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Bleibe auf dem Laufenden über das Liebesleben und mysteriöse Verwicklungen der Highsociety Panems


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Park am Stadtrand

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Park am Stadtrand

Beitrag von Panem am So 8 Okt - 17:45:02

Hier findet sich ein wunderschön angelegter Park. Ein See, bunte Blumengärten und große Baumgruppen laden zum verweilen und entspannen ein. Einfach mal die Seele baumeln lassen...? Hier seid ihr richtig...

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Panem


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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Lovelle Dubois am So 8 Okt - 19:14:24

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
18:00 Uhr
Lovelle &Valéry Dubois

“Hallo, meine Schöne.“

Die Stimme erschreckte Lovelle, als sie die Haustür öffnete. „Valéry?“

“Hast du jemand anderen erwartet?“
„Ich? Nein! Ich hatte nur geglaubt, dass du die ganze Woche weg bist.“

Er stand auf und kam langsam durch das Foyer auf sie zu. Mit dem Handrücken strich er sanft über ihr Gesicht. “Deine Wangen sind ganz rot“, stellte er fest.

„Es ist kalt draußen“, log sie, aber er durchschaute es sofort und packte sie mit festem Griff unterm Kinn, um sie so zu zwingen ihn anzusehen. “Lüg…“, presste er mit unterdrückter Wut hervor, “mich nicht an!“ Aber er ließ sofort die Hand sinken, als er ihren ängstlichen Blick nach seiner Drohung sag. “Lovelle… meine treue, schöne Lovelle“, sagte er und zog sie beschützend in seine Arme. “Du weißt, dass ich dich brauche. Ich brauche dich“‘ flüsterte er ihr in die Haare und ließ damit ihre Deckung fallen.

„Soll ich dir ein Bad einlassen? Du bist ganz nass und kalt vom Schnee.“ Er musste gerade erst angekommen sein. Schnell huschte ihr Blick zur großen Uhr. Man brauchte etwa zwei Stunden, zweieinhalb bei schlechtem Wetter aus Distrikt zwei hier her. Er musste kurz nach drei losgefahren sein, wenn er jetzt noch den Eindruck machte, gerade erst zur Tür hereingekommen zu sein. Kurz nach drei. Da war sie im Café gewesen mit… jetzt verstand sie Frédérics Kopfschütteln. Er musste direkt Valéry angerufen haben. Oh, nein! Er hatte ihm sicher auch erzählt, dass sie nicht allein am Tisch gesessen hatte. Deswegen hatte er ihre Erklärung eben sofort hinterfragt.
“Ich ziehe deine Wärme vor“, schnurrte er und hauchte ihr einen Kuss auf den Mundwinkel. “Mehr brauche ich nicht.“ Er schien heute bester Laune zu sein. Hatte Frédéric ihn doch nicht angerufen? „Ich hole uns noch schnell was zu trinken. Geh schon mal ins Schlafzimmer“, schlug sie vor und er nickte, allerdings nicht ohne dabei ihren Mantel aufzuknöpfen. “Lass mich nicht zu lange warten, hörst du?“
„Wie könnte ich?“

In der Küche angekommen holte sie unschlüssig zwei Sektgläser aus dem Schrank, stellte sie aber sofort wieder zurück, da Valéry lieber Rotwein mochte. Wieso war er hier? Hastig fischte sie die Blume, die sie von Santos bekommen hatte aus ihrer Tasche und versteckte sie ganz hinten in einer Schublade. Nicht aber ohne ein leichtes Lächeln, dass von ganz allein auf ihre Lippen huschte. Dann entkorkte sie langsam eine Flasche und füllte die Gläser auf, ehe sie ins Schlafzimmer ging, wo sie eines der Gläser an ihren Mann übergab. „Ich soll dich übrigens von Frédéric grüßen. Ich habe ihn heute im Sunshine Coffee getroffen.“ Nur für den Fall, dass er ihn doch angerufen hatte. Und so war es auch. “Ich weiß. Er wird gleich hier sein.“ Klirr.

Lovelle konnte wie in Zeitlupe zusehen, wie ihr Glas auf den Teppich fiel, in tausend Scherben zerbrach und die rote Flüssigkeit sich wie Blut auf dem hellen Stoff ausbreitete. Einen Moment lang herrschte absolute Stille zwischen den Dubois, dann kam der Schlag. Mit der flachen Hand ins Gesicht und Lovelle hatte alle Mühe gegen die Tränen anzukämpfen, die ihr sofort in die Augen schossen.

“Du böses Mädchen, der Teppich war teuer.“
„Es tut mir leid“, sagte sie wie aus der Pistole geschossen.
“Musstest du dafür arbeiten gehen?“
„Nein.“
“Wer war der Mann heute im Café.“
„Ein Fan von mir“, antwortete sie mit etwas zu viel Trotz in der Stimme und der nächste Schlag folgte als Strafe sofort.
“Ich hab gesagt, du sollst nicht lügen. Wer war er?“
„Ein Kellner des Cafés.“
“Und warum saß er an deinem Tisch?“
„Nur Smalltalk, er hatte Pause. Er hat mich erkannt und wollte ein Autogramm.“
“Ist das alles?“
„Ja.“
“Wirst du ihn wiedersehen?“
„Wenn ich im Café bin ist das nicht auszuschließen.“ Er hob drohend die Hand. „Nein, ich werde ihn nicht wiedersehen.“
“Hast du meine Schläge verdient?“
„Ja.“
“Womit hast du sie verdient?“
„Ich habe Wein verschüttet und mit dem Kellner geredet.“

“Braves Mädchen. Komm her!“ Sie trat in seine Arme, in die er sie sofort schloss, um sie zu trösten. Er gab ihr einen Kuss auf die Haare und klang selbst erleichtert. “Ich könnte es nicht ertragen, wenn du mich verlassen würdest. Das wär mein Ende, das weißt du doch. Ich liebe dich.“
Die Worte wirkten wie Balsam, aber dennoch waren ihre Worte hauchdünn, als sie antwortete. „Ich liebe dich auch, Valéry.“

Dann klingelte es an der Tür und er löste sich von ihr, um zu öffnen. Im Türrahmen drehte er sich noch einmal um. “Zieh dich aus, mein Zug zurück geht in zwei Stunden. Und wisch dir die Tränen weg!“ Sie gehorchte.

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:37 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Später an diesem Abend saß Lovelle im Park am See und beobachtete ein paar Enten, die im Mondlicht ihre Kreise an nicht zugefrorenen Stellen zogen. Tränen liefen ihr stumm über die Wangen und irgendwie fehlte ihr die Kraft sie wegzuwischen. Früher hatte das immer Clarice erledigt, aber das tat sie schon seit Jahren nicht mehr. Auch die Creme in ihrer Hand fühlte sich bleischwer an. Sie hätte sie benutzen sollen, bevor sie aus dem Haus ging, aber es reichte sicher, wenn sie das morgen früh tat. Der Bäcker war die nächste Person, die sie treffen würde und so konnte sie ihre schmerzende Wange von der kalten Nachtluft kühlen lassen. Auch wenn es wehtat, hieß sie den Schmerz willkommen. Sie hatte es schließlich verdient.
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Santos Chapman am So 8 Okt - 20:24:19

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:37 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Never thought a train goin' any place could've changed my life...

Santos mochte diesen Song. Und legte gleich nochmal etwas mehr Kraft in seine Beine zu den rockigen Tönen. Noch eine weitere Runde um den See...

Never thought I'd say I could go insane, 'til I saw your eyes...

Sein gleichmäßiger Atem formte weiße Wölkchen in der kalten Luft vor seinem Gesicht und er atmete tief ein. Hier schien die Luft ein kleines bisschen reiner, sauberer zu sein, als mitten in der Stadt und er genoss das mit jedem seiner Atemzüge. Es war belebend.

And I had to take another look to know for sure that you could be for real...

Santos schnaubte kopfschüttelnd ein Lächeln, als ihm prompt ein Paar hübsche Augen in den Sinn kamen, die diesen Effekt auf ihn gehabt hatten... Er stolperte und fing sich erschrocken wieder. Blickte kurz zurück auf den kleinen Stein, den er nicht gesehen hatte, während er weiter lief. Uff, er sollte besser aufpassen! Mit einem gebrochenen Bein arbeitete es sich nicht sehr gut... Außerdem musste er dringend aufhören mit diesen Gedanken. Das war... dumm. Nichts anderes. Lovelle war verheiratet. Und zwar nicht mit irgendjemandem, sondern dem Mann, den er bespitzelte. Verraten würde, wenn die Zeit gekommen war. Ein mächtiger Mann...

Seitenstechen ließ Santos frustriert anhalten. Und er hatte ja doch wieder nachgedacht und sich nicht auf seine Atmung konzentriert... Er ließ den kleinen Moment Pause zu und lehnte sich durchatmend mit den Händen auf die Knie.

Yeah and my head keeps spinnin', you got me trippin'...

Santos seufzte geschlagen. "Du willst mich verarschen, oder...", schimpfte er den imaginären Sänger leise. Er richtete sich wieder auf, machte ein paar lockernde Hüpfer und atmete tief ein und aus, gegen das Seitenstechen an und wollte gerade wieder durchstarten, als er auf einer Bank, einige Meter weiter vorne, jemanden sitzen sah. Um diese Uhrzeit? Bei der Kälte...? Er sah genauer hin. Nicht jemand... Jemand den er kannte!

Er joggte auf die Person zu, zog die Stöpsel aus seinen Ohren und rief sowohl überrascht als auch freudig: "Lovelle!" Doch das Lächeln gefror sofort wieder auf seinem Gesicht, als sie erschrocken zu ihm hochschaute. Und das Licht der Straßenlaterne neben der Bank das ganze Ausmaß der Katastrophe offenbarte. Sofort war er bei ihr und ging vor ihr auf die Knie, blickte sie besorgt an: "Mein Gott... was ist passiert?!" Ihre Tränen konnten Herzen brechen. In tausend Stücke. Fast so schlimm, wie der blaue Fleck auf ihrer Wange. Und unter die Sorge mischte sich ein heftiger Zorn, der ihn heiß durchzuckte. Wer zur Hölle tat ihr das an? Ihr Mann war nicht hier, begannen seine Freunde etwa auch...
"Lovelle", ernst sah er sie an, "Wer war das?"
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Lovelle Dubois am So 8 Okt - 20:56:41

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:37 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

"Lovelle!"

Ihr Name ließ sie auffahren und sie schaute erschrocken um sich, wer sie gerufen hatte. Wer sie in diesem Park überhaupt erkannt hatte und sie sah Santos auf sich zujoggen. Für einen Moment hatte er ein freudiges Lächeln im Gesicht, das mit jedem Schritt, den er näher kam, mehr verschwand. Unwirsch rieb sie sich mit dem eiskalten Ärmel ihres Mantels über die Augen, der mittlerweile kleine Eiskristalle am Saum gebildet hatte. Aber die Tränen liefen einfach neu über ihre Wange und brannten auf der Wunden Haut. Man hätte meinen können, dass sie keine Tränen mehr übrig hatte, aber irgendwie fand sie jedes Mal aufs Neue welche. Weil sie jedes Mal aufs Neue enttäuscht wurde.

Völlig hilflos und unfähig zu reagieren sah sie zu, wie Santos vor ihr auf die Knie. Diese Geste ließ sie kurz aufschluchzen, obwohl sie das lieber nicht getan hätte. Aber jetzt und hier, im Schutz der Dunkelheit fand sie nicht die Kraft ihre Mauer um sich hochzufahren.

"Mein Gott... was ist passiert?!"

Sie versuchte sich an einem dümmlichen Lachen, das mehr als erbärmlich klingen musste. „Ich bin ausgerutscht..“, schniefte sie und zwang sich auf eine Laterne eine Bank weiter zu zeigen. „Da vorne und mit dem Kopf gegen die Laterne geknallt. Ganz schön dämlich, was?“

Mühsam hielt sie seinem Blick stand, während sie ihm diese glatte Lüge auftischte. Aber eigentlich sehnte sie sich so sehr nach Zuneigung und Nähe, dass sie sich fast in seine Arme geworfen und ihm ihr Herz ausgeschüttet hätte. Sie brauchte jemanden, der ihr über den Kopf strich und ihr sagte, das alles wieder gut werden würde. So, wie es Clarice früher getan hatte.

Santos allerdings verzog das Gesicht zu keinem Lachen und auch Erleichterung schien sich nicht bereitzumachen. Stattdessen wiederholte er ihren Namen in einer Ernsthaftigkeit, die sie sofort den Kopf senken ließ. "Wer war das?"

Wer? Sie zuckte zusammen und ließ die Tube mit der Creme fallen. Er glaubte ihr nicht. Warum glaubte er ihr nicht? Tat doch sonst auch jeder. Sie wollte so gerne mit jemandem reden, einen Verbündeten haben. Aber das konnte sie nicht. Das ging nicht, also schüttelte sie den Kopf. „Die Laterne…“, setzte sie nochmal mit zittriger Stimme an. „Ausgerutscht…“
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Santos Chapman am So 8 Okt - 22:04:09

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:37 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Ausgerutscht...? Santos konnte nur mit der Zunge schnalzen. Ja, klar. Und die Laterne verpasste neuerdings Schellen in Handflächengröße, wenn man sie anrempelte... Aber er wusste ja, dass sie lügen musste. Dass es der einzige Schutz war, den sie noch hatte. Es tat so sehr weh, das zu wissen... Sie verdiente jemanden, der sie vor allem Bösen dieser Welt beschützte. Mit allem, das er hatte.

Also versuchte er es noch einmal. Fragte jetzt ganz direkt, wer ihr das angetan hatte. Ob es etwas ändern würde... Das wusste er nicht. Noch nicht. Aber vielleicht würde er irgendetwas tun können. Irgendwas...
Doch mit seiner Tonlage, und vermutlich auch, weil er eben nicht auf die Lüge hereinfiel, erschreckte sie so sehr, dass sie den kleinen Gegenstand, den sie bis eben umklammert hatte, zu Boden fallen ließ.

Santos beachtete es gar nicht. Sah unverwandt Lovelle an, die aber an ihrer Story festhielt. Er atmete einmal tief durch - dann richtete er sich auf, um sich langsam neben sie auf die Bank zu setzen. Er zog sich seine Handschuhe aus und legte sie in seinen Schoß, hob vorsichtig seine Hand an ihre Wange, hielt kurz inne, als sich sichtlich zusammenfuhr. Das war... schwer anzusehen. "Ich tu dir nicht weh", flüsterte er, "Das würde ich nie..." Ob ihr Mann das auch einmal gesagt hatte...? Ob sie überhaupt in der Lage war, jemals wieder sowas wie Vertrauen aufzubauen? Santos wusste es nicht. Nutzte aber den Moment, als sie nichtmehr vor ihm zurückzuckte und strich ihr sehr sanft die Tränen von den Wangen, besonders vorsicht an der blau verfärbten Stelle. Wie konnte man ihr nur so sehr wehtun... Es entzog sich vollkommen seinem Verständnis. Einen Augenblick lang ließ er seine warme Hand an ihrer eiskalten Wange ruhen - dann beugte er sich nach vorne, hob die kleine Dose vom Boden auf, die sie hatte fallen lassen und überflog, was darauf stand. Natürlich... Er blickte kurz nach oben, ins dunkle des Himmels und atmete durch. Drängte die Wut zurück und öffnete stattdessen die kleine Dose. Nahm etwas von der Creme heraus und brachte sie dazu, ihn anzusehen. Hob erneut vorsichtig die Hand und begann ganz vorsichtig, die Creme auf die wunde Stelle in ihrem Gesicht aufzutragen. Ohne auch nur ein weiteres Wort zu sagen. Und als er fertig war, fuhr er sachte mit dem Daumen über ihren Wangenknochen. Tat dann einfach das, was sich in dem Moment richtig anfühlte, als er in ihre verzweifelte Augen blickte. Er schloss seine Arme schützend um sie und drückte sie an sich. Ihre zarte Statur verschwand bei nahe an seiner Seite und er legte das Kinn auf ihren Scheitel, sagte leise: "Die Laterne also..." Sie schien das brauchen. Im Moment. "Wenn das nochmal passiert... mit der Laterne... Dann sagst du es mir. Wenn du bereit bist." Sanft strich er mit seiner Hand tröstend über ihren Rücken. "Dann knöpf ich mir die Laterne vor. Okay?" Ein schwaches Lächeln schaffte es in seine Stimme, aber er meinte es vollkommen ernst. Er würde dann schon einen Weg finden...
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Lovelle Dubois am So 8 Okt - 22:51:35

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:39 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Lovelles Augen wurden noch größer als er sich neben sie setzte. Argwöhnisch beobachtete sie ihn, wie er sich langsam die Handschuhe auszog und anschließend die Hand hob. Sofort wich sie seinen Fingern aus, die ihrem Gesicht gefährlich nahekamen. Sie hatte plötzlich die irrwitzige Idee, dass er spüren würde, warum sie den zweiten Schlag bekommen hatte. Sie wusste selbst wie dämlich dieser Gedanke war, aber er nagte sich in ihr fest.
"Ich tu dir nicht weh." Seine Stimme war so sanft, so einfühlsam und sie konnte nicht anders als ihn gewähren lassen. Valéry sagte das auch immer und bisher hatte er dieses Versprechen stets gehalten. Nein, seine Strafen waren nie willkürlich und er legte immer Wert darauf, dass sie wusste, warum.  "Das würde ich nie..." Das.. war neu. Plötzlich machte sich der Gedanke in ihrem Kopf breit wie es wohl wäre, jemanden zu kennen, der keine derartigen Launen hatte.

Sie schaute Santos von unten herauf an, als er eine ihrer Tränen fortwischte. Dann noch eine und noch eine, und schlussendlich ließ er seine Hand auf ihrer Wange ruhen. Die Wärme tat so unglaublich gut, dass sie leise seufzend die Augen schloss und ihren Kopf in seine Finger schmiegte. Nur einen winzigen Augenblick, dachte sie. Weil es so kalt ist.

Aber er nahm die Hand von alleine fort, dann hob er ihre Creme auf und … las. Wirkt Schmerzlindernd und lässt unschöne Wunden verschwinden. Mit Sofortwirkung! Lovelle sog scharf die Luft ein. Er hatte gefragt ‚wer‘, ihre Tränen, jetzt las er den Text… er wusste es. Oder? Oder vermutete es, aber er sagte nichts.

Stattdessen hob er mit zwei Fingern vorsichtig ihr Kinn an und verteilte behandelte dann ihre Wange. Sie ließ ihn dabei keine Sekunde aus den Augen und versuchte aus ihm schlau zu werden. Was wusste er? Woher? War er einer von Valérys Spitzeln, die rausfinden wollten, ob sie dichthielt? Hatte… hatte gar nicht Frédéric angerufen? Dieser Gedanke erschreckte sie dermaßen, dass sie erneut zusammenzuckte. Lovelle, denk so etwas nie wieder, schalt sie sich. Du hättest wohl kaum Schläge kassiert, wenn Valéry ihn angeheuert hätte. Doch, antwortete eine andere, gehässigere Stimme in ihrem Kopf. Das ist ja schon mal passiert. Aber wenn sie anfing, in jedem einen potenziellen Verräter zu sehen, könnte sie sich auch gleich einweisen lassen. Nein, diese Freiheit wollte.. nein konnte sie sich selbst nicht nehmen. Santos war bestimmt keiner von Valérys Lakaien.

Aber trotzdem schien er etwas zu wissen, denn im nächsten Moment zog er sie an sich, legte den Arm um sie und seinen Kopf an ihren. So tröstete man niemanden, der einfach nur zu blöd zum Laufen war.

Es war ihr, in dem Augenblick, als sie seine Wärme spürte, allerdings völlig egal, ob und was er wusste. Sie wollte einfach nur festgehalten werden. Außerdem merkte sie jetzt erst wie kalt es eigentlich war und bevor sie realisierte, was sie tat, rutschte sie von sich aus noch näher an ihn heran, um zog die Beine ran, um das Zittern, das eben angefangen hatte, zu unterdrücken. Das tat gut.

"Die Laterne also...", begann er wieder.
„Hmh… die Laterne…“
"Wenn das nochmal passiert... mit der Laterne... Dann sagst du es mir. Wenn du bereit bist." Unter anderen Umständen und vielleicht an einem andern Ort, hätte sie ihn gefragt, was er sich eigentlich einbildete, so mit ihr zu sprechen. Wer er denn war, zu glauben, er wisse alles. Wenn er sie nicht so gesehen hätte. Aber das hatte er… und seine Worte waren willkommen. Sie trösteten.

"Dann knöpf ich mir die Laterne vor. Okay?"
„Okay“, flüsterte sie leise zurück und schwieg dann, während sie weiter darüber brütete, was er wusste.

Vielleicht… vielleicht konnte sie diese Sache mit der Laterne weiterspinnen, im Schutz der Metapher darüber sprechen? Ob das möglich war? Oder machte sie damit alles nur schlimmer? Was sie ja ohnehin tat, indem sie hier saß und mit Santos sprach, während sie vor ein paar Stunden versprochen hatte genau das nicht zu tun.

„Die Laterne“, setzte sie dann selbst vorsichtig an. „Was ist, wenn ich nur ausgerutscht bin…. Weil.. weil ich in ein Gespräch vertieft war?“ Sie musste es einfach wissen. Sie musste wissen, was er wusste.
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Santos Chapman am Mo 9 Okt - 0:25:42

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:39 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman
 
Haltsuchend schmiegte sie sich an ihn, jetzt, da der Damm, oder eher die Blockade, endgültig gebrochen schien und er versuchte, so gut er konnte, ihr Halt zu geben. Sie zu trösten. Einfach nur da zu sein für sie, wo es ganz offensichtlich niemand anderes tat.

Und als er ihr, in seinen eigenen, unbeholfenen Worten irgendwie versuchte, verständlich zu machen, dass sie ihn um Hilfe bitten konnte, wenn sie wollte, flüsterte sie ein leises 'okay' zurück. Das würde sie nicht tun, das wusste er. Und er war dumm, sich mehr und mehr zu verraten. Aber er wusste einfach nicht, wie er das länger mit ansehen sollte.

Es hatte nämlich begonnen. Damit, dass die Arena dunkel geworden war. Santos bekam kaum mehr Informationen aus Distrikt 13, es war zu gefährlich. Er wusste nicht einmal, ob seine an den Distrikt gesendeten Informationen immer ankamen. Aber dass es kein einfacher, technischer Defekt gewesen sein konnte, war ihm schnell klar geworden. Und er hatte so sehr gehofft, dass der Spotttölpel gerettet werden konnte. Diese Hoffnung mochte sich mit der abendlichen Sendung von Caesar Flickerman zerschlagen haben. Der Spotttölpel war im Kapitol geblieben. Aber Santos gab die Hoffnung nicht auf. Denn seine Vermutung hatte sich bestätigt. Der Krieg hatte begonnen. Snow selbst hatte es in die Kameras gesagt. Und ob mit oder ohne Spotttölpel - sie würden alles geben, um das Land zu befreien. Nur das zählte für ihn. Für ihn und das Häufchen Elend, das in seinen Armen zusammengesunken war.

Eine Weile schwiegen sie einfach, bis er Lovelles gedämpfte Stimme wieder hörte, zurückhaltend und irgendwie... vorsichtig... „Die Laterne... Was ist, wenn ich nur ausgerutscht bin... Weil... weil ich in ein Gespräch vertieft war?“
Nachdenklich zog Santo die Stirn in Falten. Was meinte sie denn damit...? Ging sie etwa doch auf das ein, was er gesagt hatte...? Und noch bevor er den Gedanken zu Ende gedacht hatte, setzten sich die Puzzleteile in seinem Kopf zusammen. Im Café heute. Ihr erschrockener Blick, den er nicht hatte deuten können. Der genau dem von eben geglichen hatte... Weil sie in ein Gespräch vertieft gewesen war... Mit ihm. In ein Gespräch mit ihm. Santos versteifte sich unter den über ihn hereinbrechenden Gedanken abrupt. War es etwa seine Schuld gewesen? Hatte jemand sie gesehen? War ihr Mann etwa zurückgekommen? Aber... aber er hatte doch mitbekommen, dass der noch ein paar Tage weg sein sollte...?
In Santos Gedanken rauschte es. Konnte das möglich sein? Konnte es. Er konnte sich natürlich nicht sicher sein, so wage, wie sie sich ausdrückte, aber allein die Vorstellung, dass er daran schuld war, dass sie litt, war mehr, als er ertragen konnte.

Er musste schwer schlucken, bevor er überhaupt fähig war, wieder etwas zu sagen. "Dann...", er stockte, überlegte gut, was er überhaupt sagen sollte. Nachdenklich biss er sich auf die Unterlippe, ehe er schließlich fortfuhr: "Naja, dann... Dann müssen wir wohl besser auf den Weg achten, den wir nehmen..."

Wenn es ihm nicht so verdammt schwer fallen würde, dann würde er jetzt aufstehen und gehen. Zu ihrem eigenen Besten. Und sie in Ruhe lassen. Aber er schaffte es einfach nicht... Nicht, wenn sie so in seinen Armen lag und doch sonst niemanden hatte.

"Du wärst morgen nicht ins Café gekommen", sagte er tonlos, nüchtern. Und es war auch mehr eine Feststellung, als eine Frage. Wieso um den heißen Brei herumreden? Bald würde sich alles ändern. Sehr bald. Also brach er einfach damit heraus: "Wenn das... wenn das wegen mir passiert ist..." Er schluckte wieder, ehe er fortfahren konnte: "Es tut mir leid, Lovelle." Sie würden sich dann nichtmehr sehen können, wenn es so war. Nicht, bis er ihr nicht die Möglichkeit bieten konnte, in Sicherheit zu sein. Die Erkenntnis tat mehr weh, als sie sollte. Ihr Lächeln würde ihn nichtmehr täglich begrüßen. Der gewohnheitsmäßige Blick auf die Uhr würde umsonst sein. Kein Highlight mehr, das jeden einzelnen seiner Tage irgendwie besser gemacht hatte. Aber damit musste er umgehen können. Und seine Arbeit besser machen. Damit sie bald in einer anderen Welt leben konnten...

"Bald wird alles besser. Das verspreche ich dir...", flüsterte er leise. Und meinte es so. Irgendwann würde er einen Weg finden. "Halt durch..."
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Lovelle Dubois am Mo 9 Okt - 1:21:44

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:41 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Da war es. Das verräterische Versteifen seiner Glieder. Er wusste es. Und, dass er eine ganze Weile schwieg bestätigte sie in ihrer Annahme. Hätte er es nicht begriffen, hätte er wohl eher irritiert reagiert. Vielleicht hätte er gefragt, wo denn der- oder diejenige gewesen war, mit der sie gesprochen hatte. Und warum sie geweint hatte, warum sie vorsorglich diese Creme hatte. Das hatte er alles nicht getan. Wer hat dir das angetan? Er wusste es.

"Naja, dann... Dann müssen wir wohl besser auf den Weg achten, den wir nehmen..." Der Anflug eines Lächelns huschte über ihr Gesicht, aber schaffte es nicht zu bleiben. „Ja“, pflichtete sie ihm bei. „Zum Glück war es eine Laterne und keine Überwachungskamera, gegen die ich gelaufen bin.“ Ja, zum Glück hatte Valéry keine Möglichkeit auf den kompletten Überwachungsapparat der Stadt zuzugreifen. Es reichte schon, dass Kameras in der Villa waren, aber außerhalb des Hauses war sie so anonym wie ihre Umgebung es erlaubte. Will heißen: Wenn sie keiner erkannte, konnte sie ein ganz normaler Mensch sein. Nur leider kam das seltener vor, als sie sich wünschen würde. Irgendjemand nannte irgendwann doch immer ihren Namen und dann blieb ihr Gesicht im Gedächtnis. Und dann war sie doch immer „Mrs. Dubois“.

"Du wärst morgen nicht ins Café gekommen.“ Jetzt war es an ihr zu Schweigen, aber sie musste auch gar nichts sagen, denn Santos redete weiter. Aber auch nachdem er geendet hatte, blieb sie noch eine Weile stumm. Dachte nach, beobachtete den See. „Dein Chef hat dich auch zur Schnecke gemacht heute“, sagte sie irgendwann. „Und du bist trotzdem noch mal an meinen Tisch gekommen. Glaubst du wirklich jemand könnte mich davon abhalten das Läuten eurer Türglocke zu hören? Um drei. Wie immer. Ich werde morgen da sein“, sagte sie leise. „Das heißt… Wenn das für dich keinen Ärger bedeutet.“ Wenn es dir etwas bedeutet, waren die Worte, die sie eigentlich hatte sagen wollen, aber doch nicht herausbrachte. Was für eine lächerliche Idee, dass das alles hier etwas zu bedeuten hatte. Sie hatte hier gesessen, er war zufällig vorbeigekommen und war anständig genug keine Frau frierend auf einer Parkbank sitzen zu lassen. Es war ja nicht so, als wäre er extra wegen ihr jetzt hier her gekommen. Aber wegen ihr geblieben. Oder? Zumindest würde sie das gerne glauben.

"Bald wird alles besser. Das verspreche ich dir..." Lovelle hob den Kopf und schaute ihn unschlüssig an. "Halt durch..." Sie wusste nicht so recht, was sie von all dem hier halten sollte. Woher sollte ein einfacher ‚Tellerwäscher’, wie er sich heute selbst bezeichnet hatte, darüber Bescheid wissen, was bei ihr zu Hause passierte? War es jetzt doch schon durch so viele Gesellschaftsschichten gesickert, dass man bei den Dubois immer viel Spaß haben konnte? Nein, das erklärte seine Reaktion absolut nicht.

Sie merkte, wie ihr Herz zu rasen begann, weil sie das Gefühl hatte plötzlich gar nichts mehr zu wissen. Ihr Blick wurde immer rätselnder, während sie sich aufrichtete und ihn jetzt direkt ansah. „Woher weißt du es?“ Sie fröstelte etwas, jetzt, wo seine Wärme fehlte und rieb die Hände aneinander. „Und viel wichtiger: Warum trifft es dich so sehr?“
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Santos Chapman am Mo 9 Okt - 12:16:36

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:41 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Auf seine Vermutung, dass sie morgen nicht ins Café kommen würde, antwortete sie mit einer Gegenfeststellung. Er verzog das Gesicht zu einem Schmunzeln. "Ach, der bellt nur, der beißt nicht. Eigentlich ist er ein wirklich netter Chef." Er mochte seinen Vorgesetzten eigentlich wirklich. Er war manchmal ein bisschen streng, ja, aber eigentlich ein guter Mensch der faire Löhne bezahlte. 

"Glaubst du wirklich jemand könnte mich davon abhalten das Läuten eurer Türglocke zu hören? Um drei. Wie immer. Ich werde morgen da sein.“ Ihre Stimme war leise, aber dennoch irgendwie fast schon... trotzig. Ein winziger Hauch davon jedenfalls meinte er, herauszuhören. Und Santos freute sich darüber. Und zugleich schämte er sich dafür. Er sollte sich nicht so darüber freuen, dass sie ihn besuchen kam, wenn das für sie bedeuten konnte, dass sie Ärger bekam. 

„Das heißt… Wenn das für dich keinen Ärger bedeutet.“
Überrascht sah er hinunter zu ihr, doch vergrub sie nach wie vor das Gesicht an seiner Jacke. "Du machst dir um mich Sorgen?" Der Gedanke war unheimlich lieb und ein warmes Kribbeln ging durch seine Magengegend, als er leise lachte und unbedarft genau das aussprach, was ihm in dem Moment durch den Kopf ging: "Du bist wirklich süß." Und schnell fügte er versichernd hinzu: "Das macht mir natürlich keinen Ärger. Und wenn, dann handel ich mir den schon ganz allein ein, das ist nicht deine Schuld, Lovelle." 

Auf seine Entschuldigung ging sie nicht ein, vielleicht war das aber auch besser so. Wenn er ehrlich war, fürchtete er sich ein wenig davor, wenn sie ihm zustimmen würde. Dass es seinetwegen passiert war. Und er konnte nicht anders, als ihr irgendwie in Aussicht zu stellen, dass irgendwann alles besser werden würde. 

Doch daraufhin löste sie sich plötzlich von ihm und nervös fragte er sich, ob er etwas falsches Gesagt hatte, als sie ihn prüfend und so durchdringend musterte, dass er ihrem Blick auswich. 

„Woher weißt du es?“
Er hätte mit der Frage rechnen sollen. Irgendwie hatte er es ja sogar provoziert, das es hierauf hinauslief. Hatte er das gewollt? Bewusst bestimmt nicht. Es war gefährlich. Auch für ihn. Für das, was er tat. Er konnte doch nicht einfach alles über Bord werfen für... Sie. Und trotzdem hatte er gesagt, was er gesagt hatte und jetzt wurde sie skeptisch. Doch noch während er überlegte, wie er darauf am besten antworten sollten, fuhr sie fort: „Und viel wichtiger: Warum trifft es dich so sehr?“

Santos legte den Kopf etwas schief und sein Blick wurde weicher, gleichzeitig aber auch sein Lächeln schüchterner, als er ihren forschenden Augen auswich. War das denn nicht offensichtlich...? Anscheinend nicht. Aber wie sollte er das erklären...? Er wusste ja selbst nicht so genau, aber wer würde nicht mitfühlen, wenn er ständig mit so einer tragischen Geschichte konfrontiert war? Dazu von jemanden, den man... Den man mochte. Gern mochte.

Santos beschloss, zuerst auf ihre erste Frage einzugehen. Es war klar, dass ein 'Ich bin Spion, das ist mein Job' keine Option war... Weswegen er sich schulterzuckend zu einer ausweichenden Antwort entschied. Die auch nicht falsch war. "Ich sehe hin." Das taten so viele andere nicht in dieser oberflächlichen Stadt. "Und außerdem...", er deutete zurück auf den von ihr vorhin angedeuteten Laternenmasten. "Du sagtest, du wärst dort gegen die Laterne gelaufen. Du sitzt noch nicht so lange hier, als dass der blaue Fleck... so aussehen könnte. Und ich bezweifle, dass du so oft gegen Laternen läufst, dass die hier", er reichte ihr die kleine Dose zurück, "zur Standardausstattung in der Tasche gehört." Ich sehe hin. Jeder, der nicht ein vollkommener Idiot war, oder dem sie einfach egal war, würde das sehen, dazu brauchte man wirklich kein Detektiv sein. Und sie war ihm nunmal nicht egal. Weswegen er unweigerlich zu ihrer nächsten Frage kommen musste, die noch auf Beantwortung wartete... Er begann, die Handschuhe, die auf seinem Schoß gelegen hatten, zu kneten. 

"Und wie könnte es das nicht...", murmelte er, während er den Schneematsch vor ihnen anstarrte. Ich mag dich... Doch das durfte er nicht aussprechen. Sollte er nicht. Sie war verheiratet, verdammt nochmal. Und alles kompliziert. Und dank ihm hatte sie ja auch so schon mehr als genug Sorgen. "Du bist... einer der nettesten Menschen, den ich kenne. Nicht alle sind so freundlich zu einem gewöhnlichen Kellner...", flüchtete er sich in ein Lächeln. "Und das gebe ich zurück. So machen das Freunde. Und wenn es dir nicht gut geht, geht es mir nicht gut, weil ich dich mag, und..." Warte was?! Santos biss sich auf die Zunge. Super umschifft, Santos, ganz toll. Vollidiot. "I-Ich meine... Du hast es verdient, glücklich zu sein und keiner dürfte..." Nein, wurde nicht besser. Und wie kam er überhaupt dazu, sich anzumaßen, ihr das vorzuhalten. Er war so ein dummer Idiot, weswegen er die Schultern hochzog und betreten aufgrund seines Ausbruchs murmelte: "Tut mir leid... Das... das geht mich wirklich nichts an." 

Als er ihr leichtes Zittern bemerkte, wie sie ihre Hände rieb, schalt er sich dumm und unaufmerksam. Wie leicht sie gekleidet war, war nur ein weiteres Indiz für eine übereilte, kopflose Flucht. Schnell reichte er ihr seine Handschuhe: "Hier, die kannst du haben. Bring sie mir einfach morgen wieder mit, oder wann immer du willst", lächelte er.
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Lovelle Dubois am Mo 9 Okt - 14:09:13

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:42 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

"Du bist wirklich süß." Sofort wurde ihr wieder warm. Süß? So hatte sie ja schon Jahre keiner mehr genannt! Süß. Das klang so… so mädchenhaft. Und irgendwie schmeichelte es ihr, weil es so unschuldig klang. Sie war süß, dachte sie selig.

“Das ist nicht deine Schuld, Lovelle."
„Deine auch nicht, Sunny“, antwortete sie und betonte dabei neckisch seinen Spitznamen, den sie im Café aufgeschnappt hatte. Sie handelte sich ihren Ärger auch ganz allein ein. Monat für Monat. Woche für Woche.

Als er jedoch weitersprach, verhärtete sich der Verdacht in ihr, dass er genau wusste, dass sie hier von keiner Laterne sprachen. Also nicht wirklich. Und noch mehr machte sich das Gefühl in ihr breit, dass er nicht nur wusste, dass es eine Metapher war, sondern auch eine sehr genaue Ahnung davon hatte, was sie zu bedeuten hatte.

Sie richtete sich auf und stellte ihm die Frage direkt und als die Worte ausgesprochen waren hingen sie zwischen ihnen in der Luft. In Form von einer kleinen Atemwolke, die sich langsam wieder auflöste. Fast hätte Lovelle die Hand gehoben und versucht sie wegzuwischen, um die Worte damit ungesagt zu machen. Hatte sie es nicht einfach gut sein lassen können? Hatte sie es nicht nur ein einziges Mal im Leben gut sein lassen können? Ihre Neugier und ihren Trotz unterdrücken und den Mund halten? Vermutlich hatte sie mit ihrer Frage jetzt alles zerstört und er würde nicht mehr mit ihr reden.

“Ich sehe hin“, war seine Erklärung, die nur dafür sorgte, dass beide ihrer Augenbrauen in die Höhe wanderten. Er sah hin? Wohin? Sie nahm seinen Versuch, die richtigen Worte zu finden, hin. Fürs Erste. Stattdessen wartete sie darauf, dass er weitersprach. Nicht, dass ihre zweite Frage noch vergaß.

"Du bist... einer der nettesten Menschen, den ich kenne.“
„Ich bin nicht nett.“ Ihre Antwort kam prompt und einstudiert.
“Nicht alle sind so freundlich zu einem gewöhnlichen Kellner..."
„Du bist doch nicht gewöhnlich…“
“Und das gebe ich zurück. So machen das Freunde.“

In ihren Gesichtsausdruck mischte sich Verblüffung. „Freunde?“
Ihr Herz begann zu stechen und erinnerte sie schmerzlich daran, wie sehr sie sich genau danach sehnte. Nach Freunden. Nach Menschen, mit denen sie über alles reden konnte. Jemand, der einen in den Arm nahm. Jemand, der … Jemand, wie … wie Santos.

Tat er nicht gerade genau das? Er redete mit ihr, hatte sie ihn den Arm genommen und das Gefühl vermittelt, dass sie sich ihm anvertrauen könne. Und trotzdem nagte ein Zweifel an ihr, der nicht so recht verschwinden wollte. An der Sache war etwas nicht ganz koscher.

“Und wenn es dir nicht gut geht, geht es mir nicht gut…“ War das so? Sie erinnerte sich daran, wie sie sich damals gleich mit mies gefühlt hatte, als sie von ihrem Daten zum Abschlussball versetzt wurde. Meinte er das so?

“Weil ich dich mag, und …“ Er verstummte. Er sah sogar fast ein bisschen erschrocken aus. Lovelles Augen weiteten sich und ihr Herz begann so laut zu schlagen, dass sie Angst hatte er würde es hören. Dummes Herz, sei still. Aber sie war so hungrig nach netten Worten, dass sie gar nicht anders konnte als darauf zu reagieren. „Du magst mich?“, wiederholt sie seine Worte. Erst war sie süß. Jetzt mochte er sie.

“I-Ich meine... Du hast es verdient, glücklich zu sein“, stotterte er daraufhin nur. Was redete er da bloß? Ging es jetzt immer noch um sie oder wieder um ... ? Nie im Leben hatte er aus ihrer jetzigen Verfassung geschlossen, was sie für Probleme hatte. “…und keiner dürfte..." Nie. Im. Leben.

Sie wollte das gerade hinterfragen, als er sich für sein Verhalten entschuldigte. “Das geht mich wirklich nichts an." Trotzdem hatte er sich eingemischt und jetzt ging es ihn etwas an.

Ihre Stimme fand sie jedoch erst wieder, als er ihr seine Handschuhe reichte und vorschlug, dass sie sie einfach wieder vorbeibringen könnte. Lovelle schüttelte den Kopf. „Danke, aber das geht nicht. Ich kann die Handschuhe nicht mit nach Hause nehmen. Wenn du offenbar so viel weißt, dann solltest du das eigentlich auch wissen“, sagte sie tonlos, den Blick auf ihre Creme geheftet, die er immer noch in der Hand hielt.

„Ich sehe auch hin“, begann sie dann und nahm ihm die Dose aus der Hand, um sie vor sich zu halten. „Du sagst, dass die Creme dich drauf gebracht hat, aber du hast sie erst aufgehoben und nachgesehen, was es ist, als du schon neben mir saßt. Du hast aber sofort, als du mich gesehen hast, so reagiert. Und du hast mir meine blödsinnige Ausrede nicht geglaubt, wo es sonst jeder tat und sofort gefragt, ‚wer‘ es war. Jeder andere hätte wohl nur gefragt, was zum Himmel ich angestellt hätte und warum ich mich so in der Öffentlichkeit zeige und meine Erklärung einfach mit einem dämlichen Lacher hingenommen.“ Sie legte den Kopf schief. „Du nicht. Warum?“
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Santos Chapman am Mo 9 Okt - 16:19:12

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:41 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Sein Angebot lehnte sie ab, unter einem gut begründeten Vorwand... Dann war ihr Mann also wirklich verfrüht zurück gekommen. "Aber du frierst doch!", beharrte er und hob seine Hände, wollte sie um ihre legen. Wenn sie die Handschuhe schon nicht wollte, konnte er wenigstens...
"...Wenn du offenbar so viel weißt, dann solltest du das eigentlich auch wissen.“ 
Santos presste die Lippen zusammen und ließ seine Hände wieder sinken, blickte zu Boden. Wagte es plötzlich nichtmehr, sich ihr auch nur auf irgend eine Art zu nähern. Und ob er es zugeben wollte oder nicht - die plötzliche Distanz in ihren Worten tat weh. Ob er sich einbildete, dass sie plötzlich wieder um einiges kühler klang? Nein. Das hätte er vielleicht gerne. Aber er war nicht dumm oder naiv, er erkannte, wann ein Gespräch ernst wurde. 

Wie ernst das war, merkte er dann auch an ihren folgenden Worten. Sie vertraute ihm nicht. Nicht, dass sie einen Grund dafür hätte. Und er sollte verstehen, dass gerade sie besser daran tat, niemandem zu vertrauen. Aber die Erkenntnis schmerzte dann doch irgendwie und er konnte nicht verhindern, dass sich die Enttäuschung darüber bis in seine Miene schlich. Dabei hatte sie sowieso recht. Sie hatte keine Ahnung, was er tat. Er spionierte vielleicht nicht sie direkt aus. Aber seine Arbeit beinhaltete sie eben, er konnte sie da nicht ausschließen. Aber er würde nie etwas tun, was ihr schaden könnte... Was sie natürlich auch nicht wissen konnte. Dennoch...

Und als wäre das nicht alles Dilemma genug, war er auch noch dumm genug gewesen, sich zu verplappern. Und Lovelle war aufmerksam genug, es zu merken. In seiner Sorge um sie und in der Wut, die ihn nur, wenn es um sie ging, blind werden ließ, war er wirklich grob fahrlässig geworden. Und damit konfrontierte sie ihn jetzt gnadenlos. 

Mit einem Anflug von Trotz in der Stimme erklärte er: "Niemand weint wegen einer Laterne so bitterlich. Mitten in der Kälte, kaum richtig angezogen und mit einem blauen Fleck, der verdammt nach einem Handabdruck aussieht", meinte er und verbarg seine Enttäuschung über ihr Misstrauen nicht. Er konnte nichts dagegen tun, obwohl er wusste, wie falsch es war, ihr das quasi vorzuwerfen. Aber er konnte ihr nunmal nicht die Wahrheit sagen... "Ich bin nicht wie jeder andere. Und schon gar nicht wie die oberflächlichen Leute, die du sonst so kennst. Es war eine Vermutung. Nur mein erster Gedanke. Ich hab mir Sorgen um dich gemacht und das Schlimmste angenommen. Ist das so schlimm? Dass sich jemand um dich sorgt?", rechtfertigte er sich und musste gleichzeitig mit dem rechnen, was er am meisten fürchtete. Dass sie jetzt gehen würde. Dass er es einfach nur verbockt hatte und zu weit gegangen war und er sie nicht wieder sehen würde. Oder viel mehr... Sich nichtmehr mit ihr unterhalten können würde. Und das Schlimme daran war... vermutlich war es sogar besser so.

Dabei hatte er sie doch einfach nur trösten wollen...
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Lovelle Dubois am Mo 9 Okt - 18:23:11

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:43 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Sie war zu weit gegangen.

Das merkte sie in dem Moment, als er begann sich fast greifbar von ihr zurückzuziehen.  

"Niemand weint wegen einer Laterne so bitterlich“, begann er und sie konnte für den Moment nichts anderes tun, als ihn wegen der Schärfe in seiner Stimme erschrocken anzusehen. "Mitten in der Kälte, kaum richtig angezogen und mit einem blauen Fleck, der verdammt nach einem Handabdruck aussieht." Sie wandte beschämt den Blick ab. Er hatte recht. Sie war ganz schön paranoid geworden und bekam jetzt die Quittung für ihr Verhalten. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten und sie drückte ihre Finger fest zusammen, auch wenn es dank der Kälte schmerzte.

"Ich bin nicht wie jeder andere.“ Nein, das war er nicht. Er war viel besser als jeder Einzelne. Und was tat sie? Statt alles dranzusetzen, ihn irgendwie in ihrem Leben zu halten, trat sie seine Nettigkeit mit Füßen.

“Und schon gar nicht wie die oberflächlichen Leute, die du sonst so kennst.“ Die Ohrfeigen waren diesmal verbal und hochverdient …. “ Es war eine Vermutung.“ … und unter jedem seiner Sätze … “Nur mein erster Gedanke.“ … zuckte sie zusammen.

“Ich hab mir Sorgen um dich gemacht…“

Sie stand auf und kehrte ihm den Rücken zu, die Hände immer noch stumm zu Fäusten geballt. “… und das Schlimmste angenommen.“

“Ist das so schlimm?“
„Was?“
“Dass sich jemand um dich sorgt?"

War es das? Jeder, den sie nah an sich ranließ, wandte sich irgendwann doch wieder von ihr ab. Seit Clarice hatte sie hin und wieder jemanden kennengelernt, der das Potenzial hatte ein Freund oder eine Freundin zu werden, aber immer… immer und immer wieder waren sie am Ende gegangen. Sie war zu kaputt. Zu distanziert, als dass jemand wirklich etwas mit ihr zu tun haben wollte.

„Ja“, sagte sie leise. „Ja, das ist schlimm.“ Was schadete es schon, wenn sie es ihm erzählte? Er wusste ohnehin schon mehr als jeder andere. „Ich habe diese Sorge nicht verdient“, begann sie und starrte den Weg vor ihr entlang.

„Und du hast es auch nicht verdient. Vorhin hast du gesagt, dass Freunde so wären. Ich kann dir sagen, wie diese Freundschaft aussähe.“ Die Verbitterung in ihrer Stimme war deutlich herauszuhören. „Wir würden ein paar tolle Tage haben, vielleicht auch Wochen, mit anregenden Gesprächen. Oh, und was für tolle Gespräche, da bin ich mir sicher. Wir würden wohl ins Kino gehen oder in einer Kunstausstellung, oder uns zum Essen treffen. Und wir würden feststellen, wie gut wir harmonieren und dann… dann… dann würde…“, sie schluckte schwer. „Dann würde .."  Sie konnte nicht. Sie konnte es nicht sagen. Sie konnte es einfach nicht. Ihre Fingernägel bohrten sich langsam in ihre Handballen und schmerzten, aber es war ihr egal. Sie hatte gelernt einiges an Schmerz auszuhalten. „Dann würde“, probierte sie es noch einmal und begann wütend auf sich selbst zu werden.

Wütend auf Clarice, die nicht mehr da war.

Wütend auf ihre Eltern, die immer dieses wissende, sorgende Lächeln auf den Lippen trugen.

Wütend auf Frédéric, das perverse Schwein und seine Frau, mit den liebreizenden Kindern.

Wütend auf Valéry, der sie damals zum Tanzen aufgefordert hatte.

Wütend auf Santos, der all das gerade heraufbeschwor.

Aber vor allem wütend auf sich selbst, weil sie so feige war.

Sie drehte sich ruckartig zu ihm um und eine Mischung aus Wut und Verzweiflung stand ihr ins Gesicht geschrieben. „Und dann … dann, dann würde … etwas passieren. Weil er nun einmal so ist und weil ich keine Wahl habe. Du würdest mich wieder so aufgelöst finden oder die Cremes entdecken. Und dann würdest du gehen, weil du es nicht mit ansehen kannst … oder willst. Wie alle andern auch“, schrie sie mittlerweile halb, während ihr erneut die Tränen über die Wangen liefen und sie schwer atmete. Es tat gut sich Luft machen und den ganzen angestauten Frust rausschreien zu können. „Du würdest einfach gehen“, wiederholte sie. Jetzt mit deutlich leiserer und resignierter Stimme. "Und ich ertrage es nicht noch einmal... jemanden zu verlieren, der mir wichtig ist." Dann gab sie auf und Lovelle ließ einfach die Schultern hängen und wartete darauf zu hören, wie sich seine Schritte entfernten. Sowas ließ sich niemand von irgendeiner dahergelaufenen Frau sagen.

Kein Sunshine Coffee mehr.
Keine Türglocke mehr.
Kein Santos mehr.
Valéry hatte gewonnen. Wie immer.
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Santos Chapman am Mo 9 Okt - 23:27:35

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:43 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Spätestens, als sie aufgestanden war, hatte er damit gerechnet, dass sie gehen würde. Doch hielt sie inne... Er wusste nicht, ob er mit einer Antwort noch gerechnet hatte. Aber wenn, dann garantiert nicht mit dieser. "Ja.“ Ihre Stimme war leise. So leise, das Santos sich ebenfalls unwillkürlich aufrichtete, sich allerdings keinen weiteren Schritt auf sie zutraute. Weil sie gerade mit jeder Faser ihres Körpers diese Zerbrechlichkeit, diese Scheu wie bei einem wilden Reh ausstrahlte, das jederzeit verschreckt davonspringen konnte. Und vor allem... Vor allem waren es ihre Worte, die ihn schockiert inne halten ließen. „Ja, das ist schlimm.“
Verzweifelt blickte er sie an, weil er nicht wusste, was er sagen sollte. Weil er nicht wusste, was sie meinte. Und er wünschte sich mit ihren weiteren Worten schon wieder, dass er das nie losgetreten hätte.

Fassungslos machte er einen Schritt auf sie zu: "Das kannst du nicht ernst meinen!" Wieso glaubte sie das? Dass sie es nicht verdient hatte, dass sich jemand um sie sorgte...? Doch schnitt sie ihm jedes weitere Wort ab, überraschend energisch: „Und du hast es auch nicht verdient." Aber... "Vorhin hast du gesagt, dass Freunde so wären. Ich kann dir sagen, wie diese Freundschaft aussähe.“ Sie spie ihm die Worte förmlich entgegen. Aber es war nicht unbedingt das, was sie sagte. Auch, aber nicht hauptsächlich. In ihrer Stimme fand er so viel Schmerz, so viel Verlust und Verrat wieder, dass es ihn beinahe körperlich schmerzte. So viel Trauer. Und auch Wut. Eine Wut, die sich jetzt über ihn ergoss, und er verstand. Er schwieg, ließ es über sich ergehen, weil er verstand.

Doch dann begann sie zu stocken... Dann würde... was? Sie hatte sich von ihm abgewandt, ihm den Rücken zugekehrt und er machte wieder einen vorsichtigen Schritt auf sie zu, versuchte stumm, ihr die Antwort zu entlocken, die sie aber selbst nicht finden konnte, wie es schien. Es nicht aussprechen konnte... Er wusste, wie das war, wenn da etwas ganz massiv das blockierte, was man gerne sagen würde. Auch wenn es bei ihm natürlich etwas anderes war, als bei ihr. Sie setzte mehrfach an, aber nichts schaffte es über ihre Lippen. Nur das Beben ihrer Schultern konnte er sehen. Schuldbewusst wollte er etwas sagen, irgendetwas, doch kam sie ihm zuvor. Fuhr so plötzlich und vor allem mit so wütender Miene zu ihm herum, dass er erschrocken einen Schritt zurückwich. Doch als sie weitersprach, ihre Stimme immer lauter wurde, da war ihm klar, dass das nicht nur Zorn auf ihn war. Das Zittern verriet sie. Das Glänzen in ihren Augen, das sich langsam zu einer Träne formte und über ihre Wange rollte, während sie ihm ihr Herz ausschüttete. Wortwörtlich das vor ihm aussprach, was ihr solche Angst bereitete.

"...Und dann würdest du gehen, weil du es nicht mit ansehen kannst... oder willst. Wie alle andern auch!“ 
Es brach ihm beinahe das Herz, sie so zu sehen. So verzweifelt. Die Mauern so hochgezogen, weil sie Angst hatte, jemanden an sich heranzulassen. Angst, dass sie im Stich gelassen wurde... Wer hatte ihr das nur angetan...? Santos konnte nichts anderes tun, als einen Moment lang vollkommen betäubt den Kopf zu schütteln, während sie sich wieder etwas sammelte. Leiser hinterhersetzte: „Du würdest einfach gehen." Sie sagte das, als wäre es ein Fakt. Als hätte sie sich jetzt schon damit abgefunden und es war das Traurigste, was Santos je gehört hatte. Und es tat so weh. Verzweifelt erwiderte er ihren Blick. Weil er es ihr nicht sagen konnte. Wenn sie nur wüsste, wie lange er schon bei ihr war... Wie lange er das schon aushielt. Und nie war ihm auch nur ansatzweise in den Sinn gekommen, dass er sie deswegen nichtmehr würde sehen können... Wenn sie nur wüsste... "Und ich ertrage es nicht noch einmal... jemanden zu verlieren, der mir wichtig ist."

Unter diesen letzten Worten gab sie ihren Widerstand vollends auf. Wirkte richtiggehend erschöpft plötzlich. Müde irgendwie... Resigniert. Santos hatte gewusst, welche Wunden sie mit sich herumtragen musste. Aber wie tief sie tatsächlich saßen, das hatte er sich nicht im geringsten vorstellen können. Und wie sie da stand, vollkommen verloren in der Eiseskälte, ohne diese überhaupt wirklich wahrzunehmen in ihrem verzweifelten Zustand... Da konnte er überhaupt nur eine Entscheidung treffen. Eine, die vermutlich so falsch, aber eben doch die einzig Richtige war.

"Ich gehe nirgendwo hin", erklärte er nachdrücklich, aber doch sehr sanft. Langsam trat er an sie heran, vorsichtig und sehr darauf achtend, ob sie das zulassen würde. Und einen Moment lang stand er ihr einfach nur gegenüber. Es war schwer, Worte zu finden. Nach all dem, was sie ihm gerade gesagt hatte. Also griff er vorsichtig nach ihren Händen und umschloss sie mit seinen. Die ihren waren eiskalt geworden... Er kühlte nach dem Laufen nun zwar auch langsam aus, aber dennoch waren seine Hände viel wärmer. Santos fror nur sehr selten, was ihm bei Wetter wie diesem sehr zu Gute kam. Er konzentrierte sich ganz darauf, ihre zarten, kleinen Hände sachte in seinen zu reiben, um ihr Wärme zu spenden, während er langsam versuchte, die richtigen Worte zu finden: "Ich weiß, dass es schwer ist." Jemandem zu vertrauen, wo doch die ganze Welt einen zu betrügen schien. "Und ich kann mir nicht im Geringsten vorstellen, wie das sein muss. Aber wenn du es nie wieder versucht, wirst du nie wissen, ob es nicht vielleicht doch jemanden gibt, der zu dir steht. Und wenn du es zulässt, wenn du dich traust, wer weiß..." Er hob ihre Hände in den seinen an seine Lippen und pustete sie sachte wärmend an, während er sie weiter rieb, blickte ihr dabei unverwandt in die Augen und ein zaghaftes Lächeln schlich sich an seine Mundwinkel. "Vielleicht überrascht dich diese Person ja sogar."
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Lovelle Dubois am Di 10 Okt - 0:28:32

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:43 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

“Ich gehe nirgendwo hin.“

Seine Worte hörte sie wie in einer Trance, aus der sie erst erwachte, als er direkt vor ihr stand und nach ihren Händen griff. Vorsichtig hob sie den Blick und betrachtete ihn. Er war noch da. Und er hatte gesagt, dass er nicht gehen würde. Aber hatte das nicht jeder? Jeder hatte ihr das geschworen und am Ende stand sie doch allein da.
Seine Wärme durchströmte sie, als er ihre Hände mit den Seinen umschloss. Sie merkte erst jetzt, wie kalt es eigentlich war und wie auf Kommando begann sie zu zittern. Als würde sich ihr Körper gerade erst wieder an die grundlegendsten Überlebensfunktionen erinnern.

"Ich weiß, dass es schwer ist." Wenn es doch bloß nur schwer wäre. Es war aufreibend, erniedrigend und ernüchternd. Ihr kleiner Ausbruch eben hatte diese Erkenntnis ans Tageslicht gefördert. Ganz, ohne es zu wollen, stellte sie gerade zum ersten Mal ihre Ehe ernsthaft in Frage und Schuld daran war der Mann, der hier draußen in der Kälte mit ihr stand, obwohl er das überhaupt nicht musste. Der nicht gegangen war, nachdem sie ihm eine ihrer hässlichen Seiten gezeigt hatte, nicht einmal nachdem sie ihn angeschrien hatte. Valéry hätte… er hätte sie dafür geschlagen.

Und sie stellte fest, dass sie Santos Reaktion viel lieber mochte. Für einen kurzen Moment schloss sie die Augen genoss einfach nur den Augenblick. Etwas, das sie schon Jahre nicht mehr getan hatten.

"Aber wenn du es nie wieder versucht, wirst du nie wissen, ob es nicht vielleicht doch jemanden gibt, der zu dir steht.“ Da war was dran. Sie schlug die Augen wieder auf und sah ihn an. Wie er da stand, so nah, das Licht der Straßenlaterne im Rücken, das ihn leuchten ließ. Es hatte zu schneien begonnen und die kleinen, weißen Flocken legten sich wie Federn auf seine Haare, die nicht wie im Café, in einem Zopf steckten, sondern locker in seine Stirn fielen.

“Und wenn du es zulässt, wenn du dich traust, wer weiß..."

Sie schaute ihn fragend an. Wer wusste was? Dann hob er ihre Hände an seine Lippen und die Wärme, die nur für ihre Hände bestimmt war, breitete sich in Sekundenschnelle in ihrem gesamten Körper aus. Ihr wurde schlagartig heiß, was sich prompt auf ihren Wangen widerspiegelte, die einen leichten Rotton annahmen. Und dass er sie dabei unverwandt ansah, machte es nicht besser.

"Vielleicht überrascht dich diese Person ja sogar." Und hier und jetzt, in dieser kalten Dezembernacht, glaubte sie ihm.

Sie wusste nicht, wie lange dieses Gefühl anhalten würde. Ob es ein paar Stunden dauerte oder in den nächsten Minuten bereits wieder verblasste. Aber sie glaubte ihm, dass jemand sie überraschen könnte. Dass er sie überraschen konnte. Sie erwiderte schüchtern sein Lächeln und senkte dann schnell den Blick, um mit ihren Schuhen ein kleines Steinchen wegzukicken. Das Gefühl in ihren Füßen, die nur in Absatzschuhen mit filigranen Riemchen steckten, war schon lange verschwunden und sie würde es morgen sicher bitter bereuen. Aber den Augenblick eintauschen für warme Füße? Nein, das würde sie nicht.

Dennoch übermannte sie nun eine bleierne Schwere, die nicht verschwinden wollte und bevor sie wusste, was sie tat, ließ sie sich gegen ihn sinken, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. „Ich würde mir das wirklich wünschen“, reagierte sie dann endlich. „Ich würde es mir wirklich wünschen… Dass du bei mir bleibst.“
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Santos Chapman am Di 10 Okt - 18:06:06

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:43 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Der Anflug eines Lächelns auf ihren hübschen Lippen war eine Erleichterung und vermochte sowohl seine Innere, als auch die äußere Anspannung zu lösen. Trotz der Kälte färbten sich ihre Wangen leicht rot und schüchtern blickte sie zwischen ihnen beiden zu Boden. Santos mochte es, wenn sie das tat. Sehr sogar... Einen kleinen Moment lang wirkte sie dann immer so... Unschuldig. Als hätte sie nicht schon die schlimmsten Seiten dieser Welt gesehen. 

Und im nächsten Moment passierte etwas, womit er nicht wirklich gerechnet hatte. Lovelle sank in seine Arme. Überrascht blickte er auf ihren dunklen Haarschopf hinunter schloss allein schon reflexmäßig seine Arme um sie. Und mit der unerwarteten Nähe - kam auch die Kälte. Selbst durch seine Jacke, aber vor allem an der Nähe zu ihrem Gesicht konnte er spüren, dass sie vollkommen ausgekühlt sein musste. Ohne überhaupt erst darüber nachzudenken, griff er zwischen sie beide und öffnete den Reißverschluss seiner Jacke. Nahm die Zipfel zwischen die Finger, legte die Arme um Lovelle und drückte sie an sich, eingehüllt in seine Jacke. Konnte nicht anders, als die Nase in ihren Haaren zu vergraben und die Nähe zu genießen.
„Ich würde mir das wirklich wünschen“, sagte sie, „Ich würde es mir wirklich wünschen… Dass du bei mir bleibst.“ 

Sein Herz schlug aufgeregt gegen seine Brust unter ihren Worten und ein Kribbeln ging durch seinen Magen. Eines der Art, das nicht da sein sollte. Und mit einem Schlag wurde ihm das bewusst, was er, vielleicht bewusst, vielleicht unbewusst, verdrängt hatte. Wieso er das alles tat. Ihre Nähe suchte. Mit ihr litt. Wieso sein Herz schneller schlug, allein nur, wenn er sie sah.

Verdammt...

Santos war mehr als gewillt, das bei Seite zu schieben für den Moment. Was das bedeutete. Was es für Auswirkungen haben würde. Was er würde wegstecken müssen... Er schloss die Augen und versuchte, einfach nur den Moment festzuhalten. Bevor es real werden würde. Bevor sie zurückgingen in die Welt, in der er ein Kellner war und sie eine High Society Politiker-Ehefrau. 

"Dann werde ich das auch tun", sagte er leise und drückte sanft seine Lippen auf ihren Scheitel. Es war ein Versprechen, von dem er unmöglich wissen konnte, ob er es auch einhalten konnte. Wenn erst einmal der Krieg losbrach, wirklich losbrach - keiner wusste, was dann passierte. Aber hier, im Moment, mit ihr in seinen Armen... Da fühlte sich plötzlich alles möglich an. 

"Du holst dir eine Erkältung...", flüsterte er und wagte es nicht, sie loszulassen. Weil es sich so gut anfühlte, sie so nahe bei sich zu haben und die Art, wie sie sich an seine Brust schmiegte. Vermutlich deswegen sprach er nicht das aus, was er eigentlich sagen sollte. Vernünftigerweise. Musst du nicht nach Hause...? 
Er wollte nicht, dass sie ging. Zurück in ihre persönliche Hölle musste. Er wollte einfach nur ewig mit ihr hier sein, im leichten Schneeregen und unter dem Mantel der Stille des nächtlichen Parks.
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Lovelle Dubois am Di 10 Okt - 19:15:24

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:49 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Seine Wärme kroch langsam in ihren kalten Körper und es tat so unendlich gut. Eingeschlossen in seine Arme und Jacke fühlte sie sich geborgen und hatte das Gefühl, dass ihr hier und jetzt gar nichts Schlimmes passieren konnte und am liebsten wäre sie hier die ganze Nacht gestanden. Mit ihm.

"Dann werde ich das auch tun" Seine Worte ließen sie leise Seufzen und als er ihr einen leichten Kuss auf die Haare drückte, entspannte sie sich merklich. Als er allerdings davon sprach, dass sie sich womöglich erkälten würde, rutschte sie noch etwas näher zu ihm. Mehr noch, sie hob die Arme und schob sie unter seine Jacke, um ihn nun auch ihrerseits festzuhalten. „Ist mir egal“, sagte sie und ihr leichter Trotz schlich sich zurück in ihre Stimme. „Ich will nicht nach Hause. Ich kann nicht. Nicht heute Nacht.“

Während sie dastanden und redeten, nur auf sie beide konzentriert, war eine junge Frau den Weg entlanggekommen, die gerade in diesem Augenblick an ihnen vorbeilief. Sie war fast vorüber, als sie doch innenhielt und genauer hinsah. “Lovelle?“

Selbige horchte alarmiert auf und sprang sofort einen Schritt zurück, weg aus den schützenden Armen, in denen sie gerne noch etwas verweilt wäre. Schnell ratterte ihr Hirn und versuchte das Gesicht einem Namen zuzuordnen. „Clarice?“

Diese allerdings schaute Santos unverwandt an, mit einer Mischung aus Belustigung und Irritation. “Na, sieh man einer an. Du bist endlich zu Vernunft gekommen und hast dir einen ordentlichen Kerl geangelt. Wurde ja auch Zeit.“

Lovelle klappte die Kinnlade runter und sie war unfähig zu antworten, also drehte sich Clarice zu ihr um. “Kein schlechter Fang, wenn man-“, sie unterbrach sich selbst und trat näher, und als ob ihre tränenverschmierten Augen nicht Beweis genug gewesen wären, hob sie die Hand und drehte Lovelles linke Wange zu sich, auf der der blaue Fleck zwar deutlich verblasster, aber immer noch zu erkennen war. “Ich hab‘ mich wohl getäuscht“, sagte sie und konnte die Enttäuschung in ihrer Stimme nicht verbergen, bevor sie sich wieder an Santos wandte. “Viel Glück“, sagte sie. “Du wirst es brauchen.“

Dann setzte sie ihren Weg fort und hob im Vorbeigehen die Hand zum Gruß. „Clarice!“ Lovelle fand endlich ihre Stimme wieder und machte einen Schritt auf ihre alte Freundin zu, aber geriet ins Straucheln, weil ihre Füße ihren Dienst versagten. „Clarice!“ Aber sie drehte sich nicht noch einmal um und ging einfach weiter. Es war echt zum verzweifeln. Konnte nicht einmal irgendwas normal verlaufen? Nur einmal?

„Entschuldige, bitte. Das war Clarice. Sie war mal meine beste Freundin“, sagte sie zu Santos und hatte das Gefühl, dass der Zauber jetzt gebrochen war. Nur zu gerne wollte sie zurück in seine Arme und die Welt wieder vergessen, aber wie lange würde es wohl diesmal anhalten? Sie schickte ein kurzes Stoßgebet gen Himmel und strich sich anschließend eine Strähne aus dem Gesicht.

„Lass uns irgendwas unternehmen.“
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Santos Chapman am Di 10 Okt - 23:54:17

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:49 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Ihre Arme schlangen sich um seinen Rücken und ein warmer Schauer ging durch seinen Körper. Machte ihm bewusst, wie lange er selbst schon nichtmehr umarmt worden war. Wie sehr es ihm gefehlt hatte und wie einsam er sich manchmal fühlte. Er war und blieb hier irgendwie fremd. Er hatte Freunde gefunden, ja. Freunde, die er irgendwann betrügen würde zwangsweise. Vermutlich deswegen hatten sich nie innigere Beziehungen geknüpft, weil er das eben wusste. Seine Freundschaften waren wie das gesamte Kapitol. Einfach oberflächlich geblieben.
"Ist mir egal", hörte er sie murmeln, gedämpft von seinem Shirt und er schnaubte einfach nur wohlig als Zustimmung: "Mh hm..." Dass sie nicht nach Hause wollte, konnte er ja nur zu gut verstehen, aber... So ungern er es auch ansprach, vor allem in diesem Moment, wo er eigentlich nichts, und schon gar nicht Lovelles Mann, Raum einräumen wollte, aber der war eben doch ein Thema. Eins, das wohl von jetzt an noch sehr viel mehr ständig über ihnen schweben würde. Ob ausgesprochen oder nicht. "Wird das... deinem Mann nicht auffallen...?", presste er hervor. Nichts würde er sich mehr wünschen, als sie einfach zu 'entführen', aber der Faktor X war nunmal da. Sehr viel früher, als er hätte sein sollen.

“Lovelle?“

Die fremde Stimme ließ Santos erschrocken hochfahren und auch Lovelle wand sich sofort aus seinen Armen und brachte Abstand zwischen sie beide. Verdammt...
Der Besitzer der Stimme war eine junge Frau die sie beide jetzt neugierig musterte. Santos Magen fuhr zusammen. Wie hatten sie so unaufmerksam sein können... Vollkommen versunken in den Moment hatte er alles ausgeblendet. Einfach alles und das war ein furchtbarer Fehler.

Lovelle schien die Dame ebenfalls zu kennen und zu seiner Überraschung... War da weniger schreck in ihrer Stimme, als er erwartet hätte. Viel mehr... Überraschung. Aufmerksam begegnete Santos dem Blick der Fremden, die nun ihn fixierte und prompt mit einer Meinung nicht hinter dem Berg hielt... Und das, was sie da sagte, ließ ihm einen Moment lang den Mund offen stehen und er sah kurz zu Lovelle, dann wieder zurück zu der anderen jungen Frau. Lovelles Ehemann schien ja nicht nur Fans an Unwissenden zu haben... Santos wollte schon etwas entgegnen, doch fuhr die Fremde auch schon fort: “Kein schlechter Fang, wenn man-“ Sie stockte so plötzlich, dass er noch nichteinmal Zeit hatte, wegen der Annahme unwohl auf der Stelle zu treten. Denn plötzlich trat sie auf Lovelle zu und Santos verspannte sich sofort, beobachtete sehr, sehr genau, was da vor sich ging, doch kurz, bevor er dazwischen gegangen wäre, entließ die junge Frau sie wieder aus ihrem Griff, stellte missmutig fest, dass sie sich wohl getäuscht hatte.

Er wurde nicht schlau aus ihr... Wer war sie? Jemand aus ihrem früheren Leben? Jemand, der Bescheid wissen musste, da war er sich mittlerweile sicher...

“Viel Glück. Du wirst es brauchen", meinte sie zu ihm und ließ ihm wieder keine Zeit, um zu antworten, drehte sich einfach um und ging weiter. Santos sollte froh darum sein. Er war ziemlich sprachlos und versuchte immernoch, diese Begegnung einzuordnen, während Lovelle ihr hinterherrief, den schwachen Versuch unternahm, ihr zu folgen, doch ihre Schuhe auf dem glatten, maschigen Nass erlaubten ihr das nicht. Sofort war Santos wieder an ihrer Seite und legte einen Arm um ihre Taille, damit sie nicht stürzte.

Nachdenklich blickte er der Frau hinterher, die sich nicht einmal mehr zu ihnen umgedreht hatte. Eine ehemalige Freundin von ihr war das also...? "War?", hakte er besorgt nach. "Denkst du, sie wird jemandem sagen, dass... dass wir zusammen hier waren?"

Die Begegnung schien sie wie... wachgerüttelt zu haben. Und es wirkte ein bisschen, als müsste sie erst all ihren Mut zusammennehmen, doch als sie sagte, sie sollten etwas unternehmen, da klang sie ziemlich überzeugt, dass sie das wirklich wollte. "Was... möchtest du denn unternehmen?", fragte er zurück unter einem unsicheren Lächeln. Vor allem... Wo könnten sie hingehen, ohne dass die Gefahr bestand, dass sie das bald schon wieder bitter bereuen würde? Er wollte sie auf gar keinen Fall in Gefahr bringen. In den Stadtteil, in dem er wohnte, verirrten sich eher selten die wirklich reichen Leute, aber es gab eben auch nicht wirklich nette Lokale, die er ihr zumuten könnte. Die... ja, eher Kneipen wären vermutlich der reinste Kulturschock für sie. Da fiel ihm eigentlich nur eins ein, das einigermaßen sicher war. Er zog die Schultern hoch und lächelte ein wenig schüchtern: "Ich könnte eine warme Decke, Tee, Mikrowellenpopcorn und einen unheimlich schlechten Film anbieten?" Das klang ausgesprochen noch viel schäbiger, als es das in Gedanken sowieso schon getan hatte. Vermutlich würde sie ihm den Vogel zeigen...
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Re: Park am Stadtrand

Beitrag von Lovelle Dubois am Mi 11 Okt - 0:41:29

4. Dezember im Jahr der 75. Hungerspiele
21:45 Uhr
Lovelle Dubois & Santos Chapman

Als fragte, ob Ihr Abwesenheit Valéry nicht auffallen würde, konnte man förmlich seinen Unwillen spüren, mit dem er die Worte aussprach. Sein Name war in ihren oberflächlichen Gesprächen im Café hin und wieder mal gefallen, aber das war nie irgendwie komisch gewesen. Jetzt schon. „Nein“, antwortete Lovelle leise. „Früher bin ich immer … danach … geflüchtet und hab mich bei meiner damaligen Freundin verkrochen. Und später bin ich in Cafés gegangen. So bin ich auch bei euch gelandet. Er kennt das also schon. Außerdem war er nur kurz da. Er ist eigentlich bis Ende der Woche auf Dienstreise“, fügte sie noch als Erklärung hinzu.

Und einen Augenblick später tauchte ebendiese alte Freundin wie aus dem Nichts neben ihnen auf. Clarice hatte schon immer das Talent überall zu sein, wo sie nicht sollte und ihre Eltern sagten immer, dass an ihre eine Journalistin verloren gegangen sei. Aber sie war genauso schnell weg, wie sie aufgetaucht war und ließ ihr nicht einmal die Chance sich zu erklären. Wieder durchzuckte sie ein fieser Schmerz in der Brust, als ihr klar wurde, wie sehr sie ihre Freundin vermisste.

Ihr Blick huschte zu Santos, der genauso verwirrt drein schaute, wie sie sich fühlte und beinah wäre sie gestürzt, als sie versuchte Clarice hinterherzulaufen, um zu fragen, was das sollte. Zum Glück legte sich ein starker Arm um sie und hielt sie fest, sonst hätte sie wohl nähere Bekanntschaft mit dem Boden gemacht.

Auf ihre Erklärung hin, wer das gewesen war, erkundigt er sich warum Lovelle in der Vergangenheit gesprochen hatte. „Das ist es, was ich vorhin meinte“, seufzte sie. „Irgendwann sind bisher alle gegangen.“ Sie klang nicht vorwurfsvoll, sondern vielmehr neutral.

"Denkst du, sie wird jemandem sagen, dass... dass wir zusammen hier waren?"
„Nein. Nein, ich glaube nicht. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass sie die ganze Zeit gehofft hatte, dass… äh… sowas … paßiert.“ Prompt schoss ihr wieder die Röte ins Gesicht. Hieß das, dass Clarice sie noch nicht ganz aufgegeben hatte. Um ihren Kommentar zu überspielen schaute Lovelle auf die Uhr. „Die Sondersendung muss vorbei sein. Vermutlich war sie auf dem Heimweg“, murmelte sie. Mehr zu sich selbst, als als wirkliche Information.

Und dann gab sich Lovelle einen Ruck und schlug Santos, etwas mit ihr zu unternehmen. "Was... möchtest du denn unternehmen?"
„Mir egal. Irgendwas.“
"Ich könnte eine warme Decke, Tee, Mikrowellenpopcorn und einen unheimlich schlechten Film anbieten?"
Zum ersten Mal an diesem Abend huschte ein ehrliches, wenn auch amüsiertes Lächeln über Lovelles Gesicht. „Klingt perfekt.“

Und das tat es wirklich. Sie war so oft in irgendwelchen Schickimickiläden, dass die Aussicht auf einen simplen Sofaabend regelrecht verlockend schien. Das klang nach früher, nach zu Hause. „Aber wehe du lachst mich aus, wenn ich mich erschrecke“, murmelt sie, hakte sich bei ihm unter und ganz automatisch lehnte sie den Kopf wieder an seinen Arm, als sie die Richtung zu seiner Wohnung einschlugen.

Nach ein paar Metern allerdings konnte sie nicht anders, als Clarice Worte doch noch zu kommentieren: „ Du bist also kein schlechter Fang ?“
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Alter: 26
Wohnort: Kapitol

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