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Hotel 'Olympus'

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Hotel 'Olympus'

Beitrag von Beetee Baxter am Mo 25 Aug - 17:46:37

Die Zimmer in diesem etwas abgelegene kleine Hotel, werden bevorzugt diskret und nur für wenige Stunden gemietet. 

Distrikt 13 hat hier heimlich ein paar wenige 'gesicherte' Zimmer für seine Spione einrichten lassen.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Mo 25 Aug - 18:05:21

18. September im Jahr der 75. Hungerspiele
21:40
Charlie&Bina
„Jetzt hör endlich auf so herumzuzappeln!“
Von all den vielen ‚Kunden’, die er in seinem Leben schon gehabt hatte, war Bina mit Abstand der schwierigste. Dabei sollte man meinen, dass sich verängstigte Kinder, die ihren baldigen Tod vor Augen haben, vollkommen zurecht weniger kooperativ verhielten als eine angeblich professionelle Soldatin, die für kompetent genug erachtet wurde, um auf eine schwierige Spionage-Mission im Kapitol geschickt zu werden.

Doch seit er heute Vormittag mit seiner Arbeit begonnen hatte, war Bina nur am Nörgeln. Das rundum Pflegeprogramm, um ihre Haut haarlos, narbenfrei, weich und eben einfach rundum perfekt zu machen – wie die einer Kapitolerin, die sich ihr Leben lang darum gekümmert hatte, gut auszusehen, war zu schmerzhaft, unnötig, blöd und er obendrein ein Perversling. Das Outfit für die Party, auf der sie heute ihren zukünftigen ‚Chef’ treffen sollte, viel zu freizügig – wiederum natürlich, weil er ein Perversling war, als ob er das Motto ausgesucht hätte und generell arbeitete er zu langsam, das Stillsitzen war mühsam und sie scheinbar schon viel zu nervös, um sich weiterhin zusammenzureißen.

Zum Glück war er beinahe fertig. Gerade steckte er ihr noch ein paar violette, mit Perlen besetzte Spangen in die fertige Lockenpracht und verbesserte ein paar Feinheiten an ihrem Augen-Make-up. Endlich mit Schminke und richtigen Farben ausgestattet, brach sein alter Perfektionismus komplett durch. Es reichte nicht, sie gut genug um nicht aufzufallen, herzurichten. Sie musste absolut umwerfend aussehen.
Trotz der halb durchwachten Nacht und seinem steifen Genick fühlte er sich ganz in seinem Element. Er sprühte geradezu vor Elan und Energie und war heute schon den ganzen Tag so dermaßen in seine Arbeit als ‚Stylist’ vertieft gewesen, dass er immer wieder für ein paar Worte in seinen alten Akzent fiel, doch glücklicherweise war ja nur Bina hier, die ihn im Gegensatz zu den meisten anderen Soldaten eher liebevoll als boshaft damit aufzog.

Heute konnte sie ihn damit ohnehin nicht ärgern. So sehr wie er selbst – oder eher sein altes Selbst - hatte er sich schon seit Jahren nicht mehr gefühl, auch wenn er gerade ein bisschen unsicher war, ob er das gut oder schlecht fand…
„So, fertig…jetzt lass dich mal ansehen…“, lenkte er sich schnell von diesem verwirrenden Gedanken ab und konzentrierte sich ganz auf seine Arbeit. Immerhin war er hier, um Bina partytauglich zu machen, dass ihm das eine Menge Spaß machte und an sein altes Leben erinnerte, änderte nichts daran, dass er hier pflichtbewusst seinen Job erfüllte und zwar so gut wie möglich. Perfekt um genau zu sein.
Er lief um sie herum und zupfte das Kleid des Anstoßes zu Recht, schnaubte verärgert bei dem Gedanken an ihren Gesichtsausdruck, als er es ihr präsentiert hatte. Charlie verstand gar nicht, was ihr Problem war. Immerhin bedeckte die violette Korsage ihre Brüste vollständig – zumindest, wenn man es großzügig auslegte. Der feste, paillettenbesetzte Stoff reichte bis knapp über ihren Hintern und mündete in einen an manchen Stellen mehr, an anderen weniger durchsichtigen Rock aus ebenfalls violettem Tüll, der den Blick auf ihre langen, schlanken Beine in den Netzstrümpfen freigab, das Strumpfband war Dank der Strasssteine ein echter Hingucker und das Make-up ließ ihre ohnehin schon großen, blauen Augen noch offener und strahlender wirken.

Charlie trat einen Schritt zurück und erlaubte sich endlich selbst, sie nicht weiter als ‚Projekt’ sondern als Frau zu betrachten. Er pfiff anerkennend durch die Zähne.
„Bina Mahoney, du siehst scharf aus!“
Er klopfte sich selbst auf die Schultern und fuhr sich zufrieden durch die Haare.
„Da hab ich mich ja echt selbst übertroffen.“

Hatte er wirklich. Das Kleid saß wie angegossen – musste es auch, so körperbetont, wie es geschnitten war – die Frisur war hinreißend und die Schminke betonte die Vorzüge ihres Gesichts, ohne zu übertrieben zu wirken. Zumindest für eine Party in dieser Stadt. Sie sah gut aus…fast schon zu gut. Er runzelte besorgt die Stirn, während er ein kleines Schächtelchen öffnete, den darin enthaltenen ‚Schmuck’ rausholte und zuerst die weiße Spotttölpel-Brosche mit dem großen blass-lila Stein, in dem eine Kamera und ein Mikro verborgen waren, an ihrer Korsage befestigte.

„Denk daran, das Bildmaterial wird direkt an mein Tablet geschickt…“, erinnerte er sie noch einmal, als hätten sie den Ablauf dieser Mission heute nicht schon zwanzig Mal durchgekaut, aber er war eben immer lieber etwas zu gut als zu schlecht vorbereitet.
„Ich sehe also alles, was du siehst…na ja…“ Er ging neben ihr stark in die Knie, so dass seine Augen etwa auf Brusthöhe waren und deutete auf die gleiche Höhe an der Wand.
„…oder eher, was du sehen würdest, wenn du noch kleiner wärst.“, fügte er mit einem frechen Grinsen hinzu. Gegen ihn war sie nun mal einfach ein Zwerg.

Er holte die identisch aussehenden Ohrringe hervor, befestigte erst den ‚normalen’ an ihrem rechten und dann den mit dem hauchdünnen, hautfarbenen Kabel mit dem komischen kleinen Knubbel, den er mit geschickten Fingern in ihre Ohrmuschelm manövrierte, an ihrem linken, um das Ganze anschließend mit ein paar Locken noch zusätzlich zu tarnen und mit Haarspray zu fixieren.
„Es ist also, als wäre ich ständig an deiner Seite, um dir ins Ohr zu flüstern, was du zu tun hast. Du schaffst das. Wir haben geübt. Du kannst das.“

Es kam ihm beinahe so vor, als versuchte er hier eher sich selbst als sie davon zu überzeugen, aber er konnte eben nicht verhindern, dass er immer nervöser wurde, je näher der Moment rückte, in der er seine Freundin alleine in die Höhle des Löwen schicken musste. Er selbst an sein Tablet verbannt, absolut hilflos, wenn sie auffliegen und verhaftet werden sollte. Charlie schluckte und versuchte den Gedanken zu vertreiben, flüchtete sich lieber in dumme Witzchen.

„Zumindest werde ich dir mit Rat und Tat beiseite stehen, bis ich hier einschlafe…“
Er gähnte und bewegte sein schmerzendes Genick langsam, warf erst diesem unbequemen Ungetüm von einem Sessel und dann Bina einen vorwurfsvollen Blick zu.
„Noch eine Nacht auf diesem Mistding und du bist morgen in der Arbeit komplett auf dich allein gestellt, während ich zufrieden mit dem Gesicht am Tisch vor mich hinschnarche.“
Absolut lächerlich. Dieses Bett war doch ohnehin so riesig, dass da bequem noch ein Elefant in die Mitte zwischen sie passen würde. Es war ja nicht so, als müssten sie darin kuscheln. Sie sollte sich nicht so anstellen. Ihn auf einem mickrigen Sessel schlafen zu lassen – was wegen dessen Unbequemlichkeit kaum möglich war, gefährdete ihren Einsatz…außerdem war es richtig gemein!

„Und denk daran, du lässt dir sagen, welche Cocktails es gibt und bestellst nur, was ich dir empfehle. Einige Drinks sehen sehr viel harmloser aus, als sie sind.“
Wieder glitt sein Blick ihren Körper entlang, den mittlerweile sogar er zähneknirschend für zu unbedeckt hielt. Bina war viel zu brav und unschuldig, um auf einer Kapitols-Party in so einem Outfit herumzulaufen.
„Lass dich nicht von Männern einladen, die meisten erwarten dafür eine Gegenleistung…“, erinnerte er sie. „Und pass immer auf dein Glas auf! Lass es ja nie unbeaufsichtigt, es gibt hier Kerle…“
Er zögerte kurz, wollte nicht, dass sie alle Kapitoler über einen Kamm scherte, auch - aber nicht nur - weil ihn das immer noch irgendwie mit einbezog. „…sehr wenige Kerle, aber es gibt sie…die mit Chemie nachhelfen, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen.“
Charlie fummelte nervös in ihrer Frisur herum.

„Aber du machst das schon. Hör einfach immer auf das, was ich sage, ich meine es nur gut…und mache mir Sorgen.“
Schließlich hatte er in Distrikt 13 nicht besonders viele Freunde und Bina war ihm in den letzten Jahren sehr ans Herz gewachsen, noch mal deutlich mehr als sie ihm in regelmäßigen Abständen mit ihrer neugierigen Fragerei und ihren blöden Sprüchen auf die Nerven ging.
„Das wird schon. Gus ist wirklich okay. Ich bin mir sicher, so sehr hat er sich in den letzten Jahren nicht verändert. Halt dich an ihn und rede nicht zu viel mit anderen Kerlen. Konzentrier dich einfach auf deine Arbeit.“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Mi 3 Sep - 0:04:45

18. September im Jahr der 75. Hungerspiele
21:40
Charlie & Bina

„Bist du endlich mal fertig?!“
Schnell versuchte Bina, Charlies Händen auszuweichen. Er hatte damit für heute wirklich genug angerichtet. Schon seit sie am Vormittag aus der Dusche gekommen war, trieb er sein grausames Spiel mit ihr.
Ihr war ja klar gewesen, dass sie wie eine Kapitolerin aussehen musste. Dazu war sie bereit gewesen. Doch Charlie hatte ihr Dinge angetan, die ganz bestimmt nicht für ihren Job notwendig waren. Kaum konnte er nach drei Jahren seinem eigentlichen Beruf wieder nachgehen, konnte er nicht mehr an sich halten und übertrieb maßlos. Sie hätte niemals gedacht, dass Haarentfernung so weh tat. An bestimmten Stellen tat es auch noch nach Stunden weh! Dafür schlief der Blödmann eine weitere Nacht auf dem Sessel. Was ging sie es an, ob er Rückenschmerzen oder sonst irgendwelche Wehwehchen hatte? Sie quälte er schließlich auch ohne einen Funken Mitleid. Außerdem hatte er sie nackt gesehen. Und während sie beinahe schon geweint hatte – oder es zumindest versucht hatte, damit er ihr wenigstens noch ein bisschen Würde ließ -  hatte er ohne auch nur einmal zu Zögern seine Arbeit fortgeführt. Sie ließ das jedoch auch nach Stunden nicht über sich ergehen, ohne sich zu wehren oder zu versuchen, ihm zu entkommen. Seit gut einer Stunde sagte er schon, dass er fast fertig wäre und so langsam aber sicher wurde es Bina wirklich zu viel.
„Jetzt hör endlich auf so herumzuzappeln!“, forderte Charlie und setzte ihr Spangen in die Haare und pinselte noch einmal in ihren Gesicht herum. Schmollend verschränkte sie die Arme vor der Brust und ließ ihn widerwillig machen. Wenn er nicht zufällig ihr bester Freund wäre, hätte sie ihn bereits umgebracht, als er mit diesem Wachs angekommen war. Doch nur, weil sie ihn vorige Nacht auf dem Sessel hatte schlafen lassen, musste er jetzt nicht so gemein zu ihr sein.
Langsam hob sie den Blick und betrachtete Charlies Gesicht. So konzentriert hatte sie ihn selten erlebt. Sicher war er beim Training immer aufmerksam, aber das hier war anders. Es war nicht nur reine Konzentration. Das war Leidenschaft. Auch wenn Bina ein wenig wütend auf ihn war, fand sie es doch wirklich schön, dass er endlich wieder das machen konnte, was ihm am meisten Spaß machte. Es war schade, dass er in Distrikt 13 nicht die Möglichkeit hatte, als Stylist zu arbeiten. Doch auch als Soldat hatte er sich gemacht und das, obwohl er nicht sein ganzes Leben dafür trainiert hatte.

So, fertig…jetzt lass dich mal ansehen…“, sagte Charlie plötzlich und half Bina beim Aufstehen. An diese Schuhe musste sie sich noch immer gewöhnen. Innerlich hoffte sie inständig, dass sie die meiste Zeit auf dieser Party sitzen würde. Sie konnte unmöglich den ganzen Abend auf diesen Absätzen laufen.
Charlie lief um sie herum und betrachtete sie von allen Seiten. Hier wurde noch einmal am Rock herum gezupft, dort wurde das Korsett gerichtet. Er war eben ein Perfektionist.
Unsicher schaute Bina an sich hinab. Sehr viel kürzer hätte der Rock nicht mehr sein dürfen. Überhaupt verdeckte das „Kleid“ nur so viel, dass sie nicht komplett nackt durch die Gegend lief. Jedenfalls kam ihr das so vor.
„Und so laufen die Frauen hier wirklich rum?“, fragte sie mehr sich selbst als Charlie. Er wusste sicher am besten, was sie anziehen musste, um nicht aufzufallen, und trotzdem kam es ihr so unglaubwürdig vor.
„Bina Mahoney, du siehst scharf aus! Da habe ich mich ja echt selbst übertroffen“, lobte Charlie sich selbst. Skeptisch schaute Bina zu ihm auf.
„Nach allem, was du mir heute angetan hast, ist es wohl das mindeste, dass ich ‚scharf‘ aussehe“, meinte sie grummelnd, musste jedoch im nächsten Augenblick grinsen und knuffte ihm mit der Faust gegen den Oberarm.
„Gute Arbeit, Fairweather. Wenn du auch als Soldat eine ziemliche Pfeife bist, so hast du es immerhin als Stylist drauf. Du hast mich in eine Kapitolerin verwandelt.“
Sie trat vor den Spiegel und betrachtete sich selbst von allen Seiten. Es war wirklich ein gewaltiger Unterschied zu der üblichen grauen Distrikt 13-Kluft, die sie sonst immer trug. Unglaublich, was Make-Up und bunte Farben ausmachten.

Ohne auf ihre kleine Spitze einzugehen, trat er neben sie und steckte ihr eine Brosche an das Korsett, die als Kamera diente.
„Denk daran, das Bildmaterial wird direkt an mein Tablet geschickt…“
„Ja, ich weiß, Charlie“, antwortete sie ihm. Sie hatten die Funktionen ihrer Accessoires mehr als nur einmal besprochen. Mittlerweile war es fast schon nervig.
Charlie bückte sich, sodass er mit seinen Augen so ziemlich auf Brusthöhe war. Als hätte er in den letzten Stunden nicht schon genug geglotzt.
„Ich sehe also alles, was du siehst…na ja…oder eher, was du sehen würdest, wenn du noch kleiner wärst.“
Wenn er so weiter machte, würde er heute doch noch ihre Faust zu spüren bekommen. Er stand wieder auf und holte die zur Brosche passenden Ohrringe. Die wiederum waren dazu da, damit Bina Charlies Anweisungen hören konnte.
„Perfekt. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als deine Stimme ständig im Kopf zu haben“, frotzelte die junge Soldatin. Sie neckte ihn zwar, doch eigentlich war sie wirklich froh darüber, dass er bei ihr war, obwohl er sich auf dieser Party nicht sehen lassen durfte. Schließlich war er vor drei Jahren aus dem Kapitol geflohen und wenn er nun hier gesehen und erkannt werden würde, würde er nicht lebend davon kommen. Niemand von ihnen. Das durften sie nicht riskieren.
„Da du eh alles sehen wirst, ist es doch fast so, als wärst du auch auf der Party“, meinte Bina ehrlich lächelnd. Es tat ihr schon leid, dass er in diesem Zimmer festsaß. Es nur sehen und nicht dabei sein zu können war vermutlich nicht wirklich ein Trost.

„Zumindest werde ich dir mit Rat und Tat beiseite stehen, bis ich hier einschlafe… Noch eine Nacht auf diesem Mistding und du bist morgen in der Arbeit komplett auf dich allein gestellt, während ich zufrieden mit dem Gesicht am Tisch vor mich hinschnarche.“
Bina verdrehte nur die Augen. Es war nun einmal ungünstig, dass es in diesem Zimmer nur ein Bett gab. Und ein wahrer Gentleman überließ der Dame das Bett. Bina hatte ihm lediglich bei der Entscheidung geholfen. Es war nicht ihre Schuld, dass es, abgesehen von dem Bett, nur noch einen alten, durchgesessenen Sessel gab, der für jemanden mit Charlies Größe leider viel zu klein war.

„Und denk daran, du lässt dir sagen, welche Cocktails es gibt und bestellst nur, was ich dir empfehle. Einige Drinks sehen sehr viel harmloser aus, als sie sind“, meinte Charlie schließlich und begutachtete sie noch einmal von allen Seiten. Bildete sie sich das nur ein oder wirkte er gerade doch irgendwie unzufrieden? Er war eben noch so stolz darüber gewesen, was er aus ihr gemacht hatte. Nein, sie irrte sich bestimmt. Charlie Fairweather war nie unzufrieden mit seiner Arbeit.
„Lass dich nicht von Männern einladen, die meisten erwarten dafür eine Gegenleistung…Und pass immer auf dein Glas auf! Lass es ja nie unbeaufsichtigt, es gibt hier Kerle… sehr wenige Kerle, aber es gibt sie…die mit Chemie nachhelfen, wenn sie nicht bekommen, was sie wollen.“
Na, das klang ja toll. Wenn sie vorher nicht nervös war, dann war sie es jetzt. Einmal nicht aufgepasst und sie würde sich wer weiß wo wiederfinden.
„Aber du machst das schon. Hör einfach immer auf das, was ich sage, ich meine es nur gut…und mache mir Sorgen. Das wird schon. Gus ist wirklich okay. Ich bin mir sicher, so sehr hat er sich in den letzten Jahren nicht verändert. Halt dich an ihn und rede nicht zu viel mit anderen Kerlen. Konzentrier dich einfach auf deine Arbeit.“
Lächelnd schaute Bina zu ihm und umarmte ihn kurz. Auch wenn sie sich regelmäßig neckten und auch schon mal stritten, so war sie doch froh, dass er hier bei ihr war und sie unterstützte. Sie hatten sich beide in den letzten Wochen intensiv auf diese Mission vorbereitet, es durfte einfach nichts schief gehen.
Doch was, wenn Augustus Crane ihr nicht abkaufen würde, dass sie ihm als Assistentin zugeteilt wurde? Oder wenn er sie sofort fortschickte, weil er gar keine Assistentin brauchte? Was, wenn sie auf der Party den falschen Mann ansprach? Zwar hatte sie Fotos von Crane gesehen und sich sein Gesicht eingeprägt, doch die Kapitoler veränderten ihr Aussehen doch ständig.
Super, jetzt war sie wirklich nervös. Sie musste zu dieser Party und wollte sich nun am liebsten unterm Bett verkriechen und nicht wieder hervor kommen. Seufzend ließ sie sich auf dem Sessel nieder.
„Kannst du dich nicht irgendwie schminken, sodass man dich nicht erkennt und mitkommen?“, fragte sie kleinlaut und blickte dabei stur auf ihre Hände. Sogar ihre Fingernägel passten perfekt zu dem Outfit.
„Was, wenn ich es gleich komplett versaue. Wenn ich mich vor lauter Nervosität mit meinem richtigen Namen vorstelle statt mit meinem Decknamen?“
Penelope Vitus.
Das klang so albern. Aber auch der Name musste nun mal typisch kapitolisch klingen. Ebenso wie ihre Aussprache. Mit Charlie hatte sie wochenlang den Kapitolsakzent geübt, doch in ihren Ohren klang es noch immer schrecklich aufgesetzt.
„Ich bin nervös, Charlie“, gestand sie schließlich. Vermutlich war das nicht einmal ein Geheimnis, doch bis eben war die Nervosität immerhin gut zu überspielen gewesen.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Do 4 Sep - 18:03:40

18. September im Jahr der 75. Hungerspiele
21:50
Charlie & Bina

„Kannst du dich nicht irgendwie schminken, sodass man dich nicht erkennt und mitkommen?“
„Du weißt doch, dass das nicht geht.“, stellte er missmutig fest. „Meine Schwester wird auf der Party sein. Vielleicht sogar meine Eltern. Ehemalige Kollegen und Kapitoler sind nicht so leicht durch ein bisschen Schminke täuschen. Hier ist man daran gewöhnt, dass die Leute ständig die Haarfarbe oder sogar Teile ihres Gesichts und ihres Körpers ändern…“

Charlie seufzte. Dabei wollte er zu gerne mitgehen. Natürlich vor allem, um auf Bina aufpassen zu können. Um nicht hilflos dabei zuschauen zu müssen und ihr nur panisch Befehle ins Ohr brüllen zu können, wenn sie im Begriff war, etwas falsch zu machen. Sie hatten sich zwar gründlich vorbereitet, Bina war schnell von Begriff und man musste ihr selten etwas zwei Mal erklären, außerdem hatte er ihr so ziemlich alles erzählt, was ihm spontan über die Etikette und die Gepflogenheiten im Kapitol eingefallen war, aber er hatte dabei bestimmt ein paar Details vergessen, die für ihn so logisch und selbstverständlich waren, dass er einfach nicht auf die Idee kam, sie jemandem als ‚Regeln’ aufzuzählen. Selbst jetzt – nach über 3 Jahren – merkte er noch hin und wieder, dass er in Distrikt 13 mit seiner Art aneckte, obwohl er sich redlich bemühte, sich den wortkargeren, ruppigeren Bewohnern seiner neuen Heimat anzupassen. Er hatte schnell gelernt, dass Höflichkeit, Komplimente und wortreiche Anteilnahme hier einfach sehr viel weniger zählten als sture Einhaltung der Regeln, blinder Gehorsam und direkte Ansagen, und teilweise sogar eher Misstrauen und Verständnislosigkeit hervorriefen.

Außerdem wäre Charlie natürlich unglaublich gerne nach Jahren wieder auf eine Party gegangen. Noch dazu auf so eine! Mit vielen hübschen Damen in freizügigen Kostümen und bestimmt auch einer atemberaubenden Bühnenshow. Er seufzte sehnsüchtig.
Nicht, dass alle Frauen in Distrikt 13 hässlich waren, aber…es gab nicht übermäßig viele in seinem Alter und sie alle versteckten ihre Körper unter diesen hässlichen, ausgewaschenen, grauen Kleidungsstücken oder unförmigen Uniformen.
Man brauchte sich nur anzusehen, wie umwerfend Bina mit ein bisschen Schminke und einem hübschen Kleid plötzlich aussah… Er musterte sie unauffällig von der Seite. Wobei ihr auch die grässliche Distrikt 13 Kluft nicht allzu viel anhaben konnte, aber das war tatsächlich noch einmal eine Steigerung…

„Was, wenn ich es gleich komplett versaue. Wenn ich mich vor lauter Nervosität mit meinem richtigen Namen vorstelle statt mit meinem Decknamen?“
„Du wirst das ganz hervorragend machen, hübsche Penny!“
Er zupfte an ihren Locken herum, strich ihr vorsichtig mit dem Daumen über die Wange und schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln.
„Gus wird bestimmt erst einmal viel zu hingerissen von dir sein, um dich in Frage zu stellen und später zu dankbar, eine so intelligente und lernfähige Assistentin zu haben.“, versicherte er ihr und meinte es trotz seiner eigenen Sorgen um ihre Sicherheit auch so.
Warum sollte Gus seine Assistentin anzweifeln? Besonders da er bestimmt mit ihr zufrieden sein würde. Es gab einen Grund, warum ausgerechnet Bina für die Mission ausgewählt worden war.
Sie war nicht nur hübsch genug, um den einen oder anderen Mann ein wenig gesprächiger zu machen, sondern vor allem klug, mit einer entsprechend hohen Auffassungsgabe. Sie würde ihre Arbeit bestimmt mehr als zufriedenstellend erledigen.

„Ich bin nervös, Charlie!“
Das war er auch, nur war dies definitiv der falsche Moment das zuzugeben.
„Nervosität ist gut…“, erklärte er ihr stattdessen. „Wer sich seiner Sache zu sicher ist, neigt dazu schleißig zu werden. Deine Nervosität lässt dich vorsichtig sein und gut aufpassen.“
Oder hysterisch werden und Flüchtigkeitsfehler machen, aber den Teil verschwieg er wohlweislich.
„Und wenn sie wirklich überhand nehmen sollte, zeig sie ruhig offen. Mix einfach ein bisschen Enthusiasmus hinein und tarne sie als Aufregung, weil du so einen tollen neuen Job hast.“
Das würde vermutlich sogar eher sympathisch wirken und gut ankommen. Enthusiasmus konnte man im Kapitol gar nicht genug zeigen und er selbst war an seinem ersten Tag als Stylist auch so aufgeregt gewesen, dass er innerlich wie Espenlaub gezittert hatte, als er seinem ersten Schützling gegenüber getreten war. Und das ganz ohne ein Spion zu sein, der fürchten musste, aufzufliegen. Nervosität alleine war also mit Sicherheit nicht allzu auffällig.

„Außerdem haben wir uns gut vorbereitet. Du weißt, was du zu tun hast, dein Akzent klingt fast echter als meiner…“ Er tupfte ihr mit dem Zeigefinger auf die Nase und schob sie behutsam in Richtung Tür, drehte sich nur noch einmal um, um ihre Tasche zu holen, in der er vorsorglich nicht nur Schminkutensilien, die sie zwar vermutlich nicht benutzen konnte, aber zumindest zwecks Unauffälligkeit dabei haben sollte, sondern auch ihr Tablet eingepackt hatte.
„…und vergiss nicht, ich bin die ganze Zeit bei dir und helfe dir weiter, wenn du nicht weißt, was du sagen sollst. Dafür dass ich angeblich eine Pfeife als Soldat bin, bin ich immerhin ein Experte für Kapitols-Smalltalk. Verlass dich auf mich.“
Nur, dass er absolut nichts tun konnte, wenn ihr trotz seiner Hilfe ein Fehler unterlief.


Charlie nahm sie in den Arm und drückte ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Das hier war kein Problem. Es gab keinen Grund sich Sorgen zu machen. Alles bestens. Sie würde nicht auffliegen und nach der Party wohlbehalten wieder zu ihm ins Hotel zurückkehren.
Himmel, wenn er daran dachte, dass er das jetzt jeden Tag durchmachen musste, konnte er eigentlich gleich gehen und sich mit seinem Haarspray vergiften.

„So und jetzt geh und trag dieses fantastische Kleid mit der Würde, die es verdient und glaub ja nicht, dass ich dich hier wieder reinlasse, bevor du nicht mindestens drei Komplimente für dein Outfit bekommen hast.“, witzelte er, um sie beide von der Anspannung abzulenken.
„Keines weniger oder ich muss davon ausgehen, dass du es irgendwie falsch trägst. Und jetzt…hopp, zu spät zu kommen ist schick, aber nicht zu spät, außerdem hast du eine Menge vor.“

Er schubste sie fast sanft hinaus und da er nicht widerstehen konnte, gab er ihr noch einen Klaps auf den Hintern, bevor er die Tür zuschlug, um sich vor ihrer Rache zu schützen. Danach lief er sofort zum Tisch, um sich das Headset aufzusetzen.
„Von nun an, liebste Bina, ist dir der Genuss meines Anblicks leider für eine Weile verwehrt, aber glücklicherweise bleibt dir ja noch meine Stimme…“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Mi 10 Sep - 22:15:19


18. September im Jahr der 75. Hungerspiele
21:50 Uhr
Charlie & Bina

Bina seufzte leise auf. Natürlich konnte Charlie nicht mitkommen. Sie wusste ja selbst, dass es für ihn viel zu gefährlich war. Es war nur so, dass sie auf dieser Party komplett allein sein würde. Zwar würde sie Charlie immer noch hören können, aber das war eben doch etwas anderes, als wenn er an ihrer Seite wäre.

„Nervosität ist gut. Wer sich seiner Sache zu sicher ist, neigt dazu schleißig zu werden. Deine Nervosität lässt dich vorsichtig sein und gut aufpassen.“
Charlie lächelte sie aufmunternd an. Unsicher wendete Bina ihren Blick wieder ihren Händen zu. Nervosität konnte sie auch hektisch werden lassen und dann würde alles schief gehen was nur schief gehen konnte.
„Außerdem haben wir uns gut vorbereitet“, sagte Charlie weiter. „Du weißt, was du zu tun hast, dein Akzent klingt fast echter als meiner…“
Jetzt konnte auch Bina lächeln und stand auf.
„Ich habe auch sehr fleißig und intensiv geübt, mein Bester“, antwortete sie ihm mit sehr nasaler Stimme und knuffte ihn grinsend gegen den Oberarm. Sie war zwar noch immer nervös, aber Charlie hatte es geschafft, dass sie sich zumindest ein klein wenig selbstsicherer fühlte.
„Und vergiss nicht, ich bin die ganze Zeit bei dir und helfe dir weiter, wenn du nicht weißt, was du sagen sollst. Dafür dass ich angeblich eine Pfeife als Soldat bin, bin ich immerhin ein Experte für Kapitols-Smalltalk. Verlass dich auf mich.“
Er nahm sie noch einmal in den Arm und küsste sie auf die Wange. Schüchtern erwiderte sie die Umarmung. Normalerweise wäre das ein neuer Grund für eine weitere Kabbelei zwischen ihnen gewesen, doch jetzt gerade war Bina einfach nur froh, dass Charlie so an sie glaubte und ihr Mut machte.

So langsam musste sie sich echt auf den Weg machen. Offensichtlich dachte Charlie genauso, denn er löste sich von ihr und schob sie Richtung Tür.
„So und jetzt geh und trag dieses fantastische Kleid mit der Würde, die es verdient und glaub ja nicht, dass ich dich hier wieder reinlasse, bevor du nicht mindestens drei Komplimente für dein Outfit bekommen hast. Keines weniger oder ich muss davon ausgehen, dass du es irgendwie falsch trägst. Und jetzt…hopp, zu spät zu kommen ist schick, aber nicht zu spät, außerdem hast du eine Menge vor.“
Da sie eh quasi nackt in diesem Outfit war, standen die Chancen ganz gut, dass sie zumindest angestarrt werden würde. Charlie gab ihr einen sanften Schubs vor die Tür und ehe sie sich versah, gab er ihr außerdem einen Klaps auf den Hintern!
Wutentbrannt drehte sich Bina zu ihm um, doch er schlug ihr die Tür vor der Nase zu. Dieser verfluchte…!
„Warte nur, bis ich zurück bin! Das kriegst du zurück, Caligula!!“, fauchte sie und starrte die Tür an, als könnte ihr Blick sie durchdringen und Charlie auf der Stelle umbringen.
In ihrem Ohr hörte sie ein kurzes Knacken, ehe sie ihn sprechen hörte.
„Von nun an, liebste Bina, ist dir der Genuss meines Anblicks leider für eine Weile verwehrt, aber glücklicherweise bleibt dir ja noch meine Stimme…“
Sie verdrehte nur die Augen. Jetzt tat er so, als wäre er nicht angefressen, weil sie seinen verhassten zweiten Vornamen verwendet hatte. Aber jetzt war keine Zeit für Streit. Nun mussten sie zusammen arbeiten. Sie atmete noch einmal tief ein, ehe sie sich schließlich auf den Weg zu dieser Party machte.

[tbc Rain Nightclub]

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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Mo 29 Sep - 19:30:39

18. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:05
Charlie Fairweather&Bina Mahoney

Charlies Blick wanderte zu der Uhrzeit, die seine Manschette anzeigte. Automatisch hatte seine Hand innegehalten und der Strich, den sein Bleistift gerade auf das Papier zeichnete, mündete unvollendet in die Spitze des Stifts.
Schon nach elf.
Knacks.
Erschrocken blickte er auf das Papier. Da hatte er wohl eine Spur zu fest aufgedrückt. Seufzend schüttelte er die abgebrochene Spitze vom Block und betrachtete das Malheur. Nun ja, wenigstens passte die Stelle ganz gut. Sah beinahe ein bisschen gewollt aus. 

Gus’ Hals endete nun – abgetrennt, wie er ohnehin vom Körper war – in einer kleinen Bleistift-Explosion. Seine Gesichtszüge waren gut erkennbar und Panik stand ihm in die Augen geschrieben, während sein Mund – ganz offensichtlich zwanghaft – immer noch nicht aufhören konnte, jede Menge heiße Luft auszustoßen und das obwohl sich sein Kopf mittlerweile auf die doppelte Größe aufgeblasen hatte und gerade von den Schultern löste, um auf Nimmerwiedersehen davon zu schweben.
Bild-Bina beobachtete den ganzen Vorgang mit wissenschaftlicher Neugier und machte sich – vorbildlich, wie sie nun einmal war – in ihrem kleinen Büchlein dazu Notizen. Um sich in Gedanken an ihr auch ein wenig zu rächen, hatte er ihr einen besonders scheußlichen Hut mit riesigen krummen Federn und einen zottigen Grasmantel mit übergroßen Blumen angezogen.

Vielleicht sollte er diese kleine Fantasie wahrmachen und sie tatsächlich so anziehen, wenn sie ihn noch ein paar Mal so lange allein hier in diesem dämlichen kleinen, engen Hotelzimmer herumhocken ließ.
Das war jetzt schon der dritte Abend in Folge, an dem er nicht nur alleine essen, sondern auch noch bis nach zehn Uhr auf Gesellschaft warten musste.
Dämliche Ernte. Dämliche Parade. Dämliche Bina, die sich jetzt auch noch für den Nachhause-Weg ewig Zeit zu lassen schien.
Dachte sie denn überhaupt nicht an ihn? Den ganzen Tag saß er hier alleine herum und hörte und sah ihr bei der richtigen Arbeit zu. Nebenbei versuchte er so gut es ging in diesem kleinen Raum mit Liegestützen, Sit-ups und Springen im Training zu bleiben, da er nicht einmal vor die Tür konnte, um sich ein wenig die Beine zu vertreten und die Verlockungen des Kapitols-Essens unbestreitbar waren. Außerdem putzte er täglich das Zimmer, damit es auch ja sauber und ordentlich war, wenn sie heimkam und wie dankte sie es ihm?! Indem sie im Schneckentempo über den Gehweg kroch. Als hätte er nichts Besseres zu tun, als hier die ganze Zeit auf sie zu warten.

Wobei die grausame Wahrheit natürlich genau das war. Es gab hier absolut nichts zu tun.
Als sie vor ein paar Wochen hierher gekommen waren, war er – es machte keinen Sinn das zu leugnen – äußerst aufgeregt gewesen. Ein Spionage-Auftrag! Noch dazu im Kapitol. Endlich einmal wieder etwas anderes sehen als die tristen Wände des Bunkers, in dem er mittlerweile lebte. Sein Blick wanderte zur knallbunten Tapete in diesem Zimmer und seine Augen verengten sich zu Schlitzen. Auf Dauer war das hier definitiv auch nicht besser.
Die Wahrheit war, dass dieser Spionage-Auftrag nach den ersten paar Tagen, in denen sie noch bei jeder kleinen Nachfrage und jeder neuen Situation Angst gehabt hatten, dass Bina auffliegen konnte, schnell Routine geworden und das übrig geblieben war, was diese Arbeit im Grunde für ihn bedeutete. Den ganzen Tag auf sein Tablet starren und darauf die immergleichen Leute in der immergleichen Umgebung zu sehen und Gus’ nervige Tonlage zu hören, in der er die immergleichen selbstbeweihräuchernden, aufgeblasenen Texte runterspulte. Nur unterbrochen von Binas niedlicher, unschuldiger Stimme, in der natürlich eine Menge gespielte, unverhohlene Bewunderung mitschwang. Zumindest hoffte er, dass die Bewunderung gespielt war. Die Bina Mahoney, die er jetzt schon seit einigen Jahren kannte, sollte sich zumindest theoretisch nicht von einem bisschen selbstverliebten Geschwafel beeindrucken lassen.

Doch manchmal, gerade wenn es um irgendwelchen technischen oder wissenschaftlichen Firlefanz ging, klang ihre Stimme auch in seinen Ohren ehrlich begeistert. Das gefiel ihm überhaupt nicht. Sie sollte sich auf ihre Arbeit konzentrieren und sich nicht von einem aufgeblasenen Idioten einwickeln lassen!
Wie konnte man nur so viel über sich selbst reden? Oder über seine Arbeit, immer mit diesem heldenhaften Unterton, als würde das Schicksal der Welt auf seinen Schultern ruhen. Er half dabei, eine Todesfalle für vierundzwanzig unschuldige Menschen zu konstruieren, nicht dem ganzen Land Wohlstand und Frieden zu schenken. 

Komisch, dabei war ihm Gus früher nie auf die Nerven gegangen. Ganz im Gegenteil, sie hatten sich immer exzellent verstanden und jede Menge gemeinsame Gesprächsthemen gehabt. Schule. Kunst. Die Spiele. Ihre Arbeit…Oh Gott, er war doch nicht auch so gewesen, oder?
Charlie verzog gequält das Gesicht und versuchte sich sein altes Ich, sein altes Leben und entsprechend alte Party-Gespräche in Erinnerung zu rufen. Gut, er hatte schon öfters mal über seine modischen Kunstwerke geredet, aber doch nur, wenn sie besonders gelungen gewesen waren… Er schnaubte frustriert. War er wirklich so ein naiver, oberflächlicher Idiot gewesen?

Ein erlösendes Klicken, an dem er erkennen konnte, dass Bina endlich ihre Schlüsselkarte durchzog, riss ihn aus seinen Gedanken. Sofort sprang er auf, warf den Block aufs Bett und sprintete zur Tür.
Erst als sich diese öffnete und Bina ihn mit großen Augen anstarrte, wurde ihm bewusst, dass er wie ein verstörend übereifriges Empfangskomitee wirken musste und sein Gesichtsausdruck wandelte sich im Eiltempo von begeistert zu genervt.
„Endlich! Ich hab schon gedacht, du bist in den Kanal gefallen!“, murrte er sie an. „Wieso bist du überhaupt so lange geblieben? Die Hälfte der anderen Assistenten war schon längst weg...“
Ein unfairer Vorwurf, das war ihm durchaus bewusst. Schließlich versuchten dieses Assistenten auch nicht sich bei ihren Chefs einzuschleimen, um an wichtige Informationen für ihren Distrikt zu kommen und Bina machte ihre Sache gut. Das änderte nur leider nichts daran, dass es für ihn frustrierend war, tagaus, tagein ganz alleine hier herumzusitzen und darüber nachzudenken, wie nah er seiner Familie jetzt war – ohne auch nur die geringste Chance zu haben, sie zu sehen, oder gar mit ihnen zu sprechen.

Fast täglich lief Bina seiner Schwester zufällig in der Arbeit über den Weg, doch bisher hatte er es jedes Mal geschafft, die Zähne fest zusammenzubeißen und den Mund zu halten. Seine Freundin nicht auf Flora aufmerksam zu machen und sie zu bitten, sie irgendwie in ein Gespräch zu verwickeln, nur damit Charlie ihre Stimme hören konnte. Und heute waren auch noch seine Eltern bei der Parade gewesen. Er hatte sie im Fernsehen kurz durchs Bild huschen gesehen. Bina war im gleichen Raum wie seine Eltern gewesen und er saß hier fest.

Er ließ sich wieder auf das Bett fallen und drückte auf die Fernbedienung. Das Hologramm-Bild leuchtete sofort auf. Demnächst sollte eine Wiederholung der Ernten beginnen, schadete nicht sich das anzuschauen. Zwar hatte Bina vermutlich den ganzen Tag nichts anderes gesehen und er hatte sie sich auch schon am Nachmittag angesehen, aber eben nicht gemeinsam. Er wollte sich darüber unterhalten…er wollte sich über irgendetwas unterhalten. Sie brauchte gar nicht zu glauben, dass sie so spät nach Hause kommen und dann einfach ins Bett fallen und schlafen konnte. 

„Häng das Kleid ordentlich auf. Das ist Satin, das knittert wie wahnsinnig!“, rief er ihr zu, als sie ins Bad verschwand um sich etwas Bequemeres anzuziehen. Er schnappte sich eine Packung Chips vom Nachttisch, riss sie auf und begann das fettige Zeug in sich hineinzustopfen.
Wenn er nicht vorher vor Langeweile starb, würde er demnächst bestimmt total fett werden.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Di 30 Sep - 21:25:16

18. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:05 Uhr
Charlie & Bina

Erleichtert seufzte Bina auf, als sie ihre Unterkunft betrat und endlich aus diesen mörderischen Schuhen steigen konnte. Obwohl sie nun schon seit zwei Monaten die Assistentin von Augustus Crane mimte, hatten sich ihre Füße noch immer nicht an diese übertrieben hohen Absätze gewöhnt. Doch immer, wenn sie versuchte, Charlie davon zu überzeugen, dass flachere Schuhe ebenso schick aussehen würden, nannte er ihr eine gefühlte Million Gründe, die dagegen sprachen und zu allem Überfluss hatte Bina kein besonderes Talent darin, ihn von seiner Meinung abzubringen. In Sachen Mode ließ er sich eben nicht reinreden.

Doch bestimmt konnte Bina ihn davon überzeugen, gleich mit ihr zu essen. Es war zwar schon sehr spät, aber diesen Kapitolleckereien konnte er bestimmt nicht widerstehen. Bina konnte sich nach der Parade einfach nicht zurückhalten und hatte sich ein paar Häppchen für sich und Charlie eingesteckt. Das war definitiv etwas anderes, als das Essen, das sie von Distrikt 13 gewohnt war. Bina hoffte, dass Charlie sich darüber freute. Es war zwar nicht viel, doch irgendwie war es doch ein Stückchen Heimat. Er musste die ganze Zeit in dem Hotelzimmer verbringen. Wenn sie arbeiten war, konnten sie sich noch nicht einmal über das unauffällige Headset unterhalten. Sie konnte ihm nur zuhören. Denn wenn sie auf einmal begann, mit sich selbst zu reden, würde Gus – schon nach kurzer Zeit hatte Augustus Bina angeboten, ihn Gus zu nennen – sie auf der Stelle in einer Irrenanstalt einweisen lassen. Wenn er das nicht sowieso schon tat, weil sie sich vom Buffet etwas eingepackt hatte. Das hatte mit Sicherheit seltsam gewirkt, doch wenn Charlie schon nicht raus gehen durfte, wollte Bina ihm wenigstens damit eine kleine Freude machen. Den ganzen Tag eingesperrt in einem kleinen Zimmer zu sein musste unglaublich langweilig sein.

Mit der Vorfreude auf sein überraschtes Gesicht, schloss Bina die Tür auf. Doch statt Überraschung stand ihm der Ärger ins Gesicht geschrieben. Außerdem… war er nackt! Also halbnackt. Scheinbar hatte sich Bina noch immer nicht an diesen Anblick gewöhnt. Und das, obwohl sie mittlerweile jede Nacht in einem Bett schliefen. Da hatte er auch nicht mehr an, allerdings gab es da immer noch die Bettdecke, die das meiste seines Körpers verbarg und nun stand er da, nur in Shorts bekleidet und starrte sie an, als hätte sie irgendetwas Schlimmes verbrochen.
„Endlich! Ich hab schon gedacht, du bist in den Kanal gefallen! Wieso bist du überhaupt so lange geblieben? Die Hälfte der anderen Assistenten war schon längst weg“, meinte er murrend. Irritiert schaute Bina ihn an. War das jetzt sein Ernst?
„Ja, und die andere Hälfte hat bis eben noch gearbeitet“, antwortete Bina nur und ging an ihm vorbei. Was glaubte er denn, warum sie jetzt erst zurück war? Heute war der Tag der Ernte und sie die Assistentin eines Spielmachers. Das erklärte es doch wohl von selbst. Er brauchte sich überhaupt nicht so aufspielen und ihr Vorwürfe machen. So ein Idiot. Und dann hatte sie sich noch Gedanken darüber gemacht, wie sie ihm eine Freude machen konnte. Beleidigt warf sie ihre Tasche, in der unter anderem auch die Snacks waren, auf einen Stuhl und ging hinüber ins Badezimmer.
„Häng das Kleid ordentlich auf. Das ist Satin, das knittert wie wahnsinnig!“
„Häng das Kleid ordentlich auf. Das ist Satin, das knittert wie wahnsinnig…“, äffte Bina Charlie genervt nach und schlug die Tür hinter sich zu. Wenn es zerknitterte, musste er es eben wieder glatt bügeln. Es war ja nicht so, als würde sie morgen dasselbe anziehen. Man wurde ja schon schief angeschaut, wenn man nur dieselben Schuhe wie am Vortag trug.
Achtlos ließ Bina das kostbare Kleid auf dem Boden liegen und stieg unter die Dusche. Sollte es doch zerknittern.

Es war so ein angenehmes Gefühl, nach dem Duschen in bequeme Klamotten zu schlüpfen. Ein einfaches Top und eine gemütliche Pyjamahose. Perfekt. Anders als dieses enge Kleid mit den genauso engen Schuhen. In keinem von beiden konnte man sich vernünftig bewegen.
Bina warf einen kurzen Blick auf Charlie, der auf seiner Seite des Bettes saß, auf den Fernseher starrte und sich eine Tüte Chips reinstopfte. Wie schaffte er es bei dem ständigen Frustessen trotzdem noch so durchtrainiert zu sein?
Grinsend nahm Bina den Beutel mit den Häppchen aus ihrer Tasche. Zwar sahen sie durch den Transport nicht mehr ganz so ansprechend aus, doch Bina war sich sicher, dass sie trotzdem noch unglaublich gut schmeckten. Und genau das würde sie Charlie nun demonstrieren.

„Weißt du…“, begann sie langsam und setzte sich aufs Bett. Sie überkreuzte die Beine und öffnete den Beutel. Sie nahm eines der Häppchen heraus und betrachtete es, als hätte sie noch nie etwas Interessanteres gesehen.
„Über das Kapitol wird ja wirklich schlecht geredet in den Distrikten. Zu Recht natürlich. Die Hungerspiele, Präsident Snow… aber hier ist wirklich nicht alles schlecht. Die Technik hier ist einfach unglaublich und das Essen erst! Ich war mit Gus – hab ich dir eigentlich erzählt, dass ich ihn nun ‚Gus‘ nennen darf? – auf der Parade und da gab es ein Buffet, das kannst du dir nicht vorstellen. Okay, vermutlich schon, aber du weißt, was ich meine. Das hier zum Beispiel…“
Sie beugte sich zu Charlie hinüber und hielt ihm das Häppchen unter die Nase.
„Ich weiß nicht, was es ist, aber es schmeckt absolut einzigartig. Ich hab davon noch mehr. Ich wollte eigentlich mit dir teilen, aber wie ich sehe, hast du schon gegessen. So ein Pech…“
Sie zuckte grinsend mit den Schultern und schob sich das Fingerfood schließlich in den Mund. Anschließend stand sich noch einmal auf und holte einen Teller, auf dem sie die übrigen Häppchen verteilte. Den Teller stellte sie zwischen sich und Charlie. Sie war schließlich kein Unmensch und diese kleinen Snacks waren sicher um einiges besser als eine Tüte Chips.

Bina lehnte sich zurück und schaute zum Fernseher. Es lief gerade eine Zusammenfassung der Ernten. Sie wusste nicht, wie oft sie sich das heute schon angesehen hatte, aber irgendwie war es trotzdem noch spannend.
„Das absolute Highlight für mich war Wiress. Ich hätte nie gedacht, dass sie sich freiwillig meldet“, meinte sie und schaute zu Charlie hinüber, der… sich den ganzen Teller unter den Nagel gerissen hatte?!
„Hey! Das ist für uns beide!“, protestierte Bina empört und griff sich schnell zwei der Leckereien, bevor er doch noch alles allein aufaß.
„Du bist gierig, Fairweather! Typisch Kapitoler“, neckte sie ihn und schlug mit ihrer Faust gegen seinen Oberarm. Verdammt, war der hart. Spannte er seine Muskeln demonstrativ an, um vor ihr anzugeben oder war das etwa naturgegeben?
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Fr 3 Okt - 0:18:34

18. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:10 Uhr
Charlie & Bina

„Häng das Kleid ordentlich auf. Das ist Satin, das knittert wie wahnsinnig…“
Charlie verschluckte sich fast vor Empörung. Machte sie ihn da etwa nach? Noch dazu so übertrieben näselnd. Er kräuselte beleidigt die Nase. Davon abgesehen, dass er vorhin überhaupt nicht mit seinem alten Akzent geredet hatte, so hatte er sich definitiv noch nie angehört. Niemals!
Daran erkannte man mal wieder, wie wenig sie seine Arbeit ernst nahm. Ohne ihn wäre sie doch schon am ersten Abend aufgeflogen. Wie oft wartete sie darauf, dass er ihr ihr ein paar Fakten über Künstler und Kunst- und Architekturstile einflüsterte, mit denen sie ihren Chef beeindrucken konnte? Wie oft half er ihr auf die Sprünge, wenn sie beim Smalltalk mit einem Arbeitskollegen nicht einmal wusste, wovon die Rede war? Den ganzen Tag saß er hier, starrte auf das Tablet, wo sich manchmal stundenlang nur das gleiche Bild zeigte, wenn sie gerade irgendwo arbeitete, ohne sich zu bewegen und hörte sich den ganzen langweiligen Kram an. Nur um ihr im Notfall sicher zur Seite stehen zu können und wusste sie das zu schätzen? Nein! 

Außerdem hatte sie keinen Kleiderhaken mit ins Bad genommen und er wusste ganz genau, was das bedeutete. Sie ließ sein wundervolles Kleid, an dem er stundenlang gesessen hatte, einfach am Boden liegen, wo es vermutlich auch noch nass werden würde. Wie konnte jemand, der so akribisch Testergebnisse und Formeln notierte, nur so dermaßen schlampig im Umgang mit schönen Dingen sein?
Er unterdrückte den Impuls ihr nachzugehen und es ordnungsgemäß aufzuhängen. Als er das nämlich das letzte Mal gemacht hatte, hatte sie begonnen wie eine Irre zu kreischen und ihn einen perversen Spanner zu schimpfen. Und das, obwohl er aus Höflichkeit den Blick nur auf den Boden gerichtet gehabt hatte. Sein Versuch sie zu beruhigen, indem er sie darauf aufmerksam machte, dass da ohnehin nichts zusehen gewesen war, das er nicht schon gesehen hatte, war auch nicht besonders gut angekommen. Genauso wenig, wie der Hinweis darauf wie viele Frauen er insgesamt schon nackt gesehen hatte…

Das musste er nicht unbedingt wiederholen. Außerdem kam da gerade Caesar Flickerman ins Bild und Charlie wurde von der Frage abgelenkt, ob man dem nicht langsam doch ansah, dass auch er älter wurde oder ob es nur das unnatürliche Funkeln seiner Zähne war, das gerade die Fältchen um seine Augen unvorteilhaft ausleuchtete.
Irgendwann bequemte Bina sich dann doch wieder aus der Dusche und schlüpfte zu ihm ins Bett. Das war der Teil des Abends, den er normalerweise am liebsten mochte. Wenn sie die Strapazen des Alltags – bei ihr der Stress im Kontrollzentrum und die Angst aufzufliegen und bei ihm die Schwierigkeiten, bei der eintönigen Arbeit konzentriert zu bleiben und die zwischenzeitlich auslaugende Einsamkeit – endlich abschütteln und noch gemütlich ein bisschen Zeit miteinander verbringen konnte, bevor Bina – erschöpft von ihrem langen Tag – einschlief, während er oft noch eine Weile länger wach lag und an seine Eltern dachte, die nicht allzu weit von hier wohl gerade ebenfalls in ihren Betten lagen.

„Weißt du…“
Charlie lenkte seine Aufmerksamkeit vom Fernseher auf ihr Gesicht und erstmals fiel ihm auf, dass sie nicht alleine ins Bett gekommen war. Seine Nasenflügel zuckten. Das sah äußerst appetitlich aus. Sehr viel appetitlicher als das Zeug, das er sich vor drei Stunden hatte kommen lassen. Drei Stunden. Sein Magen war mittlerweile im Grunde schon wieder so gut wie leer.
„Über das Kapitol wird ja wirklich schlecht geredet in den Distrikten. Zu Recht natürlich. Die Hungerspiele, Präsident Snow… aber hier ist wirklich nicht alles schlecht. Die Technik hier ist einfach unglaublich und das Essen erst!“

Ja, ja…das Essen war wirklich vorzüglich, besonders solche Häppchen. Er wollte sie...sofort!
„Ich war mit Gus – hab ich dir eigentlich erzählt, dass ich ihn nun ‚Gus‘ nennen darf? - …“
Er brummte verstimmt. Das interessierte ihn nicht besonders, vor allem, da er ohnehin live dabei gewesen war. Er sah alles, er hörte alles…nur mitessen konnte er nicht. Aber es war wirklich nett von ihr, dass sie an ihn gedacht und ihm etwas mitgebracht hatte. Wirklich sehr lieb, dafür konnte er fast darüber hinweg sehen, dass sie sein Kleid mit Füßen getreten hatte.
„auf der Parade und da gab es ein Buffet, das kannst du dir nicht vorstellen. Okay, vermutlich schon, aber du weißt, was ich meine. Das hier zum Beispiel…“

Sie lehnte sich quer über das Bett, beugte sich über ihn und hielt ihm die mundgerecht kleine Köstlichkeit unter die Nase.
Äußerst verführerisch. Das Essen, besserte er sich schnell in Gedanken aus und er wollte gerade zuschnappen, als sie das Häppchen wegzog und es in ihren eigenen Mund wanderte.
„Hey…“, protestierte er sofort und griff nach ihrem Arm, aber es war bereits zu spät.
Das Häppchen - sein Häppchen – war längst in ihrem gierigen Schlund verschwunden. Dabei hatte sie bestimmt bei der Parade schon mehr als genug davon verdrückt.

„Ich wollte eigentlich mit dir teilen, aber wie ich sehe, hast du schon gegessen. So ein Pech…“
„Das hier?“, fragte er und zeigte auf die Chipstüte, legte sie sofort auf den Nachttisch zurück. „Das war gar nichts…ich bin halb verhungert…du wirst doch wohl nicht herzlos sein, oder?“
Er schob sein Gesicht näher an ihres und blickte ihr ganz tief in die Augen, packte seinen allerbesten Hundeblick aus. Die Dinger kannte er und er hatte so etwas schon ewig nicht gegessen, dafür lohnte es sich durchaus, auf unfaire Methoden zurückzugreifen. Er strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht, wickelte sie langsam um seinen Finger.
„Ich verspreche auch, dass ich dafür ganz, ganz brav sein werde...“, schnurrte er ihr ins Ohr und grinste herausfordernd. Sie hatte von mehr davon gesprochen, also hatte sie noch irgendwo etwas versteckt.

Egal ob sie nur nachgegeben hatte, um ihn loszuwerden, oder doch, weil sein Charme funktioniert hatte...oder vielleicht auch einfach nur, weil sie ein netter Mensch war, das Ergebnis war das gleiche. Bina holte tatsächlich die Vorräte hervor, die sie in ihrer Handtasche gehamstert hatte und stellte sie gerecht in die Mitte des Bettes. Mehr als zufrieden mit dem Effekt, den er erzielt hatte, machte er sich darüber her, während sie taktisch unklugerweise ihre Aufmerksamkeit auf den Fernseher verlagert hatte.

„Das absolute Highlight für mich war Wiress. Ich hätte nie gedacht, dass sie sich freiwillig meldet“  
„Ja, das hab ich mir auch gedacht...“, antwortete er mit vollem Mund und ärgerte sich gleichzeitig über seine eigenen schlechten Manieren. Man könnte meinen, er hätte in den letzten Jahren unter Barbaren gehaust, so wie er sich entwickelt hatte. Doch die Wahrheit war, dass das Essen dort nun einmal barbarisch war und das die Zurückhaltung gerade verdammt schwierig war.
Er schluckte herunter und unterdrückte den Drang, sich gleich das nächste Häppchen in den Mund zu stopfen, sicherte es stattdessen einfach, indem er den Teller auf seinen Schoß zog.

„Ich frag mich, ob sie zu uns gehört...“, sinnierte er und zog die Stirn kraus. Zumindest konnte er sich kaum vorstellen, dass sie sich gemeldet hatte, weil sie die Spiele gewinnen wollte. Aber vielleicht wollte sie auch einfach nur mit ihrem Freund in die Arena gehen und mit ihm gemeinsam sterben.
„Nicht wenig Freiwillige dieses Mal. Bei dem Schönling aus 6 kann ich mir ja noch vorstellen, dass er sich Chancen ausrechnet, aber der Kerl, der sich für Gloss gemeldet hat? Die alte Frau aus 4...das sind Leute, die wissen, dass sie nicht wieder rauskommen werden.“
Charlie empfand Bedauern für diese Menschen....und Respekt, da sie offensichtlich dazu bereit waren, ihr eigenes Leben für jemand anderen zu geben.

„Aber das Schärfste war, als es so aussah, als wollte sich der Kerl aus 7 freiwillig melden und Rumlow den einfach umgenietet hat. Der scheint sich tatsächlich auf die Arena zu freuen...“, stellte Charlie fest und schüttelte langsam den Kopf. Er hätte gedacht, außer der Karrieros würde niemand so motiviert in die Spiele gehen. „Vielleicht kann er den anderen Typen aber auch nur einfach nicht leiden und wollte nochmal ordentlich zuschlagen, solange er noch Gelegenheit dazu hat...“
Er verzog mitleidig das Gesicht. Das hatte bestimmt verdammt weh getan. In den letzten Jahren hatte er einige schmerzhafte Schläge beim Training einstecken müssen und nach jedem hatte er Panik gehabt, dass sein Gesicht vielleicht nicht wieder so aussehen würde wie vorher, aber so übel hatte ihn glücklicherweise noch nie jemand zugerichtet.

„Hey! Das ist für uns beide!“, schimpfte Bina plötzlich los und Charlie blinzelte sie verwirrt an, bis er ihrem Blick folgte und den mittlerweile halb geleerten Teller auf seinem Schoß sah.  
„Ähm...ups?“
Irgendwie war er so sehr in seine Analysen vertieft gewesen, dass er gar nicht mitbekommen hatte, wie viel er hier schon weggefressen hatte.
„Du bist gierig, Fairweather! Typisch Kapitoler“  
Sie schlug ihm mit der Faust gegen den Arm und er kam nicht umhin, über den Gedanken zu schmunzeln, dass der Distrikt 7 Sieger bestimmt gerne mit ihm getauscht hätte. Er zuckte nur mit den Schultern, warf ein Blätterteig-Täschchen hoch in die Luft, fing es mit dem Mund wieder auf und grinste sie kauend an.

„Da redet die Richtige... Ich wette, du hast dich ohnehin den ganzen Abend vollgestopft. Am Ende passt du morgen nicht in das Kleid, das ich schon hergerichtet habe.“
Er stach ihr ein paar Mal mit dem Zeigefinger in den Bauch, um sie zu kitzeln und drängte sie in die Rückenlage, bevor er einen der Mini-Cupcakes vom Teller nahm und verführerisch vor ihrer Nase hin und her tanzen ließ und ihn ihr dann langsam in den Mund schob. Einen Moment lang sah er ihr einfach nur in die Augen...beinahe überrascht von sich selbst, bis ihm langsam klar wurde, wie das hier von außen aussehen musste. Sie beide in nicht viel mehr am Körper als Unterwäsche, er über ihr...fütterte sie mit Süßigkeiten...

Charlie setzte sich ruckartig auf, zog sich wieder auf seine Seite des Bettes zurück und lehnte seinen Hinterkopf gegen die Wand, während er seine Aufmerksamkeit auf den Fernseher richtete und sich verlegen räusperte. Das war kein besonders professionelles Verhalten.
„Hast du eigentlich irgendwelche Reaktionen unter den Spielmachern bemerkt, nachdem die Ernten durch waren?“, erkundigte er sich betont seriös. „Irgendwelche...Favoriten? Denkst du, dass der Aufbau der Arena einigen Siegern absichtlich mehr entgegen kommt als anderen?“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Fr 3 Okt - 20:56:44

18. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:30 Uhr
Charlie & Bina

Charlie kam ihr nahe. Sehr nahe. Viel zu nahe! Irritiert starrte Bina ihn an, als er sich über sie beugte und sie beinahe anbettelte, ihm etwas von den Kapitolköstlichkeiten abzugeben. Sie war so überrascht, dass sie sich beinahe wie gelähmt fühlte, während er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich.
„Ich verspreche auch, dass ich dafür ganz, ganz brav sein werde...“, raunte er ihr ins Ohr, was eine Gänsehaut bei Bina verursachte. Sie drückte ihn etwas von sich und teilte lieber mit ihm, bevor er ihr noch näher kam.

„Ich frag mich, ob sie zu uns gehört…“, meinte Charlie, als Bina das Gespräch auf Wiress lenkte.
„Ich glaube schon“, antwortete sie und schnappte sich das letzte Blätterteigtäschchen, bevor Charlie das auch noch wegaß.
„Zumindest kann ich mir gut vorstellen, dass Beetee Baxter sich uns anschließt. Und wenn er dabei ist, können wir auch mit Wiress rechnen.“
Das erschien Bina nur logisch, schließlich waren die beiden Erfinder eng miteinander befreundet. Und die beiden als Unterstützung wären für Distrikt 13 definitiv ein Pluspunkt. Aber was die anderen Freiwilligen betraf… Charlie hatte schon Recht. Hohe Überlebenschancen hatten die nicht.
„Aber das Schärfste war, als es so aussah, als wollte sich der Kerl aus 7 freiwillig melden und Rumlow den einfach umgenietet hat. Der scheint sich tatsächlich auf die Arena zu freuen... Vielleicht kann er den anderen Typen aber auch nur einfach nicht leiden und wollte nochmal ordentlich zuschlagen, solange er noch Gelegenheit dazu hat...“, meinte Charlie weiter. Bina musste etwas lachen.
„Ja, vielleicht hatten die noch irgendeine Rechnung zu begleichen. Allerdings ist Rumlow da trotzdem der Verlierer. Wenn es nur darum ginge, hätte er sich nicht freiwillig melden müssen. Aber er ist stark. Er wird in der Arena nicht allzu schlecht dastehen.“
Sie wollte sich ein weiteres Häppchen vom Teller nehmen, griff jedoch ins Leere, da Charlie den ganzen Teller plötzlich für sich beanspruchte.
„Ich wette, du hast dich ohnehin den ganzen Abend vollgestopft. Am Ende passt du morgen nicht in das Kleid, das ich schon hergerichtet habe“, meinte er frech und grinste sie an.
„Was? Das nimmst du sofort zurück. Ich bin nicht… ah-!“
Sie quietschte erschrocken auf, als Charlie anfing, sie in den Bauch zu piksen und zu kitzeln. Sie lachte, bis ihr die Tränen kamen und versuchte irgendwie, ihn loszuwerden, doch er war ihr überlegen. Plötzlich lag sie unter ihm, die Hände an seiner Brust, und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Grinsend hielt er ihr einen Cupcake vors Gesicht, den er ihr langsam in den Mund schob. Er schmeckte süß. Irgendwie sogar süßer als die, die sie am Nachmittag schon gegessen hatte. Sie biss davon ab und steckte Charlie lächelnd die andere Hälfte in den Mund.
Ohne, dass sich einer von ihnen rührte, schauten sie sich gegenseitig in die Augen. Fünf Sekunden… sechs… sieben... Bina blieb der Atem weg und sie war sich nicht so sicher, ob das immer noch wegen Charlies Kitzelattacke war.

Plötzlich entfernte er sich von ihr und setzte sich wieder auf seine Seite des Bettes. Bina räusperte sich kurz und setzte sich neben ihn. Das war eigenartig gewesen. Vorsichtig schielte sie zu ihm hinüber. Ihr war noch nie aufgefallen, was für helle, blaue Augen er hatte. Sie waren schön. Sehr schön sogar. Es wunderte sie gar nicht, dass so viele Mädchen auf ihn flogen. In diesen Augen konnte man sich ja glatt verlieren.
Erschrocken zuckte sie zusammen. Worüber dachte sie da bitte nach?! War doch völlig egal, wie Charlie es schaffte, Frauen rumzukriegen. Das ging sie überhaupt nichts an und sie wollte darüber erst recht nichts wissen.

„Hast du eigentlich irgendwelche Reaktionen unter den Spielmachern bemerkt, nachdem die Ernten durch waren? Irgendwelche...Favoriten? Denkst du, dass der Aufbau der Arena einigen Siegern absichtlich mehr entgegen kommt als anderen?“, fragte er sie mit ernster Stimme.
„Nach allem, was ich bisher gesehen habe, scheint mir die Arena auf den ersten Blick recht ausgeglichen zu sein mit den Fähigkeiten, die die Tribute haben. Sei es nun schwimmen oder jagen…“, antwortete sie und zog die Beine an. Sie legte die Arme darum und schaute auf den Fernseher, während sie weiter mit Charlie sprach.
„Brutus ist auf jeden Fall ein Favorit. Und Finnick Odair natürlich. Manche Leute setzen auch auf Beetee. Schließlich hat der in seinen letzten Spielen sechs Tribute auf einmal umgebracht. Warum sollte er das nicht noch einmal schaffen? Viele sind gespannt, was für eine Taktik Johanna Mason diesen Mal wohl hat. Die Rolle des ängstlichen kleinen Mädchens wird man ihr kein zweites Mal abkaufen. Aber am höchsten wird auf Katniss Everdeen gewettet.“
Das war nicht sonderlich überraschend. Schließlich war der Hype um Katniss noch aktuell. Sie hatte letztes Jahr bei den Spielen eine großartige Show abgeliefert. Die sensationsgeilen Kapitoler konnten eine Fortsetzung sicher kaum noch erwarten.

„Als du noch Stylist bei den Spielen warst…“, begann sie und schaute fragend zu Charlie hinüber.
„Hast du auch darauf gewettet, wie weit es welcher Tribut schafft?“
Bina hatte es heute live miterlebt, wie die Kapitoler auf das Leben der Tribute Geld setzten. Die machten sich einen Spaß daraus, darauf zu wetten, wer überleben und wer sterben würde. Sie wusste, dass Charlie die Hungerspiele hasste. Aber er war im Kapitol aufgewachsen und hier zählte vor allem, dass man dazu gehörte. Dass ihm die Tribute nicht egal gewesen waren, wusste Bina. Schließlich kannte sie die Geschichte, die dazu geführt hatte, dass er überhaupt nach Distrikt 13 gekommen war. Sie interessierte lediglich, wie er früher gelebt hatte, ohne dass sie ihm für irgendetwas Vorwürfe machen wollte.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Sa 4 Okt - 17:01:10

18. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:30 Uhr
Charlie & Bina

„Nach allem, was ich bisher gesehen habe, scheint mir die Arena auf den ersten Blick recht ausgeglichen zu sein mit den Fähigkeiten, die die Tribute haben. Sei es nun schwimmen oder jagen…“
Charlie nickte bedächtig. Das war ihm auch so vorgekommen, im Grunde schien es auf eine überraschend ‚faire’ Arena hinauszulaufen, vermutlich war das egal, weil sich unter normalen Umständen ohnehin Brutus Cunningham durchsetzen würde.

Wenn überhaupt, überlegte er, während Bina die Favoriten treffend analysierte, wurden Leute, die sich auf Versteckspiele und Nahrungsbeschaffung verlassen mussten, ein wenig benachteiligt, denn dafür würde es etwas weniger Möglichkeiten geben als in einer Durchschnitts-Arena. Starke Tötungsmaschinen, die ihre Opfer nur aufspüren mussten und von den Vorräten lebten, die sie am Füllhorn für sich beanspruchen konnten, konnten ihre Favoritenposition dieses Jahr bestimmt noch mehr untermauern als sonst. Worauf diese Art  Arena abzielte, war ganz klar. Für schlaue und vorsichtige Einzelgänger, wie Katniss Everdeen einer war, würde es schwieriger werden, sich am Ende durchzusetzen. Was für ein Zufall...

„Als du noch Stylist bei den Spielen warst…“, erkundigte sich Bina nachdenklich und die Frage traf ihn so unvermittelt, dass er zusammenfuhr. Sein ehemaliger Job war kein Geheimnis, er war deswegen gerade kurz nach seiner Ankunft immer wieder beschimpft worden und hatte sogar das eine oder andere Mal Schläge kassiert und obwohl seine Freundin ihm deswegen noch nie Vorwürfe gemacht hatte, fühlte er sich äußerst unwohl, wenn sie es doch einmal erwähnte.
„Hast du auch darauf gewettet, wie weit es welcher Tribut schafft?“

Ach deswegen hatte sie gerade wieder daran gedacht. Charlie seufzte und setzte sich ein bisschen gerader hin, wählte seine Worte mit Bedacht, bevor er endlich den Mund aufmachte.
„Nein, habe ich nicht.“, stellte er gleich klar. „Als Stylist darf man das auch gar nicht. Wetten ist für Leute mit Jobs bei den Spielen verboten.“
Wobei er das für Stylisten immer ein wenig übertrieben gefunden hatte. Immerhin konnte man mit seiner Arbeit höchstens die Ergebnisse bei der Wette auf das hässlichste Parade-Outfit verfälschen und das würde schon alleine aus Ehrgeiz niemand tun.

„Allerdings…“, begann er zögerlich ein wenig weiter auszuholen. „…hab ich auch vor meiner Arbeit nie auf die Spiele gewettet.“
Er hätte das gerne so stehen gelassen. Klang gar nicht schlecht, als wäre er schon immer gegen die Spiele und das Wetten auf kostbare Menschenleben gewesen.

„Aber ehrlich gesagt einfach nur, weil ich generell kein Glücksspiel mag.“, gestand er und mied ihren Blick. „Grundsätzlich hab ich die Spiele und das ganze Getue darum nie als etwas Schlimmes erachtet….auch wenn mich die Ernte, Parade und die Interviews immer viel mehr interessiert haben, als die Zeit in der Arena.“
Natürlich, da hatte es ja auch immer viel mehr neue Kreationen, schöne Menschen und spannenden Klatsch und Tratsch gegeben als bei den Spielen selbst, wo sich die Tribute gegenseitig brutal die Köpfe einschlugen. Er hatte noch nie besonders gern Blut gesehen, aber spannend und faszinierend hatte er die Spiele trotzdem gefunden. Das ließ sich schwer abstreiten und die Erinnerung daran, ließ ihn jetzt unbehaglich mit dem Hintern auf der Matratze hin und herrutschten und seine Haare neu anordnen.

„Weißt du, wenn man damit aufwächst, dann…“ Wie sollte er das jemanden erklären, der sein Leben lang die Spiele als das gesehen hatte, was sie wirklich waren? – Ein brutales Schlachtfest mit Kindern als Hauptattraktion. „…dann nimmt man die Tribute gar nicht wirklich als Menschen war.“
Seine Stimme war vor Scham ganz leise geworden.
„Also natürlich erfährt man diese aufgehübschte, gestylte Version ihrer Lebensgeschichte, aber es ist eher, als würde man sich einen Film ansehen…“
Er nahm seinen Block vom Nachttisch und wollte darauf herumzukritzeln, um sich mit etwas zu beschäftigen, als ihm wieder einfiel, was er darauf gezeichnet hatte und er ihn lieber schnell verschwinden ließ.

„Als ich dann zum ersten Mal einen dieser Tribute wirklich kennengelernt habe, mit diesem Mädchen geredet, es weinen gesehen und sogar ein paar Mal zum Lachen gebracht habe und sie plötzlich tot war, hat das irgendwie alles geändert.“, erinnerte er sich. „Es ging ganz schnell, sie ist schon beim Blutbad gestorben. Ihr Name war Soay. Sie war wirklich nett und von einem Moment auf den anderen war sie plötzlich weg. Nichts von ihr übrig als ein toter Körper mit eingeschlagenem Schädel. Das war, als hätte mir jemand einen Kübel eiskaltes Wasser über den Schädel geleert und mir ist zum ersten Mal wirklich klar geworden, dass hinter jedem dieser Tribute ein richtiger Mensch, mit einem richtigen Leben und seiner eigenen Mischung aus liebenswerten und nervenden Charaktereigenschaften steht. Und von einem Moment zum anderen waren die Spiele nicht mehr so glamourös wie vorher.“

Manchmal fragte er sich, wie das seine Kollegen über Jahre durchstanden. Andererseits…er selbst hatte sich auch nie getraut, mit einem von ihnen darüber zu reden, wie schrecklich es sich angefühlt hatte, Kinder sterben zu sehen, die er kannte. Die er in den wenigen Tagen sogar ein bisschen lieb gewonnen hatte. Man stellte im Kapitol keine Fragen und schon gar nicht stellte man das System in Frage. Seine eigenen Gefühle hatten ihm Angst gemacht und so hatte er sich lieber einfach auf seine Arbeit konzentriert und auf die Hoffnung und seine Aufgabe, die Überlebenschancen des nächsten Mädchens zu erhöhen, indem er es so hübsch wie möglich herrichtete, damit sie Sponsorengeschenke bekam.

„Weißt du, man akzeptiert die Spiele einfach so wie sie sind. Ich hab das auch nie hinterfragt. Es ist einfach so. In der Schule lernt man, dass das System nur mit ihnen funktioniert und da sie ohnehin nötig sind, warum nicht einfach…“ Er unterbrach sich selbst. Eine riesige Party aus dem Tod von dreiundzwanzig Kindern machen. Es war widerlich. Bloß, dass es einem nicht auffiel, wenn man von klein auf daran gewöhnt war.

„Merkst du denn einen Unterschied…“, fragte er unsicher, um den Fokus ein bisschen von sich wegzubekommen, bevor er anfing sich selbst für das Leben, das er geführt hatte, zu hassen.
„Ich meine, jetzt wo du selbst für einen Spielmacher arbeitest und an den Vorbereitungen beteiligt bist.“
Sie wirkte durchaus fasziniert von ihrer Arbeit und manchmal war er sich nicht sicher, wie viel davon vorgetäuscht war und wie viel echt. Ihre Analyse der Tribute vorhin hatte auch nicht wirklich anders geklungen, als er das von früher gewohnt gewesen war. Nur dass er wusste, dass sie das System in Wahrheit abscheulich fand.
„Fühlst du dich davon irgendwie beeinflusst?“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am So 12 Okt - 1:23:49

18. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:35 Uhr
Charlie & Bina

„Nein, habe ich nicht. Als Stylist darf man das auch gar nicht. Wetten ist für Leute mit Jobs bei den Spielen verboten“, antwortete Charlie auf Binas Frage.
„Allerdings hab ich auch vor meiner Arbeit nie auf die Spiele gewettet. Aber ehrlich gesagt einfach nur, weil ich generell kein Glücksspiel mag.“
Bina merkte, dass Charlie der Grund, warum er nicht gewettet hatte, unangenehm war. Vielleicht hatte er auch Angst, dass sie ihn für sein früheres Leben doch insgeheim verurteilte. Dabei hatte sie das noch nie auch nur ansatzweise getan.

„Weißt du, wenn man damit aufwächst, dann… dann nimmt man die Tribute gar nicht wirklich als Menschen wahr. Also natürlich erfährt man diese aufgehübschte, gestylte Version ihrer Lebensgeschichte, aber es ist eher, als würde man sich einen Film ansehen. Als ich dann zum ersten Mal einen dieser Tribute wirklich kennen gelernt habe, mit diesem Mädchen geredet, es weinen gesehen und sogar ein paar Mal zum Lachen gebracht habe und sie plötzlich tot war, hat das irgendwie alles geändert.“
Charlies Stimme klang traurig. Bina rückte etwas näher an ihn heran und lächelte ihn verständnisvoll an. Sie konnte sich gut vorstellen, wie es ihm damals gegangen sein musste. Noch heute hatte er ein schlechtes Gewissen, wenn er daran zurückdachte, wie er früher gewesen war.

Ohne, dass sie es wirklich mitbekam, lehnte Bina ihren Kopf an seine Schulter und strich ihm sanft über den Unterarm. Er sollte einfach wissen, dass sie für ihn da war und dass es sie nicht kümmerte, was für ein Leben er früher geführt hatte. Er war ihr bester Freund und seine Vergangenheit gehörte zu ihm, ebenso wie das Leben, das er jetzt lebte. Bina wusste, dass er kein schlechter Mensch war. Ganz im Gegenteil sogar. Er war einer der freundlichsten, zuvorkommendsten Menschen, den sie kannte. Auch wenn er sehr oft sehr nervtötend war. Das gehörte nun mal auch zu ihm.

„Man akzeptiert die Spiele einfach so, wie sie sind. Ich habe das auch nie hinterfragt. Es ist einfach so. In der Schule lernt man, dass das System nur mit ihnen funktioniert und da sie ohnehin nötig sind, warum nicht einfach…“
Charlie stockte, doch Bina verstand auch so, was er sagen wollte.
„Merkst du denn einen Unterschied? Ich meine, jetzt wo du selbst für einen Spielmacher arbeitest und an den Vorbereitungen beteiligt bist. Fühlst du dich davon irgendwie beeinflusst?“, wollte er schließlich von ihr wissen. Das war eine schwierige Frage und Bina wusste nicht so recht, wie sie darauf antworten sollte.

„Ich verabscheue die Spiele“, sagte sie wahrheitsgemäß und musste an den Nachmittag zurückdenken.
„Ich verabscheue sie wirklich. Aber irgendwie… das ganze Theater, das hier im Kapitol wegen den Hungerspielen gemacht wird, ist schon ziemlich faszinierend.“
Nachdenklich schaute Bina zum Fernseher. Sie wusste, wie widersprüchlich sie rüber kam.
„Die Parade live mitzuerleben war unglaublich. Ungeachtet dessen, dass unter normalen Umständen dreiundzwanzig der Tribute bald tot wären, war es eine großartige Show. Und zu sehen, wie die Arena gebaut wird… ich weiß, dass ich mich überhaupt nicht meinem Distrikt entsprechend verhalte, aber es ist alles so neu und aufregend. Du lebst seit drei Jahren in Distrikt 13. Jetzt stell dir einfach mal vor, wie es ist, wenn man zwanzig Jahre dort lebt und noch nie die Außenwelt gesehen hat. Als ich bei der Parade war, war die Begeisterung dort richtig ansteckend. Wenn Bobby mich so erleben würde, würde er mich sofort von  unserem Tisch verbannen.“
Bina musste etwas lachen, obwohl auch Fünkchen Wahrheit dahinter steckte. Seit Jahren schon saß sie beim Essen mit Bobby  und ein paar anderen aus ihrem Jahrgang, deren Stärken in den Naturwissenschaften lagen, an einem Tisch. Dem sogenannten Streber-Tisch.
Bina mochte Bobby sehr gern, doch wenn er sehen würde, wie begeistert sie von den meisten Dingen war, die sie im Kapitol erlebte und sah, würde er wohl nicht mehr so unbefangen wie sonst mit ihr umgehen. Da sie wusste, warum er das Kapitol so hasste, vermied sie in seiner Gegenwart meist Gespräche mit Charlie über dessen altes Leben. Sie war froh, dass Bob es immerhin geschafft hatte, Charlie zu akzeptieren. Als ehemaliger Kapitoler hatte er es auch heute noch nicht immer leicht in Distrikt 13.

„Vermisst du dein früheres Leben?“
Fragend schaute Bina wieder zu Charlie auf.
„Also natürlich vermisst du deine Familie und deinen Job als Stylist, aber… ich weiß nicht wie ich es erklären soll. Vermisst du es, dir keine Gedanken über den Hintergrund der Spiele machen zu müssen? Weißt du, ich habe all diese Menschen heute beobachtet. Sie wirken alle einfach nur glücklich. Reichtum und Wohlstand und niemand muss Angst haben, dass die Hungerspiele die eigene Familie zerstören. Ich stell mir das so… einfach vor. In den Distrikten ist alles so traurig. Außerdem schrecklich ernst und farblos, wenn man sich Distrikt 13 anschaut. Wenn du es dir aussuchen könntest, würdest du wieder zurück ins Kapitol gehen?“

Obwohl Bina natürlich ihre Eltern liebte und Distrikt 13 ihre Heimat war, hatte sie nicht wirklich das Bedürfnis, wieder zurück zu gehen. Es hatte sie schon immer nach draußen gezogen. Sie wollte die Welt sehen. Wenn der Krieg erst einmal vorbei und gewonnen war, wollte sie unbedingt die Distrikte bereisen und alles kennenlernen, was sie bisher nur aus Büchern und Erzählungen kannte.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Mo 13 Okt - 17:59:11

18. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:40 Uhr
Charlie & Bina

„Ich verabscheue die Spiele“
Eine wenig überraschende Antwort. Selbst er verabscheute die Spiele mittlerweile von ganzem Herzen. Vermutlich gab es außer ein paar durchgeknallten Karrieros niemanden außerhalb des Kapitols, der sie mochte.
„Ich verabscheue sie wirklich. Aber irgendwie… das ganze Theater, das hier im Kapitol wegen den Hungerspielen gemacht wird, ist schon ziemlich faszinierend.“
Charlie blickte sie überrascht an. Also doch! Er hatte ja durchaus schon ein paar Mal das Gefühl gehabt, dass ihre Arbeit sie mehr interessierte als nur für ihre Tarnung nötig war.

Bina holte tief Luft und erzählte ihm warum und wie sehr sie die heutige Parade aufregend gefunden hatte, was ihn automatisch an seine erste erinnerte. Als er noch stolz auf seinen neuen Job gewesen war und darauf, wie hübsch Soay in dem Outfit, das er ihr gezaubert hatte, gewesen war, darauf, dass alle seine Arbeit bewundern konnten. Erst etwas mehr als eine Woche später, war ihm richtig bewusst geworden, dass es bei den Spielen um mehr als ein bisschen Glitzer, Glamour und schöne Kleider ging. Dass es echte Menschenleben waren, die jedes Jahr grausam beendet wurden.
„…Als ich bei der Parade war, war die Begeisterung dort richtig ansteckend. Wenn Bobby mich so erleben würde, würde er mich sofort von  unserem Tisch verbannen.“

„Als ob er das könnte…“ Sie musste selbst darüber lachen und Charlie grinste sie schief an. „Im schlimmsten Fall wird er dir richtig, richtig böse Blicke zuwerfen und vielleicht mal kurz mit den Zähnen knirschen.“
Erstens mochte der Knilch Bina viel zu gern, um ihr tatsächlich länger als zehn Sekunden böse zu sein und zweitens war er schon allgemein alles andere als nachtragend und schwer aus der Reserve locken. Nur ihn hatte Bob lange Zeit spüren lassen, dass er ihn nicht mochte. Anfangs hatte ihn das ziemlich irritiert, immerhin hatte der Kleine im Umgang mit anderen durchaus freundlich gewirkt, doch als er Bina danach gefragt hatte, was er falsch machte, hatte sie ihm von Bobs Vater erzählt und geraten ihm Zeit zu lassen und das hatte er dann auch getan. Es hatte bestimmt fast ein Jahr gedauert, bis der Junge angefangen hatte, mit ihm in dem gleichen lockeren und ungezwungenen Tonfall zu reden, wie mit seinen anderen Freunden, aber schlussendlich hatte es doch geklappt und man konnte ihm wohl kaum verdenken, dass er nach dem Tod seines Vaters alles hasste, was aus dem Kapitol kam. Dass Charlie über die Monate langsam seinen Akzent abgelegt hatte, war der Sache vermutlich auch zuträglich gewesen.

„Vermisst du dein früheres Leben?“, platzte Bina plötzlich heraus und er fuhr schuldbewusst zusammen. Wenn er hier tagsüber aus dem Fenster starrte, spürte er natürlich schon hin und wieder das Bedürfnis rauszugehen und ‚seine’ Stadt wiederzusehen. Doch vielmehr natürlich eigentlich seine Leute. Seine Familie, seine Freunde…sollte er hier jemals wirklich welche gehabt haben.
Aber das meinte sie gar nicht. Weder seine Familie noch seine Arbeit. Während sie ihn weiterhin mit Fragen und Ausführungen dazu löcherte, kristallisierte sich immer mehr hinaus, was sie eigentlich meinte. Die naive Blindheit, mit der er bis zum Tag seiner Verhaftung - oder zumindest bis zum ersten Tag seiner ersten Spiele – durchs Leben gewandelt war.

„Ich stell mir das so… einfach vor. In den Distrikten ist alles so traurig. Außerdem schrecklich ernst und farblos, wenn man sich Distrikt 13 anschaut. Wenn du es dir aussuchen könntest, würdest du wieder zurück ins Kapitol gehen?“, schloss sie irgendwann und sah ihn nachdenklich an.
Allerdings hatte er keine Ahnung, was er darauf antworten sollte. Im Grunde hatte er sowieso keine Wahl, dadurch hatte sich ihm diese Frage nie gestellt. Er kaute eine Weile auf seiner Unterlippe herum, bevor er den Mund aufmachte.
„War ich früher glücklicher als heute….“, begann er zögerlich. „Ja, definitiv.“
Er wagte es nicht, ihr in die Augen zu schauen. Aber das war nun einmal die Wahrheit. Früher hatte er durchgehend gute Laune gehabt. Er hatte seine Familie geliebt, seine Freundin,  seine Arbeit als Stylist – abgesehen von den Spielen, seine Freunde – sollte er jemals richtige gehabt haben, Mode, Partys. Sein Leben war gefühlt ein einziger Spaß gewesen. 



„Vermiss ich die ganzen Bequemlichkeiten? Ein weiches Bett, gutes Essen, von dem ich so viel essen darf, so ich will und nicht so viel, wie es für einen Mann meiner Größe vorgeschrieben ist…und vor allem wann ich will. Selbstverständlich, tu ich das!“
Das war wohl etwas, woran er sich nie ganz gewöhnen würde. Natürlich verstand er, dass das Essen rationiert werden musste, weil es in 13 einfach nicht so viel gab, aber nicht einfach zum Kühlschrank laufen und sich etwas nehmen zu können, war eine der schlimmsten Umstellungen gewesen. Nicht, dass er oft hungrig wäre, das Essen dort machte sowieso nicht besonders viel Appetit auf mehr, aber allein sich nicht auszusuchen, was und wie viel davon man essen wollte, kam ihm bis heute wie eine massive Einschränkung seiner persönlichen Freiheiten vor.

„Und die Farben…“ Er seufzte. „Ich weiß, dass solche oberflächlichen Sachen nicht unbedingt wichtig für das Überleben sind, aber… ich mag nun einmal schöne Dinge. Die machen das Leben irgendwie aufregender und…lebenswerter.“
Man wollte doch schließlich nicht nur einfach des Überlebens Willen leben. Selbst in einigen der ärmsten Distrikten hatte er das Gefühl gehabt, dass die Leute trotz allen Hungers und Leids immer noch ein wenig mehr Lebensfreude hatten als in 13. Dass sie sch zumindest über kleine Dinge freuen konnten. Ihre Familie, einen schönen Sonnenuntergang, ein für ihre Verhältnisse überraschend ‚üppiges’ Essen. In 13 wirkten einige Bewohner mehr wie gut geölte Maschinen als wie echte Menschen.

„Versteh mich nicht falsch…“, beeilte er sich klarzustellen, da er das Gefühl bekam, zu negativ über Binas – und eigentlich auch seine – Heimat zu sprechen.
„Ich bin wirklich dankbar, bei euch ein neues zu Hause gefunden zu haben und natürlich, dass ich euch kennengelernt habe.“ Er lächelte sie an und zupfte spielerisch an ihren Haaren herum, um sie ein bisschen zu ärgern. „Dass ich dich kennengelernt habe.“
Seine Miene wurde wieder ernster.

„Ich vermisse nur meine Familie und eben ein paar Annehmlichkeiten. Natürlich war mein Leben früher leichter, aber könnte ich es mir aussuchen, würde ich dann wieder zurück wollen? Keine wirkliche Ahnung davon wie schlecht es den Menschen in den Distrikten wirklich geht und wie ungerecht das ganze System ist…und meine neuen Freunde und meine Aufgaben zurücklassen?“
Er blickte ihr fest in die Augen.
„Niemals.“

So wie das System funktionierte, wie ihm jahrelang eingebläut worden war, dass es die einzige Möglichkeit war, dass es funktionierte, das wollte er einfach nicht mehr. Panem musste sich ändern und wenn er ein Teil dazu beitragen konnte, indem er seine Pflicht für Distrikt 13 erfüllte, war das etwas, das ihn Stolz machte. Aber danach…
„Vielleicht…vielleicht, wenn das alles vorbei ist, weiß du? Wenn der Aufstand gelingt und alles gerechter verteilt wird, wenn das Kapitol selbst sich geändert hat…“
Natürlich wäre die Stadt dann weniger schillernd und exzentrisch, aber bestimmt immer noch schön und er könnte dann bei seiner Familie sein.
„Dann würde ich schon gerne nach Hause zurückkehren. Meine Eltern und meine Geschwister wiedersehen.“ Er zögerte. „Vielleicht nicht für immer, weißt du. Ich würde euch ja auch nicht verlieren wollen. Aber ich vermisse meine Familie.“

Charlie schwieg eine Weile und starrte nachdenklich vor sich hin, dachte an all die Menschen, die er verloren und an die Freunde, die er dafür in Distrikt 13 gewonnen hatte, bevor er den Kopf schüttelte, um die Gedanken zu vertreiben und sich leise räusperte.
„Was ist mit dir?“, gab er die Frage zurück. „Ist mein kleines Mäuschen froh, wenn es wieder zurück in sein Kellerloch kriechen kann, oder hat es jetzt Lust auf die große weite Welt bekommen?“
Er legte den Kopf schief und grinste sie breit an.

„Oder willst du gar hier einheiraten? Ehrenlogen für den Rest deines Lebens….“
Sein Grinsen wurde noch breiter und seine Stimme unnatürlich hoch, während er ihren gefaketen Kapitolsakzent übertrieben schlecht nachahmte.
„Das ist toll! Ich danke Ihnen! ...Wenn Sie irgendwann einmal Hilfe brauchen, bin ich gern zur Stelle, wenn die Techniker hier mal länger brauchen sollten.“
Er verdrehte die Augen. Manchmal fragte er sich wirklich, ob ihre Schleimerei komplett gespielt war, oder sie dem Kerl vielleicht tatsächlich schöne Augen machte.
„Aber vielleicht kommst du mich dann ja auch besuchen…meine Familie kennenlernen. Ich wette, mein Vater würde dich lieben. Er schätzt Intelligenz mehr als sonst irgendwas. Vermutlich würde er versuchen dich zu adoptieren...“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am So 19 Okt - 13:52:31

18. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:40 Uhr
Charlie & Bina

Bina sah Charlie an, dass er Schwierigkeiten damit hatte, auf ihre Frage zu antworten. Sie hatte auch ein wenig Angst davor. Trotz ihrer Streitigkeiten zwischendurch mochten sie sich sehr und wenn er ihr jetzt sagen würde, dass er alles, was er jetzt hatte, sofort eintauschen würde gegen ein Leben im Kapitol, würde sie das schon sehr verletzen. Sie waren Freunde und sie würde ihn wirklich sehr vermissen, wenn er nicht mehr da wäre.

„War ich früher glücklicher als heute….“, begann er zögerlich. „Ja, definitiv. Vermiss ich die ganzen Bequemlichkeiten? Ein weiches Bett, gutes Essen, von dem ich so viel essen darf, so ich will und nicht so viel, wie es für einen Mann meiner Größe vorgeschrieben ist…und vor allem wann ich will. Selbstverständlich, tu ich das!“
Bina nickte verständnisvoll. Dass er das Essen vermisste, konnte sie wirklich nachvollziehen. Heute hatte sie sich quer durch die kulinarischen Köstlichkeiten des Kapitols probiert und die waren wirklich um einiges besser als der farb- und geschmacklose Haferbrei, den sie in Distrikt 13 bekamen.
„Und die Farben!“, schwärmte Charlie weiter. „Ich weiß, dass solche oberflächlichen Sachen nicht unbedingt wichtig für das Überleben sind, aber… ich mag nun einmal schöne Dinge. Die machen das Leben irgendwie aufregender und…lebenswerter. Versteh mich nicht falsch.
Ich bin wirklich dankbar, bei euch ein neues zu Hause gefunden zu haben und natürlich, dass ich euch kennengelernt habe. Dass ich dich kennengelernt habe.“
Er nahm eine ihrer Haarsträhnen und zog leicht daran.
„Hör auf damit“, befahl sie lachend und gab ihm einen leichten Klaps auf die Hand. Sie war erleichtert, dass er es nicht bereute, nach Distrikt 13 gekommen zu sein. Es freute sie außerdem ein wenig, dass er sie hervorhob, als wäre sie etwas Besonderes für ihn. Klar, sie waren schließlich beste Freunde.

„Ich vermisse nur meine Familie und eben ein paar Annehmlichkeiten. Natürlich war mein Leben früher leichter, aber könnte ich es mir aussuchen, würde ich dann wieder zurück wollen? Keine wirkliche Ahnung davon wie schlecht es den Menschen in den Distrikten wirklich geht und wie ungerecht das ganze System ist…und meine neuen Freunde und meine Aufgaben zurücklassen? Niemals!“
„Gute Antwort“, meinte Bina grinsend und zwickte ihn kurz in den Bauch. „Hättest du etwas anderes geantwortet, hätte ich dich auch auf der Stelle bestrafen müssen.“
In Wahrheit hätte sie nicht gewusst, wie sie hätte reagieren müssen, wenn Charlie ihr gesagt hätte, dass er Distrikt 13 sofort den Rücken zukehren würde, wenn er ohne Schwierigkeiten zurück nach Hause gehen könnte.
Er erzählte ihr weiter, dass er seine Familie vermisste. Das tat ihr Leid. Am liebsten hätte sie irgendetwas für ihn getan, damit er seine Eltern und seine Geschwister sehen konnte. Vielleicht konnte sie bei Gus ein Gespräch irgendwie auf die Fairweathers lenken. Wobei sie doch ein wenig bezweifelte, dass ihm der Name etwas sagte. Er konnte sich ja schon kaum den Namen „Penny“ merken. Aber Charlies Vater war, soweit sie wusste, ein hochangesehener Politiker. Als Spielmacher hatte Gus vielleicht schon mal etwas mit ihm zu tun gehabt. Jetzt, da die Hungerspiele begonnen hatten, standen einige Feste an. Bina war sich sicher, dass Charlies Familie bestimmt auch irgendwo anzutreffen sein würde. Wenn sie vor Gus politisches Interesse andeutete, würde er ihr vielleicht Charlies Vater vorstellen. Das war zwar nicht dasselbe, da er nicht mit ihm reden könnte, doch immerhin würde Charlie ihn dann endlich einmal wiedersehen.

„Was ist mit dir?“, fragte Charlie plötzlich und riss sie aus ihren Gedanken. Verwundert schaute sie ihn an.
„Was soll mit mir sein?“
„Ist mein kleines Mäuschen froh, wenn es wieder zurück in sein Kellerloch kriechen kann, oder hat es jetzt Lust auf die große weite Welt bekommen?“
Kleines Mäuschen. Von allen Spitznamen, die er ihr je nach Laune und Situation gab, war ihr „kleines Mäuschen“ am liebsten. Sie mochte es irgendwie, wenn er sie so nannte.
„Oder willst du gar hier einheiraten? Ehrenlogen für den Rest deines Lebens… Das ist toll! Ich danke Ihnen! ...Wenn Sie irgendwann einmal Hilfe brauchen, bin ich gern zur Stelle, wenn die Techniker hier mal länger brauchen sollten.“
Empört schaute sie Charlie an. Er machte sie nach. Und das auch noch ziemlich schlecht!
„So höre ich mich überhaupt nicht an!“, sagte sie trotzig.
„Was soll das überhaupt? Du hast doch gesagt, ich soll mich wie eine Kapitolerin aufführen. Aber nach allem, was ich heute gesehen habe, muss ich wohl noch einen drauf setzen.“
Sie dachte an die blonde Assistentin aus der Spielmacher-Loge zurück, die sich beinahe vor ihrem Chef und den übrigen Leuten ausgezogen hatte. Schmollend verschränkte sie die Arme vor der Brust.
„Von wegen einheiraten… ich mach nur meinen Job“, brummelte sie vor sich hin, wovon sich Charlie allerdings nicht beirren ließ.

„Aber vielleicht kommst du mich dann ja auch besuchen…meine Familie kennenlernen. Ich wette, mein Vater würde dich lieben. Er schätzt Intelligenz mehr als sonst irgendwas. Vermutlich würde er versuchen dich zu adoptieren...“, meinte er und schaute Bina lächelnd an. Sie musste ebenfalls etwas grinsen. Dann war es ja doch zu etwas gut, dass sie immer nur am Lesen und Lernen war.

„Ich möchte dich nicht besuchen“, sagte sie jedoch nach kurzem Überlegen. Sie stand vom Bett auf und ging hinüber zum Fenster.
„Wenn die Rebellion vorbei ist und die Distrikte frei sind, möchte ich Panem erkunden. Ich will das Meer von Distrikt 4 sehen, die Edelsteinminen von Distrikt 1. Die Getreidefelder von Distrikt 9… vielleicht werde ich ja eine Zeit lang auf einem dieser Felder arbeiten oder auf den Obstplantagen von Distrikt 11.“
Sie drehte sich zu Charlie um und lächelte ihn breit an.
„Ich möchte nach Distrikt 3, ich… ich möchte einfach alles sehen und ausprobieren! Um auf deine Frage zu antworten… nein, ich möchte nicht in mein Kellerloch zurück. Distrikt 13 wird immer meine Heimat sein. Dort leben meine Eltern und meine Freunde. Aber ich muss raus, Charlie. Ich möchte all das sehen, wovon du mir immer erzählst. Aber…“
Sie hüpfte zurück aufs Bett, kniete sich neben ihn und schaute ihn mit strahlenden Augen an.
„Aber ich möchte das nicht unbedingt alleine machen. Das wäre vielleicht doch etwas langweilig.“
Ihr Grinsen wurde breiter.
„Was meinst du? Du kannst zwar schon sehr nerven, aber ich glaube, wenn mir jemand Panem zeigen kann, dann du.“

Sie hoffte sehr, dass Charlie sie begleiten wollte, wenn der Krieg erst einmal gewonnen war. Die Wahrheit war, dass ihr der Gedanke, allein durch ein ganzes Land zu reisen, ziemlich Angst machte. Sie konnte es verstehen, wenn er lieber nach Hause wollte. Schließlich hatte er damals nicht freiwillig seine Familie und sein altes Leben zurück gelassen. Aber vielleicht reizte ihn die Idee ja auch, die übrigen Distrikte einmal richtig kennen zu lernen.
Sie beugte sich weiter zu ihm vor und schaute ihm dabei tief in die Augen.
„Und? Was sagst du?“
Sie hoffte sehr, dass er Ja sagte. Die letzten drei Jahre hatten sie sich jeden Tag gesehen und viel Zeit miteinander verbracht. Der Gedanke, ihn später nur noch hin und wieder besuchen zu können, gefiel ihr nicht besonders. Vielleicht würde er sie dann nach und nach allmählich vergessen. Sie wollte ihren besten Freund nicht verlieren.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Do 23 Okt - 14:16:29

18. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:45 Uhr
Charlie & Bina

„So höre ich mich überhaupt nicht an!“, protestierte Bina heftig und zauberte damit ein freches Grinsen auf sein Gesicht.
„Und wie du das tust! Gus hier, Gus da…die ganze Zeit. ‚Möchten Sie einen Kaffee?’ ‚Nein, was für eine brillante Idee!' ‚Darf ich Ihnen so richtig tief in den Arsch kriechen? “ Er klimperte mit den Wimpern und riss betont weit die Augen auf, um sie übertrieben anzuglühen, dabei hatte er eigentlich gar keine Ahnung, wie sie ihren Chef ansah, das konnte er durch die Kamera ja nicht sehen. Aber ihre Stimme klang oft äußerst bewundernd und irgendwie störte ihn das ein bisschen, schließlich musste er sich Sorgen machen, dass sie sich zu sehr von Gus ablenken ließ. Warum hatte man Bina nicht einem weniger gutaussehenden Spielmacher zugeteilt? Das wäre für alle beteiligten Parteien sehr viel einfacher und besser gewesen.

„Was soll das überhaupt? Du hast doch gesagt, ich soll mich wie eine Kapitolerin aufführen. Aber nach allem, was ich heute gesehen habe, muss ich wohl noch einen drauf setzen.“
„Nein, nein…“, winkte er ab, als wäre ihre Bemerkung ernst gewesen. „…du spielst den Assistentinnen-Typ ‚pflichtbewusst und zuverlässig’. Glaub mir, die Rolle des Luders liegt dir nicht.“ Nachdem es vorhin ein wenig abgeflacht war, sprengte ihm sein Grinsen plötzlich wieder beinahe das Gesicht. „Dafür bist du viel zu brav und niedlich. Die perfekte Schwiegertochter…“
Was ihn daran erinnerte, dass seine Eltern sie lieben würden und er sie im Falle eines Sieges zu gerne einmal seiner Familie vorgestellt hätte – schließlich war sie seine engste und beste Freundin – weswegen er sie prompt dazu einlud, auch wenn sie noch kein genaues Datum festlegen konnten und es etwas fraglich war, ob sie das Ende eines zukünftigen Krieges überhaupt noch miterleben würden.

„Ich möchte dich nicht besuchen“
„Was?!“ Sein Grinsen gefror so plötzlich, dass er beinahe das Gefühl hatte, es wäre hinuntergefallen und am Boden zerschellt. Er schluckte. „Aber wieso nicht?“
Irgendwie war er fix davon ausgegangen, dass sie in einem freien Panem auch weiterhin Zeit miteinander verbringen würden, oder zumindest in Kontakt bleiben. Dass sie das offenbar anders sah, verursachte ein leichtes Stechen in seiner Brust, doch Bina schien gar keine Augen dafür zu haben, dass sie ihn damit gerade ein wenig verletzt hatte, sie ließ ihn lieber allein im Bett hocken und tat das, was er  den halben Tag über getan hatte. Sehnsüchtig aus dem Fenster starren.

„Wenn die Rebellion vorbei ist und die Distrikte frei sind, möchte ich Panem erkunden.“
Er sah überrascht auf. Panem war groß und Bina so verdammt klein. Irgendwie war er sich nicht sicher, ob ihm die Idee gefiel, dass sie ganz allein das Land unsicher machte und während sie ins Schwärmen geriet über all die – viel zu gefährlichen – Orte, die sie besuchen wollte, sah er vor seinem geistigen Auge einen kleinen Katastrophen-Film ablaufen, über Bina, die im Meer ertrank oder von einem Hai gefressen wurde, Bina, die in einer Mine verschüttet wurde, Bina, die von einem Schwarm Jägerwespen durch Distrikt 11 gejagt wurde und von Szenario zu Szenario wurde er immer blasser.

„Distrikt 13 wird immer meine Heimat sein. Dort leben meine Eltern und meine Freunde. Aber ich muss raus, Charlie. Ich möchte all das sehen, wovon du mir immer erzählst.“
Wovon er immer erzählte?! Seine Miene verwandelte sich von überrascht und besorgt in schockiert und skeptisch. Irgendetwas dürfte sie massiv missverstanden haben, oder meinte sie tatsächlich die Geschichten, in denen er ständig knapp vorm Verhungern oder auffliegen gestanden hatte? In denen er vor wilden Tieren flüchten und sich vor Friedenswächtern verstecken hatte müssen, ohne einen blassen Dunst zu haben, ob der Zielort, den ihm sein Vater eingeschärft hatte, wirklich existierte und vor allem, ob er dort als Kapitoler freundlich – oder eigentlich sogar generell – aufgenommen wurde. Als er über Wurzeln gestolpert und in Schlamm eingesunken war und gestunken hatte, wie eine Kloake. Ihm kamen diese Geschichten eigentlich nicht besonders einladend vor. Gut vielleicht hatte er hin und wieder ein bisschen von diesem Sonnenuntergang in 4 und den satten Grüntönen einiger Bäume und der dichten Atmosphäre alter, beinahe unberührter Wälder geschwärmt, aber ein paar hübsche Farben waren noch lange kein Grund, ihr junges, unschuldiges Leben für ein wenig ‚Abenteuerurlaub’ aufs Spiel zu setzen, indem sie ganz alleine…

„Aber ich möchte das nicht unbedingt alleine machen. Das wäre vielleicht doch etwas langweilig.“, riss sie ihn aus seinen Gedanken, die langsam einem grässlichen Albtraum aus toter Bina geglichen hatten. Also doch nicht alleine?! Nun, das war zumindest eine Spur vernünftiger, auch wenn sie immer noch ein wenig kindlich naiv wirkte, wie sie da überdreht auf das Bett zurücksprang war und ihn jetzt mit großen Augen erwartungsvoll anblickte. Wie so ein kleiner Welpe, der unbedingt spielen wollte. Seine Mundwinkel zuckten gegen seinen Willen.

„Was meinst du? Du kannst zwar schon sehr nerven, aber ich glaube, wenn mir jemand Panem zeigen kann, dann du.“
„Was heißt hier bitte, ich kann nerven?!“ Charlie schnappte empört nach Luft.
„Ich bin hier doch wohl eindeutig die Stimme der Vernunft! Verlässlich, voraus denkend, charmant und obendrein äußerst gutaussehend.“, stellte er klar und schnippte mit dem Finger gegen ihre Nase. „Wenn hier irgendjemand nervt, dann ja wohl…“
„Und? Was sagst du?“, unterbrach sie ihn, bevor dazu er ansetzen konnte, sich darüber zu beklagen, wie kläglich sie die hübschen Kleider behandelte, die er im Schweiße seines Angesichts geschneidert hatte und wie nervig ihre Stimme in seinen Ohren nachhallte, wenn sie sich bei Gus einschleimte und für einen kurzen Moment verschlug es ihm die Sprache, als sie so dicht an ihn heranrückte, dass er ihren Atem auf seiner Nase fühlen konnte und direkt in ihre wunderschönen blauen Augen blickte.
Sie war wirklich unglaublich hübsch und das sogar in ihrem improvisierten Pyjama und ganz ohne, dass er mit ein wenig Schminke nachgeholfen hatte. Er schüttelte den Kopf, um den befremdlichen Gedanken loszuwerden, bevor er ein betont nachdenkliches Gesicht machte und sich am Kopf kratzte.

„Na mal sehen…vielleicht.“, antwortete er vage und wartete noch einen Moment ab, dann warf er sie ohne Vorwarnung einfach um und beugte sich grinsend über sie. „Irgendjemand muss ja darauf aufpassen, dass dir in 3 nicht ein Schraubenzieher auf den Kopf fällt, wenn du ganz verzückt und verträumt durch die Gegend wandelst und deinen komischen Technik-Firlefanz bestaunst.“
Er verdrehte die Augen und streckte ihr die Zunge raus. Was sie an diesem Distrikt fand, war ihm wirklich ein Rätsel. Der sah im Fernsehen wirklich alles andere als verlockend aus. Nur stinkende Fabriken, eine neben der anderen.

„Und Feldarbeit ist wirklich nicht ganz meins, aber wenn du unbedingt Dreck unter den abgebrochenen Fingernägeln haben möchtest, male ich dich natürlich gerne dabei und pass auf, dass keiner der Vorarbeiter zudringlich wird.“
Charlie zupfe neckend an ihren Haaren und grinste breit, obwohl das eigentlich ein ernstes Thema war. Jemand sollte nämlich generell aufpassen, dass ihr die Kerle nicht zu nahe rückten. Sie war sich viel zu wenig bewusst, wie hübsch sie war und dementsprechend viel zu naiv und unerfahren in diesen Angelegenheiten. Hier im Kapitol war sie natürlich besonders gefährdet und manchmal machte es ihn fast wahnsinnig, dass er in diesem Zimmer festsaß und sich darauf beschränken musste, ihr ins Ohr zu zischen, von wem sie Drinks annehmen durfte und von wem nicht und sie immer wieder zu ermahnen, ihr Glas ja nicht unbeaufsichtigt stehen zu lassen.

„Allerdings…“, stellte er gedehnt fest. „…kann ich das alles erst machen, nachdem ich meine Familie zumindest für ein paar Wochen gesehen habe.“
Schließlich vermisste er sie schon seit über drei Jahren und wer wusste schon, wie lange er sie noch vermissen würde, bevor – oder eher falls – er sie wiedersehen würde.
„Also zuerst ein kleiner Aufenthalt im Kapitol, dafür begleite ich dich auf deiner Reise. Versprochen, egal wie lange es dauern wird, bis Panem frei ist. Falls wir das noch miterleben sollten, tun wir es.“ Er zwinkerte ihr zu und grinste breit. „Im Notfall krieche ich dir eben mit meiner Gehhilfe hinterher und du kannst dir sicher sein, dass es das schickste Model sein wird, das das Kapitol zu bieten hat.“
Charlie hielt ihr seine Hand hin und legte den Kopf fragend schief.
„Deal?“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Mo 27 Okt - 20:51:00

18. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:45 Uhr
Charlie & Bina


Charlie hörte einfach nicht auf damit, sie nachzumachen. Das war so schrecklich übertrieben. Natürlich war sie nett zu Gus und kroch ihm - wie Charlie es nannte - in den Hintern, doch das musste sie doch tun. Charlie hatte ihr selbst gesagt, wie wichtig es war, dass sie sich einschleimte und so tat, als wäre ihr Chef der König der Welt. Außerdem war es nicht Gus, der sie so beeindruckte, sondern das Kapitol. Das sollte Charlie doch eigentlich wissen. Es sei denn...
Binas Augen wurden größer. Konnte es sein, dass ihr bester Freund eifersüchtig war? War das tatsächlich möglich? Sie grinste etwas, sprach ihn jedoch nicht darauf an. Das sollte sie erst einmal weiter beobachten. Er würde es sowieso abstreiten. Wichtiger war für Bina gerade eh, ob er sie auf ihrer Reise durch Panem begleiten würde oder nicht.

"Na mal sehen...vielleicht", antwortete er zögernd. Vielleicht? Mehr sagte er nicht dazu außer "vielleicht"? Bina hatte eigentlich gehofft und auch ein kleines bisschen erwartet, dass er begeisterter auf die Idee reagieren würde. Für sie war klar, dass sie Distrikt 13 verlassen würde, sobald der Krieg vorbei und gewonnen war und mit Charlie würde es definitiv lustiger werden. Wen sollte sie auch sonst mitnehmen wollen? Bobby, den sie zwar wirklich gern hatte, der aber unter gar keinen Umständen einen Fuß ins Kapitol setzen würde? Oder ihren unglaublich tollen Exfreund, der nur für Distrikt 13 lebte und abgesehen von seiner bloßen Anwesenheit auch mit absolutem Desinteresse für alles ihre gesamte Reise vermiesen würde? Abgesehen von Charlie hatte sie nicht besonders viele Optionen und sie wollte auch niemand anderen dabei haben.
Sie seufzte enttäuscht und wollte sich wieder auf ihre Seite des Bettes setzen, da packte Charlie sie plötzlich und warf sie um. Er beugte sich über sie - schon zum zweiten Mal an diesem Abend - und grinste sie breit an.

"Irgendjemand muss ja darauf aufpassen, dass dir in 3 nicht ein Schraubenzieher auf den Kopf fällt, wenn du ganz verzückt und verträumt durch die Gegend wandelst und deinen komischen Technik-Firlefanz bestaunst."
Irritiert starrte sie ihn an. Hieß das etwa...? Bina war sprachlos.
"Und Feldarbeit ist wirklich nicht ganz meins, aber wenn du unbedingt Dreck unter den abgebrochenen Fingernägeln haben möchtest, male ich dich natürlich gere dabei und pass auf, dass keiner der Vorarbeiter zudringlich wird."
"Okay, einverstanden", meinte Bina lachelnd und strahlte ihn an. Er würde also doch mitkommen!
"Allerdings... kann ich das alles erst machen, nachdem ich meine Familie zumindest für ein paar Wochen gesehen habe. Also zuerst ein kleiner Aufenthalt im Kapitol, dafür begleite ich dich auf deiner Reise. Versprochen, egal wie lange es dauern wird, bis Panem frei ist. Falls wir das noch miterleben sollten, tun wir es."

Binas Herz hämmerte aufgeregt gegen ihren Brustkorb. Charlie machte sie gerade unglaublich glücklich. War ihm überhaupt klar, was für einen riesigen Wunsch er ihr damit erfüllte?
"Im Notfall krieche ich dir eben mit meiner Gehhilfe hinterher und du kannst dir sicher sein, dass es das schickste Model sein wird, das das Kapitol zu bieten hat. Deal?"
Er hielt ihr die Hand hin, doch anstatt sie zu ergreifen, fiel Bina Charlie vor Freude quietschend um den Hals.
"Deal!! Alles, was du willst! Danke, danke, danke, danke!!"
Überschwenglich presste sie wieder und wieder Küsse auf seine Wangen und strahlte ihn überglücklich an.
"Du wirst sehen, das wird toll! Wir fangen im Kapitol an, bleiben eine Weile bei deinen Eltern und dann ziehen wir weiter. Dann erkunde ich ganz ausgiebig diese aufregende Stadt und anschließend gehts dann in die Distrikte. Wir werden so viel Spaß haben. Aber...! Glaub ja nicht, dass du dich komplett vor schwerer Arbeit drücken wirst, Charlie Fairweather. Du wirst dabei sicher auch ordentlich ins Schwitzen kommen", meinte sie grinsend und nahm sein Gesicht in ihre Hände.
"Danke. Wirklich. Das bedeutet mir unglaublich viel. Du bist wirklich mein bester Freund", sagte sie glücklich und hauchte ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen, ohne sich wirklich darüber klar zu sein, was sie da tat.

Anschließend schob sie ihn von sich und kletterte vom Bett, um noch einmal im Bad zu verschwinden und sich die Zähne zu putzen. Unglaublich glücklich starrte sie ihre Spiegelbild an. Sie konnte den Tag kaum erwarten, an dem sie Distrikt 13 würde verlassen können, ohne dabei etwas Verbotenes zu tun. Und Charlie würde sie begleiten. Das konnte doch nur toll werden. Gut gelaunt putzte sie sich die Zähne, bis ihr auf einmal etwas klar wurde. Hatte sie Charlie gerade geküsst? Auf den Mund?!
Panisch ging Bina zur Tür und öffnete sie einen Spalt. Charlie saß auf dem Bett und schaute zum Fernseher. Er sah ganz normal aus und nicht, als würde er sich überlegen, wie er sie ärgern konnte. Vielleicht hatte er es selbst ja auch gar nicht wirklich als Kuss aufgefasst. Schließlich war es ja nur eine ganz kleine, flüchtige, harmlose Berührung der Lippen gewesen. Das sollte unter besten Freunden schon drin sein. Als Kapitoler war er so etwas vermutlich eh gewöhnt. Also kein Grund, sich darüber jetzt Gedanken zu machen. Sie freute sich eben, dass er ihr diesen Gefallen tun und sie auf ihrer Erkundungsreise begleiten wollte. Sie hatte sich lediglich bedankt. Genau, das war alles. Sie hatte sich nur bedankt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Sie spülte ihren Mund aus, nickte sich selbst im Spiegel noch einmal entschlossen zu und betrat dann wieder das Schlafzimmer. Sie kroch unter die Bettdecke und kuschelte sich ein. Das beste war, wenn sie einfach so tat, als wäre dieser Kuss eben nicht passiert. War ja im Grunde auch nichts, worüber es sich lohnte zu reden.
"Gibt es einen Distrikt, der dir, abgesehen von dem Elend, das überall herrscht, am besten gefallen hat?", fragte sie und gähnte dabei leise. Allmählich wurde sie doch müde. Sie schloss die Augen und hörte Charlie zu, bis ihre Gedanken langsam abdrifteten und sie einschlief. Dass sie sich dabei an ihn schmiegte, merkte sie schon gar nicht mehr.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am Di 28 Okt - 17:15:20

18. November im Jahr der 75. Hungerspiele
23:50 Uhr
Charlie & Bina

"Deal!! Alles, was du willst! Danke, danke, danke, danke!!"
Ganz entgegen ihrer euphorischer und – wie es eigentlich wirkte – durch und durch dankbaren Worte, schlug sie seine Hand aus und ging stattdessen dazu über, ihn zu erwürgen. Aber bevor er darüber nachdenken konnte, ob es sich dabei jetzt über einen Anschlag auf sein Leben handelte und er sich wehren oder flüchten musste, begann sie die Würgeattacke mit fetten, feuchten Schmatzern auf seine Wangen zu kombinieren, die doch ziemlich klar machten, dass sie zumindest nicht primär das Ziel verfolgte, ihm den Hals umzudrehen. Außerdem schien sie ihn eigentlich auch in Zukunft unter den Lebenden zu erhoffen, so wie sie gleich anfing, ihre Reise zu planen, als hätten sie vor, diese schon nächste Woche anzutreten.

"Du wirst sehen, das wird toll! Wir fangen im Kapitol an, bleiben eine Weile bei deinen Eltern und dann ziehen wir weiter. Dann erkunde ich ganz ausgiebig diese aufregende Stadt und anschließend gehts dann in die Distrikte. Wir werden so viel Spaß haben.“
Seine Mundwinkel zuckten amüsiert und – das konnte er ruhig zugeben – ein kleines bisschen selbstzufrieden. Da legte jemand offensichtlich sehr viel Wert auf seine Gesellschaft und zu sehen, wie ihre hübschen Augen so dermaßen strahlten, war ein angeknackstes Genick beinahe wert.
„Aber...! Glaub ja nicht, dass du dich komplett vor schwerer Arbeit drücken wirst, Charlie Fairweather. Du wirst dabei sicher auch ordentlich ins Schwitzen kommen“
Er zog skeptisch eine Augenbraue hoch. Was hieß hier schwere Arbeit und schwitzen?
„Ich hoffe, du meinst, wenn ich mich in die pralle Sonne lege, um endlich mal wieder ein wenig Farbe abzubekommen…“, hakte er misstrauisch nach. Wenn sie in der Erde buddeln wollte, würde er ihr dabei nicht im Weg stehen, aber wenn sie jemanden brauchte, der ihr dabei half, musste sie wohl Bob mitnehmen. Wenn der Krieg vorbei und vielleicht tatsächlich gewonnen war und es ihm frei stand, hinzugehen und zu tun was er wollte, würde er sich wieder auf das Konzentrieren, was ihm wirklich  wichtig was und was er wirklich konnte. Seine Kunst. Und da würde er ganz bestimmt nicht riskieren, irgendwo seine Finger zu quetschen oder anderweitig zu verletzen.

"Danke. Wirklich. Das bedeutet mir unglaublich viel. Du bist wirklich mein bester Freund"
Er wollte gerade etwas Freches erwidern, um seine Verlegenheit zu überspielen, weil er ein wenig gerührt war, dass ihr sein ‚Begleitschutz’ so viel bedeutete, da nahm sie sein Gesicht zwischen ihre Hände und ließ ihn damit automatisch verstummen. Eigentlich hatte er erwartet, sie würde seine Wangen quetschen und so mit seinem Mund irgendwelche dämlichen Wörter formen oder ihn sonst irgendwie nerven oder ärgern, doch stattdessen richtete sie sich ein Stückchen auf und presste ihre Lippen sanft auf seine.

Er war so perplex, dass er gar nicht wirklich reagieren konnte, doch schon im nächsten Augenblick – noch bevor er sie zurückküssen konnte…noch bevor er darüber nachdenken konnte, ob es überhaupt eine gute Idee war, sie zurückzuküssen… - war es schon wieder vorbei. Wie ein Schmetterling, der sich nur einen Moment auf seine Lippen gesetzt und es sich dann wohl doch wieder anders überlegt hatte.
Charlie blickte sie verdattert an, was sie allerdings nicht einmal zu bemerken schien. Äußerst geschäftig - und vor allem als wäre nicht gewesen - entschlüpfte sie ihm und verschwand ins Badezimmer. Er starrte die angelehnte Tür vorwurfsvoll an.
Was sollte das jetzt?

Sie konnte ihn doch nicht einfach küssen und dann abhauen, ohne ein Wort zu sagen! Bina hatte ihn doch geküsst oder? Das hatte er sich doch nicht eingebildet. Nein, ganz bestimmt nicht. Er konnte ihre Lippen immer noch auf seinen spüren. Charlie legte seinen Zeigefinger an die betreffende Stelle. So etwas bildete man sich nicht einfach ein, schon gar nicht nüchtern und er hatte seit Jahren keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken.
„Was für eine überraschende Wendung!“, kommentierte Caesar Flickerman gerade die Wiederholung irgendeiner Ernte und zog damit Charlies Aufmerksamkeit wieder auf sich.
„Das kannst du laut sagen, Kumpel…“, murmelte er, als könnte der Kerl im Fernsehen ihn hören. „Das kannst du laut sagen…“

Freunde. Sie waren immer schon nur Freunde gewesen. Als er in Distrikt 13 angekommen war und sie kennengelernt hatte, war sie noch ein Teenager gewesen. Ein etwas freches, aber liebes Mädchen, das ihn im Gegensatz zu den meisten ihrer Leute herzlich aufgenommen hatte. Andererseits war sie natürlich süß und hübsch…und niedlich, aber sie war eben auch seine beste Freundin. Wenn aus ihnen jemals mehr werden sollte und es klappte nicht, dann wäre das für immer verloren. Wenn er dann wieder mit gebrochenem Herzen dastehen würde, hätte er keine Bina, die ihn wieder aufrichten würde.
Nein, denn die würde ihm natürlich aus dem Weg gehen und sich zum Beispiel im Badezimmer verschanzen, wie sie es jetzt tat…was ausgesprochen unhöflich war. Man küsste nicht ohne Vorwarnung seine Freunde und verschwand dann einfach! In 13 hatten sie einfach überhaupt keine Manieren.

Aber vielleicht war es ihr ja gar nicht aufgefallen, vielleicht war es nur ein kleines Missgeschick gewesen. Ja, das war es vermutlich. Ein Unfall. Irgendwann hatte das passieren müssen, so wie sie hier aufeinander klebten. Das brachte einen ja ganz durcheinander.
Die Tür öffnete sich und Charlie bemühte sich dem Fernseher mehr Aufmerksamkeit zu schenken als Bina, die nun wieder ins Bett schlüpfte. Vielleicht würde sie ihm ja jetzt erklären, was das vorhin sollte. Höflich, wie er war, bedrängte er sie natürlich nicht, sondern wartete geduldig darauf, dass sie das Wort ergriff.

"Gibt es einen Distrikt, der dir, abgesehen von dem Elend, das überall herrscht, am besten gefallen hat?"
Bitte was? Charlie blinzelte sie irritiert an. Einen Distrikt? Was wurde das? Ein Interview? Das war nicht unbedingt das Thema, von dem er gedacht hatte, dass sie es anschneiden würde. Offenbar hatte sie tatsächlich vor, so zu tun, als wäre nichts gewesen und da sie ihn geküsst hatte, waren ihm quasi die Hände gebunden, denn er konnte sie ja wohl kaum darauf ansprechen, ohne sie in Verlegenheit zu bringen. Er brauchte einen Moment, bis er sich erfangen hatte und auf ihre Frage antworten konnte.

„Distrikt 4“, entschied er, ohne lange darüber nachdenken zu müssen. „Abgesehen davon, dass die Kinder dort im Schnitt deutlich besser genährt waren als in den anderen Distrikten, die ich durchqueren musste, war das Meer wirklich unglaublich schön. So viele Blau – und Grüntöne und das Geräusch der Wellen in der Brandung, der weiche Sand, die von der Hitze flimmernde Luft.“
Sie widersprach ihm nicht, sondern schien einzig seinen Ausführungen zu lauschen.
„Aber ich glaube, jeder einzelne Distrikt wird sehr viel schöner aussehen, wenn die Menschen, die dort leben, nicht mehr hungern und Kinder lachen…und natürlich, wenn man nicht dauernd fürchten muss, aufzufliegen und verhaftet zu werden. Meinst du nicht auch? Bina?“

Er richtete seinen Blick auf sie, doch sie rührte sich immer noch nicht. Im Gegenteil, hatte sich an ihn geschmiegt. Alles, was sich bewegte, war ihr Brustkorb, der sich ruhig und gleichmäßig hob und senkte. Charlie schnalzte gespielt missbilligend mit der Zunge. Erst küsste sie ihn und machte sich dann sofort aus dem Staub und jetzt schlief sie auch noch ein, während er redete. Seine Mundwinkel zuckten. Dafür sah sie unglaublich süß und unschuldig aus, wenn sie so vor sich hin schlummerte. Er bewegte seinen Arm vorsichtig, doch Bina brummte nur unzufrieden und schmiegte sich nur noch enger an ihn. Charlie seufzte und fuhr sich mit der Zungenspitze prüfend über die Zähne. Die hatte er noch nicht geputzt und bei der Hygiene war er eigentlich äußerst pingelig. Aber sie sah so selig und zufrieden aus...
Er rutschte vorsichtig tiefer in die Matratze. Bina folgte ihm mit einem leisen Seufzer und er legte seinen Arm um sie und zog seine Decke über ihre, damit sie im Bedarfsfall darunter schlüpfen konnte.

Das war nur, weil sie hier so aufeinander klebten. Er strich ihr die Haare aus dem Gesicht und berührte vorsichtig mit dem Daumen ihre Lippen, bevor er einen kurzen Kuss auf ihren Haaransatz hauchte und es sich auch ein wenig bequemer machte.
„Gute Nacht, kleine Maus!“
Ganz bestimmt nur, weil sie hier so aufeinander klebten.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am Sa 3 Jan - 2:10:03

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
ca. 2:00 Uhr
Charlie & Bina

Es war warm. Ziemlich warm sogar. Obwohl es eine irgendwie angenehme Wärme war, die sie umgab, war es für Bina dennoch unmöglich, weiter zu schlafen. Müde schlug sie die Augen auf. So dunkel wie es war, musste es noch mitten in der Nacht sein. Mühselig befreite sie ihre Arme aus den Bettdecken – hatte sie Charlie im Schlaf etwa seine Decke geklaut? – und versuchte, sich auf den Rücken zu drehen, doch Charlie hatte seine Arme um sie gelegt. Dabei schwitzte sie sich halbtot…

Erschrocken riss Bina die Augen auf und starrte in Charlies schlafendes Gesicht. Er hatte… seine Arme um sie gelegt! Sie lag in seinen Armen!
Bina fühlte sich wie erstarrt. Ihr Herz hämmerte wild gegen ihren Brustkorb. Wie hatte das nur passieren können? Erst küsste sie ihn unabsichtlich und nun schliefen sie eng umschlungen. Dass sie seit Wochen auf engstem Raum zusammen lebten, schien ihnen auf Dauer nicht zu bekommen.

Langsam und vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, löste sich Bina von Charlie und stieg aus dem Bett. Da sie jetzt schon mal wach war, konnte sie sich auch etwas zu trinken holen. Mit einem Glas Wasser setzte sie sich in den Sessel, zog die Knie an und beobachtete Charlie. Er brummelte leise vor sich hin, während er sich auf den Rücken drehte. Wovon er wohl träumte? Vielleicht stritt er sich im Traum gerade mit ihr. Wobei er dann vermutlich unruhiger schlafen würde.
Bina musterte ihn ausgiebig. Zwar würde sie es ihm niemals direkt sagen, doch es war leider unbestreitbar, dass er gut aussah. Da er hier ziemlich oft mit freiem Oberkörper herum stolzierte, konnte man ja schon gar nicht mehr anders, als hinzuschauen. Abgesehen davon war er ziemlich niedlich, während er so leise vor sich hin schmatzte. Möglicherweise träumte er auch gerade vom Kapitolessen. Aber das war auch beinahe zu lecker, um wirklich wahr zu sein. Sie sollte sich angewöhnen, öfter etwas zu essen mitzubringen. Charlie würde es mit Sicherheit freuen.

Müde rieb sich Bina die Augen und sank tiefer in den Sessel. Sie seufzte leise. Das war wirklich ein seltsamer Abend. Zum Glück war sonst niemand aus Distrikt 13 im Kapitol oder gar mit in diesem Zimmer. Bina wusste, dass es Gerüchte zu Hause gab, dass sie und Charlie ein Verhältnis hätten. Skyler und die anderen machten auch hin und wieder scherzhafte Bemerkungen darüber. Wenn jetzt irgendwer noch gesehen hätte, dass sie Charlie geküsst und in seinen Armen geschlafen hatte, dürfte sie sich vierundzwanzig Stunden am Tag das Gerede anhören. Charlie und sie waren Freunde. Beste Freunde sogar. Das war nichts Ungewöhnliches. Das heute waren zufällige Zärtlichkeiten, aber sie standen sich eben auch sehr nahe. Da konnte so etwas schon mal passieren. Und man konnte durchaus auch über seinen besten Freund denken, dass er verdammt gut aussah. Trotzdem nahm Bina sich vor, nun besser darauf zu achten, was sie tat, wenn sie mit Charlie zusammen war. Dummerweise konnte sie nicht kontrollieren, was sie im Schlaf tat. Sie konnte einfach nur hoffen, dass sie sich nicht schon wieder an Charlie klammerte, sobald sie eingeschlafen war. Obwohl sie sich, abgesehen von der Hitze, die sie geweckt hatte, im ersten Moment dennoch sehr wohl und beschützt gefühlt hatte.

Gähnend kuschelte sie sich in ihre Decke und achtete auf einen angemessenen Abstand zwischen sich und Charlie, ehe sie die Augen schloss. Doch bevor sie wieder einschlafen konnte, hörte sie ein seltsames Geräusch. Ein Motorengeräusch?
Erst glaubte sie, sie hätte sich das nur eingebildet, doch dann hörte sie das dumpfe Zuschlagen von Autotüren. Neugierig, wie sie eben war, stand sie erneut auf und ging hinüber zum Fenster. Sie zog den dünnen Vorhang einen Spalt zur Seite um besser sehen zu können und erstarrte.
Ein Jeep mit Friedenswächtern war vorgefahren und hielt direkt vor dem Hotel. Die bewaffneten Männer standen auf der Straße und schienen sich zu besprechen. Einer vor ihnen deutete auf die oberen Stockwerke, direkt in Binas Richtung. Schnell duckte sie sich um aus deren Blickfeld zu verschwinden.

„Charlie…“
Schnell eilte sie zu ihm hinüber und rüttelte an seiner Schulter. Als er nicht reagierte, wurde sie etwas grober.
„Charlie! Charlie, bitte wach auf. Komm schon!“
Nach einer gefühlten Ewigkeit schließlich öffnete er verschlafen die Augen.
„…Fr... Friedenswächter…“, sagte Bina nur mit zittriger Stimme und deutete auf das Fenster.
„Sie haben uns entdeckt.“
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Charlie Fairweather(n.a.) am So 4 Jan - 0:12:49

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
ca. 2:00 Uhr
Charlie & Bina


„Charlie!“
Es war wirklich seltsam. Bina stand hier vor ihm, oder lag eher in seinen Armen und hielt ihren Mund genau wie ihre Augen fest geschlossen und dennoch konnte er ihre Stimme hören und die klang wahnsinnig weit weg. Die Szenerie, in der er sich befand, begann sich zu lichten wie Nebel, während er plötzlich die Matratze unter seinen Körper spürte und ihm langsam aber sicher klar wurde, dass er nur geträumt hatte.


Er murrte nur unzufrieden und wickelte sich nur fester in seine Decke, ignorierte das sanfte Schütteln. Gerade war er noch in Distrikt 13 gewesen, wo es sehr viel freundlicher und bunter ausgesehen hatte als normal und es ausnahmsweise gutes Essen gegeben hatte. Sie hatten wohl irgendein Fest gefeiert, seine Familie war dabei gewesen – daran erinnerte er sich noch ganz genau – und Bina...Bina hatte mit ihm getanzt und ein wunderschönes Kleid getragen. Warum, konnte er sich nicht erinnern, aber er hatte große Lust, es herauszufinden, also drehte er sich ein Stückchen von der gerade sehr lästigen realen Bina weg, seufzte tief und dachte nicht im Traum daran, die Augen zu öffnen.

Zeit zum Aufstehen war es jedenfalls längst noch nicht. Dafür war es noch nicht hell, außerdem würde er das spüren. Im Normalfall war er nämlich selbst schon längst wach und putzmunter, bevor Bina überhaupt ansprechbar war.


„Charlie! Charlie, bitte wach auf. Komm schon!“ Sie rüttelte immer fester, was ihm ein grantiges Knurren entlockte.
„Ich hab doch gesagt, ich werde mit dir durch Panem reisen und jetzt komm endlich wieder ins Bett. Die Details besprechen wir ein andermal. Da liegt immerhin noch ein ganzer Krieg dazwischen...“
Er griff nach ihrer Hand und versuchte sie zurück auf die Matratze zu ziehen, doch sie rührte sich kein Stück, sondern stemmte sich vehement dagegen. Dann eben nicht. Sollte sie doch hier stehen bleiben und sich eine Lungenentzündung holen. Er jedenfalls würde jetzt schlafen. Das hier war definitiv die falsche Uhrzeit, um Zukunftspläne zu schmieden.


Unglaublich wie hartnäckig diese Frau war. Sie mochte ja wirklich süß und lieb und oft richtiggehend entzückend sein, aber sie war eben auch so stur, dass man sie manchmal einfach nur verfluchen konnte. So wie jetzt gerade, als sie sich so lange weigerte damit aufzuhören ihn zu schütteln, bis er sie irgendwann verschlafen anblinzelte.
„Fr... Friedenswächter...“, presste Bina ängstlich hervor. Sein Gehirn, das noch auf Sparflamme zu laufen schien, brauchte einen Moment, um zu verarbeiten, was sie da gesagt hatte, dann setzte er sich blitzschnell auf und starrte sie erschreckt an, hoffte innerlich, dass sie sich entweder einen ziemlich miesen Scherz mit ihm erlaubte oder das hier ein Albtraum war und er gleich wieder bei der tanzenden Bina aufwachte. Doch die hier in diesem Raum sah äußerst echt aus und ihr Gesicht zeichnete sich im Mondlicht kalkweiß ab. Das hier war weder ein Scherz noch ein Traum.


„Sie haben uns entdeckt!“
Er sprang auf und eilte zum Fenster, um sich selbst von dem zu bestätigen, was sie längst gesehen hatte. Ein Jeep, wie nur Friedenswächter ihn fuhren, hatte unten geparkt, der letzte von ihnen schulterte gerade seine Waffe und kletterte aus dem Wagen.
„Scheiße!“, entfuhr ihm wenig hilfreich. Er warf einen Blick nach unten und dann einen verzweifelten nach oben, als wäre vielleicht seit dem ersten Tag hier, an dem er ihre Fluchtmöglichkeiten von diesem Zimmer aus durchgegangen war, auf magische Weise eine Feuerleiter oder etwas ähnliches gewachsen. Keine Möglichkeit aus dem Fenster zu flüchten. Weder nach oben, noch nach unten.



„Scheiße!“, fluchte er noch einmal, lief zum Schrank und holte wahllos warme Kleidung und ihre Schutzwesten heraus, die er Bina zuwarf, während er selbst auf einem Bein herum hüpfte und versuchte Hose, Weste, Pullover und Schuhe gleichzeitig anzuziehen. Dann griff er unter das Bett, zog den schweren Metallkoffer hervor, der ihm in den letzten Wochen als einziges in diesem Raum ein Gefühl von Schutz gegeben hatte, öffnete ihn und reichte Bina ihre Waffe und Munition. Er schnapptesich selbst die beiden verbliebenen Pistolen, lud sie und stellte sich leise ein Stückchen hinter die Zimmertür, bedeutete seiner Freundin herzukommen, aber hinter seinem Rücken Schutz zu suchen.


Sie konnten bereits die schweren Stiefel der Friedenswächter über die Stiege trampeln hören. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Die Kerle waren gekommen, um sie zu holen und sie saßen hier in der Falle! Sie konnten nirgends hin. Es gab nur noch einen Weg hier raus und zwar vorwärts. Dass sie in der Unterzahl waren, hieß nicht, dass sie kampflos untergehen würden. Wie viele konnten in so einem Jeep Platz haben? Sechs? Acht vielleicht? Bestimmt nicht mehr als acht. Höchstens zehn.



Zehn. Zwei Soldaten, die kaum ihre Ausbildung beendet hatten, mit drei mickrigen Pistolen gegen eventuell mehr als zehn voll ausgebildete und bis an die Zähne bewaffnete Friedenswächter. Sie waren so gut wie verloren, aber daran durfte er jetzt einfach nicht denken. Nicht solange Bina neben ihm stand und sich auf ihn verließ. Er würde ohne Rücksicht auf sich selbst kämpfen bis zum bitteren Ende, um sie zu beschützen, selbst wenn er am Ende vielleicht nichts anderes mehr tun konnte, als einem Friedenswächter ins Bein zu beißen.


„Hör zu...“, wandte er sich leise, aber eindringlich an sie und sah ihr dabei fest in die Augen. „Wir haben einen einzigen Vorteil. Die wissen nicht, dass wir sie erwarten. Du bleibst hinter mir und sobald sich eine Gelegenheit bietet, schlüpfst du zwischen ihnen durch und rennst so schnell dich deine Beine tragen.“
Immerhin war der Jeep leer und die Kerle quasi in schwerer Rüstung. Bina war klein und leichtfüßig und sobald sie aus dem Hotel draußen war, konnte sie in einer Seitengasse verschwinden.


„Am besten, du schlüpfst irgendwo in einen Gulli und wartest im Kanal, bis die Luft rein ist.“
Kapitoler gingen vermutlich gar nicht davon aus, dass irgendwer freiwillig in dieser stinkenden Kloake verschwand. Bevor er ein paar Jahre in Distrikt 13 verbracht hatte, hätte er selbst in größter Verzweiflung keinen Gedanken an diese Idee verschwendet.
„Wichtig ist, dass du losläufst und nicht stehen bleibst, egal was passiert...“ Er zwang sich zu einem Lächeln und strich ihr vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihre Haare sahen vom Schlafen noch ganz verknuddelt und durcheinander aus und sein Lächeln wurde ein bisschen ehrlicher.


„Es ist wichtig, dass einer von uns in 13 Bericht erstatten kann, was passiert ist.“
Und dass sie wieder sicher nach Hause kam.
„Die werden dir bestimmt sagen, wo du dich verstecken kannst und dich dann so bald wie möglich hier herausholen. Mach dir keine Sorgen um mich. Wenn die Friedenswächter mich verhaften ist das nicht so schlimm. Mein Dad holt mich bestimmt raus.“
Oder – was wahrscheinlicher war – sie fanden nun doch noch heraus, dass sein Vater ihm letztes Mal die Flucht ermöglicht hatte und steckten ihn zu ihm in die Zelle...falls er überhaupt eine lebend erreichte, aber das war jetzt egal. Wichtig war, dass Bina glaubte, dass es kein Problem war, wenn sie ihn zurückließ und ihr eigenes Leben schützte.
„Glaub mir, am Ende bin ich schneller wieder zurück in 13 als du...“
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Alter: 27
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Collin Jefferson am So 4 Jan - 21:41:46

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
ca. 2:00 Uhr
Collin Jefferson

CF: Collin Jeffersons Wohnung


Mit dem Müsliriegel im Mund steckend, sprang Collin motiviert noch vor seinen Kollegen aus dem Einsatzwagen. Tief atmete er die frische Nachtluft ein und zog den Reißverschluss seiner Uniformjacke zu. Endlich! Die Einsatzbesprechung und die Vorbereitungen dafür hatten länger gedauert, als der Einsatz es tun würde. Vorfreudig streckte Collin lockernd seine Glieder. Vermutlich war es eine recht einfache Festnahme, immerhin handelte es sich nur um eine junge Frau, aber dennoch war es das spannendste, was ihm seit Tagen, nein Wochen passierte! Beim letzten größeren Einsatz hatte seine Truppe ein Mädchen aus einem Club sicher gestellt, welches sich äußerst kapitolsfeindlich gezeigt hatte, aber da hatte er auch nur die Umgebung gesichert und nur zusehen können bei der Verhaftung.

Rogers, sein Vorgesetzter trat neben ihn und nach einem kurzen Seitenblick, den Collin förmlich auf sich spüren konnte und einem leisen Schnauben, wurde ihm auch schon wenig sanft der Müsliriegel aus dem Mund gezogen. Collin räusperte sich verlegen, während Rogers den Riegel demonstrativ warnend in der Hand zusammendrückte und ihm schließlich grob zurück in die Tasche quetschte. Geräuschvoll schluckte Collin den Bissen in seinem Mund hinunter und versuchte sich an einem entschuldigenden Lächeln, doch die Aufmerksamkeit seines Vorgesetzten lag jetzt ohnehin auf dem gesamten Einsatzteam, welches außer aus Collin und Rogers noch aus vier weiteren Kollegen bestand.

Mit unterdrückter Stimme stellte der Vorgesetzte noch einmal klar: „Das hier wird eine einfache, saubere Verhaftung. Im besten Fall bekommt niemand, im schlechtesten Fall ein paar Bewohner des Hotels etwas mit. Nichts dringt nach außen, verstanden?“ Kollektives Nicken. Collin verkniff sich ein Augenrollen und trat auf den Füßen. Das hatten sie doch bei der Besprechung schon alles durchgekaut. Sicher, nicht alle teilten seine Erfahrung, besonders die Neue, Meg brauchte sicher noch den ein oder anderen Hinweis. Kurz sah Collin zu ihr hinüber, doch die fixierte wie üblich nur stur ihren Vorgesetzten. Spaßeshalber hatte er sie einmal grinsend gefragt, ob sie ihn verfolgen würde, sie war nämlich vom Kapitol nach Distrikt 2 für ihre Ausbildung gekommen und dort hatte er sie im Trainingscenter bereits gesehen, wenn sie auch nicht in derselben Stufe gewesen war. Und nun trafen sie sich eben hier wieder und sie war sogar in seine Einheit versetzt worden. Das war doch ein lustiger Zufall, oder nicht? Naja, nicht für sie. Denn daraufhin hatte er sich nur einen so eisigen Blick eingefangen, der ihn heute noch schaudern ließ. Seltsames Mädchen.

Er konzentrierte sich wieder auf Rogers, der die letzten Anweisungen eintrichterte und hinauf an der Hotelfassade zeigte: „Die Zielperson befindet sich im dritten Stock im Zimmer am Ende des Flures.“

Auch das hatten sie schon durch und wieder nickten alle einstimmig, bis es schließlich endlich los ging. In geschlossener, vorher festgelegter Formation marschierten sie in das Hotel, Collin leicht versetzt hinter Rogers, anschließend der Rest der Truppe. Der ziemlich verschlafen wirkende Rezeptionist schrak heftig auf hinter der Rezeption, doch wurde dieser reibungslos sofort von Levy, dem zweitlängsten Mitglied der Einheit neben Collin, ruhiggestellt. Die Umgebung immer wieder sorgfältig sichernd, in dem immer ein Teil des Teams ausschwärmte, arbeiteten sie sich vor bis ins dritte Stockwerk.

Collin, für den Moment an der Seite von Rogers machte einen über den reibungslosen Verlauf bisher äußerst zufriedenen Ausfallschritt, gefolgt von einer Drehung. Dann hielt er grinsend seine gehobenen Daumen vors Gesicht seines Vorgesetzten, dessen Miene sich prompt verfinsterte. „Was zum Teufel tust du da?“, fauchte Rogers ihn an und einen Moment lang überlegte Collin, was er gerade getan hatte, bis es ihm wieder einfiel.

„Oh das. Wie, sie kennen das nicht? Na aus dem neuen Film! Die beiden Friedenswächter, die als Partner…?“, verständnislos blickte Collin in die regungslose Miene seines Vorgesetzten. „Haben Sie den nicht gesehen? Nein, vermutlich nicht. Ich wette, Meg hat ihn gesehen!“ Er deutete zu den anderen Kollegen, wo sich irgendwo dazwischen auch die junge Frau befand, hatte einfach wahllos einen seiner Kollegen dafür genannt. Und von ihr glaubte er immernoch am ehesten, dass sie so etwas wissen könnte. Ohne auf eine Antwort von ihr zu warten, die sowieso nicht kommen würde, fuhr er auch schon fort: „Ist ja auch nicht so schlimm, ist immerhin nicht der Beste, wenn Sie mich fragen, aber es ist nunmal, was wir bekommen können und naja, für die abendliche Unterhaltung taugt es schon, und…“
„Collin!“
„Ja, Sir?“, fuhr er aus seinem Redeschwall auf und sah seinen verwunderlicherweise langsam köchelnden Vorgesetzten an, der zischte: „Sei still.“
Collin räusperte sich leise und murmelte kleinlaut zurück: „Ja Sir.“

Sein Vorgesetzter seufzte gottergeben und fasste sich an die Nasenwurzel, ehe er tief durchatmete und Collin ernst ansah, der mittlerweile die Schultern etwas hochgezogen hatte und, wie so oft, entschuldigend lächelte. „Hör mir gut zu, Kleiner. Und damit meine ich, Mund. Zu. Nein!“, unterbrach er ihn sofort, als Collin den Mund aufmachen wollte, „Mund zu. Ich will, dass du diese Verhaftung ausführst, du bekommst die Leitung des Einsatzes.“

Collins Augen weiteten sich aufgeregt und ohne es zu merken, trat er auf den Füßen, doch der geringste Ansatz einer Antwort wurde wieder mit einer energischen Geste unterbrochen. „Und wenn du deinen Job gut machst, werde ich dich morgen vielleicht zu einem meiner Kollegen schicken. Alexander Henderson, vielleicht hast du schon von ihm gehört.“
Collin nickte eifrig und presste die Lippen aufeinander, um den ihm auf der Zunge liegenden Redeschwall zurückzuhalten, damit der den Befehl seines Vorgesetzten einhielt. Natürlich hatte er von dem Kerl gehört! Er war in der Leibgarde des Präsidenten. Des Präsidenten! Aufgeregt kam ein leiser Ton aus seiner Kehle, obwohl er noch immer die Lippen fest geschlossen hatte.
Die Augen seines Vorgesetzten verengten sich sichtbar, als erwarte er schon, dass Collin mit etwas herausplatzen würde, doch da hatte er sich geschnitten. Natürlich würde er den Befehl, die Klappe zu halten, auch einhalten! Obwohl er wirklich, wirklich gerne etwas dazu sagen würde… Konnte er jetzt vielleicht endlich mal fortfahren?!

Der höherrangige Friedenswächter rollte mit den Augen, schien das geringe Zeitfenster, das ihm noch ohne Unterbrechung blieb, zu erkennen, und fuhr fort: „Er wird sich dich ansehen, und vielleicht“, betonte er, „vielleicht zu dem Schluss kommen, dass du irgendwann, so der Präsident es wolle, geeignet bist für einen Job in der Leibgarde.“

Begeistert salutierte Collin und nickte damit die Entscheidung ab, nahm die Aufgabe mit stolz geschwollener Brust an. Diese Nacht wurde ja immer besser! „Also gut, schnappen wir uns die bösen Jungs“, imitierte er mit tiefer Stimme den berühmten Helden eines Filmes und klappte mit dramatischer Bewegung das Visier seines Helms herunter. Sein Vorgesetzter schüttelte schnaubend den Kopf und fasste sich mit der behandschuhten Hand an die Stirn des Helmes, während sich ein Kollege neben ihm zu ihm neigte und murmelte: „Echt jetzt, Boss?“

„Klappe, Levy!“, tönte Collin, bevor sein Boss dazu etwas sagen konnte, zeigte mit dem Zeigefinger auf ihn und straffte sich: „Ich mach das besser, als du es je könntest.“ Deswegen übertrug der Einsatzleiter ja auch ihm die Führung, was er aber nicht laut aussprach. Er grinste. Das wusste sein Kollege ohnehin schon.

Zeit, wieder ernst zu werden und zu zeigen, was er konnte. Die Frischlinge in ihrem Team würden sich umsehen, wie perfekt er arbeitete!
Also begann er stumm, jetzt, da sie dem Zimmer der Zielperson immer näher kamen während sie den Flur entlang schlichen, mit den Fingern seine Kollegen anzuweisen und in bestimmte Positionen zu verteilen. Er selbst postierte sich mit gezogener und entsicherter Waffen direkt neben der Türe, ein Friedenswächter hinter ihm, zwei auf der anderen Seite der Türe und der Rest sichernd im Hintergrund.

Und nach einem tiefen Durchatmen legte er los. Er sprang vor und trat kräftig die morsche Türe ein, die mit wenig Widerstand nachgab und nach innen aufflog. Den Überraschungsmoment nutzend, stürmte er sofort die Wohnung, zusammen mit den anderen Friedenswächtern, von denen jeder einzelne seinen Platz und seine Aufgabe einwandfrei kannte.

Dann erhob er die Stimme, laut genug, um gut hörbar zu sein, aber nicht zu laut, um andere mögliche Bewohner aufzuschrecken. Levy hatte die Information aus dem Buchungscomputer weitergegeben, dass auf diesem Stockwerk noch weitere Bewohner waren. „Miss Aurora Stonem, im Namen des Präsidenten verhafte ich Sie für das Aussprechen und die Verbreitung von kapitolsfeindlichem Gedankengut. Ergeben Sie sich widerstandslos und Ihnen wird nichts geschehen. Andernfalls zwingen und befugen Sie uns, Gewalt anzuwenden“, ratterte er ernst und nachdrücklich einwandfrei seinen Text herunter und trat dabei, noch immer mit drohend erhobener Waffe und gedeckt von seinem Team auf die junge Frau zu, in der Hoffnung, sie würde sich einfach ergeben. Aber sie wirkte nicht, wie die Furie, die sie aus dieser Disco gezerrt hatten. Vielleicht war sie ja vernünftiger…

Mit jeder Faser seines Körpers angespannt und in höchste Alarmbereitschaft versetzt, vorbereitet auf sämtliche Vorkommnisse, wartete er auf eine Reaktion.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Bina Mahoney(n.a.) am So 4 Jan - 23:27:04

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
Ca. 2:00 Uhr
Charlie & Bina

Zum Glück begriff Charlie schnell. Er sprang sofort aus dem Bett und eilte zum Fenster. Im Gegensatz zu Bina, die vollkommen verängstigt mitten im Raum stand, wusste er, was zu tun war. Er griff unter das Bett und holte ihre Waffen hervor, anschließend riss er wahllos Kleidung für sie beide aus dem Schrank und warf Bina ihre zu. Ohne weiter darüber nachzudenken zog sie sich um und nahm schließlich ihre Waffe in die Hand. Mit zittrigen Fingern lud sie sie, während sie sich mit Charlie hinter der Zimmertür positionierte.

Die Schritte der Friedenswächter waren bereits zu hören. Es war nur noch eine Frage von Sekunden, bis sich die Tür öffnen und Bina und Charlie entdeckt würden.
„Hör zu“, sagte er und schaute sie ernst an. „Wir haben einen einzigen Vorteil. Sie wissen nicht, dass wir sie erwarten. Du bleibst hinter mir und sobald sich eine Gelegenheit bietet, schlüpfst du zwischen ihnen durch und rennst so schnell dich deine Beine tragen.“

Skeptisch schaute Bina Charlie an. Da kamen gerade wer weiß wie viele bis an die Zähne bewaffnete Friedenswächter die Treppe hoch. Selbst wenn sie es irgendwie schaffen sollte, an ihnen vorbei zu kommen, würde im nächsten Augenblick auf sie geschossen werden. Das war doch verrückt. Hilflos schüttelte sie den Kopf.
„Das klappt doch nie!“, meinte sie mit heiserer Stimme.
„Und was machst du? Du kannst es nicht allein mit dieser Meute da draußen aufnehmen.“
Manchmal war er so ein Idiot. Was hatte er denn davon, wenn er versuchte den Helden zu spielen? Doch auf sie ging er gar nicht erst ein, sondern sagte ihr weiterhin, was sie zu tun hatte.
„Es ist wichtig, dass einer von uns in 13 Bericht erstatten kann, was passiert ist. Wichtig ist, dass du losläufst und nicht stehen bleibst, egal was passiert...“
Bina verstand, was er ihr sagen wollte. Er verlangte, dass sie ihn zurück ließ. Dass sie ihn einfach so hier im Stich und ihn seinem Schicksal überließ. Sie konnte ihn nur fassungslos anstarren, während er ihr mit einem breiten Lächeln die Haare aus dem Gesicht strich.

„Mach dir keine Sorgen um mich. Wenn die Friedenswächter mich erwischen ist das nicht so schlimm. Mein Dad holt mich bestimmt raus. Glaub mir, am Ende bin ich schneller wieder zurück in 13 als du…“
Er wollte ihr Mut machen und ihr die Angst nehmen. Dafür war Bina Charlie dankbar, doch er konnte doch nicht ernsthaft annehmen, dass sie irgendetwas davon glaubte, was er ihr hier weiszumachen versuchte.
„Du lügst. Du lügst und das weißt du ganz genau“, flüsterte sie und boxte ihn gegen den Oberarm. Die Friedenswächter kamen immer näher.
„Nur, dass du es weißt: ich lasse dich hier nicht zurück“, meinte sie und versuchte, möglichst mutig zu klingen, während sie zitternd ihre Waffe durchlud.

Wie schaffte es Charlie nur, so tapfer und furchtlos zu wirken, während sie ein einziges Nervenbündel war? Sie war doch diejenige, die ihr Leben lang dazu ausgebildet worden war, ein Soldat zu sein. Sie tat seit zwanzig Jahren nichts anderes, als sich auf solche Konfrontationen und Krieg vorzubereiten und jetzt war scheinbar Charlie der einzige Grund, warum sie nicht vollkommen durchdrehte vor Angst.

„Meine Schuld…“, entfuhr es ihr plötzlich.
„Das ist alles meine Schuld.“ Mit panischem Blick schaute sie zu Charlie auf und klammerte sich in seinen Ärmel.
„Ich hätte auf dich hören sollen. Ich war Gus gegenüber zu respektlos und jetzt hetzt er die Friedenswächter auf mich. Auf uns. Es tut mir so leid. Ich…“
Charlie presste ihr die Hand auf den Mund und bedeutete ihr, still zu sein. Auf dem Flur konnte man das leise Knarzen der Dielen hören. Charlie sagte nichts, doch sein Blick sagte Bina, dass sie sich jetzt konzentrieren musste. Sie durfte jetzt nicht schwach sein. Ihre Finger umfassten fest ihr Gewehr. Sie hatten die ganze Zeit mit dem Risiko gelebt, eines Tages aufzufliegen und jetzt war es soweit.

Erschrocken fuhr Bina zusammen, als die Zimmertür aufgetreten wurde. Doch es war nicht ihre Tür. Es war auch weder ihr noch Charlies Name, der dort genannt wurde. Diese Person, wegen der die Friedenswächter im Hotel aufgetaucht waren, befand sich vielleicht nur zwei Räume von ihnen entfernt und empfand nun sicher die Todesangst, die gerade ganz langsam von Bina abfiel. Dieses Mal schienen sie noch einmal Glück gehabt zu haben, doch vielleicht waren sie die Nächsten. Bina konnte einfach nicht aufhören zu zittern und schaute ängstlich zu Charlie. Sie wagte es kaum zu atmen. So lange die Friedenswächter in ihrer Nähe waren, bestand die Gefahr, dass sie doch noch entdeckt werden konnten. Das kleinste Geräusch konnte sie noch immer auf sie aufmerksam machen.

Zaghaft griff Bina nach seiner Hand und entfernte sich mit ihm von der Tür. Ohne den Blick jedoch von dieser abzuwenden setzte sie sich mit Charlie auf das Bett. Sie rutschte dicht an ihn heran und verschränkte ihre Finger mit seinen. Sie fürchtete beinahe, zusammen zu brechen, wenn sie ihn los ließ.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Gast am Mo 5 Jan - 0:45:16

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
ca. 2:00 Uhr
Collin Jefferson & Aurora Stonem

[c.f. Caesars Kommentatorenbereich]

Zufrieden sitze ich Kaugummi kauend auf dem weichen Doppelbett des Zimmers, welches ich immer miete, wenn ich mal wieder hier bin und blättere in der neuen Ausgabe meiner Lieblingsmodezeitschrift, während ich darauf warte das Lloyd mit etwas Essbarem und mehr Alkohol zurück kommt, damit wir Runde zwei starten können. Dieser Mann ist besser im Bett als es scheint, aber im Großen und Ganzen auch nur Durchschnitt. Trotzdem reicht es für meinen heutigen Spaß. Zwar hätte ich gedacht, dass er besser bestückt ist, dafür weiß er aber, wie er damit um zu gehen hat. Gerade als ich mir einen Artikel über eine neue Schlankheitskur durchlese, bekomme ich den Schreck meines Lebens, als die Tür meines Zimmers mit einem gewaltigen Schlag aufgetreten wird. Ein Friedenswächter bleibt vor mir mit geladener Waffe stehen, die er direkt auf meinen Kopf zielt.
„Miss Aurora Stonem, im Namen des Präsidenten verhafte ich Sie für das Aussprechen und die Verbreitung von kapitolsfeindlichem Gedankengut. Ergeben Sie sich widerstandslos und Ihnen wird nichts geschehen. Andernfalls zwingen und befugen Sie uns, Gewalt anzuwenden“

Vor Schreck starre den Mann und seine Waffe an, wie ein verängstigtes Kaninchen. Mein Puls rast, ich traue mich nicht, mich zu bewegen. Ich habe was?... Langsam, sehr sehr langsam begreife ich, was dieser Kerl von mir will. Verhaften. Für kapitolsfeindliches Gedankengut??? Ich... Was? Ich und...was???? Er will mich Verhaften für etwas... das ich nicht getan habe und nicht vorhatte jemals zu tun. Na der kann was erleben.
Meine Angst, wandelt sich langsam Stück für Stück in Wut.
"Woah Woah Woah. Mal halb lang mein Freundchen!" sage ich ernst, hebe aber meine Hände, damit er sieht dass ich nichts habe. "Erstmal.." beginne ich leicht gereizt. "Schonmal was von Klopfen gehört? Das hier..ist ein Hotel. Ist ihnen nicht mal in den Sinn gekommen, dass ich hätte nackt sein können?"
Gut ich trage jetzt gerade auch nur Unterwäsche unter einem Bademantel, aber es geht hier ums Prinzip.
"Zum Zweiten: Was. Zum. Arsch. Haben sie sich mal reden gehört? Wie kommen sie darauf mich derartig an zu schuldigen??? Wissen sie überhaupt WER ICH BIN?" zicke ich ihn an und komme einen Schritt auf ihn zu, unbeeindruckt von seiner Knarre. Ich greife nach meiner Zeitschrift und rolle sie ein. "Ich bin Aurora Cynthia Britney Stonem, Tochter von Lucius Stonem. Meine Schwester ist Betreuerin von Distrikt 3, mein Vater ein hoch angesehener Spielmacher und ICH bin personal Assistent von Caesar Flickerman. Ich wurde im Kapitol geboren, bin hier aufgewachsen und gehöre zur mittleren Oberschicht und da wagen sie es sich solche Anschuldigungen zu erlauben?" Ich haue ihm mit der eingerollten Zeitung auf den Arm. Soll er mich doch erschießen, dann hat er eine Unschuldige getötet. "Schämen sollten sie sich eine Frau um diese Uhrzeit derart zu belästigen. Schämen!"
Ich funkele ihn finster an.
"Wann und wo soll ich was gesagt haben hm? ICH WILL BEWEISE! Vorher lasse ich mich wegen gar nichts verhaften!" brülle ich ihn an.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Meg Coneman am Do 15 Jan - 19:20:03

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
ca. 2:00 Uhr
Collin Jefferson & Aurora Stonem

Meg kletterte aus dem Jeep und atmete angespannt die kalte Nachtluft ein, während sie wie jedes Mal knapp vor einem Einsatz mit den Händen unauffällig ihre Uniform abtastete und im Kopf durchging, ob sie auch alles dabei hatte, die Schutzweste auch richtig saß und sie bereit war. Sie unterdrückte den Drang, das Visier herunterzuklappen, da ihr Einsatzleiter dies noch nicht getan hatte.

Immer wieder wanderte ihr Blick zu dem verhältnismäßig kleinen und schlichten Hotel, das die meisten Gäste wohl nur aufsuchten, da es ein wenig abgelegen lag und den Ruf hatte 'diskret' zu sein. Ihre Zielperson – so hatten sie bei der Besprechung erfahren – befand sich aus eben diesem Grund heute Nacht hier. Ihr Begleiter – ein männlicher Weißer Anfang dreißig – war für sie nicht von Interesse und würde dem Einsatzplan nach unversehrt bleiben und mit dem Schrecken – und vielleicht der Lehre das nächste mal darüber nachzudenken, mit wem er sich einließ - davon kommen, sofern er sich der Verhaftung seiner Freundin nicht widersetzte. Was – ihrer immer noch eher bescheidener Erfahrung nach – eher selten passierte. Die meisten waren wohl einfach froh, keine Schuld für den Umgang, den sie pflegten, zu bekommen.

Sie atmete tief durch, straffte die Schultern und richtete ihre Aufmerksamkeit auf ihren Vorgesetzten, der gerade... einen Müsliriegel in der Hand zerquetschte und Jefferson in die Uniform stopfte, der daraufhin endlich aufhörte zu kauen und den Einsatzleiter angrinste wie ein dummes Schaf.

Meg rollte mit den Augen. So einen gab es wohl in jeder Truppe. Hielt alles für ein Spiel und fand sich dabei selbst auch noch unglaublich witzig. Sie ignorierte den Kerl und fixierte lieber Rogers, der ihnen seine Befehle zukommen ließ, bevor es endgültig losging.

„Das hier wird eine einfache, saubere Verhaftung. Im besten Fall bekommt niemand, im schlechtesten Fall ein paar Bewohner des Hotels etwas mit. Nichts dringt nach außen, verstanden?“, schärfte er ihnen noch einmal ein und Meg nickte entschlossen.

Natürlich. Ihre Truppe würde schnell, leise und selbstverständlich äußerst professionell vorgehen – zumindest wenn alle sich dementsprechend verhalten würde. Sie vermied es, dem kleinen Wiederkäuer einen skeptischen Blick zuzuwerfen. Eigentlich war sie erst seit kurzem in dieser Einheit und normalerweise brauchte sie in Gruppen immer ein bisschen länger, bis sie die Leute gut genug kennengelernt hatte, um sie richtig einschätzen zu können, aber sie wusste jetzt schon, dass man der Kerl den Mund wohl erst mit Leim zukleben musste, damit er mal länger als eine Minuten die Klappe hielt.

„Die Zielperson befindet sich im dritten Stock im Zimmer am Ende des Flures.“ 
Wieder nickte sie. Dritter Stock. Sie schloss kurz die Augen und stellte sich den Flur und die genaue Position des Raumes, auf den sie zugreifen würden, vor. Nicht auszudenken, wenn sie aus einer Fehleinschätzung heraus, dort oben für einen Moment so wirken konnte, als wollte sie ins falsche Zimmer gehen. Das durfte und würde natürlich auf keinen Fall passieren. Sie war perfekt vorbereitet. Wie immer.

Das Betreten des Hotels gestaltete sich so reibungslos, wie sie den Ablauf vorhin durchgegangen waren. Die Rezeptionistin war so unaufmerksam, dass sie sie beinahe nicht gesehen hätte und leistete keinen Widerstand, die Gänge waren – der Uhrzeit nach logischerweise – vollkommen menschenleer und sie schafften es immerhin in den dritten Stock, bis Collin Jefferson sich einmal mehr, wie ein Idiot benehmen musste und in einer offensichtlichen, aber linkischen Hommage an Apollonius Greenleaf - einen momentan extrem populären Schauspieler in seiner neuesten Rollen – dämlich herum hampelte und ihrem Vorgesetzten mit dem Daumen nach oben deutete, dass der Gang gesichert war. 

Wie konnte man sich nur so kindisch aufführen?! Auf einem Einsatz! Es ging hier immerhin um die Sicherheit des Staates und Jefferson glaubte ganz offensichtlich, dass er hier einfach den Actionhelden spielen konnte. Warum konnte sich der Kerl nie zusammenreißen?
„...vermutlich nicht. Ich wette, Meg hat ihn gesehen!“, behauptete er da auch noch ganz dreist.

Sie warf ihm einen absolut todbringenden Blick zu und wenn nicht jedes Geräusch ihren Einsatz gefährden hätte können, hätte sie ernsthaft darüber nachgedacht, ihm noch mit dem Schlagstock eins überzuziehen, wenn Rogers nicht hinsah! Wie konnte er es wagen, sie auch noch in seine Inkompetenz hineinzuziehen?! Arsch!
Und wieso überhaupt sie? Klar ging sie hin und wieder ins Kino, wie alle normalen Menschen, aber deswegen war sie noch lange nicht der Filmfreak der Truppe. Hatte sie sich in letzter Zeit irgendwie unbedacht geäußert und ihren Kollegen irgendeinen Anlass dazu gegeben, anzunehmen, dass sie ihr Privatvergnügen irgendwie wichtiger nahm als ihren Job?

Nein, bestimmt nicht. Collin war einfach nur ein Idiot, der sie ärgern wollte.
„Collin!“ 
„Ja, Sir?“ 
„Sei still.“ 
Meg unterdrückte ein erleichtertes Seufzen. Endlich sagte es einmal jemand.
„Hör mir gut zu, Kleiner. Und damit meine ich, Mund. Zu. Nein! Mund zu. Ich will, dass du diese Verhaftung ausführst, du bekommst die Leitung des Einsatzes.“ 

Ihr Kiefer klappte nach unten und sie tat schnell das gleiche mit ihrem Visier, um das zu vertuschen. 
Was zur Hölle...?! Wieso leitete der einen Einsatz?! 
Gut, er war hier von ihrem Vorgesetzten abgesehen der Dienstälteste und soweit sie mitbekommen hatte, war er ein verdammt guter Schütze, wenn er einmal die Klappe hielte und sich aufs Zielen konzentrierte, aber er nahm absolut nichts ernst. Was sollte er mit der Frau machen? Sie solange von der Seite her zu Tode quatschen, bis sie freiwillig in ihren Jeep sprang und brüllte, dass sie sofort ins Gefängnis gefahren werden wollte?
„Und wenn du deinen Job gut machst, werde ich dich morgenvielleicht zu einem meiner Kollegen schicken. Alexander Henderson, vielleicht hast du schon von ihm gehört.“ 

Sie presste die Lippen fest zusammen. Nicht ganz ohne Neid. Collin war dienstälter und erfahrener. Außerdem gehörte Henderson zur Leibgarde des Präsidenten. Wenn man dort einmal drin war, blieb man im Normalfall bis zum Dienstende. Das wollte sie ohnehin nicht. Sie hatte immer noch die Hoffnung früher oder später in einen interessanten Distrikt versetzt zu werden. Allerdings fragte sie sich ernsthaft, ob sich der Präsident freuen würde, wenn eine seiner persönlichen Wachen ihm Tag und Nacht das Ohr abkaute, aber das war ohnehin nicht ihr Problem. In diesem Moment zählte nur, dass dieser Einsatz problemlos klappte und damit um Grunde, dass Jefferson ihn nicht verkackte.

Der sprang unterdessen herum wie ein über motivierter Welpe in einer Tierhandlung und vergewaltigte gerade den nächsten Film, als Rogers seine Entscheidung schon wieder zu bereuen schien. 
„Echt jetzt, Boss?“, sprach Levy aus, was sie vermutlich alle – inklusive ihres Vorgesetzten – dachten.
„Klappe, Levy!“ 
Collin straffte sich und nahm endlich etwas ein, das man halbwegs als professionelle Haltung bezeichnen konnte. „Ich mach das besser, als du es je könntest.“ 
„Das bezweifle ich irgendwie...“, murmelte sie leise, während sie an Levy vorbei ging, um Jefferson in das Hotelzimmer zu folgen und die Mundwinkel ihres Kollegen zuckten für einen Moment, bevor er ebenfalls das Visier zuklappte und sich bereit machte. Der zweitdienstälteste Friedenswächter ihrer Truppe benahm sich – soweit sie das bisher miterlebt hatte – während der Arbeit durchgehend routiniert und professionell. Ihm wäre sie bedeutend lieber in einen Einsatz gefolgt, aber sie kam in jeder Situation klar. Jetzt würden sie ja mal sehen, was Jefferson abgesehen von seiner großen Klappe wirklich so drauf hatte.

Sie zog ihre Waffe und ging in Position. Keine Sekunde später, trat Collin die Tür ein, hatte die Zielperson lokalisiert und ratterte ohne zu zögern und die standardisierte Rechtsbelehrung herunter.
Meg sicherte in der Zwischenzeit zusammen mit Levy das Badezimmer, das allerdings ebenfalls leer war. Offenbar war Miss Stonems Begleiter schon ausgeflogen, schien ein kurzer Aufenthalt im Hotel gewesen zu sein. Besser für ihn. Und natürlich auch besser für sie. Ganz alleine und umzingelt von sechs Friedenswächtern würde die Frau sich kaum groß wehren. 
Überhaupt wirkte sie nicht, als hätte sie ihnen irgendetwas entgegenzusetzen. Nichts außer große, ängstliche Augen, die vermutlich bei den meisten Männern zogen, allerdings nicht bei perfekt ausgebildeten Profis, wie sie es waren. Collin jedenfalls ließ sich kein Stück davon beeindrucken.

Sie dachte gerade, sie hätten die unspektakulärste Verhaftung ihres Lebens schon längst im Sack, als plötzlich Leben in den schlanken Frauenkörper zurückkehrte und sie Jefferson wütend anfunkelte.
"Woah Woah Woah. Mal halb lang mein Freundchen!", fuhr sie ihn an und Meg war froh, dass ihr Visier ihre Überraschung verbarg. Das... hatte sie bisher noch nie gehört. Schon gar nicht von so einem hilflosen kleinen Persönchen. Die meisten bettelten einfach oder beteuerten ihre Unschuld, aber diese Frau schien sich ja geradezu für unantastbar zu halten.

"Schonmal was von Klopfen gehört? Das hier..ist ein Hotel. Ist ihnen nicht mal in den Sinn gekommen, dass ich hätte nackt sein können?" 
Natürlich. Das nächste Mal würden sie einfach klopfen und warten, bis sie durchs Fenster abgehaut war, bevor sie eintraten. Wie dumm von ihnen. Als ob sie noch nie eine nackte Frau gesehen und damit im Notfall nicht umgehen konnten. Außerdem schien die rothaarige Furie ohnehin kein Interesse daran zu haben, sich zu bedecken. Sie hatte nicht einmal den Bademantel, um ihren Körper geschlungen, wie Meg es in ihrer Situation vermutlich instinktiv gemacht hätte. Nicht, dass sie jemals in so eine Situation geraten würde. Weder mit einem One Night Stand in irgendeinem abgelegenen Hotel zu landen, noch – und natürlich erst recht überhaupt nicht – staatsfeindliches Gedankengut zu verbreiten.

"Zum Zweiten: Was. Zum. Arsch. Haben sie sich mal reden gehört? Wie kommen sie darauf mich derartig an zu schuldigen??? Wissen sie überhaupt WER ICH BIN?" 
Ihre Augen wurden immer größer. Was war nur mit der Frau los? Sie waren Friedenswächter. So ein respektloses Verhalten ihnen gegenüber hatte Meg wirklich noch nie erlebt. Kein Wunder, dass sie verhaftet werden sollte.
„Offenbar ein arrogantes, keifendes Miststück...“, flüsterte Levy ihr leise zu und sie nickte unauffällig, um ihm zu deuten, dass sie der Aussage zustimmte, während sie still in sich hineingrinste und amüsiert beobachtete, wie die Frau sich immer mehr vor Collin aufplusterte und ihren Familiennamen, sämtliche Verbindungen und ihren Job herunter ratterte. Gut, sie war die Assistentin von Caesar Flickerman – das wussten sie alle bereits seit der Einsatzbesprechung – aber nicht Flickerman persönlich – und selbst der hatte sich einer Verhaftung widerstandslos zu fügen. Schließlich waren sie die Staatsgewalt...

Erst als die Frau plötzlich mit ihrer Zeitschrift ausholte und begann, auf Jefferson einzuschlagen, lehnte sich Meg unsicher ein Stück zu Levy hinüber. 
„Sollen wir... eingreifen? Ich meine, sie attackiert ihn im Grunde, oder?“ Normalerweise erlaubte ihnen eine Attacke auf einen von ihnen, Einsatz von Waffengewalt, um den Konflikt schnell und sauber zu beenden. „Aber es ist... eine Zeitschrift... “
Im Handbuch stand nichts davon, ob Zeitschriften oder etwaiges anderes Papier schon in die harmloseste Kategorie von Waffen fielen. Wie sollte man mit einer im Grunde harmlosen, aber unberechenbaren Frau umgehen?

„Nah... Lass uns mal schauen, wie unser Schauspieltalent sich alleine schlägt.“, raunte Levy zurück und Meg nahm wieder Haltung ein, um Collin bei der Arbeit beobachten, fixierte die Zielperson allerdings weiterhin mit der Waffe, bereit jeden Moment Hilfestellung zu leisten, sollte diese sich doch noch zu einer ernsten Gefahr für ihren Kollegen entwickeln und hoffte, dass dieser die Verhaftung schnell und ohne weitere Zwischenfälle erledigte. 

Sie wollte es vor sich selbst kaum zugeben, aber sie fühlte sich ein wenig unwohl in der Gegenwart dieser Frau. Aurora Stonem verkörperte so ziemlich alles, was sie selbst nicht sein wollte. Aufgeblasen, selbstbezogen, lächerlich, bis hin zu der viel zu grellen, bunten Haarfarbe, die ihrer natürlichen erschreckend ähnlich war. Genau deswegen konnte man mit solchen Haaren nicht durchs Leben laufen. Damit konnte man gar nicht erst ernst genommen werden.
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Collin Jefferson am Do 15 Jan - 19:39:58

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
ca. 2:00 Uhr
Collin Jefferson, Meg Coneman & Aurora Stonem

Die junge Frau starrte Collin einen Moment lang so erschrocken aus großen Rehaugen an, dass sie ihm beinahe leid tat. Allerdings nur beinahe. Sie hatte eine Straftat begangen und dafür musste sie jetzt auch gerade stehen. Laut seinen Informationen war sie gebürtige Kapitolerin, die wusste doch eigentlich, wie der Hase lief. Also straffte er sich und würde es einfach schnell hinter sich bringen. Er war bereits im Begriff, seine Waffe wegzustecken, um ihr die Handfesseln anzulegen, als er das Funkeln in ihren Augen sah. Und das kannte er. Alles an ihnen war darauf gedrillt worden, die kleinste Veränderung im Verhalten ihres Gegenübers wahrzunehmen. Und genau dieses Funkeln sagte ihm, dass das hier doch keine einfache, unkomplizierte Verhaftung werden würde. Collin seufzte lautlos, doch seine Glieder reagierten sofort auf die Bewegung der jungen Frau und er riss die Waffe wieder in den Anschlag, genau, wie seine Kollegen hinter ihm es taten, um ihm Deckung und zusätzliche Sicherheit zu geben, als die Zielperson sich aufrichtete, doch während sie sich aufregte, war sie zumindest schlau genug, die Hände zu erheben, sodass sie sie sehen konnten. "Woah Woah Woah. Mal halb lang mein Freundchen!", plusterte sie sich plötzlich auf und Collin legte ungläubig den Kopf schief, glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen. War das ihr ernst...? Anscheinend ja, denn sie fuhr auch sogleich gereizt fort: "Schonmal was von Klopfen gehört? Das hier... ist ein Hotel." Ach was... Und das hier war eine Verhaftung, wie sie vielleicht schon bemerkt hatte... "Ist ihnen nicht mal in den Sinn gekommen, dass ich hätte nackt sein können?", echauffierte sie sich weiter und ehe sie daraus noch mehr eine peinliche Szene machen konnte, trat Collin auf sie zu, steckte dabei die Waffe an sein Holster zurück und hob beruhigend eine Hand, während die andere dennoch weiter über der Waffe schwebte. Längst war klar, dass die Frau unbewaffnet war, mehrere Augen bestätigten ihm das, denn sonst hätten sie bereits einen nachdrücklicheren Zugriff gestartet und die Zielperson handlungsunfähig gemacht. Die Option stand Collin zwar nach wie vor offen - er könnte sie durchaus mit ein paar wenigen Griffen außer Gefecht setzen und in Handschellen legen, aber er baute nach wie vor darauf, die Situation unter angenehmer Kontrolle zu behalten. "Ich muss Sie bitten, sich zu beruhigen, Miss Ston-"

"Zum Zweiten", keifte sie dazwischen, ohne Collin auch nur aussprechen zu lassen. "Was. Zum. Arsch. Haben Sie sich mal reden gehört? Wie kommen sie darauf mich derartig an zu schuldigen??? Wissen sie überhaupt WER ICH BIN?"

Was für eine Frage... Natürlich wusste er das, immerhin versuchte er gerade, sie zu verhaften! Das Wort 'versuch', bei dem es gerade auch blieb, hallte unangenehm nach in seinen Gedanken, blendete dabei das unangenehm schrille Gekeife der Zielperson aus, die sich mit sämtlichen Herrschafts- und Verwandtschaftsgraden vorstellte. Collin war versucht, sich zu verneigen und sich selbst als Kaiser von Distrikt 2 vorzustellen, doch das käme weder bei der Dame, noch bei seinem Vorgesetzten besonders gut an. Also straffte er sich, um dem ganzen ein Ende zu bereiten. Doch plötzlich holte sie aus mit der Zeitung, die sie ganz nebenbei fest zusammengerollt hatte und versetzte ihm damit tatsächlich einen Hieb, wie einem ungezogenen Köter! Was zum...?

Geistesgegenwärtig hob Collin seine freie Hand und ballte sie für seine Kollegen gut sichtbar zur Faust, ein Zeichen, die Finger still zu halten. Denn was der aufgeregten jungen Frau entging, hörte Collin sofort. Das zeitgleiche entsichern gleich mehrerer Waffen. Seine Kollegen reagierten alles andere als falsch auf einen solchen 'Angriff'. Aber das hier war... lächerlich. Er würde kein größenwahnsinniges Püppchen erschießen. Zumal sie die eindeutige Anweisung bekommen hatten, sie unverletzt in Gewahrsam zu nehmen.

"Schämen sollten Sie sich, eine Frau um diese Uhrzeit derart zu belästigen. Schämen!", wiederholte sie dramatisch, konnte sich ja kaum mehr einkriegen. Eine einzige Handbewegung, und seine Kollegen umkreisten die Zielperson, versperrten mögliche Fluchtwege und hielten sie gleichermaßen in Schach, während Collin seine Waffe endgültig wegsteckte, während sie sich weiter aufregte: "Wann und wo soll ich was gesagt haben hm? ICH WILL BEWEISE! Vorher lasse ich mich wegen gar nichts verhaften!"

Ihre Stimme überschlug sich beinahe und Collin hob in einer beruhigenden Geste die Hand. "Miss, das ist nicht Ihre Entscheidung. Wenn ein Missverständnis vorliegt, so seien Sie sich versichert, dass das Kapitol und der Präsident für Ihre Sicherheit sorgen werden."

Der Spielchen jetzt überdrüssig und natürlich auch, weil er hier einen guten Job zu machen hatte, wenn er wirklich an Rogers Kollegen, nein, die Legende empfohlen werden wollte, trat er jetzt mit festen Schritten auf sie zu und machte sie vorschriftsmäßig und flink handlungsunfähig, indem er ihre Arme auf den Rücken bog und ihr Handfesseln um die Gelenke legte.

"Gesichert", sagte er an den Rest der Truppe gewandt, sodass sie sich auf den Abtransport vorbereiteten. Währenddessen nahm er die Zielperson am Oberarm, schob sich aber vor sie und sagte mit unterdrückter Stimme: "Wenn ich du wäre, würde ich jetzt meinen Schnabel halten. Es gibt sicher noch Menschen, die das Drama hier noch nicht mitbekommen haben..."
Eine gut gemeinte Warnung, nicht nur, weil es den Friedenswächtern ihren Job leichter machen würde. Sie war nicht niemand. Damit hatte sie durchaus recht... Und sie konnten darauf verzichten, dass sich Gerüchte verbreiteten, dass Aurora Stonem, Caesar Flickermans Assistentin, inhaftiert wurde.

Wenn sie schlau war, würde sie den Rat annehmen. Dass sie hier so eine Szene machte... sprach nicht unbedingt für sie... Collin erlaubte sich nicht gerne Urteile, das lag nicht in seinem Aufgabengebiet. Aber sie sollte auf die Beweislage vertrauen. Wenn sie unschuldig war... Nun, Collin wusste nicht, ob das immer eine Rolle spielte, ob man im klassischen Sinne 'schuldig' war. Aber wenn sie jemanden verhafteten, dann hatte es einen Grund...
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Alter: 28
Wohnort: Kapitol

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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Gast am So 18 Jan - 19:29:28

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
ca. 2:00 Uhr
Collin Jefferson, Meg Coneman & Aurora Stonem


"Miss, das ist nicht Ihre Entscheidung. Wenn ein Missverständnis vorliegt, so seien Sie sich versichert, dass das Kapitol und der Präsident für Ihre Sicherheit sorgen werden." sagte dieser ungehobelter Kerl von einem Friedenswächter und ehe ich mich versehen konnte hatte er mich gepackt und meine Hände auf dem Rücken in Fesseln gelegt. Das war ja wohl die Höhe!
"Gesichert", sagte er an zur Tür gewandt und schob mich am Oberarm vor sich her. "Wenn ich du wäre, würde ich jetzt meinen Schnabel halten. Es gibt sicher noch Menschen, die das Drama hier noch nicht mitbekommen haben..." Ich schnaubte.
"Ach ja?" zickte ich ihn an und versuchte mich gegen seinen Griff zu wehren. "Na dann hoffen wir doch mal dass sie das hier hören!" kreischte ich so laut los, wie es meiner Kehle möglich war. "UND JETZT LASSEN SIE MICH IN GOTTES NAMEN LOS, SIE PERVERSER SCHUFT!" Aber er ließ nicht locker. Das hatte er nun davon. Schon oft genug war ich irgendwelchen Perversen davon gekommen, die sich an mir vergreifen wollten, da würde mich so ein Friedenswächter nicht aufhalten. Ich beugte mich nach vorn und schlug mit aller Kraft meinen Hinterkopf gegen seine Kehle, die nicht von weißer Panzerung geschützt war. Man konnte ihn ächzen hören, sehr gut. Die Sekunde in der er Überrumpelt war muss man nutzen. Ich riss mich los und warf mich anschließend mit aller Kraft gegen ihn sodass er nach hinten stürzte. "Ich verlange frei gelassen zu werden! Ich verlange meinen Anwalt. Ich verlange EINE ERKLÄRUNG!!!ICH..." weiter kam ich nicht, denn ein stumpfer Schlag gegen meinen Kopf ließ mein Blickfeld kleiner werden. Ich taumelte. Das Letzte was ich wahr nahm war die Stimme einer Frau.
"Gesichert. Erneut."
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Re: Hotel 'Olympus'

Beitrag von Meg Coneman am Mo 19 Jan - 22:53:12

19. November im Jahr der 75. Hungerspiele
ca. 2:00 Uhr
Collin Jefferson, Meg Coneman & Aurora Stonem


Nach dem, was er vorhin im Flur abgezogen hatte, hätte sie nicht unbedingt ausgeschlossen, dass Collin in so einer Situation mit einem dämlichen Zitat aufwarten würde, doch stattdessen sprach er mit vollkommen ruhiger, konzentrierter und bestimmter Stimme auf die hysterische Zielperson ein und versicherte ihr, dass sich das Missverständnis aufklären würde – wenn es denn eines war. Etwas, das Meg sehr zu bezweifeln wagte, denn schließlich lag nicht nur ein Haftbefehl gegen sie vor, sondern sie benahm sich auch noch äußerst verdächtig. Aggressiv, starrsinnig und völlig unkooperativ. Hätte sie wirklich eine reine Weste, hätte sie nichts zu befürchten, was darauf schließen ließ, dass sie sehr wohl Dreck am Stecken hatte.


Collin ging nicht auf die Proteste ein, fackelte nicht lange herum und legte ihr flink und vorschriftsgemäß Handschellen an, womit sich das Papier-Prügel-Problen auch recht schnell in Luft aufgelöst hatte.
"Gesichert", stellte er ruhig fest und Meg ließ wie der Rest ihrer Kollegen langsam die Waffe sinken, während Jefferson seelenruhig ihre Gefangene in Richtung Tür bugsierte. Wurde auch Zeit. Diese Frau nahm deutlich mehr Zeit in Anspruch, als sie gerechnet hatten und so gern sie ihre Arbeit auch machte, heute konnte sie ihr Bett wirklich schon nach ihr rufen hören. Doch keine zwei Meter weiter, fing die Gefangene plötzlich wieder an herum zu kreischen wie eine Alarmanlage.
"Na dann hoffen wir doch mal dass sie das hier hören! UND JETZT LASSEN SIE MICH IN GOTTES NAMEN LOS, SIE PERVERSER SCHUFT!"

Die Waffe sofort wieder im Anschlag fixierte Meg misstrauisch die hysterische Heulboje und wartete darauf, dass sie sich beruhigte. Sie konnte doch nicht ernsthaft glauben, dass diese Art von Widerstand ihr irgendeinen Vorteil brachte? Ganz im Gegenteil, je mehr sie sich wehrte, desto härter wurde die Verhaftung und am Endresultat gab es ohnehin nichts zu rütteln. Aurora Stonem würde mit ihnen dieses Hotel verlassen und sich für ihr Tun verantworten, ob mit Zähnen im Mund oder ohne.
Collin würde sie kaum plötzlich los lassen, nur weil sie herum zeterte und...


In dem Moment beugte sich die Gefangene kurz nach vorne, um gleich darauf mit voller Wucht ihren Hinterkopf gegen Jeffersons Kehlkopf zu schlagen. Von der Attacke mindestens genauso überrascht wie seine Kollegen und schmerzhaft getroffen, taumelte dieser zurück und rang hustend nach Luft. Aurora Stonem warf sich gegen ihn und riss sich von ihm los, doch statt in Richtung Türe zu stürzen und abzuhauen – was allerdings ohnehin von den drei Friedenswächtern, die zwischen ihr und ihrem Ziel standen, verhindert worden wäre – begann nur wieder sich aufzuplustern.


Meg warf einen kurzen Blick auf ihren Kollegen, der sich gerade noch vor Schmerzen gekrümmt hatte und nun vermutlich nach Haltung rang, und ausnahmsweise suchte sie nicht erst nach ihrem Vorgesetzten, um neue Instruktionen abzuwarten, sondern machte äußerlich ruhig und gefasst drei große Schritte in Richtung der rebellierenden Zielperson, während das Blut in ihren Ohren raste. Es interessierte sie einen feuchten Dreck, wie viele Leute diese wahnsinnige Furie kannte und wie wichtig sie zu sein glaubte, oder wie falsch behandelt sie sich auch gerade fühlen mochte. Niemand vergriff sich an ihren Kollegen!
Das war wirklich genug. Sie gaben eine ganze Menge auf für diesen Job, hatten jahrelanges, hartes Training hinter sich gebracht und waren ohne zu zögern bereit, ihr Leben zu riskieren, wenn es notwendig war. Das alles, um in diesem Land für Ordnung und Frieden zu sorgen. Collin hatte sich mehr als vorbildlich verhalten und diese Frau ruhig und höflich behandelt. Sie hatte nicht das geringste Recht ihm hier...


"Ich verlange frei gelassen zu werden! Ich verlange meinen Anwalt. Ich verlange EINE ERKLÄRUNG!!!ICH..."
'...werde jetzt endlich den Mund halten.', ergänzte Meg im Stillen, holte mit ihrer Waffe aus und hieb ihr mit dem Griff so fest sie konnte auf genau die Stelle ihres Kopfes, die im Lehrbuch dafür eingezeichnet gewesen war und auf die sie bisher nur bei Trainingspuppen gezielt hatte und tatsächlich brach die Frau endlich ihre Schrei-Tirade ab und sank langsam zu Boden. Sie richtete sofort den Lauf auf die mittlerweile liegende Zielperson und wartete ab, ob sie sich noch weiter wehrte, bevor sie sich räusperte.
„Gesichert. Erneut.“


Als Aurora Stonem sich nicht mehr rührte, trat sie einen Schritt zurück und nickte Collin langsam zu.
„Jefferson.“ Sie versuchte wenigstens so viel Respekt wie irgendwie möglich in ihre Stimme zu legen, da sie nicht wusste, was sie überhaupt dazu sagen sollte. Ganz bestimmt hatte sie nicht vorgehabt, ihm hier irgendwie in seine erste, große Verhaftung zu pfuschen. Schon gar nicht, da er sich wirklich einwandfrei geschlagen hatte. Konnte doch niemand damit rechnen, dass eine unbewaffnete Frau, die offiziell als harmlos eingestuft worden war, plötzlich so durchdrehen würde. Wenn sie nicht schon vorher Probleme gehabt hätte, jetzt hatte sie die bestimmt. Einfach so brutal einen Friedenswächter anzugreifen, der nichts als seinen Job machte... Durchgeknalltes Miststück!
Sie drückte im Vorbeigehen unauffällig seinen Unterarm, um ihn aufzumuntern.
„Deine Gefangene.“
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Meg Coneman


Charakter der Figur
Alter: 25
Wohnort: Kapitol

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