eine gelungene Alternative.“

Und wie. Statt darauf zu antworten, zog er sie nur näher an sich und vergrub seine Nase in ihren Haaren, konzentrierte sich auf ihren Atem, der ihm gleichmäßig halb auf den Hals und aufs Hemd blies, bevor sie begann an seiner Krawatte herumzuzupfen.
„Die gefällt dir, was?“, stellte er nicht ganz ohne Stolz fest. „Schwarz ist einfach zeitlos schick und der Stoff verleiht ihr noch zusätzlich eine gewisse Eleganz.“
Nicht so wie das ausgewaschene Grau und die kratzigen Stoffe, der Kleidung, die sie sonst trugen. Mode fehlte ihm. Natürlich war ihm sobald er das Kapitol verlassen hatte, schnell klar geworden, dass es weitaus Wichtigeres gab. Aber das bedeutete nicht, dass es nicht nett war, sich ab und an etwas Schickes anziehen zu können. Man musste nur die Prioritäten richtig setzen.
Elegante Kleidung war etwas ganz Wundervolles. Wo anders Kinder dafür verhungern zu lassen hingegen war falsch und widerlich...

Doch im Moment fiel es ihm beinahe schon schwer an solche ernsten Dinge zu denken. Dafür war das hier gerade viel zu angenehm. Viel zu einfach. Vorsichtig zog er sie noch etwas näher an sich und blendete alles aus, abgesehen von der Musik und Binas Atem auf seiner Haut.
„Ich… ich hab wieder ein paar Snacks mitgebracht….“
„Hmmm....?“ Er wachte ein wenig aus seinem meditationsähnlichen Zustand auf, aber nicht genug, um konzentriert zuzuhören.
„Es sind nicht wirklich viele, aber du hast dich beim letzten Mal so darüber gefreut. Musik, Tanz, gutes Essen… es ist doch beinahe so, als wärst du wirklich auf dem Ball.“
„Mhm... süß.“
Vernaschen...
Was zur...?!
Diesmal schrak er tatsächlich ein wenig auf, gab sich in Gedanken einen Tritt. Was war nur los mit ihm? Aber es war auch wirklich schwierig...
Bina hatte recht, es war als wäre er auf dem Ball. Es war für einen Moment fast so als hätte er sein altes Leben zurück. Den guten Teil davon. Und das lag bestimmt nicht nur an der Musik und dem Anzug. Vermutlich sogar am wenigsten daran. Dafür gab es einen viel auffälligeren Grund...


„Sieh dich nur an...“, schmunzelte er, versuchte vielleicht sogar sich damit selbst abzulenken.
„Bina Mahoney... läuft mittlerweile tatsächlich problemlos in Schuhen mit ordentlichen Absätzen.“
Das war wirklich ein weiter und holpriger Weg gewesen, auf dem sie anfangs ständig über ihre eigenen Füße gestolpert war. Er konnte sich bei der Erinnerung daran ein Grinsen nicht verbeißen und ließ es sich nicht nehmen, sie noch ein bisschen weiter aufzuziehen.
„Siehst aus und klingst wie eine waschechte Kapitolerin... zumindest fast.“, fügte er in der – wenn man es wusste – immer noch eine winzige Spur unnatürlich klingenden Art und Weise, wie sie seinen Akzent fakete an.
„Außerdem tanzt du perfekt. Du musst wirklich einen ausgezeichneten und sehr talentierten Lehrer gehabt haben.... und sehr gutaussehend, wie ich gehört habe....“ Er ließ sie eine kurze aber schwungvolle Drehung machen und fing sie danach galanz wieder in seinen Armen auf, beugte sich über sie, um ihr ins Ohr zu flüstern.
„Nur eines haben wir noch nicht geübt...“
Das war... nicht klug. Gar nicht klug.
Nicht nur wegen ihrer Freundschaft. Auch und vor allem wegen der Mission, aber... als würden sie magisch angezogen, konnte er nicht verhindern, dass seine Lippen wie von selbst zart ihr Ohrläppchen und ihre Wange streiften, bevor sie sichauf ihre legten. Erst vorsichtig und abwartend, aber schon nach einem kurzen Moment schloss sich sein Arm fester um ihren Rücken und drängte ihren Körper näher an seinen, um den Kuss zu vertiefen.
Nicht wie bei diesem kleinen Ausrutscher vor ein paar Tagen. Wenn er etwas machte, dann machte er es auch richtig, egal wie dumm und unvernünftig es sein mochte. Er teilte ihre Lippen mit der Zunge und suchte nach ihrer, die überraschend vertraut schmeckte. Als hätten sie noch nie etwas anderes getan. Atmete ihren Duft ein... fühlte bewusst ihren zarten Körper unter seinen Fingern, ließ seine Hand ein Stückchen tiefer wandern, wo sie knapp über ihrem Hintern liegen blieb und nur mit Mühe der Versuchung widerstand, die zwei Zentimeter auch noch zu überwinden...
Erst nach einer Weile schaffte er es, sich von ihr zu lösen, fuhr noch einmal sanft mit der Nasenspitze über ihre Wange, bevor er sich verlegen räusperte. Das mochte nicht besonders klug gewesen sein, dafür allerdings gut. Verdammt gut.


„Für den Anfang gar nicht schlecht.“, untertrieb er maßlos und zog gespielt kritisch eine Augenbraue hoch. „Aber du solltest vermutlich dennoch etwas Ehrgeiz und Disziplin zeigen und weiter vom Profi lernen.“ Er legte den Kopf schief und grinste sie an. „Allerdings muss dir klar sein, wenn du auch nur daran denken solltest, diese gelernten Fähigkeiten bei der Arbeit einzusetzen, wird die nervige Stimme in deinem Ohr wohl oder übel dazu übergehen müssen, dich stattdessen mit sanften Alarmanlagen-Klängen zu erfreuen...“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Sa 8 Aug - 1:22:58

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:50 Uhr
Charlie & Bina

In Binas Kopf schien sich alles zu drehen und sie ahnte, dass das weder an dem Alkohol lag noch an den Drehungen beim Tanzen. Ihre Gefühle und Gedanken drehten sich gerade einzig um Charlie. Er sah so gut aus. Dieser Blick, mit dem er sie anschaute… seine Augen. Das war nicht das erste Mal, dass sie sich darin verlor, doch sie ahnte, dass sie ihm nicht entkommen konnte… dass sie es auch nicht wollte.

„Sieh dich nur an. Bina Mahoney…“
Als er ihren Namen aussprach, bekam sie eine leichte Gänsehaut. Was war nur los? Er hatte ihren Namen schon oft gesagt und das in allen möglichen Tonlagen und noch nie hatte das solch eine Reaktion bei ihr ausgelöst.
„Läuft mittlerweile tatsächlich problemlos in Schuhen mit ordentlichen Absätzen“, meinte Charlie, woraufhin sie etwas lachen musste.
„Das war auch ein ordentliches Stück Arbeit. Vielleicht sogar der schwerste Teil unserer Mission“, sagte sie grinsend. Ihre Füße taten noch immer jeden Abend weh und sie war dankbar, wenn sie die mörderischen Schuhe ausziehen durfte, doch mittlerweile konnte sie in ihnen wirklich gehen, ohne umzuknicken und fürchten zu müssen, dass sie sich beim nächsten Schritt einen Fuß brach. Charlie grinste sie breit an.
„Siehst aus und klingst wie eine waschechte Kapitolerin… zumindest fast.“
Bina verdrehte gespielt genervt die Augen, als er ihr einmal mehr zeigte, wie gekünstelt ihr Akzent angeblich klang. Er war ja oftmals der Meinung, dass sie doch sehr übertrieb, doch bisher zumindest war das anscheinend noch niemandem aufgefallen.
„Außerdem tanzt du perfekt. Du musst wirklich einen ausgezeichneten und sehr talentierten Lehrer gehabt haben.... und sehr gutaussehend, wie ich gehört habe....“
Charlie wirbelte sie einmal herum und fing sie wieder in seinen Arm auf. Er schaute ihr tief in die Augen.
„Das muss ein Gerücht sein…“, antwortete sie zögernd und versuchte, sich ihre Unsicherheit nicht allzu sehr anmerken zu lassen. „Ich habe immer nur mit dir geübt. Einen gutaussehenden Lehrer hatte ich nie…“
Nicht mal sie selbst kaufte sich diesen hilflosen Versuch, ihn zu triezen, noch ab. Charlie Fairweather sah, verdammt noch mal, wahnsinnig gut aus. Er gefiel ihr, es war zwecklos, weiterhin zu versuchen, sich das Gegenteil einzureden. Sie hatte möglicherweise auch etwas für ihn übrig, das weit über Freundschaft hinaus zu laufen drohte.

Sie hatten aufgehört zu tanzen. Bina war sich sicher, dass im Fernsehen noch immer die Live-Übertragung des Balls lief, doch um sie herum schien alles still zu sein. Sie konnte Charlies Hand auf ihrem Rücken spüren. Das Gefühl schien sich in ihre Haut hinein zu brennen. Ihr Atem stockte, als er sich langsam zu ihr hinunter beugte und ihr ins Ohr flüsterte.
„Nur eines haben wir noch nicht geübt…“
Seine Lippen strichen hauchzart über ihr Ohrläppchen hinüber zu ihrer Wange. Großer Gott, wenn das nur einer seiner Scherze war, dann war das ganz und gar nicht lustig. Doch er lachte nicht. Er schob sie nicht von sich und machte sich über sie lustig, weil er sie so gelungen vorführte. Stattdessen küsste er sie. Sanft und vorsichtig. Ein Kribbeln ging durch Binas Körper. Ihre Hand strich langsam über seine Schulter, zu seinem Hals und blieb schließlich auf seiner Wange liegen. Mit dem Daumen fuhr sie über seine feinen Bartstoppeln. Was passierte hier? Sie hatten doch nur getanzt.

Charlie schlang seinen Arm noch etwas mehr um Bina und drängte sie so näher an sich, als er den Kuss intensivierte. Bereitwillig öffnete sie ihre Lippen, als seine Zunge sanft darüber strich und Einlass forderte. Sie legte ihre Arme um seinen Nacken und erwiderte den Kuss. In ihrem Körper entbrannte ein Feuerwerk. Charlie war ihr bester Freund. Nie hatte sie erwartet, dass so etwas zwischen ihnen passieren würde, und doch war in ihr ein Gefühl, als hätte sich ein lang gehegter Wunsch endlich erfüllt. Als hätte sie sich nach etwas gesehnt und es endlich bekommen. Charlies Lippen auf ihren war ein unglaublich berauschendes Gefühl. Seine Zunge, die immer wieder verführerisch auf ihre traf und seine Hände auf ihrem Körper lösten ein Verlangen nach ihm aus, das sie noch nie in seiner Gegenwart empfunden hatte.

Vollkommen benebelt von diesem Gefühlsrausch öffnete Bina langsam die Augen, als Charlie sich von ihr löste. Ihre Hände ruhten auf seiner Brust. Unsicher nestelte sie mit ihren Fingern am Revers seines Jacketts herum.
„Für den Anfang gar nicht schlecht. Aber du solltest vermutlich dennoch etwas Ehrgeiz und Disziplin zeigen und weiter vom Profi lernen. Allerdings muss dir klar sein, wenn du auch nur daran denken solltest, diese gelernten Fähigkeiten bei der Arbeit einzusetzen, wird die nervige Stimme in deinem Ohr wohl oder übel dazu übergehen müssen, dich stattdessen mit sanften Alarmanlagen-Klängen zu erfreuen...“
Sie schüttelte nur den Kopf. Sie wollte niemand anderen küssen. Hatte sie vorhin recht gehabt mit ihrer Vermutung? War Charlie vielleicht nicht einfach nur schlecht gelaunt, weil er in dem Hotel festsaß, sondern außerdem auch eifersüchtig? Eifersüchtig auf Gus und jeden anderen Mann, der ihr zu nahe kam? Bedeutete sie ihm etwas, das mehr war als Freundschaft?

Zaghaft lehnte sie ihre Stirn an ihn, während sie ihn umarmte. Was bedeutete jetzt dieser Kuss für sie beide? Er war gut gewesen. Viel zu gut, um ihn zu bereuen oder ihn nicht noch einmal geschehen zu lassen. Und ganz anders, als der versehentliche Kuss von vor ein paar Tagen. Vor allem war ihre innere Zerrissenheit jetzt wesentlich intensiver. Sie hatte Angst davor, ihn als Freund zu verlieren, wenn sie ihren Gefühlen nachgab. Sie war mit Paxton befreundet gewesen, dann mit ihm zusammen und dann ging die Beziehung in die Brüche und nun redeten sie kaum noch miteinander. Unter anderem auch, weil sie erkannt hatte, dass er nichts weiter war als ein überheblicher Mistkerl. Charlie war anders. Ebenso wie die Freundschaft zu ihm. Ihn zu verlieren könnte sie unmöglich ertragen.

Ihre Lippen kribbelten noch von dem Kuss, als sie sich langsam von Charlie löste. Sie schaute zu ihm auf und lächelte etwas hilflos.
„Das war… schön…“
Schön? Das war untertrieben. In ihr schrie alles danach, ihm um den Hals zu fallen und den Kuss zu wiederholen. Doch anstatt dem Wunsch nachzugeben ging sie hinüber zu ihrer Handtasche und holte die kleinen Häppchen heraus. Es waren nur vier und die waren im Inneren der Tasche regelrecht zerquetscht worden.
„Sie sehen leider alles andere als appetitlich aus“, meinte sie, während sie die Servietten von den Leckereien abzupfte. „Aber sie schmecken bestimmt noch. Das Gelbe hier schmeckt nach Birne…“
Themenwechsel und unbeschwert tun, das war eine gute Lösung. Jedenfalls vorerst. Sie wusste nicht, ob und wie sie mit Charlie über den Kuss und darüber, was das für sie beide bedeutete, reden sollte, doch Fakt war, dass sie Klarheit brauchten. Nur war sie absolut nicht gut darin, sowas richtig anzugehen.
„Was… ähm…“, sie räusperte sich kurz und deutete aufs Bett. „Was hältst du davon, wenn wir es uns jetzt bequem machen, du dir die Teilchen schmecken lässt und wir noch etwas Fern sehen?“
Das war eine gute Idee. Sie mussten versuchen, weiterhin so unbeschwert wie sonst auch miteinander umzugehen und dazu gehörte auch ihr gewohnter Abendablauf.
„Ich geh schon mal ins Bad.“
Sie lächelte ihn an, schlüpfte aus ihren Schuhen und ging in das Badezimmer. Seufzend stützte sie sich am Waschbecken ab. Ihre Gefühle spielten vollkommen verrückt. Charlie war ihr bester Freund, ihr engster Vertrauter… und sie liebte ihn. All ihre Bemühungen, das zu verleugnen, sich selbst scheinbar erfolgreich zu belügen und einzureden, dass er eben „nur“ ihr bester Freund war, waren mit diesem Kuss zunichte gemacht worden.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Sa 8 Aug - 23:49:01

22. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:50 Uhr
Charlie & Bina


Bina sah... verwirrt aus. Und auf jeden Fall eine Spur weniger begeistert als er erwartet hatte. Wobei... was hatte er denn erwartet? Hatte er etwas erwartet? Was hatte er überhaupt getan?!
Er flüchtete sich in ein schiefes Grinsen und kratzte sich verlegen am Hinterkopf, als sie sich von ihm löste und wartete darauf, was sie dazu zu sagen hatte.
„Das war… schön…“
Charlies Augenbraue schnellte automatisch in die Höhe.
Schön?!“ Da hatte er hoffentlich nicht recht gehört! „Das war ja wohl fantastisch!“
Wenn sie das nur als 'schön' bezeichnete, konnten sie in 13 wirklich überhaupt keine Ahnung von Küssen haben. Oder zu viel... wie ihm siedend heiß einfiel und er musterte sie prüfend. War er vielleicht über die Jahre doch ein wenig eingerostet? Und wie viel 'Übung' hatte Bina wirklich gehabt. Er wusste von Paxton – dem Vollidioten – aber sonst? Hatte sie ihm vielleicht doch nicht alles erzählt?


Gerade wollte er sie wieder an sich heranziehen, um ihr zu beweisen, dass er bestimmt sehr viel besser als 'schön' küsste und um Welten... oder zumindest Distrikte besser als Paxton oder sonst irgendein Kerl, mit dem sie eventuell schon Körperflüssigkeiten unbestimmter Art ausgetauscht hatte, doch Bina kramte plötzlich wie besessen in ihrer Handtasche herum und er konnte nicht anders, als ihr einfach nur verdattert dabei zuzusehen. Was bei Coins Arsch konnte denn jetzt gerade spannender sein als er?
„Sie sehen leider alles andere als appetitlich aus“
Törtchen.
Er seufzte leise. Als ob er jetzt gerade Lust auf naschen hatte... oder zumindest auf irgendwelche zerquetschten Süßigkeiten, die sie in ihrer Tasche vom Ball geschmuggelt hatte. Allerdings wusste er, dass das ungerecht war. Immerhin hatte sie das Zeug extra für ihn mitgebracht und normalerweise hätte er sich darüber gefreut. Er zwang sich zu einem dankbaren Lächeln.
„Aber sie schmecken bestimmt noch. Das Gelbe hier schmeckt nach Birne…“
„Mhm... ja, die kenn ich. Super-lecker.“


Demonstrativ biss er hinein und ließ sich damit aufs Bett fallen, klopfte auf die freie Seite neben sich auf der Matratze und wackelte mit den Augenbrauen. Hier war definitiv genug Platz für sie beide.
„Wenn du ganz lieb bist... teil ich sogar mit dir.“
„Was… ähm…Was hältst du davon, wenn wir es uns jetzt bequem machen, du dir die Teilchen schmecken lässt und wir noch etwas Fern sehen?“
Genau das war doch der Plan. Allerdings machte Bina keine Anstalten, ihren Hintern zu ihm hinüber zu bewegen. Verwirrt blinzelte er sie an, während sie ihm langsam den Rücken zu drehte und sich in entgegen gesetzte Richtung bewegte.
„Ich geh schon mal ins Bad.“
Und mit einem scheuen Lächeln schlüpfte sie aus dem Schlafzimmer. Charlie starrte verdattert auf die Tür. Hatte er etwas falsch gemacht? War der Kuss ein noch größerer Fehler gewesen als angenommen? Hatte sie ihn nicht gewollt? Er wüsste nicht, dass sie sich besonders dagegen gewehrt hätte. Das wäre ihm doch aufgefallen, dann hätte er doch nicht...


Oder wollte sie nur einfach kein Aufhebens darum machen? Oder das Ganze jetzt gar ignorieren, wie nachdem sie ihn letztens geküsst hatte. Die Reaktion war jedenfalls die Gleiche gewesen. Erst fleißig küssen und dann ins Bad verschwinden...
Oder war das denn jetzt normal? So etwas wie eine neue Angewohnheit? Eine Tradition im werden? Sprach man in 13 einfach nicht über solche Angelegenheiten? Das konnte er sich bei den steifen Distrikt-Bewohnern durchaus vorstellen.
'Wer weiß, vielleicht sind wir jetzt ja verheiratet und automatisch dazu verpflichtet Menschen-Ressourcen zu produzieren.'
Seine Mundwinkel zuckten amüsiert. Gar so extrem war es hier dann auch wieder nicht. Obwohl was Nachwuchs anging, waren sie in 13 tatsächlich ein wenig komisch. Aber eventuell waren solche Entwicklungen wirklich nichts, worüber gesprochen wurde. Vielleicht hatte ihre Freundschaft nun eben ein Romantik-Upgrade bekommen und das war einfach nichts, worüber jetzt groß diskutiert werden musste und sie würden einfach wieder zur Tagesordnung übergehen.

Er leckte sich die Finger ab, nachdem er mit den Küchlein fertig war – kurz hatte er überlegt, Bina etwas übrig zu lassen, aber wie er neidvoll mitverfolgen hatte können, hatte sie heute ohnehin schon jede Menge verschiedene Köstlichkeiten verputzt und außerdem würde sie jetzt vermutlich schon Zähne putzen – und zog seinen Anzug wieder aus, hängte ihn fein säuberlich in den Schrank, bevor er wieder ins Bett stieg, um auf sie zu warten.
Wie sie vorgeschlagen hatte, ließ er den Fernseher eingeschaltet, machte den Ton allerdings ein wenig leiser, da sie die Musik nun ja nicht mehr zum Tanzen brauchten.
„Willst du weiter den Ball anschauen oder hast du für heute genug von all den Masken und der Tanzerei?“, erkundigte er sich sicherheitshalber und schlug die Decke zurück, damit sie darunter schlüpfen konnte. Selbst konnte er sich an all den vielen Kleidern und Anzügen gar nicht satt sehen. Wie viel sich in der Mode getan hatte, seit er von hier fliehen hatte müssen... Außerdem hoffte er immer noch darauf, eventuell einen kurzen Blick auf seine Eltern erhaschen zu können. Während Bina auf dem Heimweg gewesen war, war sein Bruder einmal mit seiner Frau im Bild gewesen. Der Anblick hatte für einen Moment Charlies Herz stehen lassen. Er vermisste seine Familie. Seit Jahren war er ihnen nicht mehr so nah gewesen und doch waren sie vollkommen unerreichbar für ihn. Aber wenigstens zu sehen, dass sie noch lebten, dass es ihnen gut ging...


Ganz automatisch tastete seine Hand unter der Decke nach Binas und er verschränkte seine Finger mit ihren, strich vorsichtig mit dem Daumen über ihren Handrücken und zog sie an seine Brust, um wie selbstverständlich ihren Nacken zu küssen.
Immerhin war er nicht mehr allein. Er atmete zufrieden den ihm so vertrauten Geruch ein und vergrub seine Nase in ihren Haaren. So war das nun einmal mittlerweile zwischen ihnen und wenn sie darüber nicht reden wollte... dann war das eben ihre Sache. Er kannte Bina jetzt lange genug, um zu wissen, dass sie definitiv protestieren würde, wenn ihr etwas nicht passte. Sie mussten nicht darüber reden. Dank ihrer Mission war die Situation seltsam und schwierig genug. Hauptsache, es fühlte sich für sie beide gut an.


„Ich glaube, die meisten Sieger haben den Ball mittlerweile ohnehin auch schon verlassen.“, stellte er beiläufig fest, um vorbildlich wieder zur Tagesordnung überzugehen. Allerdings nicht, ohne seiner – von welcher Art auch immer genau – Freundin den Arm um die Schulter zu legen. Dass sich der Abend langsam zu Ende neigte und die meisten für sie interessanten Leute, sich längst verabschiedet hatten, war einer der Gründe dafür gewesen, dass Bina sich auch auf den Heimweg begeben hatte. Für sie gab es hier wohl momentan nichts Interessanteres mehr zum Ansehen, als einen Betrunkenen, der in die Kamera winkte und etwas lallte, das er morgen vermutlich bereuen würde.
„Aber immerhin hast du mit Baxter geredet. Und du hast es geschafft, dich dabei noch halbwegs wie ein zivilisierter Mensch zu artikulieren und darauf zu verzichten, dir ein Autogramm auf den Hintern geben zu lassen.“ Er grinste sie frech an und kitzelte ihren Bauch bis sie hilflos auf die Matte sank, beugte sich dann über sie und küsste ihre Nasenspitze, bevor er sich neben sie kuschelte.


Einen Moment lang dachte er darüber nach, ihr von den beiden Friedenswächtern zu erzählen und warf einen verstohlenen Blick auf die Zeitung, die immer noch ordentlich zusammengefaltet am Tisch lag, entschied sich dann aber dagegen. Das würde mit Sicherheit die Stimmung komplett ruinieren und gerade wollte er lieber sichergehen, dass das, was er für sie empfand auch auf Gegenseitigkeit beruhte. Er lehnte seinen Kopf gegen ihre Stirn und lächelte sie an. Über die unangenehmen Dinge konnten sie morgen immer noch reden.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am So 9 Aug - 23:52:09

22./23. November im Jahr der 75. Hungerspiele
Gegen Mitternacht
Charlie & Bina

Vom Badezimmer aus beobachtete Bina Charlie durch einen Türspalt. Er zog den Anzug aus und hängte ihn ordentlich zurück in den Schrank. Sie bedauerte es beinahe, da er wirklich gut darin ausgesehen hatte, doch der Anblick seines nackten, durchtrainierten Rückens gefiel ihr auch. Sie schloss die Tür leise und seufzte. Da küsste sie dieser Kerl einmal und schon konnte sie ihren Blick nicht mehr von ihm abwenden. Beziehungsweise leugnen, dass sie ihn anstarrte.

Sie schlüpfte schließlich in ihre Schlafsachen und kam wieder aus dem Bad. Sie tat es Charlie gleich und hängte das Kleid ausnahmsweise ordentlich auf, anstatt es achtlos auf dem Fußboden liegen zu lassen, um ihren Freund damit zu ärgern, der sich immer so köstlich darüber aufregte, dass der Stoff knitterte. Doch jetzt war ihr nicht danach, einen Streit anzuzetteln. Nicht einmal einen nicht ernst gemeinten. Sie ging auf das Bett zu und krabbelte zu ihm unter die Decke. Schüchtern lehnte sie ihren Kopf an seine Schulter, während Charlies Hand nach ihrer suchte und seine Finger mit ihren verschränkte. Er zog sie an sich und küsste sie sanft am Nacken. Lächelnd kuschelte sie sich enger an ihn. Es fühlte sich seltsam an und gleichzeitig so erleichternd, sich nicht mehr gegen den Drang, ihm nahe sein zu wollen, wehren zu müssen. Denn scheinbar ging es Charlie genauso wie ihr. Er hatte sie geküsst und hielt sie jetzt im Arm. Was auch immer die vergangenen Minuten aus ihnen gemacht hatte, es fühlte sich gut und schön an.

„Ich glaube, die meisten Sieger haben den Ball mittlerweile ohnehin auch schon verlassen“, meinte Charlie. Bina nickte leicht und fuhr mit Fingerspitzen über seine Brust. Für das Fernsehprogramm interessierte sich gerade relativ wenig.
„Aber immerhin hast du mit Baxter geredet. Und du hast es geschafft, dich dabei noch halbwegs wie ein zivilisierter Mensch zu artikulieren und darauf zu verzichten, dir ein Autogramm auf den Hintern geben zu lassen.“
Sie grinste leicht und schaute zu Charlie auf.
„Ich wollte ihn auch eigentlich um ein Autogramm auf die Brust bitten. Aber ich hatte nur einen Lippenstift in der Tasche, da wäre das Autogramm beim ersten Mal duschen ja sofort wieder weg gewesen.“

Kaum hatte sie den Satz beendet, stürzte sich Charlie auf sie und kitzelte sie. Erschrocken quietschte sie auf und versuchte, ihn von sich zu drücken, doch er war viel zu stark für sie. Schwer atmend lag sie unter ihm. Er gab ihr einen kurzen Kuss auf die Nasenspitze und legte sich anschließend neben sie. Stirn an Stirn lagen sie da und schauten sich tief in die Augen. Binas Hand streichelte sanft seine Wange. Sie fühlte sich unglaublich wohl mit ihm. Das war schon so seit sie sich kannten, doch jetzt fühlte es sich noch intensiver an. Vielleicht mussten sie das noch einmal genau besprechen und klären, was das nun zwischen ihnen war, wobei sie da eine vage Ahnung hatte. Lächelnd rutschte sie etwas näher an ihn heran und küsste ihn wieder.
„Die letzte halbe Stunde war definitiv das Highlight des heutigen Abends… und ich dachte, nach der Begegnung mit Beetee konnte es gar nicht mehr besser werden. Da hab ich mich wohl ausnahmsweise einmal geirrt.“
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